Frage von 05Sunny1794, 114

Papa liegt auf der Intensivstation. Was würdet ihr mir in meiner Situation raten?

Hallo ihr Lieben, Ich bin momentan echt am Ende. Mein Vater (schwerer Alkoholiker) ist seit mittlerweile fast zwei Wochen im Krankenhaus und hatte am Freitag vor einer Woche eine große Darmoperation und hat anschließend einen kurzzeitigen Herzstillstand erlitten und musste reanimiert werden. Er liegt seitdem auf der Intensivstation, wird künstlich beatmet, reagiert nur auf heftige Berührungen (verdreht dann leicht die Augen nach oben) und hat so gut wie keine Reflexe. Wann und ob er wieder selbstständig atmen kann, ist im Moment noch unklar. Die ersten beiden Versuche ihn von der Beatmung weg zu bringen sind gescheitert und am Montag also morgen wird ein dritter Versuch gestartet. Sollte dieser dann wieder scheitern bekommt er eine Kanüle unterhalb der Luftröhre und wird dann über diese beatmet. Das hat der Betreuer entschieden, den wir seit Dienstag letzter Woche haben.

Ich bin mit der Situation komplett überfordert und muss gleichzeitig noch jeden Tag zur Arbeit, weil ich morgen in einer Woche eine praktische Prüfung habe und diese noch vorbereiten muss. Laut meinem Therapeuten wäre es eigentlich das beste wenn ich mich bis zum Ende des Praktikums in zwei Wochen krankschreiben lassen würde, weil ich psychisch momentan wirklich extrem schlecht bin und langsam echt nicht mehr weiß wie lange ich die ganze Situation noch aushalte.... Ich kann momentan meistens nur noch mit Hilfe von Schlafmitteln schlafen und stehe gefühlsmäßig fünf Meter neben mir... Was würdet ihr tun bzw. habt ihr einen Rat für mich?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von rallytour2008, 29

Hallo 05Sunny1794

Da hat dein Therapeut recht.Die Prüfung kannst Du auch noch später machen

sobald es ruhiger geworden ist.In deiner jetzigen Situation die durch 

Sonderbelastungen zusätzlich deinen Gesundheitszustand verschlechtert

führt lediglich dazu das Du körperlich nicht mithalten kannst.

Dann ist schon mal der Prüfungsdruck weg.

Dadurch hast Du natürlich auch Zeit bei deinem Vater zu sein.

Du musst dann auch ordentlich Mineralwasser trinken und was essen.

Vielleicht fällt dir etwas ein was dein Vater sehr gerne gemacht hat.

Das kann ein Bild sein was er gemalt hat.Musik die er gerne gehört hat.

Das kann auch ein Gegenstand sein den er gerne angefasst hat.

Gespräche die Ihr hattet.Oder einfach nur aus der Tageszeitung vorlesen.

Falls das anfassen nicht klappt.

Alles Gute für deinen Vater und dich.

Gruß Ralf

Antwort
von ponyfliege, 18

ja. lass die schlafmittel weg.

auch vom "harmlosen" baldrian wirst du bei entsprechnder prädestination in vier wochen psychisch abhängig.

und von dem kram, was der arzt verschreibt, erst recht.

auch ein antidepressivum würde ich DIR nicht empfehlen.

was dir am ehesten helfen könnte, wäre eine selbsthilfegruppe für ANGEHöRIGE von suchtkranken. anlaufstellen in deiner nähe bekommst du über die telefonseelsorge (falls du nicht bis morgen warten magst), über die caritas oder auch über deine einwohnergemeinde.

nimm dir am besten fürs grübeln über deine sorgen konkret eine halbe stunde am tag zeit, in der du dich still hinsetzt und es dir erlaubst, deine gedanken zu wälzen. eine halbe stunde, nicht mehr. den rest des tages hast du genug anderes zu tun.

dadurch "schleppst" du deine probleme nicht in die nacht. zum einschlafen hilft dann wirklich das gute alte schäfchen zählen - oder ganz leise im tv mediashop anmachen und dich aufs tv konzentrieren.

die beatmung deines vaters über einen "festen" tubus hat folgenden grund: er kann dann wieder schlucken, er kann sich nicht so leicht unbeabsichtigt schwer verletzen und das risiko von infektionen wird minimiert.

je nach zustand deines vaters wirst du dich damit abfinden müssen, dass du eventuell ans abschied nehmen denken musst. sprich mit dem betreuer und den ärzten und informiere dich, wie es um ihn steht.

wir alle wissen, dass das leben irgendwann zuende geht - aber jedesmal, wenn wir damit konfrontiert sind, verfallen wir in schockstarre. das ist ganz normal.

ausserdem solltest du offen mit deinen vorgesetzten sprechen (vieilleicht nicht grad, dass dein dad alkoholiker ist, sondern vielleicht von schwerer lungenembolie oder so - und dem kurzzeitigen herzstillstand). frage sie, wie du es handhaben sollst. chefs sind keine unmenschen. wenn du es in der situation tatsächlich vermasselst, wissen die prüfer wenigstens warum. meist bekommt man dann noch mal eine chance.

ich wünsche dir viel kraft und alles gute und deinem vater, dass er nicht leiden muss - egal wie es ausgeht.

liebe grüsse

Antwort
von loema, 39

Es gibt Menschen, denen gibt die Arbeit soviel Halt, dass es besser ist, wenn sie arbeiten gehen und dadurch die Tagesstruktur haben und sogar Mintunweise vergessen können, abschalten können, von der Situation.

