Frage von LastKings8402, 70

Pferd bleibt nicht stehen, was kann ich tun?

Ich habe eine 11 jährige Stute, die vor unserer Zeit Zeitspringen gegangen ist. Aus diesem Grund und vielleicht auch aus noch anderen Gründen hat sie beim Stehen keine Ruhe. Mittlerweile bleibt sie ruhig in der Stallgasse stehen etc. das größte Problem ist aber noch das Aufsteigen & halten. Beim Aufsteigen bleibt sie einfach nicht stehen & will auch wenn man oben ist direkt los. Heute war es sogar so schlimm, dass sie in die Luft gegangen ist. Beim Halten ist das Problem, dass sie das erst mitmacht, wenn sie schon eine Weile gelaufen ist & trotzdem zieht sie erst den Kopf komplett hoch, bevor sie wieder runtergeht. Ansonsten wenn sie gar nicht stehenbleiben will, reist sie den Kopf hoch, geht rückwärts & versucht zu steigen. An der Doppellonge bleibt sie mittlerweile auch stehen, das Problem besteht nur in der Halle oder auf dem Platz mit Reiter. Weiss jemand zufällig ein paar Tipps?

Danke im voraus :-)

Expertenantwort
von Sallyvita, Community-Experte für Pferde, 19

Mein junger Neuzugang fand und findet ruhig stehen bleiben zum Aufsteigen auch nicht all zu gut. Wie schon an anderer Stelle beschrieben von Heklamari, hilft in dem Fall das Aufsteigen von Aufsteighilfen. 

Am Anfang habe ich dafür immer Hilfe gebraucht - also jemanden, der das Pferd dabei festhielt. Wichtig war und ist, dass das immer ruhig und gelassen passiert. Meinen Wallach "besteche" ich von Anfang an mit einem Leckerli - sozusagen Wegezoll bevor ich aufsteige. Kauen beruhigt, lenkt ab und er verbindet dann mit dem Aufsteigen auch etwas Schönes. 

Mittlerweile ist das unser Ritual. Ich brauche auch niemanden mehr, der festhält. Ich führe ihn zur Aufsteighilfe, er bekommt eine Streicheleinheit und ein Leckerli, ich steige auf und alles ist gut.

Wichtig ist, dass man als Reiter immer Ruhe bewahrt und selber keine Hektik ausstrahlt und auch nicht krampfig wird, weil man weiß, was vermutlich gleich kommt. Da ist die Hilfe von unten absolut wertvoll - solange derjenige, der festhält, daraus keinen Gewaltakt macht und Druck beim Pferd aufbaut. Einfach festhalten, vielleicht leicht den Hals beruhigend klopfen und da sein - das hilft auch Dir, denn auch Du musst Deinen Kopf frei bekommen. Je mehr Befürchtungen da mit auf dem Pferd sitzen, desto mehr spitzt sich die Situation auch zu. Emotionen, angespannte Nerven, Angst - all das überträgt sich sofort auf ein Pferd. Das gilt es weitestgehend abzuschalten und jemand ruhiges, der von unten hilft, ist da Anfangs eine gute Unterstützung und gibt auch Dir Sicherheit.

Und was das Halten beim Reiten angeht, so kannst Du auch daran arbeiten. Aber nicht verbissen und unmittelbar, sondern auch hier wieder im Rahmen wachsenden gegenseitigen Vertrauens und mit Ruhe.

Das Stehenbleiben ist für viele Pferde mit Vorwärtsdrang nicht einfach. Und ich würde es ein paar Wochen erst mal gar nicht mehr einfordern. Beim Anhalten zum Nachgurten würde ich mir auch wieder Hilfe von unten nehmen, also jemanden, der festhält und beruhigend auf das Pferd einwirkt. Zur Not würde ich auch hier wieder ein Leckerli einsetzen als positive Konditionierung und viel Lob, wenn es etwas gut war. Du merkst selber, wann ein Festhalter nicht mehr nötig ist, wann Du selber entspannt und cool genug bist, Ruhe auf Dein Pferd zu übertragen. 

