Frage von meybee55, 116

Pferd galoppiert beim longieren sofort an?

Hallo,

Meine Reitbeteiligung galoppiert beim longieren immer sofort an und hält dann auch nicht mehr an. Letztens hat er mich über den ganzen Platz gezogen, da ich die Longe nicht los lassen wollte, weil ich angst hatte, dass er drauf tritt. Irgendwann hat er mir sie dann aus der Hand gerissen.

Ich komme da echt nicht weiter, und habe dem entsprechend auch ein bisschen angst ihn noch mal zu longieren. Ich weiß nicht ob er sich einfach nur ein bisschen auspowern will, da er zwar im Offenstall steht, aber aus gesundheitlichen und rechtlichen Gründen nicht mehr geritten werden kann/darf.

Ich habe da aber auch so eine Vermutung, dass er Angst vor der Longiergerte hat, da die Besitzer ihn und ein anderes Pferd manchmal auf dem Platz lassen, sich in die Mitte stellen und die Pferde dazu bringen zu galoppieren. Mittlerweile ist es sogar so, dass man sich nur mit der Longierggerte in die Mitte des Platzes stellen muss und die beiden fangen an zu galoppieren. Sollte ich ihn vielleicht wie beim Anti- Schrecktraining langsam wieder an die Longiergerte gewöhnen oder soll ich das irgendwie anders machen.

Bis jetzt habe ich sehr viel Horsemanship und Führungstraining mit ihm gemacht, ich merke aber auch, dass in ihm viel mehr Power steckt, als er wirklich zeigen darf. Er ist generell sehr sensibel und intelligent und macht sonst alles immer brav mit.

Hat jemand eine Idee, wie ich ihn wieder an die Longiergerte gewöhnen kann oder weiß jemand Übungen die ihn vielleicht ein bisschen auspowern?

Expertenantwort
von friesennarr, Community-Experte für Pferde, 25

Um dieses Pferd longieren zu können, mußt du es ihm erst mal beibringen, was das überhaupt ist.

Lies dir dazu den Longenkurs von "wege zum Pferd" durch.

So mal schnell zum üben kannst du den Zirkel begrenzen (sehr klein bisschen gößer als eine Volte) mit z.B. Geitnergassen oder Stangen und innerhalb dieses Kreises anfangen und nur im Schritt. Für jedes "nur" Schritt loben. Dann den Kreis ganz langsam über Wochen vergrößern und immer nur im Schritt. Wenn das 100 pro sitzt, dann darf er auch mal ein oder zwei Trabschritte machen.

Longieren ist eine besondere Art um mit dem Pferd zu arbeiten, Longieren ist kein Rennen lassen oder gar ein ausschleudern im Galopp.

So wie du es beschreibst, wurde das Pferd aber nur geschleudert und nie gearbeitet.

Kommentar von beglo1705 ,

Wie immer, Predikat sehr gut. 

Expertenantwort
von Heklamari, Community-Experte für Pferde, 8

rumjuxend die nicht reitbaren (???) Pferde ausgallern lassen

und longieren sind zwei Welten - DAS muß dein Pferd lernen

und Du solltest die beschriebenen lomgier-infos beherzigen: RoundPen bauen ggf aus E-zaun (wir brauchten anfangs z.B. 7 Lagen Stromzaun für unseren Junghengst....), Kursus machen, ausleinen und auslappen und desensibilisieren gegen Stöcke aller Art, gegen Knallereien aller Art usw

UND den erwähnten Kurs lesen/ansehen (Wege zum Pferd)

(Unverständnis erweckt in mir die Formunlierung: "Reitbeteiligung"  für ein Roß, daß gar nicht geritten werden darf !?!)

Antwort
von beglo1705, 60

Mit was longierst du? Kappzaum oder was anderes? Hast du das Longieren vernünftig beigebracht bekommen, also wie man ein Pferd daran gewöhnt und es richtig an die Longe stellt?

