Frage von someone89, 54

Online-Marktplatz wie Ebay mit digitalen Inhalten - Provision, Steuern, Gewerbe, AGB, Anwalt?

Hallo,

ich habe eine Idee für einen Online-Marktplatz wie Ebay, aber ausschließlich nur für Digitale Inhalte.

Beschreibung: Auf diesem Marktplatz können sich alle ganz einfach registrieren und Digitale Inhalte zum verkauf online stellen. Das online stellen der Inhalte soll für alle kostenlos sein, aber bei jedem verkauf möchte ich ein paar Prozent an Provision verdienen.

Frage 1. : Natürlich weiß ich nicht ob dieser Marktplatz ein Erfolg sein wird, deshalb die frage ob ich sofort ein Gewerbe usw. anmelden muss?

Frage 2. : Wie läuft es mit den Steuern ab? Zahle ich z.b. "19 %?" Steuer von meinem z.b. 10 % Provision die ich an jedem digitalen Verkauf verdiene? Ich mein ich bin ja nicht der Verkäufer der Digitalen Produkte.

Frage 3. : Wenn ich diesen Online-Marktplatz auch in anderen Ländern anbieten möchte, dann muss ich wohl auch den Steuersatz zahlen der in dem betroffenen Land gilt, richtig? Ich habe auf dieser Seite (http://www.e-recht24.de/artikel/steuerrecht/8019-neue-umsatzsteuer-2015.html) ein wenig darüber gelesen und damit ist die frage eigentlich beantwortet.

Frage 4. : Wie muss ich am anfang vorgehen? Brauche ich von anfang an einen Anwalt, AGB usw. ? (eigentlich kann ich mir die frage zum Teil selbst beantworten, denn ich bin mir sicher ich brauche eine AGB aber ich weiß halt nicht wie ich von anfang an vorgehen soll, womit anfangen usw.

VIELEN DANK im voraus! :)

Was ich mich auch frage

Antwort
von LC2015, 40

Hallo,

  1. sobald du einen Gewerbebetrieb betreibst, musst du ein Gewerbe anmelden. Beachte dazu §15(2) EStG.
  2. Falls du die Kleinunternehmerregelung in Anspruch nimmst, wird über die EÜR dein Gewinn ermittelt und auf diesen fallen Steuern an.
  3. Im Zweifel einen Steuermenschen, der sich damit auskennt befragen.
  4. Ja AGB solltest du auf jeden Fall haben. Die kann man selber verfassen, aber dafür sollte man sich auskennen. Ich rate daher, im Zweifel einen Anwalt hinzuzuziehen.


Du scheinst ziemlich planlos zu sein. Bevor du irgendetwas machst, solltest du erst mal einen gescheiten Businessplan erstellen. Dann erübrigt sich auch die Frage, wie du anfangen solltest etc.

Kommentar von someone89 ,

Das ist richtig, ich bin recht planlos was dieses Thema angeht, deshalb habe ich hier nach Rat gefragt und den auch bekommen. Vielen Dank für Ihre Hilfe :)

Antwort
von balvenie, 28

1. Natürlich brauchst du sofort nen Gewerbeschein. Es ist dabei völlig egal, ob der Plan aufgeht.

2. Auch hier, natürlich zahlst du auf deine Bruttoprovisionen 19% Umsatzsteuer. Du verkaufst schließlich die Teilnahme an deinem Portal. Ob es Sinn macht, anfangs Möglichkeiten der bis zu einem gewissen Umfang umsatzsteuerbefreienden Kleinunternehmerregelung in Anspruch zu nehmen, wäre individuell zu prüfen. Weitere möglicherweise anfallende Steuern bei erfolgreichem Betrieb wären dann noch Einkommensteuer und Gewerbesteuer.

4. Womit anfangen? Dir erst einmal Gedanken zur Idee machen, s.u. noch etwas ausführlicher. Und danach: dich rechtssicher beraten lassen, auch wenn das erstmal teuer sein wird! Onlinehandel ist ein Minenfeld, bei dem man potentiell extrem viel falsch machen. Abmahnanwälte lauern da nur drauf. Das dürfte übrigens für rein digitale Inhalte aufgrund der Missbrauchsmöglichkeiten in ganz besonderem Maße gelten. Hier sollte auch vor dem Hintergrund potentieller Schadenersatzforderungen ganz klare rechtliche Sicherheit bestehen.

Das reine Abchecken der Idee in Bezug auf Businessplan, Mitbewerber / Marktumfeld, Zielgruppendefinierung und Marketingstrategien, softwaremäßige Umsetzung usw. usf. sollte bestenfalls auch vorab erfolgen, zumal die Investitionssumme der meiner Meinung nach zwingend nötigen Rechtsberatung schon eine gewisse Größe darstellen wird. Dazu solltest du mindestens ein Gründerseminar besuchen, falls du nicht bereits vertiefte Kenntnisse für die das allgemeine Tagesgeschäft relevanten wirtschaftlichen, buchhalterischen und rechtlichen Dinge hast.

