Frage von LittleBabyPony, 205

Pferd schnell verladen?

Hallo,

ich fahre demnächst mit meinem Pferd in eine Klinik. Leider lässt sie sich nicht gut verladen. Wir stehen nur ziemlich unter Zeitdruck, weshalb das ganze schnell gehen muss.

Wisst ihr wie wir das schnell hinbekommen können? Wir haben leider keine Möglichkeiten zu Üben. Mit Futter haben wir es schon probiert. Sie geht immer zu Hälfte rein und dann aber wieder zurück. Beim letzten Mal standen wir fast 1 h im Regen bis sie endlich im Hänger war.

Lg

Expertenantwort
von Sallyvita, Community-Experte für Pferde, 111

Gerade rund um das Thema Verladen gibt es zig Gurus, die zig Tod-sichere Tipps geben und endlos viele Leute, die auch schon grundlegendste Dinge falsch machen. Fahr nur mal am Wochenende zu einem Reitturnier, nimm Dir einen Klappstuhl mit und setz Dich auf den Hänger-Parkplatz. Was Du da geboten bekommst, ist teils echt unglaublich. 

Das mit dem Stuhl habe ich zwar noch nicht selber praktiziert, aber eben auf Hängerparkplätzen im Laufe der Jahre schon viel gesehen.

Da stehen Leute frontal auf der Klappe ihres Hängers und zerren an Trense oder Halfter, schneiden dem Pferd mit ihrer kompletten Körperhaltung und natürlich mit sich selbst den weg rein total ab, einer steht mit dem Besen dahinter und wieder andere verladen teils zwei Stunden lang mit einer Affengeduld. Und immer wenn man glaubt, dass das Pferd jetzt endlich drin ist, lacht es sich kaputt und rennt rückwärts wieder raus.

Ich habe schon derart gefährliche Dinge dabei gesehen, dass es mich noch Nachhinein graust. Eine ist tatsächlich mit ihrem Pferd in den Hänger geritten!!!!!! Das funktionierte auch - sie war bloß nicht schnell genug vom Rücken runter als das Pferd im Hänger stieg........ Das war das erste Mal, dass ich mitbekommen habe, dass ein Notarzt gerufen werden musste. 

Das zweite Mal war, als ein Pferd von hinten in den Hänger gedrückt werden sollte und die Mutter sich mit ganzem Körpereinsatz hinten gegen das Pferd stemmte. Es ging dann auch tatsächlich vorwärts - genau so weit, wie es den Platz brauchte um beidhufig der Mutter gegen Brustkorb und Unterleib zu treten.

Es gibt zig Methoden, manche funktionieren richtig gut, andere erstaunlicherweise, wieder andere einmal und dann nie mehr.

Bewährt hat sich für meinen Geschmack folgendes: Den Hänger parallel zu einer Wand/ Mauer stellen, sodass der Weg zum Hänger auf einer Seite schon einmal deutlich begrenzt wird. Bei manchen Pferden reicht allein schon das. 

Ideal wäre es den Hänger zwischen zwei Mauern/ Hauswände/ hohe Zäune zu stellen und zur Not den Fluchtweg nach hinten auch noch abschneiden. Zum Beispiel mit einem Zaunelement. Dann geht es nur nach vorne, in den Hänger rein. Dann schnell sein, Querstange rein, Klappe zu und fertig.

Das mit dem Zaunelement hätte ich jedoch nicht selber im Angebot.. An der Stelle würde ich dann zwei Longen vorschlagen, die hinten rechts links am Hänger außen festgemacht wurden und hinter dem Pferd über Kreuz, knapp unter Kruppe geführt werden und sanften Druck ausüben und den Weg zurück nach hinten verhindern.

Wichtig ist aber vor allem Ruhe. Keine 10 Leute mit 1000 Ratschlägen drumherum. Keine Gaffer. Nicht zig verschiedene Sachen ausprobieren, sondern erst mal bei einer Methode bleiben. Konsequent sein, ruhig auch streng, aber eben nicht böse, nicht laut und nicht hysterisch. Und vor allem nicht panisch und nicht nervös werden.

Vielleicht einfach mal den Stallbesitzer um Hilfe bitten und ihn verladen lassen. Meist hat er schon 1000-e an Pferden verladen und macht das so selbstverständlich und routiniert, dass es dem ängstlichen Pferd große Sicherheit vermittelt und es einfach mitlatscht.