Das erste was zwingend benötigt wirdas Vertrauen vom Pferd, das zweite ein ordentlicher Longierkurs beim Reitlehrer oder Bereiter deines Vertrauens. Zudem würde ich empfehlen den Longierkurs von Babette Teschen ( zum Reinschnuppern: http://www.wege-zum-pferd.de/produkte/longenkurs/) zu lesen und umzusetzen.

Expertenantwort
von Baroque, Community-Experte für Pferde, 26

Die meisten Pferde, denen "Angst vor einer Peitsche" (welcher Art auch immer) unterstellt wird, haben keine Angst davor, sondern reagieren so drauf, wie sie es gelernt haben. Deshalb darf die Anwesenheit der Peitsche nicht immer nur Galopp bedeuten, sondern auch beim Freilaufen auf Kondition / Herz-Kreislauf-System muss deutlich getrieben werden, aber auch mit der Peitsche auch andere Signale gegeben werden, sodass den Pferden klar wird, dass nicht der Gegenstand alleine bedeutet, jetzt darf man nach Herzenslust Sport machen, seinen Rücken ausbuckeln oder was auch immer einem jetzt einfällt.

Im Winter laufen sie im Offenstall ja auch nicht so richtig, weshalb sie sich über jede Gelegenheit freuen und sich auch bedanken, wenn man es ihnen gönnt. Geht halt nicht immer, weil ja andere auch die Reitanlage nutzen wollen.

Der Rest ist Longierkönnen und dazu wurde Dir ja schon der Longenkurs auf www.wege-zum-pferd.de empfohlen ... weil in der direkten Umgebung findet man ja nicht immer jemanden, der's kann. Viele tun's, aber deren Pferde hängen auf der Vorhand oder drücken gegen Ausbinder (die im übrigen einfach nur ungesund sind) oder legen sich in die Kurve wie ein Fahrrad oder ... richtig ausbalanciert sieht man von 100 Pferden vielleicht 3 laufen an der Longe. Leider. Aber grade das Unausbalancierte macht es für die Pferde so richtig schwer und wenn ihnen dann noch einfällt "hach, die Peitsch ist da! Darf ich Gas geben?" sind sie weg, bevor man eine Antwort geben kann, schon alleine, weil da bleiben beschwerlich ist.

Expertenantwort
von Urlewas, Community-Experte für Pferde, 32

EinPferd sollte niemals Angst vor einer Peitsche oder Gerte haben. Wenn das Pferd aufhören soll zu rennen, reicht es normalerweise, die Peitsche zu senken. Spätestens, wenn du sie hinter dich zeigen läßt, sieht das Pferd ja, dass hier keine Aufforderung zum Laufen mehr stattfindet.

Das ist sonst auch sehr gefährlich - wenn du mir deinem Pferd beschäftigt ist oder reitest, rast es sonst plötzlich los, wenn jemand anders mit einer Peitsche in die Nähe kommt.

Auch wäre es sehr vorteilhaft, wenn das Pferd die Peitsche als das erlebt, wozu sie da ist - als verlängerter Arm. Man kann sie auch benutzen, um das Pferd zu streicheln und im Sommer Fliegen  wegzumachen. 

Also dran gewöhnen ist eine sehr gute Idee!

Und dass das Pferd Dich über den Platz zieht, bis Du losläßt, geht gar nicht. Aber das kann Dir schlecht aus dem Internet beibringen. Auch Longieren muss gelernt werden.

Antwort
von Koala94, 67

also ich hab einen jungen Haflinger der hatte auch totale Panik vor longierpeitschen. Ich hab 3 Monate gebraucht bis er überhaupt mal einen kreis um mich herum traben konnte ohne zu bocken und auszuflippen. Horsemanship hab ich auch gemacht das ist ganz wichtig. Hat er schon vertrauen zu dir? Dann stell dich neben ihn und zeig im die peitsche rede mit ihm das alles gut ist und fahre ganz vorsichtig über seinen rücken, Kruppe , Hals usw damit. Wenn er sich das gefallen lässt lobe ihn ganz arg!! dann fang an die peitsche direkt neben ihn etwas zu schwingen. wenn er zurückschreckt beruhigend mit ihm reden und es nochmal machen. Und immer loben wenn er ruhig ist.

