Frage von cafibone, 45

Patientenwunsch bindend, wie aufschreiben, Entbindunf von Hilfeleistung?

  1. Ausgangssituation: Frau (40 J.) hatte einen Krampfanfall und lag bewusstlos auf Fußboden. Ehemann rief Feuerwehr und diese brachten Frau ins Krankenhaus.
  2. Frau ist im KH durchgetestet worden. Keine Lebensgefahr, EEG MRT EKG. usw ohne Besonderheiten
  3. Frau will: wenn nochmal Kranpfanfall, dann soll lediglich auf Atemfreiheit geachtet werden (Kein Kissen vor der Nase oder andere blöde Fallen wie auf Decke liegen mit Gesicht nach unten - Erstickungsgefahr). Sie will keine Feuerwehr/Rettungssanitäter bei unkomplizierter Bewusstlosigkeit.
  4. Mann akzeptiert das so nicht und hat Angst vor Anzeige unterlassene Hilfeleistung.

Wie vorgehen ? Bringt ein Schreiben von ihr dort Absicherung (mit Zeugen und Unterschrift). Oder muss der Ehemann zwingend Retter holen. Bei Eheleuten ist das glaub ich auch nicht unterlassene Hilfeleistung sondern wegen der besonderen Garantenstellung Tötung durch Unterlassen.

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von fspade, 10

Grundsätzlich hat jeder das Recht auch unvernünftig erscheinende medizinische Entscheidungen zu treffen, also auch solche, die ihm oder ihr schaden. Das gilt allerdings nur solange glaubhaft ist, dass ich die Tragweite meine Entscheidung überblicke. Also kann ihre Frau das verlangen, doch muss sie ihr Umfeld davon überzeugen, denn wenn die das nicht respektieren und den Notarzt rufen, machen sie sich zumindest nicht strafbar. Es wäre auch eine Zumutung von meinem Mann etwas zu verlangen, dass er evtl. nicht nachvollziehen und mittragen kann.

Wenn sie sich einig sind, können zwei Dinge helfen: Patientenverfügung und Modifikation der Garantenstellung. Die Patientenverfügung muss dafür aber anwendbar sein und Festlegungen treffen. Das wird bei den meisten nicht der Fall sein. Mit der Modifikation der Garantenstellung werden mir Nahestehende, Ärzte und Pflegekräfte von der Verpflichtung zur Lebensrettung entbunden. Die wird typischerweise aber eingesetzt, wenn ich an eintretenden Komplikationen lieber versterben will. Das würde ich bei einer 40-jährigen jetzt nicht erwarten.

In ihrem Fall dürfte noch einige Kommunikation nötig sein. Z. B. erwartet ihre Frau, dass sie erkennen können, ob bei ihr eine komplizierte (was immer das sein soll) Bewusstlosikeit oder nicht vorliegt. Das ist eine Überforderung und mit relativer Sicherheit erst hinterher zu diagnostizieren. Wenn ihre Frau öfter solche Zustände hat und die sich immer als "unkompliziert" herausstellen, werden sie das vielleicht mit der Zeit lernen und sich darauf einstellen können.

Grundsätzlich sind jedoch Angst und Unkenntnis keine guten Ratgeber. Wenn ihnen das Wohl und der Wille ihrer Frau am Herzen liegen, werden sie zu einer Lösung finden, die für sie beide tragbar ist.

Kommentar von cafibone ,

Danke. Im Zweifelsfall also lieber Rettungsmaschine in Gang setzen - Sicher ist Sicher. Weiser Rat.

Antwort
von miezepussi, 22

Sie muss eine Patientenverfügung erstellen. Darin kann sowas geregelt werden. Bitte beim Anwalt beraten lassen.


Kommentar von beatemecugni ,

Wer will entscheiden ob eine Bewusstlosigkeit unkompliziert ist? Das kann nur durch entsprechende Untersuchungen geklärt werden.Eine Patientenverfügung ist in diesem Fall nicht das Richtige. Sie gilt nie für Notfälle!! Eine Beratung von einem auf Patientenrechte spezialisierten Anwalt wäre in diesem (sehr speziellen) Fall aber vielleicht der richtige Weg. Zu beachten ist, dass Anwälte sich oft sehr gut bezahlen lassen. Die Kostenfrage vorher abzuklären halte ich daher für unerlässlich.

Kommentar von fspade ,

Die wenigsten Anwälte sind qualifiziert dazu zu beraten. Warum nicht vom behandelnden Arzt beraten lassen, denn hier geht es nicht in erster Linie um Recht, sondern um Leben und Gesundheit!

Kommentar von miezepussi ,

klar, bei dem "gesundheitlichen" Teil sollte ein Arzt beraten. Aber da gibt es noch den "rechtlichen" Teil, hier ist der Anwalt gefragt.

Antwort
von Gege3210, 15

Ja, soweit ich weiss (unverbindlich !) kann niemand von unterlassener Hilfeleistung entbunden werden. Der Ehemann, und jeder Andere auch, muss im Gefahrfall so schnell wie möglich Rettung für die betroffene Person suchen und finden. Muss eingreifen.

Vielleicht irre ich mich.

Es gibt Ärzte, die im schlimmsten Fall todkranke fürchterliche Schmerzen leidenten Menschen im Krankenhaus Morphiumpumpe ansetzen, und dem Patienten den Druckknopf der Pumpe überlassen. Dies ist jedoch total verboten, ist Mord gleichgesetzt. Und das ist deren Sache, nicht Ihre. Falls Sie über so etwas informiert sind, müssen Sie sofort Anzeige machen, sonst machen Sie sich wegen Beihilfe zu Mord oder Mord schuldig :-(

Leider gibt es auch "Todesengel" :-( . Meine Mutter ist etwa so gestorben.

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