Frage von Veely, 135

Pferd lässt sich nicht mehr aufhalftern?

Guten Morgen,

Meine Frage wird sich jetzt vermutlich erstmal etwas komisch anhören, aber ich weiß nicht mehr weiter! Unsere Stute ist wirklich ein wahnsinnig liebes Pferd, ein totales Verlasspferd im Gelände und bei der Bodenarbeit macht sie alles mit. Nun muss ich sie aber erstmal von der Weide holen und genau da liegt unser Problem. Wir haben sie noch nicht sehr lange, keine 2 Monate und seit ein paar Wochen rennt sie regelrecht weg, sobald sie ein Halfter sieht. Am Putzplatz ist es noch viel schlimmer und das auftrensen klappt auch nicht mehr. Am Anfang ging alles reibungslos. wir wissen auch nicht, wodurch sie sich das angewöhnt hat, auf dem Putzplatz äppelt sie schon vor Stress, doch den Platz wechseln klappt erst recht nicht, da ist sie richtig ausgeflippt. Beim Probereiten war alles perfekt, habe sie dort natürlich auch alleine fertig gemacht, geputzt etc, wir waren 2 mal dort.... Weiß jemand was ich tun kann oder woran so etwas liegt?

Antwort
von VanyVeggie, 55

Hallo, 

ihr habt das Pferd keine zwei Monate und seit paar Wochen wird es schlimmer? Mich verdutzt es auch etwas, dass du nach so kurzer Zeit deine Stute als total braves Verlasspferd einstufst. 

Für mich klingt das so, als hättet ihr das Pferd ein bisschen überfordert. Nicht bös gemeint. Aber erstmal muss die Vergesellschaftung und  Eingewöhnungszeit, in der man nur mal nach dem Tier schaut (evtl ein bisschen kuscheln und Leckerchen geben), laufen. Dann arbeitet man erstmal bisschen vom Boden, ehe man sich rauf setzt.

 Ich bezweifle, dass das alles genauso ablief. Das heißt also nochmal von vorne anfangen. Mit der Stute wird erstmal nix gemacht, ausser besucht. Erst ohne dann mit Halfter. Wenn sie dann nicht mehr vor dir wegläuft, dann einmal Halfter aufsetzen und gleich wieder runter usw. Jeden Fortschritt loben und ab da dann aufhören. Alles ohne Druck und bestrafen, nur mit positiver Bestärkung. 

Wenn du sie aufhalftern kannst und sie mit dir mit geht, dann erstmal  Bodenarbeit machen. 

Zur Sicherheit die Zähne und das Gebiss überprüfen lassen. 

Guts Gelingen!

Mit freundlichen Grüßen

VanyVeggie

Kommentar von Veely ,

Zähne wurden beim Kauf gemacht. Eingewöhnung war definitiv da, sie kam erstmal in die Herde und wir haben mit Spaziergängen angefangen. Seit Ca 3 Wochen will sie jetzt kein Halfter mehr dran haben, wir haben sie vor diesen 3 Wochen nur mal am Halfter mit auf den Platz genommen. Aber anscheinend war es wirklich zu schnell! Danke für deine ausführliche Antwort :) 

Ja ich habe wohl mit der Beschreibung als verlasspferd etwas übertrieben, damit war nur gemeint das sie absolut nicht schreckhaft ist, weder springende Rehe noch Plastikplanen machen ihr was aus, letzteres wurde beim probereiten demonstriert.

Kommentar von Heklamari ,

genauso machen wir es auch mit "Neuen"

im Notfall: es gibt Kopfriemen, die man auf der Weide am Pferd lassen kann, so hat man bei bedarf immer einen "Griff" am Pferd, aus dem man mit nem Führseil schnell ein Nothalfter zaubern kann, dann eine mkurze Strecke führen, loben und wieder frei lasen

Expertenantwort
von Heklamari, Community-Experte für Pferde, 16

mir scheint, da fehlt die gesamte Basis- und Vertrauensarbeit....

also fang nochmal bei NULL an

und

im Notfall: es gibt Kopfriemen, die man auf der Weide am Pferd lassen
kann, so hat man bei Bedarf immer einen "Griff" am Pferd, aus dem man
mit nem Führseil schnell ein Nothalfter zaubern kann, dann eine kurze Strecke führen, loben und wieder frei lasen

viel Geduld wünch ich Dir, denn mit reiten it jetztb ertmal nix...

und viel Erfolg dabei, das Vertrauen deines Pferde zu gewinnen

Expertenantwort
von ponyfliege, Community-Experte für Pferde, 6

es sind immer die wahnsinnig lieben pferde und verlasspferde, die probleme machen.