Am platz longieren hat bei mir nichts gebracht weil er da keine richtige Begrenzung hatte. Roundpen wäre perfekt oder eine halle mit hohen Wänden. Such dir eine ecke in der halle/platz aus und lass ihn engere kreise gehen. In einer ecke hast du den Vorteil dass er von 2 zusammenlaufenden wänden begrenz wird und weniger raum hat loszurennen und wegzulaufen. Longier erstmal ohne peitsche möglichst zu geschlossenen Seite der ecke versuchst du ihn schneller werden zu lassen.

Bei meinem haben auch Ausbinder geholfen fürs Gleichgewicht, oft brechen Pferde über die Schulter aus und rennen los weil sie kein Gleichgewicht in der kurve haben.    Und viiiiiiiel Geduld haben :)

Kommentar von meybee55 ,

Danke, ich werde es auf jeden Fall mal versuchen. Leider haben wir keine Halle, aber ich hoffe es funktioniert trotzdem.

Kommentar von beglo1705 ,

Kein Pferdebesitzer, der das Vertrauen des Tieres und das entsprechende Knowhow hat braucht eine Longierpeitsche oder gar Ausbinder. Mit den Ausbindern machst du mehr kaputt, als es Nutzen hat.

Kommentar von Koala94 ,

Longierpeitsche brauche ich auch keine, meiner hört perfekt auf meine stimme :) Das mit den Ausbindern darüber gibt es geteilte Meinungen auch von Leuten mit Knowhow bzw erfolgreichen reitern. Meinem hat es am Anfang geholfen sein Gleichgewicht zu finden und den Rücken zu entlasten. Mittlerweile klappt alles auch super ohne. Natürlich sollte man die Ausbinder nicht über Jahre benutzen da gebe ich dir recht das kann schaden anrichten!

Kommentar von Baroque ,

Einfach mal die Bewegung des Hinterbeins eines korrekt laufenden Pferdes mit der von einem mit Ausbindern vergleichen, dann weiß man schon alleine, warum die absoluter Schmarrn sind. Läuft ein Pferd frei oder wird korrekt geritten, schwingt das Bein wie "unter der Kruppe durch" beim vor führen. Mit Ausbindern sieht es aus als würde es "oben drüber hoppeln". Das bedeutet, dass das Pferd sich eine komplett falsche Bewegung einprägt, die später wieder zu korrigieren einen extremen Aufwand mit sich bringt. Es bildet somit auch eine falsche Bemuskelung des Rückens. Nur Rücken oben und Kopf unten ist halt reine Augenwischerei und hat mit korrekt nichts zu tun.

Und alleine ein paar Wochen Ausbinderbenutzung (das, was man "korrekt verschnallt" nennt, nicht zu kurz!) führt definitiv zu Halswirbelarthrosen ... wer's mag ...

Antwort
von KatrinNKS, 27

Zum Roundpen hätte ich dir auch geraten. Da hast du direkt die Begrenzung und es kann nichts passieren. Ich würde einfach mal andere Bodenarbeit mit ihm machen (Cavaletti etc.) und die Gerte weglassen oder sie einfach irgendwie in sichtweite abstellen und ignorieren. So dass er sich an die Anwesenheit gewöhnt.

Dann kannst du nach und nach die Gerte immer weiter mit einbeziehen, wenn euer Training an der Hand Fortschritte macht. Allerdings wird es wohl schwer, wenn die Besitzerin mit ihrer "Trainingsmethode" nicht aufhört oder diese ändert.

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