Frage von LisaJazzy, 97

Persönliche Weiterentwicklung (w, 20): was ist los mit mir- Kannst du mir einen Wink zu einer Diagnose geben- Erfahrungberichte?

Liebe GF-Person

Nach vergeblichen Anläufen zur Selbstdiagnose, muss auch ich Eigenbrötler mal zur Einsicht kommen, dass die Meinung anderer mir vielleicht doch helfen könnte, mich endlich weiter zu entwickeln. Denn... Ich halt' es nicht mehr aus. Mein Leben ist ein Fake. Aber ich will so gerne leben und nicht mehr Suizidgedanken verdrängen müssen. Ich bring's nich' hin, mich wirklich tiefgründig jemandem anzuvertrauen. Will nicht wehleidig, rührseelig sein und zu viel Aufmerksamkeit beanspruchen. Ich kann mir kaum vorstellen, dass ich mal so richtig im Leben stehen werde. Mit festem sozialem Umfeld, in dem ich mich gespiegelt fühle, Beschäftigung nachgehend, für die ich lebe. Momentan fühlt sich alles unecht an und es hört sich für dich bestimmt hohl an, dass meine persönlich Hoffnung darin liegt, dass ich bald aus dem allem erwache. Langsam bekomme ich grosse Angst, dass ich für meine Familie eine Belastung werden könnte- in ein paar Jahren.

Status Quo und Geschichte: ich befinde mich in der Vorbereitungsphase für eine Aufnahmeprüfung. Die ist im Winter, bis dahin bin ich auf der Suche nach Arbeit. So lungere ich zu Hause rum. Ich lese viel, spiele Musik, male, geh' in die Natur. Leider kann ich mich schlecht konzentrieren, weil ich oft gar nicht richtig da bin. Ich unterhalte mich mit Figuren aus der Vergangenheit. Entschuldige mich bei ihnen, dass ich den Kontakt zu ihnen abgebrochen habe und sage ihnen, dass sie mir unendlich fehlen. (Oder sie hasse.) Dass ich eine Idiotin war und bin und selbst nicht weiss, wieso ich so gehandelt habe, wie ich's tat (oder eben nicht). Ich mal' mir dann auch aus, wie mein Leben wohl aussehen würde, hätte ich dies und das getan. Hätte ich doch als Kind angefangen zu tanzen, hätte mehr Musik gespielt. Absolut bescheuert. Stattdessen hab' ich einen Sport gemacht, der mir nie wirklich viel gegeben hat- ausser riesige Panik vor dem Verlieren an den Wettkämpfen, an die ich fast jedes Wochenende gefahren bin und an denen ich auch nicht schlecht war. In der Pubertät hab' ich dann im bisherigen Zenit einfach aufgehört. Ich wollte jetzt endlich loslegen mit sowas, was man eine 'kreative Karriere' nennen könnte. Oder einfach richtig "leben" Und auch weil es mich so angekotzt hat. Damals war ich Teil einer Clique, von der ich aufgrund meiner extrovertierten, unterhaltsamen Art sehr geschätzt wurde. Ich war einfach dankbar, irgendwo dazu zu gehören. Nach einem Jahr war's dann vorbei. Denn ein Mädchen, für welches ich das Gegenstück zur Narzistin war, hatte mich von meiner besten Freundin entfernt. (NB: Heute sind die 2 BFs) Ich hab' mich gelöst von ihr und galt dann als engagiertes (ich glaube eitles) 'Powermädel'. Anschliessend ein abgrebrochenes BWL-Studium('n weiterer Selbstlügenanlauf) in einem and'rem Bundesland.

Danke für jede ernst gemeinte Antwort!

Deine Lisa

p.s. ich bin die kleine Schwester von zwei +/-"Vorzeigekindern". Eltern sind seit meiner Kindheit geschieden.

Antwort
von Pescatori, 19

Liebe Lisa,

kann es sein, dass Du das Gefühl hast aus Deiner Spur geraten zu sein? Vielleicht zweifelst Du sogar daran sie je gefunden zu haben.

