Frage von Isildur, 107

Pferd "verliert" sich in Situationen. Durch "drücken", abwarten, oder ganz was anderes?

Hallo,

meine Stute ist eigentlich (ja böses Wörtchen) sehr schrecksicher und folgsam. Hin- und wieder kommt es aber vor, dass sie in bestimmten Situationen "Stress" hat.

Ganz am Anfang hat schon das simple anlegen des Kappzaums zu Stress geführt, bzw. das Verbringen in die Box. Sie ist dabie immer händelbar (egal ob vom Boden oder von Oben aus), pusht sich dabei aber unglabulich hoch. Sprich nach einer Minute hat mein ein klitschnasses Pferd an der Hand, das sich auch nicht mehr "runterfährt". Trippeln auf der Stelle, von einem Bein aufs andere "springen", Kopf schlagen, steigen, in die Luft beißen (zu Beginn auch noch in den Menschen), Zähne knirschen, das ganze Programm.

Anfangs habe ich wie bei meinen Isizossen reagiert, ein "Hackt es", Pferdchen wieder in die ursprüngliche Position bugsieren, bzw. wieder in die Gangart die angesagt ist, und weiter geht's. (So der Plan). Bis sie sich dann wieder entspannt und man vernünftig weiterarbeiten kann ohne dass es wieder von vorne losgeht dauert das dann aber gefühlte Ewigkeiten. Ich habe auch noch nie ein Pferd erlebt, dass so bretthart am ganzen Körper werden kann. Dann bin ich dazu übergegangen, es einfach zu ignorieren oder die Situation rechtzeitig auszulösen. Sie bleibt ja "bei einem", sprich Tempo und Ort des Pferdes lässt sich jederzeit bestimmen, nur halt nicht die Gangart oder die "Höhe" inder man sich befindet.....Das klappt deutlich besser. Ich werde auch immer besser darin die ersten Anzeichen zu deuten und ihre "Momente" werden immer weniger.

Nun sitzt aber tief in mir verwurzelt noch das "bloß nicht mit durchkommen lassen". Wie würdet ihr das managen?

P.S.: Das klingt alles schlimmer als es ist. Das Pferdchen ist vom Grundprinzip her wirklich ein Schatz und auch wirklich goldig. Sie "macht" schlussendlich auch immer das was sie "soll" - nur tut sie mir allein des Stresses wegen, leid.

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von ponyfliege, Community-Experte für Pferde & reiten, 46

hoi,

du hast ja zu dem pferd schon mal die eine oder andere frage gehabt.

ich denke, ein ganz wesentlicher faktor, der da hilft, ist zeit. unter umständen jahre.

dass die stute händelbar bleibt, bedeutet, dass sie zum einen deine übergeordnete rolle anerkennt, zum anderen vertrauen hat.

aber sie führt in den beschriebenen situationen immer einen schweren inneren kampf. t-touch wäre sicher eine möglichkeit, dem pferd zu helfen, die "kopfblockaden" aufzuarbeiten, denn diese führen ja auch zu körperlichen reaktionen und natürlich zur belastung des herz-kreislaufsystems.

eigentlich ist der t-touch nur eine methode, es dem PFERD leichter zu machen. bestimmte punkte haben einfluss auf das vegetative nervensystem. ein erlittenes trauma kann man damit nicht ungeschehen machen, aber man kann dafür sorgen, das das innere gleichgewicht des pferdes wieder besser wird.

Kommentar von Isildur ,

An den Kappzaum habe ich sie mit Massagen sehr gut gewöhnt bekommen. Es ist auch wirklich deutlich seltener geworden. Vllt. sollte ich das auch mal vom Sattel aus probieren. Kontrollierbar ist und bleibt sie, schön ist es für sie ganz sicher nicht :/

Kommentar von ponyfliege ,

ich danke recht herzlich für die auszeichnung und hoffe, dass mein denkansatz euch auch wirklich weiterhilft!

schöne festtage...

