Frage von URALL, 141

Offenstall, was beachten?

Hey, also ich hab mich jetzt entschieden meine RB (Wallach, 7 Jahre) zu kaufen. Nun hätte ich ganz in der Nähe einen Offenstall gefunden, der auch unserer Preisklasse super entspricht. Nun meine Fragen: Kann ich ihn scheren und ihm dann im Winter eine dicke Decke draufmachen? Weil er ist mit dickem Winterfell echt nassgeschwitzt und es dauert bei ihm immer mehrere Stunden, bis er trocken ist, ich möchte nicht Erkältungen riskieren. Wie geht das mit dem Einleben und der Rangordnung in der Herde (12 Pferde)? Gibt es am Anfang Kämpfe oder haben sich (z.B) eure Pferde schon nach kurzer Zeit super verstanden? Was sollten wir beim Füttern beachten? Wie weide ich ihn an? Er ist nämlich seit er 4 Jahre alt ist in Boxen gehalten worden und nur ein bis zweimal die Woche auf einen Sandpaddock gelassen worden (TIERQUÄLEREI SOWAS!!!). Darum möchte ich ihm jetzt ein schöneres Leben bieten. Er ist ja erst sieben Jahre alt und hat etwas anderes verdient. Hoffe ihr könnt mir helfen! Ich hab nämlich keine Erfahrung mit Offenstallhaltung. Dankeschön!

Expertenantwort
von Baroque, Community-Experte für Pferde, 82

Nicht scheren!

Es macht nichts, wenn er im Winterpelz schwitzt, davon erkältet er sich nicht. Wenn er in einem Offenstall steht, hat er auch keine Zugluft mehr - es sei denn, Du gingst mit ihm in einen Raum zum Absatteln o.ä. Einfach raus stellen. Pferde halten das aus. Es werden erstaunlich oft die Deckenpferde krank und erstaunlich selten, die, die keine Decken besitzen und das zieht sich über alle Rassen: Zufall? Nein, die Decke bringt nur die Thermoregulation durcheinander, die es den Pferden so wunderbar ermöglicht, sich selbst zu helfen.

Wie die Integration funktioniert, hängt von so vielen Faktoren ab, dass man es nicht vorhersagen kann: Herdenzusammensetzung, Wesen des neuen Pferdes, Gestaltung der Offenstallfläche und der Fütterungsstationen (Raufen, Automaten, ...). Mach Dich bei einem herdenungewohnten und bisher so viel stehenden Pferden drauf gefasst, dass die Umstellung kein Spaziergang wird. Dir muss bewusst sein, wofür Du das tust - für viel besseren Stoffwechsel, für viel bessere Gesunderhaltung des Bewegungsapparats, für die Pferdeseele. So viele haben schon abgebrochen, sobald es zum ersten Kratzer kam oder das Pferd abgemuskelt hat, aber für das Pferd ist das alles kein Grund abzubrechen, nur für unser "Wendy-Herz".

Rechne damit, dass das Pferd komplett ummuskelt. Er hat jetzt Stehmuskulatur, egal, wie Du vorher trainierst. Die muss weg, bevor die gute Bewegungsmuskulatur kommen kann. Dazwischen sieht das Pferd möglicherweise gruslig aus, irgendwie so extrem kantig ... viele Pferdebesitzer stopfen es dann mit irgendwas voll, was nicht wirklich was ändert oder bestenfalls das Muskelproblem mit Fett überdeckt und es dem Pferd noch schwerer macht, wieder fit zu werden. Dann muss der Stoffwechsel von Trägheit auf Aktivität umgestellt werden, kann sein, dass am Anfang etwas mehr Heu nötig ist, wenn das System anläuft, bis es sich wieder einpendelt. Rechne auch mit Schrammen etc. Das Pferd sagt nicht "aua, aua, böse Herde, ich mag das nicht", es sagt bestenfalls "heut hab ich einen Herdenkollegen gefunden, mit dem ich direkt gespielt hab" oder "wow, ich hab heut rausbekommen, wer mir aus dem Weg geht und wer ein toller Chef ist" ... aber die Pferdebesitzer sagen "der scheucht mein Pferd, mit dem zusammen geht es nicht" oder "mein Pferd rennt vor allen anderen weg" ... und so viele nehmen ihre Pferde dann wieder aus der Herde und lassen sie ihr restliches Leben in der Box, weil sie einfach nicht die Nerven haben, ein Pferd Pferd sein zu lassen.

Stressfrei wird es nicht gehen, denn allein das Pferd von seinen bisherigen Sichtkontaktkollegen weg zu bringen, ist für es Stress. Und Stress zehrt am Zinkspiegel. Der sollte aber eigentlich hoch sein, um die Ummuskelung und Stoffwechselumstellung gut zu verkraften - hier kann man ein bisschen mithelfen als Mensch.

Zum Füttern: HEU + wenn unbedingt Kraftfutter nötig, dann Hafer im ganzen Korn + Mineralfutter

Anweiden: Manche verteten die These, das muss minutenweise passieren, wofür ich aber keine wissenschaftliche Grundlage kennen. Die, die sich fachlich damit befassen, raten zu am Anfang einer Stunde (die rennen eh erst mal eine Dreiviertelstunde vor Freude und fressen erst danach) und dann allmählich erweitern. Im Zweifel, wenn es nicht das leichtfuttrigste Pferd der Herde ist, lass ihn einfach mit den anderen mitmachen. Anfangs wird der Koppelzaun eh nur für kürzere Zeit aufgemacht und dann immer länger.

