Frage von Scrubber83, 91

Ist die Pflichtteil-Berechnung doch so schwierig?

Hallo :)

Ich möchte ein Anliegen schildern, da es - trotz Recherchen - nicht eindeutig für mich ist und ich der Meinung bin, dass das Ergebnis durch andere schlicht falsch ist.

Nehmen wir mal an, der Erblasser hinterlässt ein errechnetes Gesamtvermögen (nennt man wohl dann Erbmasse, wenn ich das richtig verstanden habe) in Höhe von 100.000 EUR (der Einfachkeit halber nehmen wir einfach diese Summe). Er lebt von der Ehefrau zwar getrennt, aber ist nicht geschieden. Keiner der Parteien hatte auch jemals einen Antrag auf Scheidung gestellt. Der Erblasser hat meinetwegen 6 Kinder. Von den 6 Kindern sollen 3 einen Pflichtteil erhalten, die anderen 3 sind die Haupterben.

Somit ergäbe sich für mich folgende Interpretation:

100.000 geteilt durch 2 = 50.000 geteilt durch 1/24 (1/4 bei 6 Kindern) = 2.083,33 EUR Pflichtteil für jedes der pflichtteilsberechtigten Kinder.

Die Ehefrau würde in diesem Falle NICHT gesetzlicher Erbe werden, da ihr "Erbe" durch das Testament des Ehemannes auf den kleinen Pflichtteil beschränkt wurde. Nach meiner Interpretation müsste diese noch Anspruch auf den Zugewinnausgleich (50%) haben, so dass sich die Erbmasse halbiert. Somit käme man auf o. g. 2.083,33 EUR, da sich die Erbmasse um 50% reduziert hat.

Ist meine Ansicht so korrekt?

Ich dachte, das wäre alles viel einfacher... :(

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Antwort
von expermondo, 5

Hallo Scrubber83,

Schau mal bitte hier:
Recht Steuern

Expertenantwort
von imager761, Community-Experte für Recht, 67
  1. Nach der gesetzl. Erbfolge und im Güterstand der Zugewinngemeinschaft verheiratet, beerbt die Ehefrau halftig neben den Kindern den Erblasser.
  2. Durch Entewrbung auf den kleinen Pflichtteil gesetzt, kann sie einschl. pauschalierten Zugewinn 3/8 des Reinnachlasses von den drei Erben beanspruchen, die enterbten Geschwister den zu ihrern Erbqoute hälftigen Pflichtteilsanspruch.
  3. Geerbt wird vom Reinnachlass, also dem, was nach Abzug (auch hälftig gemeinsamer) Verbindlichkeiten und den Beerdigunbgskosten verbliebe, der sog. Reinnachlass.
  4. Dessen Wert erhöht sich durch lebzeitige Schenkungen des Verstrobenen sowie durch anrechenbare Ausstattung seiner Kinder gem § 2325 BGB. Dieser erhöhte, sog. fiktive Reinnachlass bildet die Bemessungsgrundlage der Pflichtteilsberechtigten zur Pflichtteilsquote.

G imager761

Antwort
von Erbrecht12, 45

Ja, die Pflichtteil-Berechnung kann sehr kompliziert sein!

Wenn der Erblasser tatsächlich im Güterstand der Zugewinngemeinschaft verheiratet war und seine Ehefrau enterbt und ihr auch kein Vermächtnis zuwendet, dann muss man bei der Pflichtteilsberechnung Folgendes beachten:

Es findet KEIN pauschalierter Zugewinnausgleich statt (wegen § 1371 Abs. 2 BGB). Das bedeutet, die gesetzliche Erbquote der Ehefrau würde nur 1/4 betragen. Die übrigen 3/4 entfielen auf die 6 Kinder. Die gesetzliche Erbquote jedes einzelnen Kindes würde damit 3/24 betragen. Die Pflichtteilsquote der 3 enterbten Kinder beträgt dann pro Kind 3/48.

Anhand der Pflichtteilsquote des jeweiligen Kindes (3/48) berechnet sich aus dem Nettonachlass(!) der jeweilige Pflichtteilsanspruch.

Bei der Ermittlung des Nettonachlasses muss geprüft werden, ob der Ehefrau ein Zugewinnausgleichsanspruch zusteht. Dieser Zugewinnausgleichsanspruch muss allerdings konkret berechnet werden, da wegen § 1371 Abs. 2 BGB eine pauschalierte Berechnung des Zugewinns ausscheidet! Wenn sich also ergibt, dass der Ehefrau ein Zugewinnausgleichsanspruch zusteht, dann handelt es sich dabei um eine Nachlassverbindlichkeit, die von dem (positiven) Vermögen des Erblassers zunächst abzuziehen ist, um den Nettonachlass zu ermitteln.

Antwort
von Maximilian112, 49

Die Ehefrau erbt 50% die Kinder die anderen 50%. Wird einem gesetzlichem Erben nur der Pflichtteil zugestanden halbiert sich das persönliche Erbe.

MErachtens ist Deine Rechnung richtig (wenn Du von  50 000€ ausgehst, für die Kinder).

Antwort
von Scrubber83, 40

@imager:

Deine Ausführungen erscheinen zwar sicherlich Hand und Fuß zu haben, allerdings verstehe ich in diesem Juristendeutsch nicht wirklich alles.

Die Kernfrage ist vermutlich:

Der Pflichtteil der Kinder: bezieht der sich auf die Gesamterbmasse (100.000) oder auf die 50 %, die verbleiben?

Zweite Frage:

Sind es denn überhaupt die 50%, wenn man noch verheiratet ist und der Zugewinnausgleich "greift"?

Kommentar von imager761 ,

Der Pflichtteil der Kinder: bezieht der sich auf die Gesamterbmasse (100.000) oder auf die 50 %, die verbleiben?

So wie ich schrieb "vom Reinnachlass, also dem, was nach Abzug (auch hälftig gemeinsamer) Verbindlichkeiten und den Beerdigungskosten vom Vermögen des Erblassers verbliebe".

Davon wird nichts an Zugewinnausgleich abgezogen: Die Witwe bekäme neben ihrem gesetzl. Pflichtteil von 1/8 zusätzlich pauschierten Zugewinnanspruch von 1/4 aus dem Reinnachlass, also 3/8 des Erbkuchens, jeweils in Geld.

Sind es denn überhaupt die 50%, wenn man noch verheiratet ist und der Zugewinnausgleich "greift"?

Nein, der pauschlierte Zugewinnanspruch betrag 25% des Gesamt-Reinnachlasses.

Antwort
von Scrubber83, 49

Der Inhalt des Links http://www.deutsche-anwaltshotline.de/rechtsberatung/101947-erbfolge-und-die-ber... würde meine Ansicht eigentlich bestätigen, aber so sicher bin ich trotzdem nicht...

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