Frage von jasmin886, 90

Ökologisches Wirtschaften nur durch Marktregulierung?

Antwort
von berkersheim, 48

Wo ist das Problem? Ein Markt ist ein öffentlich regulierter Ort, an dem unter für alle gleichen Bedingungen ein Austausch verhandelt wird. Theoretisch wäre das auch keine Annahme gegen Adam Smith, der festgestellt hat, dass ein Markt als Ort des Austauschs dadurch funktioniert, dass die Marktteilnehmer mit den verhandelten Preisen auch die eingeschlossenen Kosten verhandeln. Wenn also den Unternehmen - gleichermaßen! - der Verbrauch von öffentlichen Gütern wie Luft, Wasser usw. als Kosten in Rechnung gestellt wird, wird das in den Preisen an den Märkten mitbewertet. Wichtig ist, dass es für alle gleich ist und keine Wettbewerbsverzerrung vorgenommen wird. Was vielen offensichtlich nicht klar ist: Märkte sind politische Orte. Menschen und Politik setzen die Grenzen, unter denen sie miteinander verhandlen wollen. Da gibt es keinen Widerspruch zur Ökologie, wenn die Bewertung von öffentlichen Gütern eine Mehrheitsmeinung ist. Lediglich in der Einführung müssen Räume geschaffen werden, dass ein Anpassungsprozess möglich ist.

Kommentar von Snanifo ,

Du hast ja schon recht, dass Menschen und Politik die Grenzen der öffentlichen Märkte setzen. Wenn man es so allgemein sagt, dann ergibt sich auch tatsächlich kein Widerspruch zur Ökologie. Aber ich denke, man müsste doch mal genauer hinschauen. Unsere deutsche Politik hat nicht nur Ökologie in ihrem Programm, sondern auch das Ziel, eine prosperierende Wirtschaft zu haben. Ich könnte das noch etwas genauer fassen: Die Wirtschaft bei uns, genannt Kapitalismus oder Marktwirtschaft, auch soziale, hat als Basisziel, aus Geld mehr Geld zu machen. Darunter geht gar nichts in der Ökonomie. Dabei taucht die Ökologie sowohl für die Wirtschaft als auch für die Politik, den Staat als Kostenfaktor auf. Für die Ökonomie ist es geradezu eine Behinderung beim Gewinnemachen, für die Politik zumindest eine Kalkulation, wie weit ich ökologischen Zielsetzungen nachgebe, um die Wirtschaft nicht mehr als nötig am Prosperieren zu behindern, also am Gewinnemachen. Es ist also schon ein Widerspruch zwischen unserer kapitalistischen Ökonomie, die vom Staat gewollt ist, und den ökologischen Behinderungen, ich formuliere das bewusst so, sowohl für die Wirtschaft selber als auch für den Staat, der diese Wirtschaft vorantreiben will. 

Eine kleine Ausnahme hast du ja selber gemacht damit, dass mit der "Einführung ....Räume geschaffen werden (müssen), dass ein Anpassungsprozess möglich" sein soll. Die Frage wäre halt, wie lange ist dieser Anpassungsprozess und nach welchen Kriterien wird diese Länge beurteilt. Ich meine, oben etwas dazu und zum grundsätzlicheren Widerspruch gesagt zu haben. 

Kommentar von berkersheim ,

@Snanifo

Teils verstehst Du meine Ausführungen. Teils projezierst Du Dir mit Deiner marxistischen Brille selbst die reinsten Zerrbilder. Meine Regelung gilt allgemein, auch für unsere heutige Wirtschaftsform. Märkte werden von Menschen, speziell von Politikern, die ja die Rahmenbedingungen setzen, geschaffen. Bauen die Vorteile für bestimmte Interessengruppen ein, darf man sie vielleicht nicht mehr so unwidersprochen wählen. Statt generell über den Kapitalismus zu lamentieren, sollte man schon versuchen, ob man Wähler durch Aufklärung dazu bewegen kann, sich mehr um die Regeln zu kümmern, die zu ihrem eigenen Vor- oder Nachteil sind. Wenn ich z.B. erfahre, dass Draghi mit der EZB Schuldscheine großer Konzerne aufkauft und sie dadurch günstig liquide hält, während der deutsche Mittelstand kämpfen muss, um an Kredite zu kommen, dann verschafft Draghi mit Zustimmung auch der Sozialdemokraten und Grünen den Großkonzernen Wettbewerbsvorteile, die der kleine Steuerzahler finanziert. Da muss man sich als Wähler halt mal davon lösen, dass schön klingende Selbstetikettierungen wie "sozialistisch" als Augenwischerei gar nichts über das tatsächliche Verhalten sagen. Warum vom bösen Kapitalismus wie vom Teufel reden, wenn man Ross und Reiter nennen kann.