Nimms mir nicht übel, außer einer vagen Idee scheinst du noch relativ ahnungslos zu sein. Wenn du das wirklich angehen willst, musst du dir vermutlich erst einmal noch Unmengen an Wissen aneignen. Falls du´s wirklich durchziehen willst, brauchst du davor auch nicht zurückschrecken. Viel Erfolg!

Kommentar von someone89 ,

Vielen Dank für die schnelle in sehr informationelle antwort. Es ist richtig, ich bin recht ahnungslos. Ich bin zwar schon seid 3 Jahren selbstständig, aber in eine ganz anderen Branche. Ich bin jetzt ein wenig schlauer. Nochmals Dankeschön ! :)

Antwort
von Dirk-D. Hansmann, 13

Die Idee kann durchaus was werden. Mit viel Einsatz von Geld und Ressourcen.

AGB regeln im Off-Line-Bereich eigentlich immer die Sachen, wo der Anbieter von BGB und HGB abweichen will. Wie weit das jetzt für Internet-Seiten aufgehoben ist, dass kann ich so nicht sagen.

Lustiger Weise sind AGB´s für mich jedenfalls ein Zeichen von Unseriösität. Aber Surfer im Internet ticken anders. Wenn es nicht einmal die gibt, dann stimmt da was nicht... Daher sollte man sich die einschlägigen Abschnitte ansehen.

Gerade wenn Du Deine erste Selbständigkeit vor drei Jahren ohne Businessplan gestartet hast, dann solltest Du heute verstehen, dass viele Fehler von damals vermeidbar gewesen wären. Durch die Erstellung eben so einer Planung.

Wo ist der Leistungsort einer Vermittlungsleistung im Internet? Dort wo der Server steht? Beim Leistenden oder beim Kunden. Beim Käufer der digitalen Waren wohl kaum. Denn mit dem hast Du eigentlich nichts zu tun.

Daher würde ich auch erst einmal alles Marketing auf Deutschland beschränken. Hier kann man genug Fehler machen, die zu einer Abmahnung führen können.

Der Aufbau von unterschiedlichen Anbietern wird nicht einfach werden! Daher solltest Du Deine Marketing-Ideen wirklich testen. Und das ist Bestandteil einer Businessplanung.

Dazu kommt, dass bestimmte steuerliche Entscheidungen vielleicht bereits mit dem Einzelunternehmen getroffen wurden. Hier sollte man also auch entsprechend vorsichtig mit dem neuen Projekt umgehen.

Auch wenn Du in der Umsatzsteuer steuerfreie Leistungen in Deinem ersten Betrieb erbringst, dann kann es sein, das diese steuerfreien Umsätze (wie bei Versicherungen und deren Vermittlungen, wie bei einigen anderen Tätigkeiten auch) aber die Kleinunternehmer-Regelung ausschließen.

Oder Du bereits zur Umsatzsteuer optiert hast. Dann wäre ggf. zu prüfen ob Du eine andere Rechtsform benötigst.

Ursprünglich gehöre ich auch zu den Menschen, die Dinge gern in der Praxis entwickeln. Allerdings sind die Anforderungen so vielschichtig, dass ich das heute für einen Wahnsinn halte.

Richtig Zeit nehmen. Die rechtlichen Dinge klären, aber vorher auch die wirtschaftliche Seite. Welcher Zeitbedarf wird da entstehen? Dann geht es um richtig viel Werbung. Die Du eigentlich sogar 2x machen musst.

Kunden für Dich einwerben und Interessierte für die angebotenen digitalen Waren. 1000 Einblendungen bringen im Schnitt 4 Besuche. Aber erst nach etwa 1000 Besuchern hast Du eine Person die kauft. Allerdings am Anfang, ohne Traffic ist das schwer.

Also kann man erst einmal Leute suchen, die aus welchen Bereichen auch immer Online verkaufen. Damit geht es schon einmal los. Dann brauchst ein Shop-System, wo jeder Händler eben seinen eigenen Shop hat. Möglichst noch mit der Einbindung von Bezahlsystemen, wie bei Amazon.

So ein System ist kein Standard. Jedenfalls soweit ich es kenne. Immer noch nicht. Wenn Du selber was umschreiben kannst, dann ist das sicher eine ziemlich komplexe Aufgabe. Zeit in der man auch leben will...

Unter dem Strich wird es nicht nur Zeit kosten, was es immer tut. Sondern auch Geld. Verlasse Dich nicht auf Dein Glück. Mache eine Gute Planung.

Viel Erfolg.

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