Frage von Turm12, 95

Muss ich meine pflegebedürftige Mutter zur Kirche bringen?

Meine Mutter ist pflegebedürftig mit Pflegestufe 2. Sie ist recht dominant und sehr fordernd. Immer schon. Sie könnte problemlos 5 Leute täglich mit Aufträgen versehen und beschäftigen. Sie jammert und klagt viel und beschwert sich über meinen Vater. Beide machen sich schon seit 50Jahren gegenseitig das Leben zur Hölle.

Ich habe nach langem Ringen so etwas wie eine Abgrenzung für mich hinbekommen. Sprich - ich lasse sie nicht mehr so nah an mich ran. Zum einen um mich selbst zu schützen aber auch meine Familie. Ich habe zwei Kinder, einen Mann und bin mit 30 Std./Woche beruftstätig, Hund, Haus und Garten wollen auch versorgt werden. Außerdem kümmere ich mich eben um meine Mutter. Sie ist fast blind und Diabetikerin seit 58 Jahren mit allen möglichen Spätfolgen.

Aktuelles Thema ist jetzt der Kirchenbesuch. SIE WILL ZUR KIRCHE. Jeden Sonntag um 9:00 Uhr. Ich bin nicht gläubig und ehrlich gesagt, habe ich auch einfach genug Verpflichtungen. Sonntags steht schon immer der Spaziergang mit ihr an. Ich muss echt nicht auch noch jeden Sonntagmorgen mit ihr in die Kirche rennen. Selbst als sie noch alleine gehen konnte, war sie jahrzehntelang überhaupt nicht in der Kirche. Meinen Vater lässt sie dabei völlig außen vor. Der blockt das einfach ab und kümmert sich nur um das absolut nötigste. MIT IHM WILL SIE AUSSERDEM AUCH NICHT GEHEN!

Nerv.

Jetzt könnte ich das einfach abblocken. Aber ich habe ein schlechtes Gewissen. Sie ist halt alt und krank und möchte ja nur zur Kirche... Aaaber das ist ist es ja eben nicht alleine. Sie ist wie eine fordernde Krake. Aufträge über Aufträge. Ich habe so genug.

Dann wieder: "Die arme kranke Frau..." So geht das schon seit Jahren.

Wie komme ich aus diesem Dilemma aus schlechtem Gewissen und Selbstschutz?

Danke fürs Lesen - ist ein bißchen lang geworden, fürchte ich.

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Turbomann, 35

@ Turm12

Erst mal soviel. Es ist toll, wie du dich trotzdem um deine Mutter kümmerst und das ist auch gut so und ich denke mal, du musst dir auch später mal keine Vorwürfe machen.

Aber wenn deine Mutter so dominant ist und immer nur Forderungen an dich stellt, dann musst du trotzdem sie so krank ist, irgendwann mal die Reißleine kürzer ziehen.

Es wäre eigentlich die Aufgabe deines Vaters (sofern er noch in der Lage ist), sich in allererster Linie um deine Mutter zu kümmern.

Dein Vater kann sie zur Kirche fahren und wieder abholen, wenn er selber da nicht reinwill. Oder sie könnte mit anderen Kirchenmitglieder mitfahren.

Du hast auch deine Familie und wenn DU keine Kraft mehr hast, dann kannst du auch anderen nicht helfen und deiner Mutter auch nicht.

Deine Mutter ist krank und mit dem Handycap der Augen zusätzlich. Aber es darf trotzdem nicht soweit gehen, dass man - selbst als Kranker - dann ständig jammert und dich quasi schon etwas unter Druck setzt " die arme kranke Frau" um dir damit ein schlechtes Gewissen einzureden.

Auf der einen Seite kann man sie "etwas" verstehen. Dein Vater kümmert sich nicht um sie (wie du das schreibst) und dann wird ihr die Aufmerksamkeit (auch im zwischenmenschlichen Bereich) fehlen, die jeder braucht.

Will jetzt nicht deiner Mutter irgendwas unterstellen, aber ich erlebe das öfters, dass dann Menschen sich ihre Aufmerksamkeit quasi über ihre Krankheit holen, was meine Ahnung mit dem Satz bestätigen könnte "die arme kranke Frau". Das tun sie sicher nicht bewusst, sie merken es nicht einmal , dass es so ist. Das kann dir jeder Psychologe bestätigen.

Du schreibst sie ist sehr dominant. Dann solltet ihr euch mal zusammensetzen und tacheles reden.

Mache ihr klar, dass dein Vater der mit ihr zusammenwohnt, in allererster Linie sich um seine Frau kümmern muss. Zu dem Gespräch nimmst du deinen Mann mit, der hoffentlich auf deiner Stehe steht.

Dass du immer für sie da bist, aber dass du auch eine Familie hast, die dich braucht und zerreissen kannst du dich nicht.

Da wirst du vielleicht gegen eine Wand rennen, wenn deine Mutter sehr dominant ist. Sie ist das bis jetzt gewohnt dass du immer springst. Aber auch deine Mutter muss lernen, dass man von seinen verheirateten Kinder nicht ständig fordern kann, dass sie parat stehen, wenn sie ruft und jammert. Zumal dein Vater noch bei ihr ist und sie nicht völlig alleine dasteht.

Auch wenn sie dann im Moment etwas pikiert sein mag, lasse dich nicht umstimmen.