Kommentar von Dahika ,

Grundsätzlich hast du ja recht, aber ich frage mich, welche Stallbesitzer du kennst. Wieso sollen Stallbesitzer schon 1000ende Pferde verladen haben. Nicht jeder Stall wird von einem Pferdewirtschaftsmeister geführt. Die meisten nicht. Mein SB, ein Bauer, kann mit Mühe ein Pferd von einer Kuh unterscheiden.  Und viele andere SBs der Umgebung, teilweise haben sie richtig teure Ställe mit 60 m Hallen, etc... können das auch nicht.

Kommentar von Sallyvita ,

Stimmt, ich bin da wohl irgendwie von den Stallbesitzern ausgegangen, die mit denen ich bis jetzt zu tun hatte. Das waren alles alte und erfahrene Pferdemenschen von deren Wissen ich im Laufe der Jahre sehr profitiert habe.

Dann nimm auf keinen Fall Deinen Stallbesitzer, sondern jemanden, der so erfahren ist, wie meine alten Pferdemenschen, wenn Du so jemanden zur Verfügung hast.

Antwort
von FelixFoxx, 124

Ruhig bleiben und Geduld haben, unter Stress wird das nichts. Das Pferd mit Longen umrahmen, damit eine Begrenzung nach hinten und zu den Seiten vorhanden ist. Im Zweifelsfall (bei einem Zweipferdehänger) vorher ein verladesicheres Pferd in den Hänger führen, damit schon mal ein "Kumpel" drin ist. Und ganz wichtig, das machen sehr viele Menschen falsch: Niemals das Pferd anschauen, wenn es stehen bleibt, das ist eine Bestätigung des Verhaltens. Schau nach vorne, halte den Strick auf ganz leichter Spannung, ohne zu ziehen.

Antwort
von cinegrah, 111

Also, als ersten Schritt mit Longen eine Art "Weg" einzäunen, sodass das Pferd nicht zu den Seiten ausbricht. 
Dann führt man es vorsichtig nach vorn, ein bisschen Zeit und Geduld musst du jedoch mitbringen, und natürlich sensibel darauf eingehen, wenn es sich mal erschreckt beim Auftreten auf den ungewohnten Untergrund des Hängers.
Kleine Schritte zurück sind aber okay, solange man ruhig und stetig weiter vorangeht.

Hoffe alles geht glatt :)

Kommentar von Shany ,

Meine Rede;-)

Kommentar von LittleBabyPony ,

Sie springt nur gerne an der Seite runter. Würde sie dann nicht trotzdem einfach in die Longe springen? :)

Aber danke schonmal :D

Kommentar von cinegrah ,

Nimm am besten eine schön bunte Longe, die gut sichtbar ist. Und bitte vielleicht ein paar Leute, die zu halten und zu helfen (ruhig natürlich).
Ich habe so mit wirklich wilden und verstörten Pferden gut und angstfrei arbeiten können :)

Kommentar von Urlewas ,

Das kann passieren. Das verhindert die Longe auch nicht zu zuverlässig. Daher wären in dem Fall eventuell auch wohl Transportgamaschen sinnvoll - so fern es möglich ist, das Pferd vorher an diese zu gewöhnen...

Manche Pferde sind aber dann brav, wenn sie durch die Longe eine Begrenzung fühlen.

Antwort
von beglo1705, 35

Schnell? und dann auch noch bei einem Pferd, dass ungern in den Hänger geht, weil es vorher schon schlechte Erfahrungen gemacht hat? Hm, das hätte man schon mal vorweg in der Aus- oder Weiterbildung des Pferdes miteinbeziehen können. Ja ich weiß, das ist mega langweilig, entspricht aber der Tatsache.

Ansonsten viel Zeit (2-3h) mit einkalkulieren und das Pferd ruhig, sicher evtl. von einem erfahrenen Bereiter oder RL in den Hänger führen lassen. Oftmals klappt das mit "Fremden" besser, als mit dem Besitzer.

Medis würd ich dem Pferd keine geben, das Risiko wäre mir zu hoch, dass sich das Pferd zusätzlich im Hänger verletzt und weiter traumatisiert wird.

Kommentar von ponyfliege ,

ich finde, üben kann man sowas auch recht spanndend - aber vielleicht finde ich ja auch dinge spannend, die andere unspannend finden. mit elementen aus der horse agility. wippe, folientunnel, stangenlabyrinth, podest. das kann man alles kombinieren.

die pferde sollten es kennen mal eine stunde in einem putzständer zu stehen. da hinein kann man mal eine beflockte osb platte legen, damit das pferd sich an das "hohle" geräusch gewöhnt.

Kommentar von beglo1705 ,

Ja richtig. Auch wenn man keinen eigenen Hänger hat, kann man prima was selbst machen, was dem Pferd vornweg die Angst nimmt.

