Ohne Vater aufgewachsen- hänge ich deshalb so an zB männliche Lehrer?

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7 Antworten

Hey :),

ich weiß leider genau wo von du sprichst...! Ich habe schon jetzt knapp 8 Jahre keinen Kontakt zu meinem Vater (das letzte mal als ich so zwischen acht und neun Jahre alt war)- er ist leider ein Alkohol trinkendes A****loch- aber irgendwie...tja ist da trotzdem eine gewisse Sehnsucht. Ich wünsche oftmals, dass die Situation anders wäre.

Manchmal, wenn ich eine glückliche Familie auf dem Spielplatz mit kleinen Kindern unbeschwert toben und Spaß haben, sehe, bin ich teilweise schon ein bisschen angekratzt- nicht eifersüchtig, ich gönne ihnen auch das Glück- eher traurig und enttäuscht, dass ich solche Dinge leider nie erlebt habe... 

Bei einem Lehrer, den ich jetzt knapp 2 Jahre im Unterricht gehabt habe, hatte ich immer ein ähnliches Gefühl, wie du es beschreibst. Er hat Geschichten über seine Kinder erzählt (schön, liebevoll, witzig, fürsorglich), hat öfter mal der Klasse Moralpredigten gehalten, hat mich verstanden (ich bin wirklich extrem schüchtern und dadurch ist meine mündliche Beteiligung immer unterirdisch...), für gute Leistungen mit Anerkennung gelobt und mir persönlich mal den Kopf gewaschen, als ich ein bisschen abgespackt bin :D. Ich weiß, was er seinen Kindern zum 18 Geburtstag geschenkt hat, wie er in Sorge war als...

→ Kurzum: Er wäre das nahezu perfekte Abbild eines Vaters, wie ich es mir gewünscht hätte...

Wie du schon sagtest: Ich möchte gar nicht, dass er mein Vater ist, ich bin auch auf absolut überhaupt keinen Fall verliebt gewesen- dafür war er ein bissche zu alt :D-, aber ich habe auch schon darüber nachgedacht, wie es wäre ihn privat zu treffen- gerade weil er halt immer irgendwie immer als Ansprechpartner da war...

Ungewöhnlich? Ja, aber kein Weltuntergang! Uns fehlt vielleicht irgendwie eine männliche Zugangsperson und wir sind halt eher die ''Viel- Denker''... Sieh es mal von der Seite: Du bist nicht alleine mit deinem Problem ;).

Abstellen konnte ich das bisher auch nicht wirklich, aber seit der Lehrer nicht mehr an meiner Schule ist, ist das definitiv besser geworden. Er hat mich- wahrscheinlich unwissentlich dazu gebracht mich und bestimmte Verhaltensweisen zu hinterfragen- und das halte ich mir schon mal vor Augen... Zum Thema Gedankenspinnen: Ich habe schon überlegt, dass unsere Klasse ihn zu unserer Abi feier einladen könnte, und ich ihm dann Danke für seine Mühe sagen könnte...

Nun so lange deine Gedanken nicht dein Leben bestimmen, denke ich, dass das völlig im Rahmen ist. Wenn sie allerdings eine gewisse Grenze überschreiten, solltest du überlegen, ob ein Weg zum Psychologen nicht vielleicht angebracht ist.

LG Julia

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Liebe Carrie1412,

das kann sehr gut sein. Ich denke, jedes Kind hat das Bedürfnis nach Mutter und Vater. Der Vater vermittelt einem Dinge, die die Mutter einem nicht vermitteln kann und gewisse Dinge besser, Selbstbewusstsein zum Beispiel. Außerdem lernst du viele wichtige Dinge, wenn du beide Elternteile hast und die zusammenleben. Zum Beispiel mit den Spannungen zwischen den Geschlechtern umzugehen und Unterschiede auszuhalten. 

Das ist ganz normal und auch kein Tick und ich rate dir dieses Bedürfnis auch nicht zu ignorieren, sondern irgendwie zu erfüllen, indem du dir eine erwachsene, männliche Bezugsperson suchst. Das kann zum Beispiel ein Verwandter oder ein Vertrauenslehrer oder der Sozialarbeiter im Jugendzentrum sein (die sind übrigends dazu da, dir den Vater ein bisschen zu ersetzen oder dir eine bessere Vaterfigur zu sein, als dein eigener). 

