Frage von leomaus11, 84

Pferd droht mit Hinterhand beim Auskratzen. Was tun?

Halli Hallo :)

Wie ein paar von euch sicherlich durch meine letzte Frage erfahren haben, habe ich mir am Sonntag ein neues Pferd gekauft. Die kleine Schimmelstute ist 7 Jahre alt, ein Connemara und kommt von einer Zucht aus Irland. Ich habe mich auf Anhieb in sie verliebt und auch beim Reiten kam für mich kein anderes Pferd mehr in Frage. Nun steht sie seit Montag bei mir und alles läuft soweit ganz gut, nur scheint die kleine überhaupt kein Benehmen zu haben. Sie mag es nicht angehalftert zu werden und das Schlimmste:

Wenn ich ihre Hinterhufe auskratzen will droht sie damit, auszuschlagen (hebt ihre Hinterhand an und dreht sie drohend in meine Richtung). Im Moment übe ich mit ihr so, dass ich ihr Bein berühre und wenn sie mir nicht droht, belohnt wird (mit einem Stück Karotte und natürlich per Stimme). Ich weiß allerdings nicht ob ich damit so viel Erfolg habe und natürlich will ich sie auch nicht für ihr Verhalten bestrafen, da ich nicht weiß was mit ihr früher passiert ist und warum sie solche Probleme damit hat, mir den Huf zu geben :/ An fehlendem Respekt kann es eigentlich nicht liegen, denn sonst läuft alles sehr sehr gut mit uns.

Ich wäre über eure Tipps sehr dankbar und freue mich immer über neue Anregungen :)

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von ponyfliege, Community-Experte für Pferde, 30

ich kann dir kurz erklären, WARUM dein pony ist, wie es ist. ich habe dir mal einen link gesetzt, damit du siehst, wie und wo es aufgewachsen ist.

dein pony hat mit ziemlicher sicherheit seine ersten vier lebensjahre in freier wildbahn zugebracht.

http://www.thousandwonders.net/Connemara+National+Park

danach hat man es eingefangen, gezähmt und sorgfältig an den menschen gewöhnt und angelernt. das geschieht mit allen wild lebenden ponys der englischen rassen sehr, sehr vorsichtig und sachkundig durch ehrenamtliche pferdekenner, die genau wissen, wie man dabei vorgehen muss.

meine frage wäre jetzt, WIE du den huf hochhebst. in england wird gewöhnlich zum reinigen der hufe das hinterbein NICHT nach hinten herausgezogen, sondern mit blickrichtung des menschen zum pferdekopf angehoben und zum auskratzen auf die hufspitze "gestellt". dabei umfasst die zum pferd zeigende hand von vorn her die stelle unterhalb des fesselgelenks. das pferd steht also quasi in entlastungsstellung. zum reinigen nimmst du einen STUMPFEN hufkratzer oder ein bambus essstäbchen und eine bürste.

probier doch mal aus, ob das pony sich anders verhält, wenn du wie beschrieben die hufe reinigst. beim heruntertreichen das bein nicht zu sanft fassen - vielleicht ist sie kitzlig.

das halfter anlegen: halfter am genickstück fassen, und etwa 30 cm vor den ponykopf halten, so dass sie es sehen kann. dabei greifen alle vier finger von unten unter das genickstück und das halfter wird nicht festgehalten, sondern baumelt lose herab.

dann gleitet die hand mit dem halfter von vorn richtung ponykopf und gleichzeitig so weit hinunter, dass das nasenteil knapp unterhalb des unteren endes des kopfes ist, "fädelt" die nase in den nasenteil ein und dann zieht die hand das genickstück nach hinten und oben. erst jetzt kommt die linke hand zum einfädeln der ohren und des schopfes zur hilfe. anschliessend krault man kurz noch die ohren und gibt dem pferd ein paar sekunden eine entspannungsmassage im nacken.

du kannst natürlich auch das halfter anziehen mit futter auf der hand belohnen - das karottenstückchen gibts aber nur, wenn dein pony die nase allein durchs halfter steckt. genauso kann dein pony auch lernen, das trensengebiss anzunehmen.  und genauso kannst du auch aufzäumen. hinterher macht das pony dann auch fürs gebiss das maul allein auf, wie es eigentlich sein sollte.

Kommentar von Heklamari ,

JA. andere Länder, andere Sitten:

mein in Irland ausgebildeter Tinker gibt die Hufe, wenn ich den Puschel berühre ganz leicht; seine Gefährtin, die schon als Saugfohlen importiert wurde hat es auf die "deutsche" Weise gelernt....

Kommentar von leomaus11 ,

oha das ist aber eine echt gute Antwort, danke dir :) Meine Stute ist - so denke ich - zwar nicht in freier Wildbahn aufgewachsen, da sie auch einen Stammbaum in ihrem Pass besitzt, aber sie ist beim Hufe auskratzen wirklich ganz anders wenn ich es so mache wie du es mir beschrieben hast. Vielen Dank :)

Antwort
von Jules07, 53

Krankheiten usw sind ausgeschlossen? Wenn sie Strahlfäule oder sonstiges hat, kann es sein, dass sie deshalb empfindlich reagiert 

Sonst hilft meiner Meinung nach nur Geduld und Übung :) du hast ja gesagt, dass du sie noch nicht lange hast, und nicht weißt, was früher war. Sowas kriegt man nicht von heute auf morgen raus, aber wenn sie mehr Vertrauen zu dir fasst und du regelmäßig übst, gibt sich das bestimmt bald von alleine 

Viel Erfolg! :)

Kommentar von leomaus11 ,

danke dir :) 

Am Montag hat sie mir alle Hufe anstandslos gegeben und sie sehen gut aus, sind richtig ausgeschnitten und Strahlfäule kann ich demnach auch ausschließen :) Dann versuche ich mein Glück einfach weiter :3

Expertenantwort
von Urlewas, Community-Experte für Pferde, 39

Wie man auf so was reagiert, kann man aus der Ferne schlecht sagen. 

Meist ist es am besten, je weniger Aufhebens man macht. Durch das viele überlegen wird man leicht unnatürlich, verkrampft und verunsichert das Pférd. 

Ich denke, das ganze positiv mir Möhrchen belegen, das machst du sicher gut. Eben immer mit Ruhe, aber nicht zögerlich agieren. Immer Ruhe und Sicherheit ausstrahlen.

Wirklich getreten hat das Pferd ja noch nicht? Also würde ich das Drohen weitgehend ignorieren, aber natürlich auf der Hut  sein. Mit der Zeit wird es schon merken, das es nichts gibt, wogegen es sich verteidigen müßte.

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