Kommentar von Snanifo ,

Ich denke, ich habe Ross und Reiter genannt. Ich weiß, du kannst Kapitalismus nicht hören - das böse hast du zugefügt -, aber wenn du meinen Beitrag genau liest, dann solltest du erkannt haben, dass ich zwei Reiter auf dem Kapitalismus genannt habe: die Leute, die Geld zum Investieren haben, die andere Leute, die keins haben, beschäftigen nur zu dem einen Zweck, mehr dabei zu bekommen und auch nur dann, wenn dieser Zweck einigermaßen sicher zu erreichen ist, was "sicher" in diesem Zusammenhang halt bedeutet. Der andere Reiter ist die Gesellschaft, der Staat, die von dem Funktionieren dieser 2 gegensätzlichen Interessen lebt und so den Markt reguliert, dass möglichst viel Steuern in Form von Geld für die Nation herauskommt.

Du bist leider gefangen in deinem Gegensatz von Großkapital und deutschem Mittelstand (zu den Handwerkern könntest du sogar "Selbstausbeuter" sagen), dass du dir nichts anderes vorstellen kannst als den Gegensatz zwischen diesen beiden Arten von Unternehmern. Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich dich zu den DKP-lern rechnen, die schimpfen auch immer aufs Großkapital und klagen die Politiker an.

Nett wäre es mal, wenn du deine anfänglichen Behauptungen über die "marxistische Brille" bzw. "Zerrbilder" und "lamentieren...über den bösen Sozialismus" belegen und dagegen argumentieren würdest, dann könntest du mich sogar möglicherweise überzeugen.

In einem bin ich mit dir einig, dass die SPD und auch die Grünen mit "sozialistisch" nichts am Hut haben. Aber das Sozialdemokraten bzw. Grünen vorzuhalten liegt auch voll daneben, weil die sich gar nicht als solche verstehen. Übrigens sind CDU/CSU weder christlich noch sozial und die FDP kein bisschen frei. Diese Parteien verschaffen übrigens nicht den Großkonzernen deshalb Wettbewerbsvorteile, weil sie gegen den Mittelstand sind, sondern weil in der internationalen Ökonomie, die wir nicht nur in anderen Ländern sondern auch zu Hause haben, die Kapitalgröße ein Argument ist, sich in dieser internationalen Konkurrenz gegen andere Konzerne zu behaupten bzw. sich durchzusetzen. Und das wiederum ist gut für den Kapitalstandort Deutschland.

Die "Regeln", von denen du sprichst, sind übrigens im Grundgesetz festgelegt mit Schutz von Person und Eigentum. Aber das weißt du ja.

Antwort
von Vollstreckerin, 19

Hallo,

die ideale neoliberale Vorstellung geht eben genau in diese Richtung, dass propagiert wird, die Ökologie würde sich eben durch Marktregulierungsmechanismen durchsetzen.

Das ist Unsinn und dient nur zur Verblendung der Menschen.

Der Markt reguliert gar nichts, ausser den Profit einiger weniger Akteure.

Der Begriff "Marktwirtschaft" ist auch irreführend. Er ist auch geschaffen, um Leute zu verblenden. Es ist ein besserer Begriff für Kapitalismus.

Im Kapitalismus aber, das wissen wir seit Karl Marx, zählt nichts, nur der Profit und der Profit sucht sich eben gerade keinen ökologischen Weg, sondern den der größtmöglicvhen Kapitalakkumulation.

