Frage von Bieninchen12, 118

Pferd ist irritiert durch weiche Hände?

Hi, ihr da draußen :)

Also, es ist Folgendes:

Ich weiß nicht richtig, wie ich meine Frage beschreiben sollte, also habe ich diese Überschrift genommen. Ihr werdet ja dann sowieso sehen, was ich frage. Letzte Reitstunde habe ich versucht, bei meinem Pferd(ist ein Schuli) eine ganz lockere Zügelverbingung zu halten, also als wäre meine Hand aus Gummi und würde mit ihrer Kopfbewegung mitgehen. Das mache ich zwar auch generell so, aber ich wollte mal genau drauf achten, dass ich immer diese Verbindung habe. Es hat auch teils gut geklappt - sie war irgendwie entspannter als sonst und ist ohne viel Treiben zügig mitgelaufen, aber hat immer wieder irritiert ihren Kopf hoch geworfen und ausgetestet, ob sie mir die Zügel aus der Hand nehmen oder zumindest sich dagegen auflehnen kann. Das habe ich nicht verstanden, hatte ich doch so ruhige und weiche Hände wie für mich möglich?

Habe ich etwas falsch gemacht? Sollte ich es besser komplett lassen und einfach genauso weiter machen wie vorher? Oder war sie einfach irritiert und hat versucht, es auszunutzen? Ich weiß, man sollte immer den Fehler bei sich und nicht beim Pferd suchen, aber ich habe es ja so sanft wie möglich probiert. Falls ihr noch Fragen habt, dann traut euch ruhig, sie mir zu stellen. Und danke schon mal für eure Antworten.

-bieninchen

Expertenantwort
von Baroque, Community-Experte für Pferde & reiten, 14

Wenn man nur auf "weich" achtet, dann hat das meist leider nichts mit leichten Hilfen zu tun, sondern mit komischem Gewackle, wo irgendwann das Pferd sagt "kannst Du bitte mal eine klare Ansage machen, was Du eigentlich willst? Ich kann aus dem wackligen Etwas nix rauslesen, aber offenbar stimmt das, was ich mache nicht, denn das Gewackle geht weiter". Natürlich sind wir klassischen, ob nun barock oder klassisches Sportreiten (nenn ich es mal, ich finde den Reitweisenunterschied rauszukehren in dem Level, wo der Freizeitreiter unterwegs ist, eh Quatsch), bestrebt, leichte Hilfen zu geben, nicht ins Ziehen zu kommen und das ist ja auch das Ziel der Reiterei, denn nur, wenn wir mit leichten Impulshilfen zurecht kommen, können wir jederzeit einwirken und unser Reiten verbessern.

ABER: Wenn wir die Hände so "leicht" führen, dass das wir nicht mehr konstant dran sind, verfehlen wir unser Ziel, denn jedes Zittern von unserer Seite wird als Hilfe gesehen, es zittert ständig und die Parade unterscheidet sich vom einfachen Begleiten nicht mehr.

Daher bringt man ein Pferd, das bisher nicht auf leichte Hilfen geritten ist, auch nur mit etwas mehr Last am Zügel zu diesen leichten Hilfen. Die Grundlast muss bei solchen Pferden (und dazu gehören die meisten Schulpferde) im Vergleich zu lange Zeit fein gerittenen Pferden relativ hoch sein. Aber die Lasterhöhung für die Hilfe sollte IMMER erst nur ein fester zudrücken der bisher locker geschlossenen (!) Hand sein und erst, wenn keine Reaktion kommt, nachsetzen. So geben wir unserem Pferd immer die Chance, auf die leichte Hilfe schon zu antworten und wenn es das tut, muss es merken, dass es ganz schnell wieder seine Ruhe hat, sodass es für sich einen Vorteil draus zieht, auf die leichte Hilfe zu reagieren. Hat man sich das gesichert, reduziert man nach und nach die Grundlast, bis auch diese weniger ist. Schafft man bei nahezu allen Pferden, nur je nach eigenem Geschick und Vorerfahrung des Pferdes dauert es halt länger oder weniger lang. Da ich von meiner physischen Veranlagung schon immer eher mit Schnelligkeit, Überblick und Kraft aufwarten konnte als mit Beweglichkeit, brauche ich beispielsweise etwas länger als manch anderer, der hoch koordinativ und beweglich ist. Dessen muss ich mir bewusst sein, sonst verkrampfe ich auf meinem Weg nur und mach's schlimmer statt besser.

Expertenantwort
von Dahika, Community-Experte für Pferde, 46

ich weiß nicht, wie du reitest. Aber viele Reiter meinen, dass sie mit weicher Hand reiten, wenn sie locker reiten. Eine lockere Zügelverbindung ist aber meist eine unruhige Zügelverbindung, was sehr unangenehm ist. Der Zügel darf nicht springen. Das ist übrigens nicht einfach!

Die Zügel sollen im stetigen Kontakt sein. Als ob sie ein Stock wären. Wenn man es schafft, diesen stetigen Kontakt auch noch fein und weich zu halten, dann hat man eine gute Zügelverbindung. Einfach ist das freilich nicht.

Kommentar von Bieninchen12 ,

Mit weicher Hand meine ich auch das von dir beschriebene. Ich weiß, dass die Zügel nicht hängen sollen, außer beim Warm- und Abreiten. Also denkst du, dass ich einfach noch üben soll?

