Frage von maipimaipi, 145

Pflichtanteil trotz Enterbung?

Guten Abend.

Die Mutter eines Freundes von mir ist vor 2 Wochen verstorben. Testamentarisch hat sie wohl festgelegt, dass ihr Mann, der "Adoptivvater" meines Freundes das gesamte Erbe erhalten soll, da sie ihrem leiblichen Sohn nichts hinterlassen wollte. Mein Bekannter hat keine Geschwister. Steht ihm trotz der Enterbung ein Pflichtteil zu? Und kann man ungefähr schätzen, um wie viel Prozent des Gesamterbes  es sich in etwa handeln würde ? Oder ist das von Fall zu Fall verschieden?

Mein Bekannter bekam zwar ein Schreiben der Staatsanwaltschaft, in dem stand, er könne einen Anteil einklagen, jedoch vermuten wir, dass seine Mutter keine rechtlichen Wege unausgelassen ließ, um ihm wirklich nicht mehr als ein paar obligatorische Cent zu überlassen. Ist das überhaupt möglich; sein leibliches Kind auch um den "Pflichtanteil zu enterben"? Oder würde ihm dieser in jedem Fall zustehen?

Hoffentlich ist meine Frage einigermaßen verständlich. Denn leider kenne ich mich nur sehr schlecht im Erbrecht aus.

Liebe Grüße ! Maipi

Antwort
von imager761, 77

Unterstellt, der Sohn wurde auch von der Erblasserin adoptiert (Ehegattenadoption), steht deinem Freund ein zu seinem gesetzlichen Erbrecht hälftiger Pflichtteil in Geld an Nachlass der Adoptivmutter zu.

Waren seine Adoptiveltern im gesetzl. Güterstand der Zugewinngemeinschaft verheiratete, (gemeinsam anteilig mit weiter Abkömmlingen der Erbalsserin) 1/4 ihrers Reinnachlasses, also an dem, was die Verstorbene nach Abzug der (auch mit ihrem Ehegatten hälftig gemeinsamen) Verbindlichkeiten und Bestattungskosten noch an Vermögen hinterlies.

Eine Versagung des Pflichtteils ist an konkrete Vorausetzungen der Erbunwürdigkeit gebunden.

Seine Vermögen kann man natürlich durch lebzeitige Verfügungen, Barentnahmen und nicht nachweiliche Zuwendungen soweit schmälern, dass der sprichwörtliche Cent für ungeliebt Erbbrerechtigte übrigbleibt.

Seinen Pflichtteilsanspruch kann man innerhalb von drei Jahren nach Kenntnis des Testamentes gegen die Erben geltend machen und dafür ein bewertetes Nachlassverzeichnis anfordern.

Von Klageerhebung rate ich zunächst ab, da sie die Auszahlung um Monate, gar Jahre verhindert.

G imager761




Kommentar von maipimaipi ,

Vielen Dank für deine ausführliche Antwort. 

Die Verstorbene ist die leibliche Mutter meines Freundes, er ist nur von ihrem Lebensgefährten, der noch lebt, adoptiert. Ich weiß nicht ob das was ändert? 

Also du würdest ihm davon abraten sein Erbe  zu einzuklagen? 

Vorausgesetzt, es ist davon überhaupt noch etwas übrig,  würde überhaupt eine Chance bestehen,  dass er die Hälfte des Pflichtanteils also 25% (?) des Gesamterbes nach einer Klage bekommt?

Oder rentiert sich auch deshalb eine Klage nicht, weil es vielleicht gar nicht sicher ist, ob ihm überhaupt 25% des Vermögens zustehen, weil er ja eigentlich enterbt wurde?

LG maipi

Kommentar von imager761 ,

Die Verstorbene ist die leibliche Mutter meines Freundes, er ist nur von ihrem Lebensgefährten, der noch lebt, adoptiert. Ich weiß nicht ob das was ändert?

Erheblich, wenn dein Freund als Minderjähriger adoptiert wurde. Dann erlosch das Erbrecht an den leiblichen Eltern, mithin der Erblasserin.

Nicht, wenn er das Stiefkind als seins annahm.

Also du würdest ihm davon abraten sein Erbe  zu einzuklagen?

Ja, weil die Verfahren langwierig und die Kosten immens sind. Sie schmälern als Nachlassverbindlichkeit das Vernögen, mindern damit auch seinen auskehrbaren Pflichteil.

Vorausgesetzt, es ist davon überhaupt noch etwas übrig,  würde überhaupt eine Chance bestehen,  dass er die Hälfte des Pflichtanteils also 25% (?) des Gesamterbes nach einer Klage bekommt?

Das würde er insoweit, als die Kosten dieser sog. Stufenklage als Erbfallverbinbdlichkeit erst vom Vermögen abgezogen würden, der Rest wäre Bemssungsgrundlage.

Er sollte - sofern er denn als Erwachsener adoptiert bzw. vom Stiefvater angenommen und damit pflichteilsberechtigt wäre - erst einmal ein bewertetes Nachlassverzeichnis anfordern. Ergäben Vermögen abzgl. Verbindlichkeiten und Bestattungskosten keinen fünfstelligen Reinnachlass, sollt er es lassen: Bei 2.500 EUR Pflichtteilsanspruch wäre das ein Nullsummenspiel.

G imager761



Antwort
von peterobm, 112

Der Sohn hat Anspruch auf sein Pflichtteil. Da nur 2 Personen als Erbe vorhanden sind, sind das 50%, der Sohn aber nur das Pflichtteil erhält sind das nunmehr 25%; also die Hälfte vom Erbteil. Das ist in Bar auszuzahlen. 

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