Antwort
von hupsipu, 51

Ich kenn das ganz gut, Blüter haben das ja gerne mal :-)
Meine Devise dabei ist immer: das Pferd muss regulierbar bleiben - tut es das, bin ich relativ entspannt. Dagegen gehen finde ich selten sinnvoll wenn es wirklich so ein Reinsteigern ist, und das was Du beschreibst ist ja so.
Ich hab das schon einige Male hier beschrieben: mein "Trick" für solche Fälle ist ein sehr gut eingeübtes Kommando ("tiiiiief"), auf das hin das Pferd den Kopf tief und zu mir nimmt und daraufhin auf Hüfthöhe auf meiner vom Pferd abgewandten Körperseite ein Leckerli bekommt. Damit kann ich oft frühzeitig die Spannung aus dem Pferd nehmen, allein durch die Bewegung des Kopfes nach unten und seitlich. Hat mir mit Jungpferden schon oft das Leben gerettet. Das ist natürlich eine Übung, die nicht als Ladida-Gehorsamsgedöns genutzt werden sollte sondern als "Überdruckventil"...

Kommentar von Isildur ,

Mh, ja das könnte evtl. was sein. Obwohl ich dafür das wahrscheinlich auch rechtzeitig genug erkennen würde, denn wenn sie "drin" ist, hat auch Futter keinen Wert mehr

Kommentar von Isildur ,

P.S.: Ist ein P.R.E. kein EVB oder Araber ;-)

Kommentar von hupsipu ,

Och, Blut ist Blut, ne? ;-)
Ich denke was an der Übung funktionieren könnte ist die Mischung aus Futter und Konditionierung - das Leckerli ist da nur die Verstärkung, meiner Erfahrung nach ist die Bewegung an sich schon genug. Schau mal ob Du was damit anfangen kannst! Alles Gute!

Antwort
von cavallena, 39

Ich stimme kruemel84 zu. 
Du solltest erst einmal herausfinden, wovor dein Pferd Angst hat. 
Hat sie das schon immer gehabt oder kommt es erst seit kurzem zu diesen Stresssituationen?
Überleg einfach, ob sich irgendetwas verändert hat. Es könnte in deinen Augen auch nur eine Kleinigkeit sein, die deine Stute so unruhig werden lässt.
Pferde sind Fluchttiere und haben von natur aus vor allem angst was ihnen nicht vertraut ist. 

Also beobachte sie genau, achte auf ihre Körpersprache.

Ich würde jetzt versuchen, ihr ein sicheres Gefühl zu geben. Bodenarbeit könnte dir dabei helfen, sie generell erstmal ruhig zu bekommen.

Viel Glück! :-) 

Kommentar von Isildur ,

Generell ist sie ruhig. Sie läuft auch in den Situationen in denen Reiter sonst "zu kämpfen" haben siuper artig. Ich kann sie im Gruppengalopp zum Schritt durchparieren ohne das sie muckt, an der vollbefahrenen Landstraße reiten oder am Trecker vorbei - alles kein Problem. Man kann sie auch vollkommen entspannt von A nach B transportieren. Die "Auslöser" weiß ich, wenn die Sache einmal durch ist, meistert sie die gleichen Situationen auch mit Bravour.

Antwort
von kruemel84, 47

Hi Isildur,

kennst du die Vorgeschichte deines Pferdchens?

Vielleicht gab es irgendwann mal einen Vorfall,wo sie etwas schlechtes erlebt hat?

Ich hab schon ein paar Pferde aus schlechter Haltung gesehen bzw. bei mir gehabt,die ähnliche Symptome aufwiesen.Es kann eine unbewusste Bewegung von dir sein,ein Geruch oder Ähnliches,die soetwas wieder zum Vorschein bringen. Es kann eine Weile dauern bis man die Ursache dafür findet,also geduldig sein;-)

Ich würde es weiterhin beobachten,ansonsten wenn sie zapplig wird,ruhig bleiben und sie versuchen abzulenken,aber bitte nicht mit Futter,das würde genau das Gegenteil bewirken.

Lg kruemel;-)

Kommentar von Isildur ,

Nein, Vorgeschichte weitesgehend unbekannt. War wohl teilweise nicht so schön...

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community

Weitere Fragen mit Antworten