Liebe Grüße

Amica92

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Mit einem Vater, der dir gegenüber abweisend gewesen wäre, hättest du das gleiche Bedürfnis. Mit einem Opa oder eine Oma, die dir gegenüber interessiert gewesen wäre nicht. Es kommt immer darauf an, dass man 1 oder mehrere Erwachsene im Leben hatte, die für einen wirklich ernsthaft da waren.
Ansonsten fühlt man sich zu solchen Personen hingezogen und wünscht sich eine tiefere Beziehung.
Leider sind Lehrer immer beruflich in dieser Rolle und können deshalb nur Teilweise das geben, wonach du dich sehnst.
Erwachsene Freunde sind als Jugendliche schwer zu finden.


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Ich kenne das. In meiner Schulzeit hatte ich ähnliche Gedanken. Ich bin auch größtenteils ohne Vater aufgewachsen. Die Bezugsperson sucht man sich dann eben wo anders und Lehrer sind da die perfekten "Opfer". :)
Allerdings denke ich, dass da nichts dabei ist. Lehrer sind ja oft genau für solche Dinge da. Dass du dich an sie wendest, wenn du redebedarf hast. Und auch wenn du das Gefühl verspürst, ihn mehr in dein Leben zu integrieren, ist dabei nichts komisches. Du wünschst dir vermutlich nur eine Freundschaft. Allerdings würde ich dir stark raten es bei den Gedanken zu lassen. Es könnte blöde Nachrede geben oder sogar Konsequenzen für einen Lehrer der sich Privat mit Schülern trifft.

Seit ich nicht mehr in der Schule bin ist das anders. Ich baue selbst solche Beziehungen nicht mit meinen Vorgesetzten auf. Also ich denke das vergeht irgendwann. (Ich bin 24)

Genieß also die Zeit eine so enge Bezugsperson zu haben! Dafür ist er da.

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Da mach Dir einfach mal weniger Gedanken - wenn Dir der Vater als männliche Bezugsperson gefehlt hat, sind solche Gedanken völlig normal und das wird auch mit zunehmendem Alter wieder in den Hintergrund treten.

Dein eigenes Leben wird dadurch nicht wirklich beeinträchtigt, solange solche Gedanken nicht beherrschend werden

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Du musst bedenken, dass die Lehrer nicht einfach ignorieren können was du ihnen berichtest und versuchen mit Gesprächen, dass es dir gut geht. Ich denke mal, dass ist ihr Job. Frag dich am besten immer, würden diese Personen auch mit dir reden, wenn Sie nicht deine Lehrer wären, sondern x beliebige Menschen.
Ich halte da nichts von, während von sozial Arbeitern noch von Psychologen, ohne ihr Gehalt, würden die sich sicher nicht mit dir rumschlagen und das ermutigt mich immer wieder, meine Probleme oder mein Leid alleine zu bewältigen.

Mit freundlichen Grüßen

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Kommentar von Hacker48
23.09.2016, 22:24

LOL, weißt du eigentlich, was Sozialarbeiter verdienen? Und wie hart der Weg bis zum Psychotherapeuten ist? Wer Psychologie studiert, kann auch Medizin studieren, hat deutlich weniger Stress und später mehr Anerkennung sowie eine sehr viel bessere Bezahlung ...

Natürlich kann sich ein Psychologe oder ein Sozialarbeiter ohne Gehalt nicht mit den Problemen seiner Klienten herumschlagen, schließlich müssen die auch irgendwie die Miete bezahlen, 'ne?

Aber das heißt sicher nicht, dass sie ihren Job nicht sehr gerne machen. Was im Übrigen die Grundvoraussetzung für die allermeisten sozialen Berufe ist, sofern man nicht mit 30 an Burnout erkranken will. :)

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Kommentar von JaniXfX
24.09.2016, 11:43

Der Vergleich hinkt etwas. Auch ein Arzt würde sich ohne Geld nicht um Verletzungen und Krankheiten kümmern und selbst der Busfahrer würde Dich nicht fahren, wenn er dafür kein Gehalt bekäme. Es ist schade, dass es für Dich sofort eine persönliche Kränkung ist, weil Dich jemand aus professionellem Umfeld nicht "lieb hat".

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Nimm das Beste, was diese Personen Dir bieten und Dich lehren können, aber beachte: es gibt nie einen Vaterersatz.

Also: bleib Du selbst und recke Dich nicht um einen Ersatzvater, sondern lerne, soviel Du kannst, von Deinen jetzigen Vertrauenspersonen.

Aber verstehe: Du bist verantwortlich für Dich selbst, kein anderer Vater mehr.

Das kann mal wehtun, aber wenn Du es überwunden hast, wirst Du stark sein!

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