Frage von AppleDavid, 105

Online-Inserat: verpflichtet die Kaufabsicht zum Kauf, ist man schon einen Vertrag eingegangen?

A stellt ein iPhone zum Verkauf auf eBay-Kleinanzeigen ein. B meldet sich und würde das iPhone für 600 € kaufen. A ist einverstanden. A gibt B seine Bankdaten zur Zahlung (Überweisung). B gibt A seine Adresse (Deutschland). B behauptet das Geld überwiesen zu haben, A solle nun bitte versenden. A will erst versenden wenn B zumindest ein Screenshot der Überweisung sendet. B versendet kein Screenshot, weiß angeblich nicht wie das geht, ist gerade auf Arbeit… Einige Tage später ist die Überweisung noch immer nicht angekommen, wurde also wahrscheinlich nie getätigt. B meldet sich auf E-Mails nicht mehr. (A hat natürlich noch nicht versendet.)

Nun meine Frage: Ist B einen Vertrag eingegangen? Ist B zur Abnahme der Ware verpflichtet? Hat A rechtlich eine realistische Chance, dass B die Ware gegen Zahlung annehmen muss?

Hinweis: Sowohl A als auch B sind privat, also nicht gewerblich.

Expertenantwort
von haikoko, Community-Experte für Ebay, 31

Wie auch schon @ franneck1989 und @chanfan geschrieben haben, besteht ein Kaufvertrag  durch zwei übereinstimmende Willenserklärungen, nämlich Angebot und Annahme.

http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/\_\_145.html

Hat A rechtlich eine realistische Chance, dass B die Ware gegen Zahlung annehmen muss?

Nein, da Du bei diesem Kauf über ebay-Kleinanzeigen niemals weisst, ob die Dir angegebene Anschrift stimmt. Anmeldungen bei ebay-Kleinanzeigen erfolgen anonym, im Gegenstaz zu ebay - einer anderen Verkaufsplattform.

Darum solltzen auch Verkäufer bei ebay-Kleinanzeigen nur per Barzahlung bei Abholung verkaufen:

https://www.ebay-kleinanzeigen.de/sicherheitshinweise.html

Für die Kosten, solltest Du die Erfüllung des bestehenden Kaufvertrags erzwingen wollen, müsstest Du in Vorlage treten und weisst nicht, ob Du auf Grund der Anonymität Erfolg hast oder falls die Anschrift stimmt, der Käufer minderjährig  oder gar pleite ist.

A will erst versenden wenn B zumindest ein Screenshot der Überweisung sendet.

Um Gottes willen. Ein solcher Nachweis wäre mit Sicherheit gefälscht. Das kann jeder ohne Kenntnis mit einem Bildbearbeitungsprogramm.

Ich würde dem Käufer schriftlich (email) eine letzte Zahlungsfrist bis zum Geldeingang geben und nach dem Verstreichen des Termins den Kaufvertrag als gelöst mitteilen.

Expertenantwort
von imager761, Community-Experte für Recht, 13

Ist B einen Vertrag eingegangen? Ist B zur Abnahme der Ware verpflichtet?

Natürlich ist A mit Annahme des Angebots des B,  das IPhone für 600 zu kaufen und den Kaufpreis zu überwesien, einen Kaufvertrag eingegangen, der beiderseitig verpflichtend wäre. Sofern A und B volljährig und damit voll geschäftsfähig wären oder die Zustimmung deren Erziehungsberechtigten zum Kauf vorläge.

Da fordert man den B auf, nunmehr innerhalb von 3 Bankarbeitstagen den vereinbarten Kaufpreis, evtl. die verabredeten Versandkosten zu überweisen und kündigt an, andernfalls vom Vertrag zurückzutreten und es anderweitig zu verkaufen.

Hat A rechtlich eine realistische Chance, dass B die Ware gegen Zahlung annehmen muss?

Denkbar, nur warum wollte man sich vorschüssig mit Mahnbescheidskosten oder gar Zahlungsklage belasten und auf den Kosten zusätzlich sitzen bleiben wollen, wenn sich herausstellt, dass B minderjährig wäre und Kaufvertragsschluss für nichtig erklärt würde? Oder gar keine 600 EUR besitzt noch absehnbar besitzen wird (Mittelloser, Taschengeldempfänger, beschränkt Geschäftsfähiger)?

G imager761

Kommentar von AppleDavid ,

B ist nicht minderjährig, aber ob sie zahlungsfähig ist weiß ich nicht. Ich habe Bs kamen gegoogelt und dabei ein Inserat für einen Privatkredit gefunden.

Kommentar von imager761 ,

aber ob sie zahlungsfähig ist weiß ich nicht.

Eben. Und daher betreibt man keine vorschüssige Klage auf Kaufvertragserfüllung oder erhebt Mahnbescheid, sondern verkauft das iPhone nach Kaufvertragsrücktritt an jemanden, der es bezahlen will.

Das geht nicht nur schneller, sondern ist erheblich billiger :-)

Antwort
von franneck1989, 46

Ist B einen Vertrag eingegangen?

Ja

Ist B zur Abnahme der Ware verpflichtet?

Ja

Hat A rechtlich eine realistische Chance, dass B die Ware gegen Zahlung annehmen muss?

Wenn die Konversation nachvollziehbar ist und die Adressdaten stimmen, dann dürfte das funktionieren.

Kommentar von AppleDavid ,

Wie mache ich das am besten, (ohne hohe Anwaltsgebühren)? Einschreiben?

Kommentar von franneck1989 ,

Ja, zunächst forderst du die Bezahlung per Einschreiben ein. Setze eine angemessene Frist.