Geht auch nicht immer um spannend für den Pferdehalter, sondern dass das Pferd lernt keine Angst zu haben und ungewohnte oder komplett neue Geräusche, Gerüche und Eindrücke als neutral zu werten und ruhig bleibt.

Find´s auch nervig, alle zwei Wochen nen Parcours mit Flatterband, rascheligen Planen, Wasserbecken, Wippen, Hänger usw. auf und wieder ab zubauen, aber hilft nicht. Von allein wird´s meistens nix, grad wenn vorweg schon viel falsch gemacht wurde.

Antwort
von Viowow, 63

sind ja schon ein paar gute tipps da, deswegen nur eine kleine ergänzung: bei uns werden die pferde notfalls "reingetragen"😅 ich weis ja nicht wie groß dein pferd ist, so bis 1,45 haut das hin. 4 mann, 4 ecken und dann immer die beine ein stück vorsetzen im wechsel. einer hält vorne und lobt unentwegt.

Antwort
von Mikafan111, 71

Wenn im vorderen bereicht eine kleine Tür ist (ist zumindest bei den hängern die ich kenne so) könnte man diese öffnen, habe mal in ner sendung gesehen dass das pferd sich dadurch dann nicht so 'in der falle' fühlt. Ausprobieren kann man es ja mal

Kommentar von Urlewas ,

Das sollte zwar sowieso selbstverständlich sein - aber sicher gut, zu erwähnen.

Kommentar von AlisaRu ,

eine Stute bei uns im Stall hat es geschafft sich durch die Tür zu zwängen... halb. So dass die tierrettung kommen musste :-(

Kommentar von CarosPferd ,

War in diesem Fall die Stange vorne nicht zu?? Und ist keiner dem Pferd voraus gegangen? 

Ich denke dass viel Unfälle aufgrund einer nicht sachgemäßen Überprüfung und Nutzung des Hängers und der Ausrüstung geschieht. Deswegen hole dir bitte jemanden der Erfahrung dazu wenn du selbst nicht genau weißt wie es funktioniert.

Antwort
von SuperB18, 40

Wenns schnell gehen muss nimmt sich eine Person einen Besen und hält den mit den Borsten nach oben in die Luft während er hinter dem Pferd richtung Hänger läuft. Sorgt für nen Überaschungsmoment und zack sind die im Hänger :-P

Klappt fast immer! 

Ach ja und wenn es im Stall die Möglichkeit gibt: Den Hänger vor dem Eingang der Stallgasse parken. So dass die Hängerklappe in die Stallgasse gelegt wird. So kann man auf der Stallgasse "Anlauf" nehmen und die Pferde haben nicht so viele Ausweichmöglichkeiten.

Kommentar von FelixFoxx ,

Das mit dem Besen kann auch in die Hose gehen, wenn das Pferd vor Schreck auskeilt...

Kommentar von SuperB18 ,

Wenn man so doof ist und sich nen Meter hinter den Pferdepopo stellt ja. Aber dann hat mans auch verdient ;-)

Antwort
von kruemel84, 50

Hi LittleBabyPony,

hab ihr vielleicht einen "Pferde-Kumpel" von eurem Pferd, den ihr zuerst auf den Hänger laden könntet?

Es wäre zumindest einen Versuch wert, vielleicht folgt das Pferdchen ja seinem "Kumpel" auf den Hänger...

Ansonsten musst ihr euch halt die Zeit dazu nehmen und wenns 3h dauert...

Lg kruemel;-)

Expertenantwort
von Urlewas, Community-Experte für Pferde, 107

Ruf in der Klinik an, ob der Einsatz von Beruhigungsmitteln ok wäre - ist zwar nicht das Mittel der Wahl, aber Sicherheit geht vor!

Oder schau, das du einen Lastwagen ( mit Fahrer natürlich)mietest. Scheint zwar übertrieben für ein einziges Pferd, aber da gehen die meisten Pférde viel unkomplizierter rein.

Kommentar von kruemel84 ,

Tut mir wirklich leid, dass ich dir hier widersprechen muss....

Aber ein Pferd unter Beruhigungsmitteln in einem Hänger transportieren? Sorry, aber das würde ich NIE im Leben tun...

In meinem ersten Reitstall kam auch jemand auf diese grandiose Idee....

Das Ende vom Lied war, als das Pferd ankam, lag es auf dem Hängerboden, eingekeilt zwischen der Trennwand....diverse Verletzungen und die Besitzerin hat Jahre gebraucht, um ihn wieder verladen zu können....

Kommentar von Urlewas ,

Deshalb in Absprache mit dem Tierarzt.

