Frage von Tengelchen, 156

Pferd abgeben oder nicht?

Hallo ihr Lieben .. momentan bin ich richtig ratlos. Es geht um mein Pferd...Beim Kauf ist leider vieles falsch gelaufen. Ich habe sie nun schon 2 Wochen und einen Tag nach Ablieferung ging sie stockenlahm. Der Fahrer meinte, dass beim Eintreiben von der Koppel schon ein dunkles Pferd gelahmt hätte, er aber vergessen habe, uns nochmal darauf hinzuweisen, dass wir die Pferde noch mal ausprobieren (Schlussendlich war es meins.) Laut Untersuchung ist es ein Hufgeschwür. Trotz Behandlung geht sie heute noch nicht komplett sauber. Den "Mangel" habe ich bereits beim Züchter angegeben. Da ich leider auch etwas überfordert mit meiner kleinen Maus bin, überlege ich sie deshalb wieder abzugeben. (Sie ist sehr jung, unangeritten und etwas vollblütig.) Ich weiß, ein Pferd ist kein Kleid, was man einfach weg wirft, wenn es einen nicht mehr passt oder gefällt. Meine Reitlehrerin, die mich eigentlich zum Kauf solch eines jungen Pferdes bequatschen hat, nur weil sie eine gute Abstammung hat, meinte, ich sollte ihr noch eine Chance geben. Sie versteht auch nicht, dass ich komplett überfordert bin, auch wenn das mit dem Geschwür besser geworden ist. Eine andere Meinung hat nun wieder der TA-Helfer mit dem ich den Fall besprochen habe. Dieser meinte, ich sollte sie so schnell wie möglich wieder zurück geben, da ich sonst Kopf und Kragen riskiere (er hat selbst schon sehr schlechte Erfahrungen gemacht.). Außerdem tue ich ihr und mir keinen Gefallen, wenn ich sie behalte, schließlich sind wir beide noch jung und haben unser beider Leben noch vor uns. Eigentlich möchte ich sie nicht weggeben, weil ich mich schon im ersten Moment verliebt habe, aber ich bin überfordert und jeder rät mir etwas anderes. Ich weiß nun gar nicht mehr was ich machen soll. Habt ihr vielleicht eine Meinung dazu? Was sind eure Erfahrungen?

Expertenantwort
von Urlewas, Community-Experte für Pferde & reiten, 83

Wenn Du mich fragst: Gib das Pferd so schnell wie möglich wieder ab - das hat nichts mit einem " alten Kleid " zu tun. Du wirfst es ja nicht weg - die Wahrscheinlichkeit, dass auch das Pferd mit einem anderen passenden Reiter zufrieden wird, ist ja nicht geringer als bei Dir.

Offensichtlich hast Du das Pferd im Vertrauen auf eine Beratung gekauft, und nicht, weil es Die absolute Liebe auf den ersten Blick gewesen wäre. Es gibt Leute, die in ähnlichem Fall Jahrzehnte unglücklich mit ihrem Pferd nur den Tag herbeisehnen, wo sie es guten Gewissens auf die Rentenerkoppel abschieben können...

In Cavallo stand mal, dass 60 Prozent der Reiten Angst vor ihrem eignen Pferd  haben. ( Dunkelziffer derer, die es nicht zugeben, ungewiss...)

Ich würde Dir raten, trenne Dich von demTier, bevor es dir zu sehr ans Herz wächst und warte mit einem Kauf, bis Dir ein Pferd begegnet, wo Du merkst: das ist es! 

Deine Reitlehrwrin hat es sicher gut gemeint - aber schlussendlich muss sie auch von ihrem Beruf leben, und das beeinflusst natürlich auch ihre Beratung. 

Und auch bei fachlichsten Kompetenzen gibt es Dinge, die niemand anderes für einen entscheiden kann. Ich habe zum Beispiel auch mal einen Kurs abgebrochen. Weil ich mir etwas nicht zugetraut habe, obwohl die Leiterin mich durchaus für fähig hielt. Eine andere Teilnehmerin hat sich auch nicht sicher gefühlt und weiter gemacht- bis sie der Rettungswagen geholt hat.

Mit jedem Pferd besteht die Möglichkeit, dass es irgendwann doch zu Problemen kommt - aber ich würde nicht schon  gleich ein Problem mitkaufen....

 

Kommentar von friesennarr ,

In Cavallo stand mal, dass 60 Prozent der Reiten Angst vor ihrem eignen Pferd  haben. ( Dunkelziffer derer, die es nicht zugeben, ungewiss...)

Im cavallo steht viel Quatsch wenn der Tag lang ist und auf das was in diesem Magazin geschrieben steht würde ich nicht mal einen feuchten Kehricht drauf geben.

Kommentar von Urlewas ,

Sicher - man soll nicht alles glauben , was schwarz auf weiß geschrieben steht. Aber in dem Fall deckt sich das leider ziemlich mit meinen Beobachtungen....

Kommentar von sukueh ,

Die "Angst" vor dem eigenen Pferd entsteht doch häufig nur aufgrund der Naivität der Pferdebesitzer. Da wird teilweise gute Beratung in den Wind geschlagen, weil man sich in der Pferd verliebt hat oder es unbedingt retten muss.

