Frage von Pasadena87, 192

Pferd zu dominant - was tun?

Ich habe seit neuem einen zehnjährigen Wallach zur "Pflege". Er war wohl vorher ein Problempferd und hat nun seit April eine neue Besitzerin, die sich nicht mehr traut ihn zu reiten, nachdem sie von ihm gestürzt ist und schwerer verletzt wurde. Es fängt damit an, dass wenn man ihn von der Weide holt, er total brav auf einen zukommt und sich auch ohne Probleme aufhalftern lässt - aber sobald man los geht fängt er zwischen dran an zu Zicken. Er läuft mir so und auch beim spazieren sehr dicht auf und wenn ich versuche ihn mit der Gerte auf Abstand zu halten oder etwas zu verlangsamen, klappt es nur teilweise. Es kann auch passieren, dass er mich mit dem Kopf anrempelt oder mir in die Fersen tritt, sobald der Weg enger wird und ich weiter vor gehen muss. Oder er bleibt einfach stehen. Wenn ich voran gehe oder mich umdrehe, fängt er an den Kopf zu heben. Werde ich energischer fängt er an zu drohen, macht Anstalten zu steigen. Will ich ihn seitwärts mit der Gerte an der Flanke antippen oder anders vorwärts bewegen, fängt er an sich zu drehen und droht dabei. Es muss dann jmd hinter ihm gehen und ihn mir der Gerte antippen, damit er sich widerwillig vorwärts bewegt. Vorallem an Stellen auf der Weide die etwas matschiger sind (was ich noch verstehen könnte, wenn er es sonst nicht tun würde), im Wald beim spazieren oder auf dem Platz... Auf dem Platz folgt er einem und bleibt stehen, wenn man stehen bleibt, macht jeden Richtungswechsel und auch Rückwärtsrichten mit (obwohl er sich bei letzterem heute auch 2x geweigert hat). Er trabt auch an... allerdings läuft er mir dann sehr dicht auf und legt gerne die Ohren dominant an - womit ich auch noch einigermaßen umgehen könnte, ich hatte schonmal ein etwas schwierigeres Pony vor einiger Zeit... Aber ich habe ernsthaft Probleme ihn wegzuschicken. Er dreht sich nur um mich herum und werde ich energischer, schwinge den Strick oder die Gerte wird er nur schlimmer, hebt drohend den Kopf und macht Anstalten zu steigen und lässt sich nicht mal seitwärts berühren. Also kann ich ihn auch nicht longieren oder frei laufen lassen ... da er wenig bewegt wird, dachte ich, es sei gut ihn erstmal so etwas auszulasten. Wie schaffe ich das ? Ich reite seit vielen Jahren. Aber ich hatte noch nie ein Pferd, dass sich nicht wegschicken ließ. Und ich lese im Internet über viele eher gewalttätige "Respekt-Handlungen", von denen ich nicht viel halte, zumal ich denke, dass es bei seiner Dominanz nachher dazu führt, daß er steigt und ich wirklich was abbekomme oder etwas ähnlich gefährliches für ihn oder mich. Ich habe auch vor ihn irgendwann zu reiten. Aber ich möchte erstmal eine Vertrauensbasis und Respekt herstellen. Auch weil ich nun einige Zeit nicht mehr geritten bin, da ich mein Pferd nach unheilbarer Hufkrebserkrankung einschläfern lassen musste. Ich beginne gerade an geschulten Pferden mein "Reiter Gleichgewicht " wieder herzustellen :-). Ich fühle mich etwas eingerostet und unsicher nach ein paar Jahren. Danke

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von stracciatella33, 157

Hier fehlt es an Vertrauen und Respekt.

Gegenseitiger Respekt ist aber die Basis für eine gute Pferd-Reiter - Beziehung, deshalb solltest du erstmal daran arbeiten. 

Du solltest üben, dass dein Pferd auf dein Signal vorwärts, rückwärts, seitwärts läuft und dir weicht (!). Dabei zuerst ein leichtes Signal verwenden, folgt keine Reaktion, immer bestimmter werden (jedoch ohne Gewalt!) und wenn das Pferd reagiert, den Druck sofort wegnehmen und loben.

Von diesem Join-Up halte ich überhaupt nichts, das ist psychischer Terror. Allerdings ist es wichtig, dass du das Pferd beim Longieren / Laufen lassen vorwärts schicken, bremsen und z.B. wenden kannst, ohne dich dabei in Gefahr zu bringen.