Generell braucht dieses Pferd Vertrauen zu Dir. Bodenarbeit ist sicherlich ein guter Ansatz. Aber auch beim Reiten selber kannst Du viel dazu beitragen. Achte auf Entspannungsphasen, Schritt am langen Zügel, aber auch mal gegen Ende der Dressurarbeit Galopp im leichten Sitz und am langen Zügel bei ruhigem Tempo, dabei loben. Und wenn das gelingt, dann kannst Du im Schritt am langen Zügel, gegen Mitte bis Ende der Dressurarbeit mal damit beginnen, das Pferd anzuhalten - aber bitte komplett Zügelunabhängig. Klappt es, gelassen loben, das Pferd nicht mit Überschwang erschrecken. Nicht zu lange stehen bleiben und ganz ruhig wieder anreiten. 

Bei einem solchen Pferd musst Du in kleinen Schritten und längeren Zeiträumen denken und immer Ruhe bewahren. Und nach und nach kannst Du das mit dem Halten steigern. Das heißt irgendwann mit aufgenommenem Zügel im Schritt halten, dann irgendwann aus dem Trab und danach auch sicherlich irgendwann aus dem Galopp. Aber es braucht Zeit und reiterliche Ruhe. Mach Dir selber keinen Druck. Hier gibt es keine Deadline, sondern nur die angestrebte Harmonie zwischen Pferd und Reiter.  Ich drücke Dir und Deinem Pferd die Daumen.

Kommentar von Urlewas ,

Ergänzend:

-Wenn man oben ist, ein Leckerchen aus der rechten Hand, ein Leckerchen aus der linken Hand - da hat das Pferd gleich Gymnastik, und leernt bald, das Stehenbleiben sich lohnt.

- nachgurten von oben macht man  ( besonders anfangs ) oft besser im Schritt, um unnötige Spannung zu vermeiden. Oder das Pferd vorher so lange führen, dass das komplett erledigt ist, bevor man aufsteigt und von oben nichts mehr machen braucht.

-was ich schon erlebt, und bei einem Tipp hier auch positives feedback bekam:einfach Quatschen. Wenn man, statt sich auf das Pferd zu konzentrieren, mit einem Zuschauer am Rande plaudert, bleibt manches Pferd erstaunlicher weise viel gelassener Stehen. Es schaltet dann wohl irgendwie auf Pause. Oft genug durchgeführt klappt es dann mit der Zeit auch ohne Plauderpäuschen, und nach und nach wird aus dem bloßen stehenbleiben ein richtiges Halten.

Kommentar von Sallyvita ,

Das mit dem Quatschen ist ein super Tipp! Stimmt, das hilft sicherlich auch!!!

Antwort
von CarosPferd, 3

Du hast ja schon viel gute Tipps bekommen wie du weiter arbeiten kannst,

Ich hoffe das klappt mit euch und du bekommst das hin.

Ich will nur dazu sagen: es liegt sicher nicht dadran dass die Stute zeitspringen gegangen ist. Unsere gehen alle zeitspringen und können alle stehen. Auch vielseitgkeitspferde/Rennpferde/etc können lernen zu stehen.

Das ist reine erziehungs und gewöhnungssache und liegt nicht an der Reitweise oder Disziplin.

Sorry wenn ich das so am Thema vorbei anmerke, nur manche schieben Verhaltensweisen auf die Disziplin die das Pferd geht, anstatt auf die sonstige Erziehung zu schauen. Und das würde ich einfach gerne anmerken

Viel Spaß und Erfolg noch :)

Expertenantwort
von Heklamari, Community-Experte für Pferde, 29

Oh wie gut ich das von meiner kleinen rennsemmel kenne !!! Anfangs ging anhalten nur vor der wand, am Zaun oder am po ihres Kumpels... Dann immer großes lob. Meine Therapie? Heftig! Ich bin mehr als ein Jahr nie mehr AUF meiner stute heim gekommen. Für den letzten Kilometer mußte ich absitzen, weil wir über 2~4 Kreuzungen mußten Also habe ich geführt und zwar 5~10m vorwärts, halt und beim hampeln sofort 1~3m zurück. Pause.für 3 atemzüge usw usw usw !!! Es hat irgendwann nach vielen Monaten geholfen. Zu ca 95%. Aufsteigen NUR an diversen aufsteigehilfen!!! Hinstellen, belohnen, rücken UND Po abklopfen. Irgendwann saaaanft einsitzen, loben usw usw usw. Anfangs mußte natürlich laaange Zeit vorne wer stehen bzw auch festhalten, ggf auch rückwärts richten. Nun hab ich wieder so ne verrückte rennmaus. Nach einem Jahr und unendlich viel üben ist es fast immer ok. Also : bleib immer cool und habe Geduld, unendliche Geduld!