Antwort
von LyciaKarma, 76

Scher ihn nicht. Das zerstört die ganze Thermoregulation.  

Mit Decke wird er sich eher erkälten als ohne und ein verschwitztes Pferd in den Offenstall stellen ist kein Problem. 

http://www.vet-tcm.de/beitraege/13-pferde/101-thermoregulation-was-ist-das

wie geht das mit dem Einleben und der Rangordnung in der Herde (12 Pferde)? Gibt es am Anfang Kämpfe

Normalerweise ja. Mal mehr, mal weniger. Kommt immer drauf an. Aber wenn du sagst, dass er bisher nur seltenst auf den Paddock kam, kann es sein, dass er Schwierigkeiten hat und/oder macht, weil er lange keine Pferde um sich um hatte und evtl. Schwierigkeiten mit dem Sozialverhalten hat.  

Die Eingliederung in die Herde dauert eine Weile. Von ein paar Wochen bis einem Jahr oder in Einzelfällen noch mehr. 

? Was sollten wir beim Füttern beachten?

Heu so viel er mag, außer er wird zu dick. Dann einschränken. 

Müsli, Pellets, Mash etc weglassen, das ist sehr ungesund. 

Obst und Gemüse nur in Maßen, nicht in Massen.  

Wie weide ich ihn an?

Am ersten Tag 5 Minuten Gras, dann jeden Tag 5-10 Minuten steigern, je nachdem, wie das Pferd das verträgt. 

Wenn du bei 4 Stunden Gras bist, kannst du ihn normalerweise tagsüber drauflassen. 

Kommentar von Baroque ,

Dieses extrem langsame Anweiden ist wissenschaftlich nicht ausreichend belegt - oder hab ich eine Studie verpasst? Glaub eher nicht, bekomme doch immer die Rundschreiben von den Ernährungsexperten der Uni. Es wird normal immer mit einer Stunde begonnen, weil die eh in der ersten halben bis dreiviertel Stunde vor Freude vor sich hin hüpfen ... und die restliche Zeit vertragen sie locker, sie würden auch eine Stunde vertragen. Dann über 2 Wochen gesteigert auf 3 Stunden und dann bleibt 24 Stunden offen.

Kommentar von LyciaKarma ,

Ich kenne viele Pferde, die es nicht vertragen. Meiner zb verträgt alles, egal was er frisst, aber provozieren muss man es nicht. 

Sehe halt bei vielen, dass sie Kotwasser kriegen und Dünnpfiff und teilweise sogar Koliken. 

Kommentar von Syntis ,

Über Kotwasser in nicht allzu großen Mengen würde ich mir keine Sorgen machen. Die Umstellung von Heu auf frisches Gras oder auch auf Silage kommt vor. Der Nährstoffgehalt etc ist ja z.T. sehr unterschiedlich und darauf muss sich die Darmflora des Pferdes auch erstmal einstellen. Sollte es sich nicht einblenden und ein permanenter Zustand sein, muss man auf Ursachensuche gehen. Aber bevor ich mir darüber einen Kopf mache, muss mein Pferd schon mehr Symptome zeigen. In den ersten zwei Wochen würde ich mir da nicht gleich den Tierarzt bestellen.

Antwort
von Sesshomarux33, 67

Hallo, 

schön, dass dein Pferd im Offenstall leben darf! :) 

Bitte schere ihn nicht. Pferde haben eine wunderbare Thermoregulierung durch ihr Fell. Es ist normal, das gerade bei Temperaturschwankungen viel geschwitzt wird. Aber man sollte aus Bequemlichkeit nicht scheren. Führ dein Pferd nach dem Reiten trocken, das dürfte schneller gehen als wenn man ihn trocken reitet oder arbeite so, dass er nicht zu arg schwitzt. 

Am besten wird dein Pferd erstmal per Koppelabtrennung an die Herde heran geführt. Später dann zusammenlassen und gerade wenn ein neues Pferd in die Herde kommt mehrere Futterstellen anbringen. Das sollte aber so oder so selbstverständlich sein. 

Anweiden kannst du ihn auf einer Wiese - lass ihn paar Minuten etwas grasen und steigere dann die Zeit. Dann lass ihn mal eine Stunde auf der Koppe usw. 

Viel Glück mit deinem Hotti! 

Mit freundlichen Grüßen

Sesshomarux33

Kommentar von Baroque ,

Man muss die nicht mal trocken führen oder reiten, auch das ist eine relativ "neumodische Erscheinung" ... ich stell schon seit 35 Jahren Pferde einfach so raus, wie sie sind - ich bin einige Zeit Jagden geritten, da waren sie hinterher nimmer trocken ... aber das hat der Wind erledigt, das war nie ein Thema. Nur geschlossene Ställe sind da fies, aber über solche reden wir hier ja nicht.

Antwort
von Purzelmaus99, 65

Also ich würde mal einen Tierarzt auf das starke schwitzen ansprechen bzw das Training anpassen
Lass das scheren das braucht kein pferd

Rangeleien werden sich denke ich mal nicht vermeiden lassen

Antwort
von Littelchen, 40

Scheren im Offenstall ist prinzipell möglich, funktioniert auch super, wenn man schaut, dass die Decken dick genug sind:)
Die Frage ist natürlich ob es notwendig ist, aber ich finde es jetzt nicht so schlimm, wenn man schert. Man kanns ja einfach mal ein Jahr ausprobieren und dann entscheiden ob man es wieder macht:)
Vielleicht reicht es ja auch das Pferd früh einzudecken:)
Lg

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