Du blickst mit großen Zweifeln auf Deine Vergangenheit, siehst Versäumnisse, falsche Entscheidungen.

Als kreativer Mensch inszenierst Du Dir im Kopf  kleine Theaterstücke:

Vergangenheit noch einmal - wenn es damals sooo gelaufen wäre….  

Und hätte ich doch…

Deine Selbstzweifel finden nun in dieser nicht festgelegten Zeit guten Nährboden: Die Zukunft kommt als Bedrohung auf Dich zu,  wie die Prüfung im Winter.

Jetzt, in dieser konturlosen Zeit, siehst Du vielleicht, dass Du zu Dir hättest finden müssen, statt dem nachzustreben, was Dir wohl überwiegend von außen nahegelegt wurde(?).

Diese Zeit, die für Dich so ängstigend ist, ist sie nicht auch eine Chance?

Sich selber finden ist immer ein schwieriger, ja meist ein schmerzvoller Prozess. Ich habe das Gefühl, dass Du gerade mittendrin steckst.

Nun beschreibst Du ja schon wichtige Selbstheilungschritte:

„Ich lese viel, spiele Musik, male geh' in die Natur.“

Diese wichtigen Wege zur Selbstfindung reichen nun aber wohl nicht aus.

Ein simpler Weg, um den ich mich in ähnlichen Krisenzeiten bemühte, bestand darin, meinen Tagen eine ziemlich strenge Struktur zu geben.

Ich bin von der heilenden Kraft des frühen Morgen überzeugt.  Joggen,
TaiChi, Yoga zur frühen Stunde und dann einen streng gegliederten Tagesablauf, den man allerdings auch ohne schlechtes Gewissen mal radikal abändern kann (was ich jetzt gerade tue.)

Körperliche Arbeit – vielleicht im Haushalt oder im Garten – hat oft auch eine erstaunlich klärende Wirkung. Das ständige Sorgenkarusell in unserem Kopf kann dabei zum Stillstand kommen.

Auch regelmäßige Meditation kann eine neue und tragfähige Beziehung zum Leben  entstehen lassen.

Du bist ja jemand, der sehr daran interessiert ist, den eigenen Weg aus einer krisenhaften Zeit zu finden. So verstehe ich Dich jedenfalls, wenn Du Deine Versuche der „Selbstdiagnose“ erwähnst und Dich – wie ich finde – unpassend als „Eigenbrötler“ bezeichnest.

Ist es jetzt nicht gerade die richtige Zeit zu Dir zu finden?

Ich wünsche Dir von Herzen Erfolg dabei!

P.

Antwort
von Goldmarie1988, 37

Liebe Lisa,

ich finde du hast einen sehr schönen Schreibstil. Vielleicht solltest du anfangen zu schreiben. Deine Geschichte oder irgendeine..

Das "von der Seele schreiben" hilft oft und führt noch öfter zur Selbsterkenntnis. Ich führe auch eine Art Tagebuch - eher ein Gedankenbuch wo ich wichtige Erkenntnisse festhalte oder mir einfach die Dinge von der Seele schreibe. Mir hilft das - vor Allem in Zeiten der Einsamkeit oder wenn ich mit einem Gedanken hadere.

Gute Freunde sind heutzutage leider schwierig zu finden. Vielleicht versucht du mal selbst auf für dich interessante Menschen zuzugehen und sie nach einem Treffen zu fragen? Vielleicht fließt es ja zwischen euch

Versuche dich von deinen "was wäre wenn-Gedanken" zu lösen und verzeihe dir selbst die Dinge die du vielleicht getan hast .. oder die du nicht getan hast. Man kann es nichtmehr ändern - das ist nur Ballast. Aber du kannst jetzt etwas ändern indem du aus deinen Fehlern lernst.

