Frage von LeaMUC, 38

Pflegschaftsstellenprüfung - Unterlassene Meldung seitens der Jugendsozialarbeit - rückwirkende Leistungen?

Juni 2015: Der 17jährigen Freundin meiner Tochter ist aufgrund längeranhaltender Streitereien mit ihrer Mutter der Zugang in die Wohnung verwehrt worden (Mutter hat das Schloss ausgetauscht). Die verfahrene Mutter-Tochter-Beziehung war dem zuständigen Mitarbeiter der Jugendsozialarbeit bekannt.

Spontan bot ich dem Mädchen einen Schlafplatz bei mir an (statt Jugendheim!) und meldete dies umgehend dem JSA-Mitarbeiter. Es fand kurz darauf ein Gespräch statt. Die Mutter kann/wird wegen Arbeitslosigkeit/HartzIV keine Unterhaltsleistungen für Ihre Tochter zahlen, der getrennt-wohnende Vater ebenso. Ich bat den JSA-Mitarbeiter um Meldung zur Übernahme einer Pflegschaft, gleichzeitig wollte er die BAFöG-Möglichkeit prüfen.

Das Mädchen bekam ein eigenes Zimmer und wohnt seit gut 6 Monaten bei uns - komplikationsfrei und sehr harmonisch!

Das soll auch so bleiben - jedoch kann ich mir diese Charity auf Dauer nicht leisten. Ich bin alleinerziehend meine 17j. Tochter (besucht FOS) wohnt noch bei mir, meine beiden Söhne leben seit kurzem beim Vater wofür ich Unterhalt leiste, und bin arbeite 40Std/Wo. bei mittlerem Einkommen.

Es kamen nie Nachfragen/Eignungsprüfung vom Amt an mich, ebensowenig Fragen ob es dem Mädchen gutgehe - das erschien mir seltsam. Über die Stadt München erfuhr ich nun, dass noch gar kein Pflegschafts-Antrag gestellt wurde. Der JSA-Mitarbeiter begründete dies mit Vorrangigkeit anderer Fälle(!) und außerdem könne das Mädchen sich ja um BAFöG bemühen. BAFöG wurde trotz Widerspruch zweimalig abgelehnt, da dies nur bewilligt wird, wenn ein Wohnortwechsel zur Schule nötig wird. Dies hätte der Herr beim JSA doch wissen müssen.

Jenseits dieses massiven Ärgers über die laissez-faire Haltung ob der Versorgung einer Minderjährigen hätte ich folgende Fragen:

Kann die Pflegschaft für das Mädchen rückwirkend zum 1.6. beantragt werden (incl. entsprechender Leistungen, die bisher aus meinem eigenen knappen Budget bestritten wurden)?

Ist ein Pflegschaftsverhältnis überhaupt möglich wenn das Mädchen demnächst volljährig wird?

Gibt es andere Unterstützungsleistungen, die sie beantragen könnte, wenigstens für Schulausflüge, Fahrkarten, Taschengeld, etc? (sie erhält 180 Kindergeld und gibt mir die Hälfte davon)

;-)...und wo kann ich mich über Herrn X beschweren?

Ich möchte ergänzen, dass ich weder best-mother-Lorbeeren kassieren will, noch mich an dem Mädel bereichern will. Aber dass man in München mit 100€ all-in nicht auskommt dürfte klar sein. Ich halte Kontakt zu ihrer leiblichen Mutter - das Mädchen (ebenso wie deren ältere Schwester die sehr jung und aus gleichem Grund auszog) meidet den Kontakt zur Mutter.

Danke für alle hilfreichen Infos

Antwort
von DerHans, 23

Wenn du nachweisen kannst, dass hier das Jugendsozialamt nicht ordnungsgemäß die Anträge weiter geleitet hat, sind auch rückwirkend Zahlungen fällig.

Das kann man erst einmal "im Guten" klären. Mit Beschwerden läuft man schnell Gefahr, dass sich die Angelegenheit erneut "verzögert".

Natürlich muss man hartnäckig auf seinem Recht bestehen.

Kommentar von LeaMUC ,

Ja ich kann es nachweisen, es gibt entsprechenden Mailverkehr.

Du hast völlig Recht - das ganze emotionale muss raus. Ich werde die Sachlage jedoch (sachlich und mit deutlich weniger Details) bei der zuständigen Pflegschaftsstelle mit der Bitte um Bearbeitung vorbringen. Wenn sie erstmal amtsanhängig ist kommt der Informationsfluss vielleicht amtsintern etwas schneller zum Laufen.

LG

Antwort
von nurlinkehaende, 21

Wie wäre es wenn die junge Dame die 180 Kindergeld schon mal komplett abgibt und sich einen Schülerjob sucht, um wenigstens ihr eigenes Taschengeld selber zu bestreiten.

Rechtsinfo habe ich leider keine und mit München und Behörden habe ich persönlich megaschlechte Erfahrungen. Spezlwirtschaft ohne Dienstleistungsgedanke sind leider häufig, deutliche Ausnahmen und herausragende Unterstützung sind aber möglich. Eine Beschwerde könnte vertane Zeit sein, es könnte aber helfen, wenn Zeugen für die rückwirkende Beantragung von Leistungen ggfs. auch beim Arbeitsamt vorhanden sind. Zusatz: Vielleicht bekommt die junge Dame ja wenigstens einen Teil Hartz4 ...

Kommentar von LeaMUC ,

Das mit der Beschwerde war eher sarkastisch gemeint. Ich hab mir hier ein bisserl Luft gemacht, werde das aber nicht weitergeben - das bringt keinen weiter. Das Mädel geht 2-3mal wöchentlich Babysitten. Von dem Geld kann sie sich wenigstens leisten, mal mit Freunden ins Kino o.ä. zu gehen. Sie besucht die FOS Abschlussklasse und mir ist wichtiger, dass sie die erfolgreich abschließt.

Mir geht es eher darum, dass sie einen Versorgungszuschuss erhält bis sie mit der Schule fertig ist und selbst Geld verdient - sie ist sehr zielstrebig und wird ihren Weg gehen. Da bin ich mir sicher:-) 

Was das Thema Hartz4 betrifft... ich habe da eine argwöhnische Vermutung, dass das Kind von Amts wegen noch bei der Mutter wohnt, da diese vehement gegen eine Ummeldung ihrer Tochter protestiert hat. Ist auf jeden Fall eine gute Idee, dieser Möglichkeit mal nachzugehen. Danke Dir

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