Ouroboros (Schwanzverzehrer): Wann war die früheste Aufzeichnung dieses Symbols und wo wurde es gefunden?

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2 Antworten

Ouroboros ist eine altgriechische Bezeichung für eine Schlange, die sich in den eigenen Schwanz beißt.

Οὐροβόρος (bzw. Οὐρηβόρος) ist zusammengesetzt aus οὐϱά =
Schwanz, Schweif und βόϱος = essend, fressend, verzehrend (βιβρώσκειν
= essen, fressen, verzehren; 1. Person Singular Indikativ Aktiv Präsens: βιβρώσκω); ὄφις = Schlange kann hinzugedacht werden

Was als frühestes gilt, hängt auch davon ab, welche Abbildung einer Schlange, deren Schwanz in der Nähe des Mundes dargestellt wird und die mehr oder weniger einen Kreis bildet bzw. stark gekrümmt ist, als Ouroboros eingeordnet wird und wie sehr eine aus Texten hervorgehende Bedeutung verlangt wird (ein Symbol ist ein Zeichen, das ein Sinnbild und Bedeutungsträger ist).

Das Symbol kann in verschiedenen Kulturen teils unabhängig voneinander ausgedacht, teils voneinder übernommen worden sein. 

Es hat sehr frühe Funde in China gegeben. Auf Tongefäßen (bemalte Keramik) der neolithischen Yangshao-Kultur gibt es Darstellungen von Schlangen/Drachen mit einer solchen gedrehten/gekrümmten Haltung, darunter eine auf ungefähr 4500 v. Chr. datierte Abbildung. Texte zur Bedeutung gibt es für diese Zeit noch nicht.

Aus der frühdynastischen Zeit des Reiches von Elam gibt es eine aus Bitumen hergestellte Relief-Platte aus Susa, die auf ungefähr 3000 v. Chr. datiert wird. Dargestellt sind zwischen zwei nackten Priestern zwei miteinander verschlungene Schlangen, die den eigenen Schwanz in den Mund nehmen.  

Früh gibt es Darstellungen auch in Ägypten. Eine „Erdumringler“/“Weltumringler“-Schlange ist als „Schwanz im Maul“ (sdm r) bezeichnet worden.

Einen Hinweis aus der Zeit des Alten Reiches (ungefähr 2700 – 2200 v. Chr.) bietet der Pyramidentext 689 b mit einer Beschwörung/einem Fluch zum Bannen einer Schlange, ihr Schwanz solle in ihrem Maul/Mund sein.

Erste bildliche ägyptische Darstellungen gibt es aus der Zeit des Neuen Reiches, in der 18. Dynastie.

Im Grab des Herrschers Amenophis II. (ungefähr 1400 v. Chr.) im Tal der Könige bei Theben ist eine Darstellung einer Schlange „Vielgesicht“ mit mehreren Köpfen gefunden worden. Sie wird als Ouroboros-Motiv oder ein Vorläufer verstanden. Inhaltlich geht es um die sechste Stunde der Nacht, die das Unterweltsbuch/Jenseitsbuch Amduat beschreibt.

Auf den goldenen Schrein (Schrein II) aus dem Gab des Herrschers Tutanchamun (1323 v. Chr. gestorben) befindet sich als Illustration des Amduat eine bildliche Darstellung von zwei Schlangen, die kreisförmig eine mumienartige Göttergestalt umgeben. Eine zweimal erscheinende Inschrift benennt anscheinend sowohl den Gott als auch die Schlange als „Der die Stunden verbirgt“. Die obere Schlange wird als „Umringler“ (mḥn) bezeichnet.

Zwischen Ägypten und Griechenland gab es in der Antike kulturelle Kontakte, die in der Zeit des Hellenismus zunahmen. Vorstellungen von Magie (griechisch-ägyptische Zauberpapyri) und Alchemie sind weitergegeben worden und dabei kam auch der Ouroboros vor.