Wenn der Käufer allerdings nicht zahlen will, kommst du um eine Klage nicht herum

Kommentar von henzy71 ,

Für meinem Dafürhalten hat B nur eine Kaufsabsichtserklärung abgegeben und ist damit noch keinen Vertrag eingegangen. Das ist er erst wenn er zahlt.

Kommentar von franneck1989 ,

Warum? Es gibt hier ein Angebot und eine Annahme seitens des Käufers. Kaufvertrag wurde geschlossen. Klarer Fall

Kommentar von henzy71 ,

Es wurde lediglich eine ABSICHTSERKLÄRUNG abgegeben.

Kommentar von franneck1989 ,

In diesem Fall hier ist das eindeutig eine Annahme. Auch wenn du diese als "Absichtserklärung" bezeichnest, ändert das nichts an ihrem rechtlichen Wert als Willenserklärung.

Durch die Übersendung der Adressdaten darf man zusätzlich auch von einer konkludenten Annahme des Käufers ausgehen

Antwort
von chanfan, 41

Is´schon gut das du nichts verschickt hast. Theoretisch hast du ein Recht auf Einhaltung des Vertrages. Aber wie hoch sind die Erfolgschancen?

Deswegen würde ich bei Ebay Kleinanzeigen nur so Geschäfte machen: Bezahlung nur bei Abholung.

Kommentar von AppleDavid ,

Genau das ist ja meine Frage: Wie hoch sind die Erfolgschancen und wie gehe ich das am besten an.

Antwort
von troublemaker200, 23

B ist ein Betrüger und A hat zum Glück die Ware noch nicht verschickt.

A sollte zukünftig erst dann die Ware versenden, wenn die Kohle DEFINITIV auf seinem Konto ist. Kein Screenshot von

Vertrag hin oder her, B wollte A beschei**en

Kommentar von AppleDavid ,

Ja, B wollte A betrügen, das ist mir bewusst. Ich möchte B aber zwingen die Ware zu kaufen. Erstens ist der Preis ganz gut, zweitens könnte A dem Betrüger so ein s auswischen.

Kommentar von henzy71 ,

B ist aber vollkommen mittellos. Da wünsche ich viel Spaß....

Kommentar von troublemaker200 ,

B hat keine Kohle und wollte versuchen A zu verarsch**. B wird nix bezahlen KÖNNEN. B sollte froh sein, das es so ausgegangen ist und er das Handy noch hat.

Kommentar von franneck1989 ,

Wenn du vor hattest, das Ding nach einem Screenshot zu versenden, kannst du wirklich froh sein dass es so ausgegangen ist. Das ist ja wirklich extrem naiv.

Ich wäre auch dafür, das ganze zu vergessen. Irgendjemand wird dein Gerät schon kaufen

Antwort
von henzy71, 32

Es ist noch kein Vertrag zustande gekommen. Dieser kommt erst zustande wenn B das Geld überweist. Dann hat A die pflicht dem Vertrag nachzukommen und das Iphone zu übersenden (auch wenn er es eigentlich nicht mehr möchte, weil ein potentieller anderer Käufer mehr geboten hat).

Gruß

Henzy

Kommentar von franneck1989 ,

Dieser kommt erst zustande wenn B das Geld überweist.

Wie kommst du auf diese unsinnige Behauptung?

Kommentar von henzy71 ,

Ich gehe in ein Autohaus und sage ich möchte mir ein Auto kaufen. Meinst du ich wäre in dem Moment schon verpflichtet in besagtem Autohaus ein Auto zu kaufen?????? Im LEBEN nicht!!!

Kommentar von franneck1989 ,

Dein Beispiel hinkt gewaltig. Hier gibt es ein konkretes Angebot und eine Annahme. Zwei übereinstimmende Willenserklärungen = Kaufvertrag

Mache dich insbesondere mal über das Abstraktionsprinzip im deutschen Zivilrecht und die Begriffe "Verpflichtungsgeschäft" und "Verfügungsgeschäft" schlau.

Kommentar von henzy71 ,

Jow. Hast Recht. Möchte mich in aller Form entschuldigen. B muss zahlen, A muss liefern. Ist nur die Frage, ob A sich den Streß antun muss, oder ob er nicht lieber an C verkauft.

Antwort
von TheBandons, 19

Es kam kein Vertrag zu stande.
Es handelt sich bei B aber sicher um einen
Betrüger.
LG
Bandons

Kommentar von AppleDavid ,

Ja, B wollte A betrügen, das ist mir bewusst. Ich möchte B aber zwingen die Ware zu kaufen. Erstens ist der Preis ganz gut, zweitens könnte A dem Betrüger so ein s auswischen.

Antwort
von FlyingCarpet, 27

Es ist kein Vertrag zustande gekommen.

Kommentar von franneck1989 ,

Aha. Also siehst du hier kein konkretes Angebot und keine Annahme? Überliest du etwas?

Kommentar von FlyingCarpet ,

Das nennt sich "beiderseitig übereinstimmende Willenserklärung" und ist rechtlich gültig. Bei Ebay-Kleinanzeigen ist das recht schwammig dargestellt, es sollte immer bei größeren Beträgen die schriftliche Kaufvertragsvorlage/Muster heruntergeladen werden. Ich stimme Dir zu, es erstmal mit einer schriftlichen, per Einschreiben versendete Zahlungsaufforderung zu versuchen. Wenn dann keine Reaktion kommt bei Ebay  melden. Klagen kostet nur Nerven und Geld.

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