Frage von DerKrasseBange, 79

Ok, ich wollte mal ganz frech fragen ob man beim Abendmahl im Übertragenen Sinne Jesus isst. Denn er hat ja gesagt :"Das Brot ist mein leib, Der Wein ist mein"?

Antwort
von matzemaen, 37

Kurz vereinfacht dargestellt und gesagt: Das kommt auf die Konfession an!

Bei Katholiken ist es so, dass sie glauben, dass Brot und Wein zu Fleisch und Blut werden und Jesus real präsent ist (Transsubstantionslehre)

Bei den Evangelisch-Lutherischen ist es so, dass auch sie glauben, dass Fleisch und Blut zu dem Brot und Wein hinzutreten (Konsubstantionslehre).

Bei den reformierten Evangelischen (Calvin) ist es so, dass sie das Abendmahl lediglich als symbolisch und als Gedächtnismahl ansehen. Viele Freikirchen denken auch ähnlich.

Ein kompliziertes Thema ;)

Antwort
von RudolfFischer, 23

Zunächst einmal geht es beim "Altarssakrament" nicht um einen mechanistischen Vorgang, d.h. Gott ist nicht in der Hostie und dem Wein irgendwie "eingesperrt" und damit verfügbar gemacht. Daher: Wer ohne Glauben eine Hostie isst und/oder den Wein trinkt, der isst Brot und trinkt Wein, nicht sonst. Wenn jemand Hostien auf den Boden schmeißt, so dass die Kirchenmaus die Brocken fressen kann, so hat die dann nicht kommuniziert. Ich hoffe, das ist erst einmal klar, weil es im traditionellen katholischen Glauben früher so mechanistisch vermittelt wurde (Stichwort "Gottesraub" und dergleichen).

Zum zweiten lässt sich das Altarssakrament auch nicht durch eine Lehre, die für alle gültig ist, festlegen oder abgrenzen. Jeder einzelne Mensch muss für sich glaubend entscheiden, was da passiert, wenn er kommuniziert. Das hängt nicht einfach von der Konfession ab, und insofern sollten sich die christlichen Konfessionen dadurch auch nicht getrennt und im Gegensatz fühlen. Und natürlich darf niemand über einen anderen richten, dass der nicht zur Kommunion zuzulassen ist oder unwürdig kommuniziert habe. Das Urteil darüber ist bei Gott allein, der den individuellen Menschen kennt. 

Endlich muss man sich mit dem provozierenden Wort Jesu auseinandersetzen, dass das Brot sein Fleisch und der Wein sein Blut sei. Überspannte Ethnologen haben darin eine Fortsetzung eines prähistorischen Kannibalismus gesehen. Das ist sicher völliger Blödsinn.

Fleisch und Blut setzen den Menschen zusammen, zumindest seine äußere Erscheinung, seinen Leib. Sie stehen damit als eindringliche Bezeichnung für die authentische Person. Jesus sagte also: Wenn ihr diese Zeremonie begeht, sage ich euch zu, wirklich bei euch zu sein, "fassbar" in Brot und Wein, ein physischer (substantieller) Kanal von Gott zum Menschen, was natürlich nur für den Gläubigen funktioniert. Da Gott in Jesus Mensch, also Fleisch und Blut wurde, ist es ihm auch möglich, sich für den Gläubigen in Brot und Wein "fassbar" zu machen, weil der Mensch ja immer alles "begreifen" will; sonst fällt ihm der Glaube schwer.

Brot und Wein sind also das sichtbare Medium für die besondere Gegenwart Gottes in diesem Augenblick für den Kommunizierenden. Niemand weiß, wie man das in Kriterien der Physik ausdrücken könnte, das entzieht sich den Naturgesetzen und überschreitet auch die menschliche Vorstellung. Wir können das Wie getrost Gott überlassen, das Das ist wichtig. "Transsubstantion" usw. sind Begriffe, die ungefähr auf das abzielen, was ich als meinen persönlichen Glauben vorstehend vorgetragen habe, erklären können sie aber auch nichts mehr. Wie immer bei solchen religiösen Fragen muss sich der Gläubige darüber auch nicht seinen beschränkten Kopf zergrübeln, sondern sich einfach auf die Gegenwart Gottes ausrichten und sich beschenken lassen. Ich bekomme im Altarssakrament regelmäßig Freude und Kraft für die kommende Woche. Das ist doch das Entscheidende.

Kommentar von Nadelwald75 ,

Hallo RudolfFischer,

wenn ich jetzt der Fragesteller wäre, hätte ich das als hilfreichste Antwort ausgezeichnet.

Zum Thema gäbe es noch eine Menge zu sagen (Transfinalisation, Transsignifikation...).