Kommentar von Sallyvita ,

Wow - Respekt! DH

Antwort
von Mimi33394, 32

Das stehen bleiben beim Aufsteigen, lässt sich mit etwas Geduld ganz gut trainieren. Teil das aufsteigen in einzelne Schritte auf:

1. neben das Pferd stellen und es am Widerrist etwas hin- und herziehen. Das sorgt für einen sicheren Stand, da sie sich ausbalancieren muss.

2. Fuß in den Steigbügel stellen

3. Schwung holen

4. aufsitzen

Wenn bei einem dieser Punkte das Pferd los läuft, sofort abbrechen und es ruhig zurückschicken. Für jeden Schritt nach vorne 4 Schritte zurück. wichtig ist, dass dies ruhig geschieht und nicht hektisch oder dass es als Bestrafung einen kommt. Wenn sie es als Bestrafung ansieht, wird sie sonst jedes mal, wenn sie weiß, dass sie etwas falsch gemacht hat, unaufgefordert rückwärts gehen.

Wenn du es dann geschafft hast aufzusteigen, nicht sofort losreiten, sondern sie erst nach links und rechts Richtung deiner Schuhe schauen lassen. Natürlich nicht ziehen und zerren, aber der Pferdes ist See beweglich. Irgendwann mann man nur noch leicht an einem zupfen, damit das Pferd reagiert. Das in zufälliger Abfolge beider Seiten mehrfach wiederholen. Dabei lernt sie, dass aufsteigen nicht direkt loslassen heißt. Wenn das mit dem stehen bleiben schon ganz gut klappt, kann man statt der Dehnung am Anfang einfach nur stehen bleiben und z.B. Hals und Flanken abklopfen. Auch wenn sie losgeht während du drauf sitzt, gilt die Regel für jeden Schritt vor, vier Schritte zurück.

Damit das beim reiten auch so klappt, viele Schritt-Stehen Übergänge machen. Auch wenn es dann zu den schnelleren Gangarten kommt, viele Wendungen und Gangartwechsel einbauen. Sobald unerwünschtes Verhalten auftritt, abbrechen und wieder im Schritt anfangen.

Kommentar von Urlewas ,

Für die in Pferd, das sich nach rückwärts entzieht und steigt, ist rückwärts schicken wohl kaum sinnvoll... 

Kommentar von Mimi33394 ,

Meiner war genauso und es hat funktioniert.

Antwort
von Boxerfrau, 7

Als erstes würde ich das stehen vom Boden aus fordern... Das Pferd muss lernen das wow oder steh oder wie auch immer dazu sagts bedeutet. Dazu findest du im Internet genügend Videos und Methoden von diversen Horseman. Wenn das Pferd werder beim Putzen noch neben dir ruhig stehen bleibt, wieso sollte es das ganze dann tun wenn du aufsteigt willst. Fang mit kurzen Übungen an und steigere das ganze. Ansonsten hole dir einen Trainer. Und übe das stehen bleiben neben Gegenständen wie z.b einer Mauer, Aufssteighilfe , Bank und ähnlichem.

Antwort
von Beutelkind, 28

Das rückwärtige Gehen würde ich mittels Möhrchen beizeiten(!) bestärken und so möglichst dem Steigen im Vorwege Einhalt gebieten.

Vor jedwedem Arbeiten mit der Stute würde ich ihrem anerzogenen Drang nach Vorwärts Rechnung tragen: Bodenarbeit, miteinander spielen, das "in die Luft gehen" am Boden erlauben, dazwischen aber immer wieder ein, zwei Schritte rückwärts einfordern! um dann eine "Freigabe" quasi als "Möhrchen" verschenken zu können... :)

So würde ich das machen!

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