Antwort
von FelixFoxx, 50

Möglicherweise war die Verbindung nicht stetig. Ein springender Zügel ist sehr unangenehm im Pferdemaul und irritiert. Das kann man aber nur beurteilen, wenn man Dich so reiten sieht.

Expertenantwort
von Urlewas, Community-Experte für Pferde & reiten, 29

Das iat so ahlich wie ein Händedruck. Wenn dir jemand die Hand schüttelt, ist es sehr unsngenehm, wenn dur einer die Finger quetscht. Aber fast genauso unangenehm ist es, wenn da gar kein Händedruck zu spüren ist und der andere seine Hand wie einen feuchwarmen Waschlappen in die deine fallen läßt. So ähnlich get es dem Pferd mit der Zügelhand am Maul.

Auch ist zu bezweifeln, dass jemand, der darin nicht geübt ist, es schafft, die verbindung standig weich und gleichmäßig aufrecht zu erhalten. Dem Pferd ist dabei das gleichmäßige noch wichtiger als das weiche. Wennn du noch nicht die reaktion hast, um 50g gleichmäßig in der hand zu haben und daher zwischendurch die Verbindung ganz verlierst, ist es dem Pferd angenehmer, du hadt 2 kg in der Hand, und die aber stetig.

Dem Pferd ist eine leichte  Hand natürlich lieber als eine schwere - aber am schlimmsten ist ein unberechenbarer Schlabberzügel, der mal da ist und dann mal wieder weg, der zuppelt und eben einfach unstet ist. Das verunsichert das Pferd, macht es unzufrieden  und geht ihm auf die Nerven, was eben noch schlechter ist  als etwas mehr dauerhafter Druck.

Hinzu kommt, dass zum feinen Reiten auch die korekt abgestimmten Halben Paraden gehören - damit die Kommunikation aufrecht gehalten wird. Mein früherer Reitlehrer sprach immer vom " ständig telefonieren" über den Zügel als Telefonstrippe. Heute könnte man sagen, du mußt mit dem Pferd ständig simsen, und das geht nur, wenn du ständig " online " mit dem Pferdemaul bist und die Verbindung nicht leckt  ;-)

Kommentar von Lheurebleue ,

sehr schön beschrieben! :)

Kommentar von Urlewas ,

Danke

Kommentar von Bieninchen12 ,

Danke für deine sehr ausführliche Antwort! Meinst du mit halben Paraden, dass man am inneren Zügel immer wieder mit der Hand leicht 'spielt'?

Kommentar von Urlewas ,

Das leichte "spielen", (welches  nicht jeder befürwortet, aber das ist wieder ein  anderes thema) hat eigentlich eher den Sinn, dass das Gebiß nicht so starrr im Maul liegt, sondern das Pferd zum Kauen zu animieren,  und die Stellung nach innen anzufragen.

So"hallo hallo, würdest du bitte dein Genick ein wenig nach innen positionieren?"

Paraden sind schon deutlich mehr, und setzten sich aus Kreuz, Schenkel und Zügelhilfe zusammen. In genau dieser Reihenfolge, was die Intensität und auch eine minimal versetzte Zeitfolge betrifft.

Und bewirken eine stärkere Aufmerksamkeit, eine Änderung in der Haltung des Pferdes oder / und der Gangart bzw. Tempo.

Diese werden  bevorzugt mit dem äusseren Zügel ( zusammen mit Kreuz und Schenkel!) gegeben.

Der äussere Zügel führt das Pferd sanft, der innere hält es weich im Genick.

Wichtig auch,  fein reiten will: das annehmen des Zügels sollte nie ein rückwärts ziehen sein, sondern eher wie eine kurze Unterbrechung des Nachgebens. Du begleitest ja mit dervhand die Bewegung des Pferdes, und machst sozusagen eine klizekleine Pause in dieser Bewegung.

Aber mach dir nichts draus, wenn du das nicht auf Anhieb hinbekommst - ich übe schon seit Jahren ;-)

Beim reiten ist der Weg das Ziel, und man kommt immerhin besser vorwärts, wenn man das Ziel wenigstens kennt.

Viel spaß und Erfolg beim Üben! 😊

Kommentar von Bieninchen12 ,

Danke :) ui, dann werd ich mal fleißig üben! Das klingt ja doch ziemlich kompliziert. Aber wahrscheinlich ist es nur schwer zu lernen und wenn man's einmal kann ist es leicht xD 

Kommentar von Urlewas ,

Wenn man weder entsprechenden Unterricht hat ( sonst würdest  du ja nicht hier fragen), noch das große Glück findet, auf einem super Lehrpferd zu sitzen, ist es natürlich nicht einfacher...

Aber, wie gesagt: der Weg ist das Ziel, und nebenbei: wichtiger noch als die korekte Zügelführung ist ein gut ausbalancierter, weicher Sitz. Dieser macht das Pferd willig,  und bereitet dich bestens darauf vor, dass du das andere hinbekommst. Denn nur aus  einem guten Sitz heraus hat man wirklich Kontrolle über seine eigenen Gliedmaßen.

Nicht umsonst heißt es, dass ein Menschenleben kaum ausreicht, um richtig reiten zu lernen ;-)

Antwort
von LyciaKarma, 52

Gut möglich, dass ein Schuli das einfach nicht gewohnt ist. 

Frag das am besten deine RL, die kennt das Pferd und dich, sieht euch und kann es besser beurteilen. 

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