Hoffe, du verstehst meinen Kommentar richtig, wie ich das meine und was ich damit sagen will.

Drücke dir die Daumen, dass du die richtige Lösung findest.

Kommentar von Turbomann ,

Dankeschön für dein Sternchen

Antwort
von Hexe121967, 43

es ist immer schwer, wenn die eltern pflegebedürftig werden. es ist auch für deine mutter nicht leicht, auf hilfe angewiesen zu sein. dein vater hält sich ja scheinbar raus aus allem, nur er ist immer noch mit deiner mutter verheiratet. wenn alles stricke reissen, besorg eine betreuung für deine eltern. die übernimmt dann auch die kirchenbesuche.

Antwort
von turnmami, 24

Lass dir von deiner Mutter kein schlechtes Gewissen machen.

Du kümmerst dich eh um sie, aber sie kann nicht erwarten, dass du immer und jederzeit zur Verfügung stehst!

Ihr könnt ja einmal im Monat in die Kirche gehen, dafür entfällt der Spaziergang. Ansonsten kann sie sich einen Gottesdienst im Fernsehen ansehen.

Auch deine Familie hat ein "Recht" auf dich. Lass dich da nicht fertig machen.

Ich habe mittlerweile 3 Pflegefälle. Meinen Vater und meine beiden Schwiegereltern. Dazu gehe ich 30 Std arbeiten und habe 3 Teenager.

Meine Schwiegereltern würden mich auch sehr gerne durch die "Gegend sprengen", da ich ja jeden zweiten Tag zuhause arbeite. Aber ich muss/soll halt arbeiten und nicht meine Schwiegereltern in der Gegend rumfahren oder betüdeln.

Du musst deine Mutter hier einbremsen (auch wenn es ihr nicht gefällt) sonst bist du in Kürze selber total kaputt!

Antwort
von beangato, 47

Wenn Du nicht entschlossen "Nein" sagst, kommst Du da nie raus.

Und ein schlechtes Gewissen musst Du deshalb nicht haben.

Gibts in der Kirche niemanden, der sie abholen oder mitnehmen kann (Nachbarn vlt.?)

Kommentar von FuerstVerres ,

Ein Sohn hat sich um seine Mutter zu kümmern!

Kommentar von beangato ,

Aber nicht bis zur Selbstaufgabe.

Eine Tochter müsste das übrigens auch. Und im Übrigen bin ich w. Hab meiner Mutter auch geholfen, wenn es nötig war. Nur hat sie solche Ansinnen nie an mich gestelt.

Kommentar von Turm12 ,

Ich bin die Tochter. Nicht der Sohn.

Kommentar von Turm12 ,

Außerdem kümmere ich mich ja um sie. Sie ist bestmöglichst versorgt. ...bis auf diese Kirchengeschichte, die sie sich jetzt in den Kopf gesetzt hat. Nachdem sie, wie schon gesagt, jahrzehntelang überhaupt nicht dort war.

Kommentar von beangato ,

Mit dem Sohn war ich gemeint.

Wohl wegen dem "o" am Emde meines Namens grins

Kommentar von Turm12 ,

Ahh - ok.. Bin wohl immer noch im Rechtfertigungswahn. :)

Kommentar von FuerstVerres ,

Nein, ich meinte schon die Fragestellerin. ich hatte das Gefühl, sie wäre ein Mann. Verzeihung.

Kommentar von beangato ,

Gut.

Hast Du die Frage überhaupt richtig gelesen? Oder dachtest Du, da leben 2 Männer zusammen, die 2 Kinder erziehen?

Obwohl - soooo abwegig ist das heutzutage uch nicht :)

Kommentar von FuerstVerres ,

Nein, ich habe nicht richtig gelesen.

Antwort
von Allexandra0809, 52

Hatte eine so ähnliche Schwiegermutter. Auch sie wollte zur Kirche gebracht werden, als sie es nicht mehr alleine konnte.

Wir haben uns an den Pfarrer ihrer Gemeinde gewandt und der hat das dann organisiert, dass sie von einem anderen, jüngeren Kirchenbesucher abgeholt und wieder heimgebracht wurde.

Jetzt bist eigentlich Du an der Reihe, die Aufgaben zu verteilen. Deine Mutter kann fragen, ob Du ihr etwas hilfst und machst, aber nicht fordern. Du hast Deine eigene Familie, um die Du Dich kümmern musst. Nicht einfach, aber durchaus möglich.

Antwort
von Herpor, 28

Kompromiss finden: jede zweite oder dritte Woche genügt auch.

In den Intervallen kann sie auch den Gottesdienst im Radio oder im Fernsehen folgen.

Der Mann kann sich auch kümmern.

Was sie will oder nicht will ist dann zweitrangig.

Und ein guter Rat in eigener Sache: werd' erwachsen!


Kommentar von Turm12 ,

Hast recht. :/

Antwort
von FuerstVerres, 44

Gehe mit ihr hin!! Es ist wichtig, erfülle ihr diesen Wünsch. Bitte!!!! Die Gemeinde übernimmt sowas auch oft!!!!

Kommentar von turnmami ,

Jeden Sonntag? Wo bleibt dann die eigene Familie?

Kommentar von FuerstVerres ,

Der Sonntag ist der Tag des Herrn. Unddieser Tag ist da, um Gott zu preisen!!

Kommentar von turnmami ,

Ja FuerstVerres, ist schon recht...

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