Dann gibt es Menschen, die die Arbeit nicht schaffen und die Arbeitsstelle darunter leidet, dass sie vor Ort sind aber nicht arbeiten können.
Dann ist es besser, wenn sie zu Hause bleiben und sich da einen Rythmus auferlegen um nicht ganz abzusacken.

Ich denke, dein Vater ist medizinisch gut versorgt. Der Betreuer regelt das notwendige, übernimmt die Verantwortung.
Er würde wahrscheinlich wollen, dass du die Prüfung gut meisterst.
Und ihm dann am Bett erzählst, dass du es geschafft hast.
Sicherlich wäre er dann sehr stolz auf dich.

Ob du das schaffst, musst du selbst wissen. Ist auch nicht schlimm, wenn die Prüfung wann anders nachgeholt wird.

Kommentar von 05Sunny1794 ,

Das Problem ist, dass die Prüfung in diesem Praktikum stattfinden muss und nicht mehr verschoben werden kann... Werde morgen mit der Schule sprechen und dort die Situation schildern.

Kommentar von loema ,

Ja. Es kommt ja öfters vor, dass es Gründe gibt, die Prüfung etwas verständnisvoller ablaufen zu lassen.

Antwort
von SabrinaLiv, 44

Also am Besten wäre es,wenn du mit jemanden redest und ich glaub,dass dein Therapeut recht hat. Wenn so eine Situation ist, wirft einen das sehr aus der Bahn.

Ich drücke dir die Daumen,dass es bald besser wird;)

Liebe Grüße, 

Sabrina

Antwort
von Herb3472, 31

Ich denke, mehr als der Therapeut schon für dich tut und bewirken kann, können wir hier leider auch nicht leisten. Wenn Du so fertig bist, wäre es wohl wirklich das beste, Du würdest DIch krank schreiben lassen.

Alles Gute, toi, toi, toi!

Antwort
von atzef, 30

Ich würde vermutlich den Therapeuten wechseln, da ich seinen Rat als wenig hilfreich ansehe. Statt dich aus deiner alltäglichen Verantwortung zu nehmen und dir noch mehr Raum fürs  Leiden zu verschaffen, sollte er dich lieber darin bestärken, dein Leben zu meistern.


Kommentar von 05Sunny1794 ,

Mein Therapeut ist sehr gut und ich werde ihn sicher nicht wechseln. Er hilft mir in meiner Situation sehr weiter aber wenn ich in der Arbeit regelmäßig zusammenbreche, so wie letzte Woche, macht es halt wenig Sinn... 

Kommentar von atzef ,

Du und dein Therapeut seid letztluch näher dran...

Antwort
von Alsterstern, 37

Also ich sehe das eher etwas ...nüchtern. Hat 'er' selber diese Situation herbeigeführt?! Wenn Du Dich nicht in der Lage fühlst zu arbeiten, musst Du Dich krank schreiben lassen. Allerdings kannst Du ja nicht viel ausrichten. Du bist zuhause und wirst sicher auch schwer abschalten können, um Dich auf die Prüfung vorzubereiten...Konzentriere Dich auf das was für DICH wichtig ist.

Antwort
von MobyDickDarm, 23

Hallo,

das hatte ich früher auch mal durch gemacht...Bei mir hatten damals  die Ablenkungen also Arbeiten und Sport betreiben am Besten geholfen auch Freunde die mich seelisch und moralisch unterstützt haben.

Also immer den Kopf hoch halten

mfg.

Antwort
von violatedsoul, 20

Du solltest die Situation im Betrieb schildern und fragen, ob eine Verschiebung der Prüfung möglich ist.

Kommentar von 05Sunny1794 ,

Ich habe in der Arbeit Bescheid gesagt, aber da wurde mir nur gesagt, dass sich meine Situation nicht auf meine Arbeit auswirken darf und dass etwas mit Professionalität zu tun habe. Mit Unterstützung in der Arbeit kann ich also leider nicht rechnen :(

Kommentar von violatedsoul ,

Ja, da zeigt sich doch wieder mal die kaltschnäuzige Seite der Leistungsgesellschaft.

Dann höre auf deine innere Stimme und tu das, was sie dir sagt.

Antwort
von Ille1811, 12

Hallo Sunny,

eine Selbsthilfegruppe speziell für Angehörige, von der Ponyfliege schreibt, ist Al-Anon.

Du kannst auf der Webseite Al-Anon.de unter 'Gruppen' selbst schauen, ob es eine für dich erreichbare Gruppe gibt.

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