Frage von Rebnics, 80

Pferd wird hysterisch und schreit wenn Boxennachbar weg ist, was kann ich tun?

Hallo ihr Lieben ich hoffe ihr könnt mir helfen! :D

Mein Wallach ist 19 Jahre alt und hatte eigentlich noch nie so hysterische Anfälle wie jetzt. Vor etwa 2 Monaten ist sein Boxennachbar/bester Freund leider vor seiner Box (keine Ahnung warum, war leider in der Schule und hab nichts machen können), eingeschläfert, er hat sich Gott sei dank weggedreht aber ja. Die besitzerin hat 2 Wochen darauf ein neues Pferd bekommen das jetzt wieder neben ihm steht. Und an das klammert er sich jetzt total. Auf der Koppel haben wir sie jetzt zwar auseinander gestellt aber leider können wir sie Boxentechnisch nicht trennen. Wenn das Nachbarpferd nur auf den Putzplatz geht fängt die Schreierei schon an. Am schlimmsten ist es jedoch wenn es außer Sichtweite ist. Da wird er komplett hysterisch und frisst nicht mal mehr.

Aus meinem Stall sagen alle ich soll ihn reiten bis er nicht mehr kann und sporen und gerten verwenden aber ich denke mir das das doch auch keine lösung ist vorallem man darf nicht vergessen das er "schon" 19 Jahre ist und im Sommer bei der Hitze mit dem Kreislauf zu kämpfen hat.

Ich möchte es jetzt mal mit viel viel Bdenarbeit probieren, habt ihr vielleicht noch andere Tipps? Wäre euch sehr dankbar! Danke schon mal im Vorhinein und ich hoffe auf eure Hilfe

Antwort
von dasadi, 68

Uff, was hast Du denn da für bescheuerte Leute im Stall ? Mit Sporen und Gerte ? Mann, bei denen möchte ich nicht Pferd sein. Ein Pferd ist ein Partner, dem man hilft, wenn es ein Problem gibt und kein Sportgerät, dass nach Belieben getreten werden kann.

Also, dieses Problem des Klebens ist weit verbreitet. Wenn Ihr die beiden boxentechnisch nicht trennen könnt oder wollt, müsst Ihr das auch nicht. Ihr könnt aber üben, in dem ihr zusammen reitet und euch dann trennt. Das ruhig mehrmals hintereinander und so oft wie möglich. Ihr könntet auch in Absprache mit einigen netten Einstallern tageweise die Boxen tauschen, so dass die Unabänderlichkeit genommen wird und die Pferde merken, dass ihnen nichts passiert, auch wenn sie nicht nebeneinander stehen. Es gibt nun einmal tiefe Pferdefreundschaften, sowie es auch Pferde gibt, die sich nie verstehen werden. Ich weiß nicht, warum man das als Mensch unbedingt trennen muss, beim Reiten spielt es normalerweise keine Rolle, und wenn doch, muss man sich mit Stahlnerven durchsetzen, ohne das Pferd zu schlagen oder zu stechen.  Problematisch kann es werden, wenn eines der Pferde krank wird und in der Box bleiben muss, während das andere auf die Wiese geht. Wir halten es dann so, dass ein Pferd gesucht wird, das mit dem entsprechenden Pferd im Stall bleiben kann (weil es auch krank ist z.b.) Es gibt im Stall eigentlich immer ein Pferd, das nicht raus darf, das ist eine Absprachesache. Ich weiß, Pferdegeschrei kann sehr durchdringend sein. Wir hatten 3 Stuten zusammen stehen, da war auch der Bär los, wenn eine zurück gelassen wurde. Wenn die Trennung nur für eine Stunde war, haben wir das ignoriert oder halt zwecks Beschäftigung Heu in die besetzte Box gelegt.

Dein Pferd hat bestimmt so eine Art Trauma erlebt mit dem Einschläfern des Kumpels vor der Box, das war auch sehr unsensibel. Aber viele Menschen trauen eben einem Pferd keine Leidensfähigkeit und keinen Trennungsschmerz zu. Ich weiß aber aus eigener Erfahrung, wie sensibel Pferde sind und dass sie sehr wohl alles mitbekommen udn entsprechend reagieren können. Lass Dich nicht verrückt machen, sieh das Ganze etwas Gelassener und geh mit Ruhe an die Sache ran, das wird Deinem Pferd helfen, auch wenn es die Hysterie nicht sofort ablegen wird.

Kommentar von Bambi201264 ,

Siehst Du, jetzt hast Du auch eine gute Antwort von jemandem, der sich offensichtlich ziemlich gut mit Pferden auskennt.

Kommentar von dasadi ,

Oh wie nett, vielen Dank.