Wenn es dann aber an der Basis im Umgang mit dem Pferd oder auch am Reiten grundlegend fehlt (was häufig der Fall ist), braucht man sich nicht zu wundern, wenn das Pferd einem irgendwann mal derart auf der Nase herumtanzt, sodass man sich davor zu fürchten beginnt.

Leider fallen viele Menschen dann auch wieder auf die falschen Helfer herein oder machen gar nichts, sondern erwarten, dass das arme gerettete Pferd einfach so "zurücklieben" muss oder planloses auf dem Rücken herumtragen klaglos erdulden muss.

Die Auseinandersetzung mit seinen Ängsten und einem unerzogenen Pferd oder auch der eigenen Schwächen in Bezug auf die eigene Reiterei erfordert Einsicht, Arbeit und häufig auch einen erheblichen finanziellen Einsatz. Will man sich dem nicht stellen, bleibt es bei der Angst.... Pferde lesen in der Regel weder Wendy noch Ostwind....

Kommentar von Michel2015 ,

Auf die Mitglieder meiner Stallgemeinde trifft das allerdings voll zu....

Expertenantwort
von Urlewas, Community-Experte für Pferde & reiten, 34

Irgendwie - Entschuldigung, es ist ja nur ein Gedanke, den ich einfach mal äußeren möchte- habe ich ein bisschen den Eindruck, dass die Fragestellerin  eigentlich den Kauf lieber rückgängig machen würde und sich nicht traut, weil ihr dafür ein schlechtes Gewissen eingeredet wird. 

Aber das braucht sie nicht zu haben! Wenn Sie erkannt hat, dass es doch besser für sie wäre, ein erfahrenes Pferd zu haben, ist es aller Ehren wert, diese Erkenntnis in die Tat umzusetzen, statt sich von den Vorstellungen anderer manipulieren zu lassen.

Anders wäre es, wenn sie dieses Pferd gegen ein anderes ähnlich junges austauschen wollte.

Kommentar von Tengelchen ,

Danke für dein Verständnis.

Antwort
von sukueh, 33

Normalerweise würde ich sagen, dass keines der von dir genannten Gründe ein Grund wären, ein Pferd wieder zu verkaufen.

Erstens hast du das Pferd noch nicht so lange, ein Hufgeschwür lässt sich ja meines Wissens in der Regel gut behandeln, ohne dass irgendwelche "Folgeschäden" zu erwarten sind und dass man ein noch nicht ausgebildetes Pferd noch ausbilden muss und dazu in der Regel auch besser die Hilfe eines Profis beizieht, ist eigentlich auch klar.

Den Spruch "ihr beide habt euer Leben ja noch vor euch" find ich im Hinblick auf deine Kaufentscheidung ziemlich lächerlich. Du hast dich ja vermutlich bewusst für dieses junge Pferd entschieden.

Solltest du nur zum Kauf gedrängt worden sein und diesem Drängen auch nachgegeben haben, würde ich mir ein anderes Umfeld zum Reiten suchen, wo du nicht zu irgendwelchen Sachen gedrängt wirst, hinter denen du nicht stehst/stehen kannst. Sonst stellst du möglicherweise eines Tages fest, dass DEIN Pferd anders gehalten oder geritten wird, wie DU dir das vorstellst, weil du zu viel auf andere gehört hast.

Ganz ehrlich, wenn du dich jetzt mit diesem Pferd überfordert fühlst, würde ich in der nächsten Zeit an deiner Stelle auch vom Kauf eines anderen Pferdes absehen. Ich habe nämlich aufgrund deiner Schilderungen den Eindruck, dass du dich zu viel von der Meinung anderer abhängig machst. Zuerst beim Kauf und jetzt nach zwei Wochen wieder mit der Überlegung, ob behalten oder abgeben.

Ich denke mal, dass viele Pferdehalter - gerade "Anfänger" - in der ersten Zeit als Pferdebesitzer dieses Gefühl der Überforderung kennen. Aber, an diesem Gefühl der "Unzulänglichkeiten" lässt sich in der Regel arbeiten. Mehr/besserer Reitunterricht, fundierte Ausbildung des Jungpferdes mit einem Trainer, der einen dann auch über einen längeren Zeitraum begleiten kann. Klar, erfordert dies auch einen gewissen finanziellen Mehraufwand, aber das der ansteht, dürfte bzw. sollte bei der Anschaffung eines Jungpferdes klar sein. Dass man sich nicht auf die kostenlose Hilfe von Stallbesitzern und/oder Reitlehrern verlässt, sollte auch klar sein. Diese Leute müssen schließlich auch ihr Geld verdienen, wenn die immer kostenlos helfen sollten, könnten sie vermutlich bald ihren Stall zusperren.

Nachdem du aber jetzt eben schon mit anderen darüber sprichst, ob du das Pferd wieder verkaufen solltest, hast du wohl schon eigentlich ernsthaft mit dem Gedanken gespielt und suchst jetzt nach der "Bestätigung", dass diese Entscheidung jetzt die richtige wäre.