Beim Führen solltest du dir erarbeiten, dass das Pferd dir nicht so dicht aufläuft, dich wegschubst oder wegdrängelt. Außerdem musst du es in jeder Situation durchparieren, anhalten und rückwärtsrichten können.

Meine Stute ist ebenfalls sehr dominant, parallel zu diesen Führ/Bodenarbeitsübungen habe ich ihr "bei gebracht" dass sie ihr Futter aus dem Trog erst fressen darf, sobald ich mich vom Trog abwende. Der Ranghöhere darf zuerst fressen ;) Anfängs war sie empört darüber, mittlerweile geht das ohne Rumzicken.

Sobald du dir das erarbeitet hast, kannst du mit Spaziergängen, Schrecktraining usw. beginnen, um das Vertrauensverhältnis weiter zu verbessern. Dafür musst DU allerdings glasklar der Chef sein, sonst kann das verdammt gefährlich werden.

Antwort
von hupsipu, 161

Uff, ein solches Pferd würde ich nur mit professioneller Hilfe weiter betreuen... Da ist ja schon sehr viel kaputt, und sein Verhalten ist nicht mehr nur grenzwertig sondern wirklich gefährlich. Klopphengst ist ausgeschlossen?
Ich hab mal mit einem ähnlichen Pferd (mit-)gearbeitet, da haben wir dann sehr viel Langzügelarbeit gemacht, oft zu zweit auf Distanz (Kappzaum, einer links, einer rechts vom Pferd, beide mit gut 2-3 m Abstand), das hat gut funktioniert. Aber da war ich auch nur Assistenz und der Trainer wusste was er tat. Allein würd ich da nichts machen, und Du hast völlig recht: jegliche Art von Dominanz-Übungen, Join Up, Horsemanship etc sind bei einem solchen Pferd noch falscher als ohnehin schon.

Kommentar von Pasadena87 ,

Danke. Ich denke auch, ich muss mir wohl einen Trainer suchen. Hmmmpf.

Klopphengst ist nicht ausgeschlossen. 

Werde mal nachfragen.

Antwort
von Anaschia, 169

Ich denke mal, bei diesem Pferd hat der Mensch sehr viel falsch gemacht. Es hat weder Vertrauen, noch Respekt im Umgang mit Menschen. Wenn ein Pferd hinter dir herläuft und die Ohren dabei anlegt, hat das nichts mit Agression zu tun. Das  kenne ich von vielen Pferden, die beim Spiel mit dem Menschen in dieser Situation die Ohren anlegen;;; macht Meiner übrigens auch , und ist dabei grottenbrav . Ein Pferd was den Kopf hebt und steigen will, wenn Du vor seiner Nase mit der Gerte hantierst, heißt für mich das es total verunsichert ist . Es sind Fluchttiere, also möchte es sich irgendwie deiner Einwirkung entziehen. Außer Steigen, Kopf hochreißen oder zur anderen Seite wegdrehen, bleibt da nicht viel. Auch sollte man solche Pferde nicht hinter, sondern neben sich führen. Am langen Strick hinterher laufen gibt es erst, wenn man sich gegenseitig vertraut. Das mit dem Wegschicken ist so eine Monty Roberts Marotte, damit verunsicherst Du dieses Pferd noch mehr. Hier mußt Du in ganz kleinen Schritten, und mit viel Lob Vertrauen aufbauen. Hol Dir dazu einen vernünftigen Trainer oder Trainerin, der Dir speziell für dieses Pferd Tipps und Anleitungen geben kann. So etwas kann man leider nicht per Internet lösen. Liebe Grüße

Kommentar von Pasadena87 ,

Auch ohne Strick und mit genügend Platz macht er diese Gebärden. Obwohl er Möglichkeit zur Flucht hat. Ich meine auch kein normales Ohren anlegen. Ich kenne das von meinen Pferden. Es ist so ein dominantes (besser könnte ich es nicht beschreiben) -> "Hengstähnliches" Gehabe. Mein Araber Wallach hat dies auch beim antraben immer getan... er war sehr intelligent und fordernd und lernwillig. Man sieht es einfach an der kompletten Körperhaltung. Wenn es nur das wäre, wäre es auch ok. Aber da er allgemein keine Grenzen einhält und eben öfters droht, bin ich verunsichert, wie ich am Besten mit ihm umgehen kann... sodass man besser mit ihm umgehen kann. 