Lass dich nicht unterkriegen - nach Regen kommt auch wieder Sonnenschein :-)

Fühl dich fest gedrückt,
Goldmarie


Kommentar von LisaJazzy ,

Danke für die Antwort und das Kompliment :)

Ich schreibe tatsächlich ganz gerne und führe auch ein Tagebuch. Da komm' ich schon zu Einsichten. Bloss ändert das an der Vergangenheit nichts und vor allem nicht am Fact, dass ich Gedanken an diese nicht loswerden kann.

Klar, wahrscheinlich liegt auch ein Teil daran, dass ich einfach noch nicht das passende soziale Umfeld gefunden habe.

Lg

Lisa

Antwort
von darkjedi1109, 26

Deine Situation ist schwierig. Das Problem ist auch, dass dein Text (auch wenn er für gf lang ist) im Verhältnis zur echten Geschichte nur einen Bruchteil ausmacht.

Ich habe selbst Erfahrung mit einigen Aspekten die du ansprichst und kann dir sagen, dass Dinge wie fehlender Selbstwert und Perspektivlosigkeit nicht zu unterschätzen sind.

Mein Tipp ist, dass du dir jemanden zum reden suchst - im Idealfall einen Psychologen. Wenn du das nicht möchtest zumindest vielleicht eine Person, die dich und deine Geschichte noch nicht kennt, da Außenstehende häufig einen anderen Blickwinkel haben und der einem selbst helfen kann.


Auch wenn's gerade schwierig für dich ist solltest du die Hoffnung nicht aufgeben!

Antwort
von imakeyourday, 27

Hallo,

Dein Leben ändern, das kannst nur du selber. Wenn alles gefaket ist, ja dann machs doch real. Hör auf die Dinge zu tun, die du so sehr hasst. Mach das, was du wirklich willst.

Die Vergangenheit kannst du nicht mehr ändern, so oder so. Also verschwende deine Zeit nicht damit, Dinge zu bereuen, die schon längst vergangen sind. Klar, dir Vergangenheit hat dich zu dem gemacht, was du bist, aber du kannst über deine Zukunft bestimmen und aus der Vergangenheit lernen. Was dich nicht umbringt macht dich stark.

Leben ist kein Ponyhof. Vielleicht hast du einfach Angst vor dem was passiert, wenn du deine Träume verwirklichst. Nicht jeder Mensch weiß Ehrlichkeit zu schätzen, was daran liegt, dass dir meisten genau so fake sind wie Michaela Schäfers Brüste und dabei auch noch so tun, als wäre das erstrebenswert.

Wenn du nicht so sein willst, dann tu was. Fang an zu Leben, und stell dich deinem Ängsten. Einfach mal nach dem Motto YOLO, das ist gar nicht so falsch.
Alles Gute!

LG imakeyourday

Antwort
von Midgarden, 27

Nun, den ersten Schritt hast Du ja gemacht, in dem Du anfängst, über Dich nachzudenken und die Chancen auf Veränderung sind deutlich besser als bei jenen, die sich nur als Opfer der Umstände sehen.

Bei Dir liegt eine ganze Menge an und Ferndiagnosen sind immer Murks - sinnvoll wäre für Dich, Dir entweder einen zuverlässigen und geduldigen Gesprächspartner zu suchen, mit dessen Hilfe Du Dein bisheriges Leben etwas sortierst und neu ordnen kannst.
Das kann - aber muß nicht zwingend - eine Psychologin sein 

Kommentar von LisaJazzy ,

Danke für die Antwort erstmal! :)

klar, dass man sowas nicht für pure Münze nehmen sollte. Ich hoffe einfach auf die Erfahrungsberichte von Leuten, die ähnliches auch schon durchgemacht haben.

Lg

Lisa

Kommentar von Midgarden ,

Wenn Du Deine Lebenssituation verändern möchtest, werden Erfahrungsberichte anderer zwar vermitteln, daß es auch ähnliche "Lebensläufe" gibt - sie werden Dir aber nicht ersparen, Dein eigenes Leben in die Hand zu nehmen ;-)

Antwort
von AntwortMarkus, 4

Sachen gibt's. 

Kommentar von LisaJazzy ,

..,die helfen einem nicht.

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