Ein paar Baldriantropfen hauen keinen um, können aber reichen, um  die Aufregung etwas zu dämpfen. 

Eine Methode, die für alle gut ist, gibt es nicht...

Kommentar von Sallyvita ,

Es geht hier um das Einmalige Verladen eines Pferdes. Nicht um das regelmäßige Verladen, wenn man zum Training oder zum Turnier möchte. Bei einem verladeschwierigen Pferd kann es durchaus Sinn machen, es ein wenig ruhig zu stellen. Auf keinen Fall wegschießen - denn es muss sich ja während der Fahrt noch ausbalancieren können.

Denn mal ehrlich - einem Pferd kann man nicht erklären, man kann ihm nicht den Sinn und Nutzen einer Fahrt in einem Hänger erklären, aber wenn man es medikamentös beruhigen kann, damit diese notwenige Fahrt nicht ein Horrortrip wird, dann finde ich den Nutzen gar nicht mal so gering.

Es haben sich schon so viele panische Pferde im Hänger oder auf dem LKW verletzt, weil sie gestiegen sind, rumrandaliert haben, gebockt haben, dabei hingefallen sind und ganze Hänger auseinander genommen haben. Hätte man einen Teil von ihnen vorher chemisch beruhigt, wäre vielleicht weniger passiert.

Ich selber war noch nie in der Lage, ein Pferd zum Transport sedieren lassen zu müssen, aber meine Pferde finden Hänger, bzw. LKW-fahren auch total schön. Die laufen alleine rein und stellen sich richtig hin;-) Hätte ich aber einen Hysteriker, der dringend in die Klinik müsste, würde auch ich darüber nachdenken, bevor noch mehr und Schlimmeres passiert.

Das Pferd, welches sediert gestürzt ist, war unter Umständen viel zu doll ruhig gestellt und konnte sich nicht mehr ausbalancieren oder hätte sich unter Umständen in seiner Panik auch ohne Beruhigungsmittel langgemacht. Vieles hängt auch immer vom Fahrer ab und seiner vorsichtigen Fahrweise.

Kommentar von Urlewas ,

Danke, Genau so mein ich das.

Kommentar von kruemel84 ,

@Sallyvita: Das Problem besteht ja darin, dem Tierchen die richtige Dosis zu verabreichen, der eine brauch mehr, der andere brauch weniger, bei dem einen wirkt es sofort, bei nächsten verzögert....

Aber ich persönlich halte das Risiko für zu groß, als das sich Pferd auf dem Hänger nicht richtig ausbalancieren kann und stürzt...

Die FS hatte laut ihren Angaben das letzte Mal 1h zum Verladen gebraucht, dann würde ich nicht zu solchen drastischen Mittel greifen, lieber die 1h mehr einplanen und gut is...

@Urlewas: Baldrian wirkt aber nicht nach einmaliger Einnahme, man müsste es schon mind. 14Tage vorher verabreichen, um halbwegs den gewünschten Effekt zu erzielen....


Eine Methode, die für alle gut ist, gibt es nicht...

Da gebe ich dir Recht, man sollte alles abwägen und ICH würde es in diesem Fall definitiv nicht mit Vetranquil & Co. probieren...

Ich würde vielleicht, eventuelle, möglicherweise drüber nachdenken, sowas zu verabreichen, wenn ich das Pferd selbst nach mehreren Stunden/Tagen nicht auf den Hänger verladen konnte und es sich beim Verladen so aufspielen würde, dass es sich dadurch verletzten könnte....

Ich möchte hier keine Endlosdiskussion von Eis brechen, ich möchte nur die Nachteile mit in die Waagschale werfen....





Kommentar von Urlewas ,

Schon recht - hier kriegt keiner nen Preis fürs diskutieren, wir wollen ja alle nur Anregungen geben, die den Fragestellern und ihren Pferden helfen.

Da ist die Vielfalt der Antworten hier sicher hilfreich. Abwägen, muss derjenige ja selber. 😊

Kommentar von kruemel84 ,

;-)

Antwort
von summergloom, 51

Naja mal kurz von heute auf morgen wird das nix, aber es gibt Möglichkeiten.

Klar mit Futter locken,

Einen Weg einzäunen und ganz "normal" rein spazieren,

Hab auch schon gesehen das Leute die Longe hinten um den Po gelegt haben und das Pferd damit rein gelozt haben,

Vllt mal ein Pferd reinstellen und dann deins dazu. Das klappt bei unserer Stute am besten. Wenn ein Pferd drin ist dann läuft sie ohne führen o.Ä. rein von alleine

Drück dir die Daumen 😉👍🏽

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