Vielen Dank für Deine Hilfe. Ich schaue mal ob ich so etwas einrichten kann. Ich denke auch über einen Trainer nach. Aber so jmd sollte man auch mit Bedacht wählen. In vielen Fällen wird mit zu viel Aggressivität gearbeitet. 

Kommentar von Anaschia ,

Hallo Pasadena!! Aus Deiner Frage konnte man jetzt nicht unbedingt  herauslesen, wie groß Deine Erfahrung mit solchen Pferden ist. So wie Du es jetzt beschreibst ist mir natürlich klar, dass dieses "Pferdchen" mit seinem Verhalten beim Menschen positive Erfahrungen gemacht. ( Ich drohe und Mensch lässt mich in Ruhe). Solche Pferde sind sehr schlau, hat man sie erst einmal auf seiner Seite, gehen sie mit Dir durchs Feuer. Die Frage ist jetzt, hat er dieses Verhalten generell bei allen Personen oder begrenzt sich das nur auf die Menschen die etwas von ihm fordern. Wenn er es generell macht dann lass  bitte die Finger davon, das ist wirklich zu gefährlich. Wenn er es nur macht wenn "Arbeit" angesagt ist, dann kannst Du das wirklich nur zusammen mit einem guten Trainer machen. Mit Gewalt kann man kein Pferd zur Mitarbeit motivieren, da hast Du vollkommen recht. Anders ist es beim Führen. Wenn das Pferd mich dann umrennen will, greife ich auch mal zu drastischen Maßnahmen. Habe mal ein Pferd mit von der Weide geholt und in seine Box gestellt. Die Stute meinte aber, Box ist total blöd und kam auf mich zu, mit der Absicht mich umzurennen, wenn ich nicht weiche. Ich habe ihr das Halfter in meiner Hand gegen den Kopf geschlagen. Danach war diese Sache für alle Zeiten geklärt. Das sind dann aber auch wirklich Situationen die so etwas rechtfertigen. Wer läßt sich schon gerne von 500 kg plattwalzen. Ich wünsche Dir viel Erfolg !!

Antwort
von LyciaKarma, 144

Hol dir einen Trainer. Sonst wird das nichts. Ich persönlich würde als Pflegebeteiligung dieses Pferd nicht mehr betreuen, weil das mordsgefährlich ist.  

Antwort
von PetJana, 130

Ist er brav wenn du ihn nicht am strick hast?
Dann würde ich dir empfehlen einfach mit viel Leckerlis (damit es für ihn interessanter wird) auf die weide zu gehen
Und schauen ob er dir folgt Kreise gehen usw. Also alles ohne strick damit er wenn er sich unsicher ist dir nicht drohen muss sondern einfach flüchten kann.
Wenn er dir folgt und einigermaßen brav ist kannst du z.b. Stangen gehen üben und ganz viel bodenarbeit machen damit ihr Vertrauen aufbauen könnt
Wenn du dir jedoch unsicher bist solltest du dir vielleicht besser einen Trainer suchen
Denn wenn du unsicher bist ist dein Pferd es auch
Ich hoffe ich konnte helfen
Würde mich über eine Rückmeldung freuen:)
Lg:)

Kommentar von Pasadena87 ,

Ja, er läuft mir auch auf der Weide hinterher. Es sei denn er hat wirklich keine Lust. Am meisten zickt er am matschigen Übergang zum Putzplatz. Ohne Strick und Gerte bekommt man ihn da nicht drüber. Ansonsten folgt er eigentlich. Es kommt auf den Tag an. Es gibt auch welche, an denen ich mit dem Halfter komme. Er auch auf mich zukommt, sich aufhalftern lässt und dann aber nicht mitgehen will 😂

Wenn ihn dann niemand von hinten antitscht macht er einfach seine Drohgebärden und bleibt stur wie ein Esel.

Ich versuche es schon mit Bodenarbeit. Aber wie gesagt, ich bekomme ihn nicht auf Distanz und es ist manchmal ohne Hilfe nicht möglich ihn über die Matschige Abgrenzung zum Platz zu bekommen, also runter von der Weide. 😝

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