das erste sollte sein, sich das pferd nicht immer schönzureden, damit man überhaupt einmal in die lage kommt, ein problem zu analysieren.

weiter unten schreibst du, du willst nicht mit belohnung arbeiten, da sie dann anfängt zu betteln.

und genau DAS ist ein hervorragender ansatz - ihr das betteln abzugewöhnen. damit machst du basisarbeit am pferd und ihr lernt euch gegenseitig überhaupt erst mal kennen.

das pferd bekommt seine "grundration" - also koppelgang und rauhfutter. jedes andere futter erhält es nur noch als belohnung. dazu geeignet sind hafer oder luzernecobs und ganz eventuell auch karottenstücke.

und eine belohnung gibt es natürlich nur für gegenleistung. dein pferd muss als erstes lernen, dass die hand mit der belohnung zum pferd kommt - nicht umgekehrt.

und - unerwünschtes verhalten wird natürlich ignoriert. betteln beispielsweise. WIRKLICH kommentarlos ignorieren. das erfordert natürlich auch verhaltenstraining beim menschen.

wie das funktioniert und wie man das aufbaut - da habe ich eine buchempfehlung für dich.

vivian theby - so lernen pferde (kostet 10 euro). dort ist erklärt, wie pferde warum "funktionieren", grundlagen des trainings, des klickerns und auch welche verhaltensmuster und welche strukturen dem lernverhalten (auch schlechtes verhalten ist ja erlernt) zugrundeliegen.

Antwort
von Tenebrae0815, 57

Hast du beim Kauf eine Ankaufsuntersuchung machen lassen und warst du auch mal unangekündigt bei der Besichtigung des Pferdes?

Ich will jetzt nicht dem Verkäufer unterstellen, dass das Pferd Medikamente bekommen hat, aber meistens sind die Pferd wenn jemand zum Probereiten kommt morgens schon ausgiebig gearbeitet worden, damit sie dann nachmittags ruhig und belassen sind.

Ansonsten kann man dir nur empfehlen mit viel Ruhe und Gelassenheit an die Probleme ran zu gehen und dir wenn es gar nicht besser werden will einen Trainer zu suchen, der mit dir an daran arbeitet.

LG Tenebrae

Kommentar von Veely ,

Die ankaufsuntersuchung mit Blutbild war super, keine Medikamente und kerngesundes Pferd. Wir waren nur mal unangekündigten früher da, da befand sich noch niemand auf dem Hof

Kommentar von Tenebrae0815 ,

gearbeitet werden sie trotzdem meistens. Meiner wurde das auch.
Ich kann mir aber gut vorstellen, dass dein Pferd stark unter Stress steht, jetzt wo sie merkt, dass es nicht mehr nach Hause zurück geht. Sie hat eine neue Umgebung und neue Menschen und es kann schon nen bisschen länger als 2 Monate dauern bis sie sich dran gewöhnt hat.

Kommentar von Veely ,

Ich frage mich nur Warum es dann den ersten Monat perfekt geklappt hat? Evt noch etwas eingeschüchtert gewesen von allem neuen? ich muss heute auch wieder mit ihr arbeiten, aber bin schon völlig unmotiviert weil ich mir selbst die Schuld gebe

Kommentar von Tenebrae0815 ,

auch wenn es noch so schwer ist geh immer positiv und motiviert hin. Deine Stute merkt es und der Druck auf sie wächst.
Mein Pony war 4 als ich es gekauft habe und hat mich am Anfang relativ häufig in den Dreck gesetzt, da er einfach schreckhaft ohne Ende war, aber wir sind drüber weg gekommen und jetzt (ein Jahr später) lässt er sich am Hafter ohne Sattel zur Weide reiten und zuckt nur noch zusammen wenn er sich erschrickt. Natürlich könnte ich ihn dafür strafen, dass er stehen bleibt und zusammenzuckt, aber es ist ein riesen Fortschritt, da er noch vor einem Jahr auf dem Arsch kehrt gemacht hätte und weg gelaufen wäre.
Vertrauen braucht Zeit und du musst es deinem Pferd erst gewähren, damit es welches zu dir fassen kann.

Antwort
von Nschoschi, 10

Denke, das ist der Grund, warum das Tier verkauft wurde.....

Das Tier kann gesundheitlich ein Problem haben, zb. Speicheldrüsenentzündungen, Zahnwurzelentzündung, Ohrenentzündung, Genick frei beweglich?

Auch kann ein traumatisches Ereignis zu so etwas führen, angebunden - steigen - Schlag ins Genick ....

