Frage von nissancharly,

pflichtteil bei erbschaft

kann mir jemand sagen wie man seinen pflichtteil bei einer erbschaft berechnen kann. meine eltern besitzen ein haus das schuldenfrei ist. momentaner wert wenn man es verkaufen würde ca 180.000. das haus hat damals meine mutter von ihrer erbschaft bezahlt allerdings hat mein vater dafür gesorgt das beide als eigentümer im grundbuch eingetragen wurden. ich habe noch eine halbschwester. wir haben die gleiche mutter sie aber einen anderen vater. ich bin die leibliche tochter von beiden oben aufgeführten. meine mutter macht sich sorgen das im falle das sie einmal zuerst gehen sollte das mein vater später in seinem testament festlegen könne das haus solle gespendet werden oder ähnliches . meine mutter will schon läger das sie beide zum anwalt gehen und gemeinsam ein testament machen für das spätere erbe aber mein vater weigert sich. hat meine mutter die möglichkeit vielleicht allein ein testament zu machen und darin die erbschaft zu regeln oder muss mein vater da unbedingt mit unterschreiben? hat es auswirkungen auf den pflichtteil für meine schwester da sie ja nur die leibliche tochter meiner mutter ist? würde ihr evtl. weniger zustehen? was kann meine mutter tun um das erbe voll für uns zu sichern für den fall das sie vor meinem vater gehen sollte? wie würde der wert des hauses bei erbschaft berechnet werden und wieviel prozent würden uns beiden dann jeweils zustehen?

Antwort von fraggle16,

da dein Vater auch in das Grundbuch eingetragen wurde, gehe ich davon aus, dass keine Gütertrennung in der Ehe vereinbart ist. somit gehört beiden das Haus zu gleichen Teilen. Deine Mutter kann über ihre 50% des Hauses testamentarisch frei verfügen. Ist die Halbschwester von deinem Vater adoptiert? dann hat sie die gleichen Rechte am Erbe deines Vaters und deiner Mutter wie du selbst.

Sollte deine Mutter sterben, kann sie testamentarisch verfügen, dass ihr 2 als Vollerben eingesetzt werdet, damit euer Vater das Haus nicht verschenken kann. Dann jedoch könnte der Vater euch zwingen, seinen Pflichtteil auszuzahlen, was aber auf einen Zwangsverkauf des Hauses hinaus laufen würde/könnte, was er sicherlich auch nicht wollen würde.

So zumindest würde ich an Stelle eurer Mutter euer Erbe versuchen zu sichern. Der Pflichtteil an euren Vater wird also ausgesetzt und stattdessen lebenslanges Wohnrecht im Familienhaus zugesichert. Er selbst kann wiederum nach seinem Ableben testamentarisch nicht über das gesamte Haus verfügen, sondern nur über seine 50% + seinen Pflichtteil aus der Erbmasse deiner Mutter.

wenn wir jetzt bedenken, dass euch aus seiner Erbmasse auch wieder (solange deine Schwester zumindest adoptiert ist) gemeinsam 50% Pflichtteil zustehen, kann er das Haus gar nicht mehr spenden, das Testament würde hinfällig.

Wenn deine Schwester beim Ableben deines Vaters nicht erbberechtigt ist, ist dein Pflichtanteil = 50%, und das ganze kommt aufs gleiche raus.

so oder so, wenn deine Mutter euch bei ihrem Testament als Vollerben einsetzt, hat euer Vater ein Problem.

Kommentar von fraggle16,

ach gott, und eh ich's vergesse, auch wenn ich so schön ausufernd geschrieben habe, hier ist wirklich der Gang zum Rechtsberater vonnöten.

Kommentar von FordPrefect,

Gut geschildert, wobei von einer Adoption hier nicht auszugehen ist. Somit wäre der verbleibende Erbteil alleine Sache der leiblichen Tochter (beim Erbfall des Vaters).

Kommentar von fraggle16,

ausgehen würde ich davon auch, aber wissen tu ich's nicht :-)

Antwort von opikopi,

hallo. ziemlich knifflig. Also soweit ich weiß, ist das folgendermaßen geregelt, sofern kein Testament vorliegt: das Haus gehört deinen Eltern zu jeweils 50 %. sollte deine Mutter vor deinem Vater sterben, hat jeder von euch (dein Vater, deine Schwester und du) ein Anrecht auf je 1/3 des Anteils deiner Mutter = Hauswert: 180.000 davon 50% anteil deiner Mutter: 90.000, davon entfallen je 30.000 auf deinen Vater, deine Schwester und auf dich. Also könnt ihr theoretisch nach dem Tod der Mutter euren Pflichtteil beantragen. Das gleiche gilt auch für den Tod deines Vaters, wobei da deine Schwester keinen Anspruch hat, da sie nicht die leibliche Tochter deines Vaters ist (somit hättest du ein Anrecht von 45.000 und deine Mutter ebenfalls). Für den Fall, dass deine Mutter zuerst stirbt und dein Vater in seinem Testatment das Haus anderweitig verplant hat, gilt folgendes: In solchen Fällen stellen die gesetzlichen Vorschriften über den Pflichtteil sicher, dass die gesetzlichen Erben nicht vollkommen leer ausgehen.

Der Pflichtteil entspricht der Hälfte des gesetzlichen Erbteils. Er ist ein reiner Geldanspruch, der sich gegen den oder die Erben richtet. Ein Recht zum Besitz von Nachlassgegenständen gibt der Pflichtteilsanspruch nicht.

Du siehst, die Sache ist nicht ganz so einfach, am sichersten wäre es natürlich sich mit einem Anwalt über dieses Thema zu unterhalten, da diese immer noch einige Tipps auf Lager haben. Ich hoffe, das war nicht allzu verwirrend und hat dir vielleicht ein ganz klein wenig weitergeholfen. LG

Antwort von FordPrefect,

Diese Frage sollte ein RA beantworten.
Mal ganz kurz:
A) Der Wert einer Immobilie in schenkungssteuerlicher Hinsicht berechnet sich nicht aus geschätzten Vergleichen, sondern anhand der gültigen örtlichen Tabelle des Gutachterausschusses.
B) Deine Mutter kann natürlich auch alleine über ihr Vermögen verfügen, aber eben nur über ihres - was bedeutet, über die 50% ihres Anteils an der Immobilie.
C) Eine testamentarische Verfügung, der zufolge in dem genannten Szenario das Haus an einen Dritten vererbt wird, würde den Pflichtteilsanspruch der Nachkommen nicht negieren.
D) Deine Halbschwester steht Dir erbrechtlich gleich, was die Hinterlassenschaft Deiner (Eurer) Mutter betrifft.
E) Erbt Dein Vater nach dem Ableben Deiner Mutter alleine (testamentarisch -> Pflichtteil!), dann würde später nach seinem Tod Deine Halbschwester nicht mehr erben (da keine direkte genetische Linie).

Kommentar von fraggle16,

naja, der Vater würde ja, wenn die Mutter ihn "enterbt", nur seinen Pflichtteil bekommen, und die beiden Kinder als Vollerben eingesetzt werden.

Frage bleibt natürlich, ob es sich um Zugewinngemeinschaft oder Gütergemeinschaft handelt. Zweites würde bedeuten, dass der Pflichtteil größer ist, nämlich die Hälfte von 5/8 also 5/16 und nicht wie bei Zugewinngemeinschaft "nur" 1/4

Kommentar von FordPrefect,

Korrekt. Das ist ein vielschichtiges Thema, weswegen der Gang zum Fachanwalt sehr ratsam sein dürfte.

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