Expertenantwort
von Heklamari, Community-Experte für Pferde, 69

Probier es mal, erst dein Pferd aus der Box raus zu holen und zu beschäftigen, dann unsichtbar das andere rausholen und arbeiten Eine Stunde wiehern werdet ihr öfter mal aushalten müssen, damit er lernt, daß der Kumpel wieder zurück kommt. Immer wenn er allein sein muß, sollte etwas leckeres in beschäftigen. Meine besten Kumpels brüllten auch, dank der stute nebenan wird es aber immer weniger. ABER es dauert !!! Vielleicht monate oder Jahre...

Antwort
von Bambi201264, 80

Ich kenne mich mit Pferden gar nicht sehr aus, aber er hat wohl mitbekommen, dass sein bester Kumpel getötet wurde von einem Menschen und hat jetzt vielleicht Angst, dass sein neuer Kumpel das gleiche erleiden wird.

Pferde sollen ja sehr sensibel sein. Oder vielleicht will er das neue Pferd auch warnen?

Ich hoffe, dass er den Schock mit der Zeit verarbeitet, er kann einem ja leid tun :(

Kommentar von Rebnics ,

Ja ich glaube nämlich auch dass er angst hat das ihm der neue Freund wieder "weggenommen" wird und das er deshalb bei ihm klebt.

Für mich ist das natürlich jetzt nur schwierig weil er dauernd die Panik bekommt wenn der Nachbar weg ist und er passt nicht mal mehr auf mich auf wo ich stehe oderso

Kommentar von Bambi201264 ,

Habt Ihr keinen Arzt da auf dem Hof, also der ab und zu mal vorbeikommt und auch öfter mit Pferden zu tun hat?

Vielleicht könnte der Dir einen Tipp geben, wie Du dem armen Tier wieder ein bisschen Ruhe geben kannst.

Kommentar von dasadi ,

Da kann ein Tierarzt nicht helfen. Ein Verhaltenstrainer kann da helfen, wie z.B. Sandra Schneider. Aber man kann es auch erst mal selbst versuchen.

Antwort
von JolieBijou, 54

Tja da ist natürlich einiges schief gegangen, dass dein Pferd so aktiv am Sterbevorgang seines Freundes teilgenommen hat und sich dann nicht mal "verabschieden" konnte ist natürlich ein Punkt. Zum Anderen finde ich Boxenhaltung meistens alles andere als artgerecht und häufig entstehen Verhaltensstörungen auch durch Frust und Langeweile.

Ideal wäre es meiner Meinung nach ihm jetzt im Sommer einen Offenstall zu suchen, sodass er frei den Kontakt zu anderen Pferden suchen kann und auch ständigen Kontakt hat, wenn mal ein Pferd weg geht...

In der Box wirst du nicht viel machen können, er hat da letztendlich ja nichts zu tun und wird sich so auf weiter in die Verlustsängste reinsteigern.

Kommentar von dasadi ,

??? Woher weißt Du denn, in welcher Haltung das Pferd steht ? Unsere Pferde sind den ganzen Tag auf der Wiese, Sommer wie Winter, deswegen gehen sie aber trotzdem abends in ihre Box. Und das Geschrei haben wir trotzdem.....ein Offenstall ist zwar schön, aber nicht immer machbar und auch nicht unbedingt die einzige Lösung.

Kommentar von JolieBijou ,

Naja wenn das Pferd vor der Box eingeschläfert wurde während sie in der Schule war, standen ja alle offensichtlich drinnen. Und die Besitzerin des anderen Pferdes wird wohl auch nicht ausschließlich nachts kommen...

Ich sage garnichts gegen Boxenhaltung (nachts), aber für mich klingt das einfach vom ersten Eindruck deutlich  mehr als nur nachts und das kann so ein Verhalten natürlich massiv begünstigen

Kommentar von Rebnics ,

Also ich weiß ja eh das vieles schief gegangen ist wegen dem einschlägern undso aber wie dasadi schon gesagt hat weißt du nicht mal in welcher Haltung mein Pferd steht.

Es ist im Sommer die ganze Zeit draußen und im Winter Vormittags. Es steht nur in der Box bei Regen und extremer Hitze.

Antwort
von Yulia123456, 30

Komischer Tipp von den anderen Einstellern. Vielleicht ist die Dame mit dem Pferd so nett und übt mit dir. Indem sie das Pferd mehrmals weg führt: Erstmal in Sichtweite, dann ausser Sichtweite. verlängert die Abstände in der das andere Pferd weg geht langsam. Habe es selbst bei einem Pferd mitbekommen: Sein Kumpel musste leider über den Regenbogen geschickt werden. Danach wurde das Pferd hysterisch und es war kaum möglich ihn aus dem Unterstand mitzunehmen. Er liess sich nur schwer von dem Ranghöchsten trennen. Ich hab mal gehört, dass Pferde die rangniedrieg ein schlechtes Selbstbewusstsein haben und schnell verunsichert sind. Probier mal Equikenetic nach Geitner mit ihm aus. Super für die Bodenarbeit oder Clicker-Training. EK ist toll für Muskelaufbau und schult das Gehirn.

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