Ich wäre für eine gründliche medizinische Abklärung am Kopf. Ist da wirklich alles in Ordnung, sollte man mit einer Verhaltenstherapie beginnen.

Antwort
von vmnth, 21

Hi,

die (gute) Erziehung der vorhergehenden Besitzer hat zwei,
drei Wochen angehalten und dann hat das Pferd hinterfragt, ob es Dich als
Führungsperson akzeptieren kann oder ob Du diesen Status nicht für Dich in Anspruch nehmen kannst.  :-)

Das Pferd ist erst kurze Zeit in Deinem Besitz. Kontaktiere den oder die ehemaligen Besitzer(in) und beschreibe Dein Problem. Wenn das Wohl
des Pferdes denen am Herzen liegt, werden sie Dir helfen.

Bevor Du jetzt allein anfängst, mit dem Pferd dies und jenes zu probieren, was Dir irgendwelche Leute in einem Forum raten und es hinterher nur noch schlimmer wird – lade entweder die ehemaligen Besitzer mal ein Wochenende zu Dir ein oder pack notfalls das Pferd ein und fahr‘ hin. Lass Dir von denen helfen, die das Pferd gut kennen.

Es gibt Pferde, die haben ihre Erziehung erhalten und hinterfragen die Regeln nur sehr selten bis gar nicht. Und dann gibt es Pferde, bei denen muss man immer mal wieder darauf hinweisen, dass der Mensch die Regeln vorgibt. Möglicherweise (!) hast Du ein Pferd der zweiten Kategorie gekauft. :-) Ob und was Du eventuell im Zusammenleben mit Deinem Pferd falsch machst, kann man auf die Entfernung nicht zuverlässig sagen, das werden nur Vermutungen . . . 


Allgemein gültig ist im Umgang mit Pferden grundsätzlich immer:

  • sei berechenbar für Dein Pferd und sei ihm ein „sicherer Hafen“
  • sei konsequent
  • sei Dir Deiner Sache, Deinem Vorhaben sicher –
    soll heißen, Du sagst was, wann und wo gemacht wird
  • was Du nicht entscheidest, wird das Pferd früher
    oder später allein entscheiden (ungeachtet der Folgen)

Ein Pferd zu besitzen ist nicht nur Verantwortung, es ist auch eine Herausforderung. Und nach dem Kauf braucht es ein paar Tage (Wochen? Monate?), bis man an Selbstsicherheit gewinnt. Das wird schon . . . :-)

Antwort
von Flammabel, 46

Hallo,

ich denke dein Pferd hat aus irgendeinem Grund schlechte Erfahrung mit einer Trense o.ä. gemacht!

Versuch dein Tier mal mit einem Führstrick ohne Trense abzuholen!

Also Step 1 Leine um den Hals wenn das Geht Step 2 Leine um die Nase :-) und ein Halfter formen!

Wenn das geht, dann untersuche deine Trense (scharf Kanten oder falsches Gebiß...)

Kommentar von Veely ,

Die Trense nimmt sie sofort auf, mag aber nicht stehen bleiben, also eine Abneigung gegen die Trense oder das Halfter an sich zeigt sie nicht. Wir haben schon alles gepolstert und verschiedene Halfter ausprobiert. Leider kann ich sie von der aktuellen Weide nur mit Halfter holen da dort in der Erntezeit viele Landwirte fahren und ich magst habe, dass sie unter die Räder kommt :/ 

Antwort
von Wiesel1978, 38

Versuch ihr die Orte (Gelegenheiten) schmackhaft zu machen. Bin zwar kein Pfereeprofi aber ich glaub Möhren und Apfelstücke sind da der absolute Renner (ruhig das tgl Futter etwas reduzieren) und sobald ihr euch nähert (dem Putzplatz) oder sie ein Halfter sieht und nervös wird, mit einem Stück Möhre "besänftigen". Hoffe, es hilft

Kommentar von Veely ,

mit leckerli möchte ich in dem Fall nicht arbeiten, da sie dann ganz schnell anfängt zu betteln und ich sie auch nicht an Belohnungen der Form gewöhnen mag :/ 

Kommentar von Wiesel1978 ,

Es ginge ja nur darum, der Dame in der Anfangszeit zu zeigen, dass das nichts schlimmes ist. Einen Hund belohnt man ja auch nicht mit nem Jackpot aus dem Futterbeutel, nur weil er das 10tausendste Mal "Sitz" gemacht hat 😉

Kommentar von ponyfliege ,

dann muss man dem pferd das betteln eben abgewöhnen.

gehört zur grunderziehung. und zwar beim jungpferd.

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