Antwort
von LyciaKarma, 18

Klingt, als hättest du vorher überhaupt nicht überlegt, was du tust. 

schließlich sind wir beide noch jung und haben unser beider Leben noch vor uns

Und? Das wusstest du vor dem Kauf nicht, oder wie? 

Also bitte.. mir kommts eher so vor, als wenn du nach 2 Wochen vom Pferd erwartest, dass es perfekt funktioniert - aber das arme Ding hat sich noch nicht mal eingelebt. 

Alles neu, alles Stress, fremde Pferde, fremdes Wasser, fremdes Futter, fremde Wiesen, fremde Geräuschte, fremde Leute... 

Nach zwei Wochen bin ich noch laaange nicht geritten, geschweige denn dass ich mein Pferd da schon gearbeitet hätte. Folglich kannst du meiner Meinung nach auch nicht wissen, ob ihr zusammenpasst oder nicht.

Ich glaube, du hast nicht damit gerechnet, dass ein Pferd Arbeit heißt, ein junges erst Recht, und brauchst jetzt einen Grund, das Tier abzuschieben, damit du kein schlechtes Gewissen haben brauchst. 

Gib sie wieder ab, aber bitte kauf dir dann erstmal kein Pferd mehr. 

Antwort
von Michel2015, 23

Ein Hufgeschwür ist akut, muss konsequent und täglich behandelt werden, in Folge ist das teuer. Andernfalls verliert man das Pferd, mindestens aber seine Qualitäten.

"Ohne Arme keine Kekse"! Pferde mit drei Beinen, sind Lasagne. Sorry, das ist die Wahrheit.

Das dauert mind. 8 Wochen und muss intensiv verfolgt werden.

Die Kosten kann doch der Züchter tragen? Rechtlich ist das ein Mangel, ethisch sieht das ganz anders aus. Das Pferd hat meiner Meinung nach erstmal eine Chance verdient. Kläre das doch bitte mit dem Verkäufer und rede mit dem TA und nicht mit seinem Vasallen.

Antwort
von Visch2010, 81

Also das erste ist das Thema Hufgeschwür: mein Pferd hatte auch gerade eins... Irgendwann hat es seinen Weg aus dem Huf gefunden und das Pferd ist wieder schmerzfrei... Ist zwar etwas langwierig, aber das sollte nun wirklich kein Grund sein...

Bei dem anderen verstehe ich nicht, wieso du dir das nicht vorher überlegt hast... Immerhin hast du das Pferd doch vorher ein paar mal besucht und es "ausprobiert" oder nicht?

Ich finde, du solltest dir einen guten(!) Trainer suchen, der dich dabei unterstützt das Pferd anzureiten... Und der dir hilft mit deiner Überforderung klarzukommen...

Oder du haust jetzt sofort in den Sack.... Da kann man sich dann allerdings nur fragen, wieso zur Hölle du dir ein unausgebildetes Pferd gekauft hast, wenn doch klar ist, dass du keinerlei Erfahrung darin hast... Aber dann hat wenigstens das Pferd eine Chance auf einen Besitzer, der was mit ihm anzufangen weiß...

Kommentar von Urlewas ,

Sie hat es auf den Rat der Reitlehrerin gekauft, die sich sicher zutraut, Pferd und Reiterin zu fördern.

Eine Verkaufsprovision kann sie üblicherweise auch erwarten, was ihr ja auch zusteht, da ihr fachlicher Rat sich auf die Qualität des Pferdes bezieht. 

Wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, das  Pferd und Käufer wirklich harmonieren  werden, ist immer schwer zu sagen.

Kommentar von Visch2010 ,

Ich finde es einfach ein Unding nach nur 2 Wochen ein Pferd wieder anzugeben... Wo ist diese Reitlehrerin jetzt? Wieso unterstützt sie nicht? Und dass ich als nicht-Profi einen Trainer brauche um ein Jungpferd auszubilden sollte klar sein... 

Außerdem hat die PE geschrieben, dass sie sich im ersten Moment verliebt hat...

Da gehören dann einfach Geduld und ein Trainer dazu, dann kann das was werden

Antwort
von KleinerEngel18, 29

Also ich würde sie auf jeden Fall wieder zurück geben! Du hast nicht das, was du wolltest. Lass dich von Niemand bequatschen, wenn es um einen Pferdekauf geht, außer vom Tierarzt, wenn das Pferd Krankheiten hat etc. aber sonst nicht! Das geht meistens nie gut aus.

Antwort
von 1ManekiNeko1, 61

Gib es ab und hole Dir ein älters erfahrenes Pferd. So wird das nichts mit Euch. Du begibst Dich so nur in unnötige Gefahr oder musst unendlich viel Kohle in einen Trainer investieren,der Dein Pferd und Dich ausbildet.

Kommentar von sukueh ,

Dass ich in ein noch nicht ausgebildetes Pferd noch Geld investieren muss, sollte mir bei der Anschaffung bereits klar sein und einkalkuliert worden sein.

Kommentar von 1ManekiNeko1 ,

Dann erübrigt sich die Frage hier ja grad von selbst....! Trainer ran und Geldbörse zücken.!

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