Literatur zum Thema:

László Kákosy, Uroboros. In: Lexikon der Ägyptologie. Begründet von Wolfgang Helck und Eberhard Otto. Herausgegeben von Wolfgang Helck und Wolfhart Westendorf. Band 6: Stele – Zypresse. Redaktion: Christine Meyer. Redaktionsassistent: Robert Schlichting. Wiesbaden : Harrassowitz, 1986, Spalte 886 - 893

Spalte 887: „Die Schlange galt bei verschiedenen Völkern wegen
ihrer Häutung als Sinnbild des sich immer wieder erneuernden Lebens und auch der *Zeit und *Ewigkeit. Durch die Ringform der Schlange, wo Anfang und Ende untrennbar miteinander verknüpft sind, wurde dieser Symbolgehalt noch bereichert; die zyklischen Zeitvorstellungen gewannen dadurch ein anschauliches Bild, mit dem auch abstrakte kosmologische Ideen verbunden werden konnten. U. wird in erster Linie in den späten Quellen als Symbol der Zeit bezeichnet, doch kann diese Bedeutung sicher wenigstens bis zum NR zurückgeführt werden. Auf einem goldenen Schrein des *Tutanchamun wird eine Mumie dargestellt; der Kopf und der Unterteil der Beine sind von je einem U. umgeben. Der U. beim Kopf wird mḥn gennant. Die kryptographische Inschrift „Der die Stunden verbirgt“ bezieht sich sowohl auf den mumienförmigen Gott als auch auf die Schlange.“  

U. = Uroboros  

NR = Neues Reich

Balaji Mundkur, The cult of the serpent :
an interdisciplinary survey of its manifestations and origins. Albany : State University of New York Press, 1983, S. 75 – 76:

„One of the earliest known ouroboros motifs occurs on a pot of the Neolithic Yang-shao culture of China, ca. 4500 B.C. Suggesting the incipience
of the dragon motif, though hind feet are lacking, the body of the serpentine zoomorph painted on it is differentiated into dark and light (cross-hatched) halves — perhaps to to indicate some concept involving cyclic periodicity, such as day versus night or dark and bright halves of the lunar month (fig. 39a). This concept is quite explicit in an engraving on a bronze vessel from the Western Chou (1122-1011 B.C.) period (fig. 39b). Consisting of fourteen stylized segments exactly corresponding in number to the phases of the bright-half period of the moon, their graded sizes, furthermore, symbolically suggest its waning and ultimate extinction.

The ouroboros motif is also known elsewhere:It is common
in the ancient Near East, for example, in the third millennium B.C., at Susa, the capital of the Elamites, among whom a strong serpent cult existed. In India, in the Jaina religion and in some Hindu tantric cults, the motif expresses the fundamental philosophical concept of the two contrasting attributes of time — ascending (utsarpiṇī) and descending (avasarpiṇī) epochs of rising hope in the world order and increasingly imminent annihilation following each other in ceaseless cyclic- ity, time itself being envisioned as a serpent commencing to swallow its tail. The ancient Egyptians, too, depicted the motif in their predynastic epoch, but its significance is unknown. In the dynastic period the symbolism attached to it was clearly neither calendrical, as in China, nor philosophical, as in India, nor (as is assumed by some) indicative of rejuvenation and the "continuity of life," as in ancient Mesopotamia. The ouroboros in Egypt about the first millennium B.C. was largely symbolic of the underworld. Employed talismanically, it represented Apopis, the fearsome personification of evil and danger. The curse "O Apopis . . . you are annihilated. With tail in your mouth, you have consumed yourself“ might well be an apotropaism that befits the theme of Bes treading upon the ouroboros exemplified in figure 35. It was customary for Egyptian sorcerers conjuring the downfall of an enemy to draw an ouroboros with its head pointed towards the ground. The art of the strongly serpent-venerating Dahomeans of Africa makes exuberant use of the ouroboros motif in portrayals of their major divinity, Dâ."

Bruno Hugo Stricker, De grote zeeslang. Leiden : Brill, 1953 (Mededelingen en Verhandelingen van het Vooraziatisch-Egyptisch Genootschap ,,Ex Oriente Lux" ; N° 10)

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https://de.wikipedia.org/wiki/Ouroboros

hat genau 5 sek gedauert :D

Falls du zu faul zum lesen bist: Es gab erste vergleichbare Symbole schon im alten Ägypten.

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Kommentar von DeepNquieT
17.03.2016, 17:25

habe davor natürlich gesucht.. da steht aber auch nicht wann es war. wollte ja eine genaue Zeitangabe haben (soweit wie möglich) aber das es zuerst in Ägypten war ist schon mal eine gute Angabe. frage mich wie es dann nach Griechenland kam... obwohl ich es mir evtl. denken kann

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