Zu den Kriterien der Physik: Ich habe keine Schwierigkeit, rein physikalisch betrachtet, Brot zu essen und Wein zu trinken, aber vom Wesen (Transsubstantiation) her ist dies kein Nahrungsmittel mehr, sondern real Christus.

"Annähernd" vergleichbare Wesensverwandlungen: Eine Nationalflagge ist von der Physik her ein mehrfarbiges Stück Stoff. Vom Wesen her ist es etwas anderes. Ein Trauring ist physikalisch ein Metallring mit x% Goldgehalt. Vom Wesen her (und nicht nur symbolisch) übersteigt er die reine Physik Erklärung bei weitem.

Kommentar von RudolfFischer ,

Danke für den Kommentar. Im Prinzip einverstanden, obwohl Hostie und Wein für mich doch noch etwas mehr sind als Symbole. Du hast ja auch "annähernd" geschrieben. 

Kommentar von Nadelwald75 ,

Hallo RudolfFischer, da sind wir uns wohl einig. Brot und Wein sind auch für mich nach der Wandlung nicht Symbole, sondern die Realpräsenz Christi.

Wenn ich vom Begriff Transsubstantiation ausgehe (Wesensverwandlung), dann ist Brot zunächst einmal physikalisch ein Produkt aus Mehl und Wasser. Vom Wesen her ist es ein Nahrungsmittel.

Brotkrümel auf dem Erdboden sind physikalisch das gleiche, vom Wesen her ist es Müll.

Brot nach der Transsubstatiation ist physikalisch immer noch Mehl und Wasser, vom Wesen her ist es Christus - und zwar nicht symbolisch, sondern real..

Kommt das ungefähr hin?

Kommentar von RudolfFischer ,

Ja, mehr und Besseres kann man dazu nicht sagen.

Antwort
von nowka20, 5

-man ißt seinen leib (erdprodukte)

-man trinkt sein blut (vergorene flüssigkeiten)

leib und blut sind aber nicht der jesus, sondern ausschließlich nur teile seines leibes

Antwort
von Netie, 4

Brot und Kelch sind ein Sinnbild vom Leib und Blut des Herrn Jesus. Er hat es uns gegeben damit wir Seiner gedenken.

Antwort
von josef050153, 13

Dieser Irrtum, dass Jesus in den Abendmahlsgaben sozusagen 'eigesperrt' ist, entspringt ungenügenden Griechischkenntnissen der Leute, die das festgelegt haben.

Griechisch (besonders Altgriechisch) ist eine sehr poetische Sprache, in der viel mit Bildern und Sprachfiguren ausgedrückt wird, was aber diese Möchtegernwissenden gar nicht kannten, aber trotzdem dieses Dogma von der leibhaftigen Gegenwart Jesu im Abendmahl festgeschrieben haben.

Auch im Deutschen gibt es ja Sprachfiguren, die man oft nicht einmal vernünftig in eine andere Sprache übersetzen kann. Als Beispiel versuch einmal den Satz

Der Pfarrer hat gesagt, der Mensch ist Staub und deshalb mache ich mich aus dem Staub.

in eine dir gut bekannte andere Sprache zu übersetzen.

Antwort
von chrisbyrd, 18

Nach meinem Verständnis geht es um ein "Gedächtnismahl", um sich daran zu erinnern und mit der Handlung zu verkündigen, dass Jesus stellvertretend zur Vergebung unserer Sünden litt und starb.

Dies sagt Jesus auch selbst: "und dankte, es brach und sprach: Nehmt, eßt! Das ist mein Leib, der für euch gebrochen wird; dies tut zu meinem Gedächtnis! Desgleichen auch den Kelch, nach dem Mahl, indem er sprach: Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut; dies tut, so oft ihr ihn trinkt, zu meinem Gedächtnis! Denn so oft ihr dieses Brot esst und diesen Kelch trinkt, verkündigt ihr den Tod des Herrn, bis er kommt." (1. Korinther 11,24-26).

In der MacArthur-Studienbibel findet sich dazu: "der neue Bund in meinem Blut. Der Alte Bund wurde jährlich wiederholt, indem Menschen Blut von Tieren darbrachten; aber der Neue Bund ist durch den Tod Christi ein für allemal eingesetzt worden. zu meinem Gedächtnis. Jesus machte den dritten Kelch des Passahmahls zum Kelch des Gedächtnisses an sein Opfer. Dieses Gemeinschaftsmahl veranschaulicht das Evangelium, da die Bedeutung von Brot und Wein erklärt wird. Sie sind Zeichen, die auf Christi Fleischwerdung, Opfertod, Auferstehung und sein künftiges Reich hinweisen."

Kommentar von matzemaen ,

Calvinismus ;-)

Antwort
von ghul666, 37

Im übertragenen Sinne, ja

Zumindest bei den Katholiken

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