Frage von annika333, 19

Personale/s oder neutrale/sErzählverhalten/perspektive?

Könnte mir jemand den Unterschied zwischen einem personalen Erzähler und einem neutralen Erzähler erklären? Vielen Dank :)

Antwort
von Deponentiavogel, 15

Ich integriere auch mal den auktorialen Erzähler, um alle Erzählperspektiven der 3. Person abzudecken.

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• Auktorialer Erzähler:

Der auktoriale Erzähler ist allwissend, kann jedem Charakter in den Kopf schauen und natürlich auch Vorausschauen machen.

Der stilistsich schrottige Klassiker: Doch es sollte alles anders kommen …

Der auktoriale Erzähler kann Kommentare einwerfen und eine eigene Persönlichkeit haben. Allerdings braucht man Expertise, in dieser Perspektive die Spannung zu bewahren – da ja auch die Gegenspieler durchleuchtet werden.

Beispiel:
Steffen balancierte über den Abgrund. Wie schon viele Seilwandler in der Geschichte der Seilwandelei dachte er nicht an den Tod, der auch jetzt sprungbereit auf ihn wartete. Er war in höchstem Maße konzentriert. Deswegen hätte er auch in seinen kühnsten Träumen nicht erwartet, dass man ihn noch heute über den Haufen schießen sollte.

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• Neutraler Erzähler:

Dieser Erzähler ist die beste Wahl für Distanz und Objektivität. Man kann beliebig vielen Charakteren dabei zusehen, wie sie dieses oder jenes machen. Es wird nicht gewertet, nicht geurteilt.

Der neutrale Erzähler ist im besten Falle nicht bemerkbar. Wenn schlechte Autoren eigentlich personal erzählen wollen, verfallen sie oft in diesen Stil.

Beispiel:
Steffen wandelte über das Seil. Schweißperlen liefen über sein Gesicht und tränkten sein Hemd. Er dachte bloß an seine Füße und wie er sie wohl abwinkeln sollte, um den Halt zu wahren, als auf der Tribüne erschrockene Rufe laut wurden.

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• Personaler Erzähler:

Der personale Erzähler ist wohl der beliebteste in moderner Schönliteratur. Oft angestrebt, selten erreicht.

Er sitzt immer nur einem Charakter auf der Schulter und sieht durch seinen Blick, liest seine Gedanken. Er hat die grammatische Distanz der 3. Person, aber beinah die Nähe am Geschehen wie der Ich-Erzähler.

Beispiel:
Steffen setzte seinen Fuß aufs Seil. Innerlich lächelte er über den Aufschrei, der durch die Menge ging. War das ihr erster Besuch im Zirkus? Seine Brust stellte das Beben ein. Da war nur mehr dieser Pfad, der spindeldürr nach vorn führte. Warum schrien die denn immer noch?

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