Der Marktwirtschaft wird von Neoliberalen bis heute in sehr vieler Hinsicht nachgesagt, was sie alles regulieren würde. Aber keiner kann mir ein effektives Beispiel nennen, was sie wirklich richtig gut und nachhaltig geregelt hätte.
Ist es nicht eher so, dass sie weltweit eine Spur der Verwüstung, Zerstörung, massenhaftes Elend und ökologische Katastrophen hinterläßt.

nehmen wir den Bayer-Konzern.
Seit etwa 30 Jahren gibt es eine Bürgerinitiative, die sich mit der Aufklärung von "Bayer-Gefahren" beschäftigt. Auf der Internetseite der Bürgerinitiative (Coordination gegen Bayer-Gefahren - CBG e.V.) kannst Du nachlesen, wie sehr ökologisch die Marktwirtschaft ist - seit Jahrzehnten katastrophal!

Es ist nur ein Ziel möglich: Entweder ökologisch, sozial, human, nachhaltig oder Profit. Bei uns zählt nur Profit!

Viele Grüße Vollstreckerin

Kommentar von Snanifo ,

Das mit dem Profit gilt übrigens nicht nur für die "neo"liberale Vorstellung über die Ökonomie bei uns, sondern auch für die soziale Marktwirtschaft, also auch für den Keynesianismus. Generell für die kapitalistische Art des Wirtschaftens. Der Schutz von Person und Eigentum (ich denke, gemeint sind Produktionsmittel) ist übrigens auch im Grundgesetz festgelegt.

Was soll übrigens der Reichtum in Geldform denn für einen Sinn haben, als ihn zu vermehren, also Profit zu machen? Willst du profitabel ökologisch, sozial, human und nachhaltig wirtschaften oder habe ich das falsch verstanden?

Kommentar von Vollstreckerin ,

Nein. Nachhaltige Ökolgie, ökologisches Wirtschaften ist innerhalb des kapitalistischen Wirtschaftssystems nicht möglich. Auch die Ökologie hat sich nach den Profitinteressen zu richten und das wird wohl nichts werden! Man kann das drehen und wenden, wie man will, es (die Ökologie) scheitert letztlich immer an der kapitalistischen Produktionsweise, also am Privateigentum an den Produktionsmitteln.
Alle Versuche von Reformen und tausend anderen Lösungsideen sind immer nur Versuche der Heilung am Bett des todkranken Kapitalismus.
Wie sehr der krank ist, sehen wir an den fast täglichen Terroranschlägen, von denen sicher auch einige von den Geheimdiensten selbst inszeniert sind und auch daran, dass es nun schon 2 NATO-Länder sind, die den Ausnahmezustand ausgerufen haben. Es werden nicht die letzten sein

Kommentar von Snanifo ,

Bis zur einschließlich 6. Zeile bin ich vollständig mit dir einig. Wie du aber daraus schließen kannst, dass der Kapitalismus "todkrank" ist und ev. deshalb selbst stirbt, kann ich nicht ganz nachvollziehen, auch wenn ich mir die Terroranschläge, die ev. sogar selbstinszeniert sein sollen, und auch die Ausnahmezustände in 2 Ländern als Argument ansehe. Zum einen (leider) hat der Kapitalismus schon x Ausnahmezustände sowie 2 Weltkriege "überstanden" und lebt unter der politischen und militärischen Führung durch den Westen - haupt- sächlich durch die USA, aber auch aus der EU - munter weiter. Aufgegeben hat den Gegensatz die Sowjetunion und auch China hat außer einem kommunistisch geführten nationalen Kapitalismus(ein ganz schöner Widerspruch) dem (leider) nichts entgegenzusetzen. 

Antwort
von soissesPDF, 14

Für Öko gibt es nach der reinen Lehre keinen Markt.
Die Produkte sind schlicht zu teuer.
Ergo werden sie durch Repression diktiert, wie diese EEG-Umlage.

Antwort
von JuliusSt, 33

Welche Klasse? Hausaufgabe oder Hausarbeit? Man hat so relativ wenig Ahnung , wie weit man ausschweifen soll

Kommentar von jasmin886 ,

Bin in der 11. im LK also du kannst ruhig ausschweifen:)

Kommentar von JuliusSt ,

Ich hatte das "ökologisch" erst als "ökonomisch" gelesen. So macht die Frage auch mehr Sinn xD

Marktregulierung ≙ direkte staatliche Eingriffe in die Wirtschaftsprozesse und die staatliche Beeinflussung des Verhaltens von Unternehmern und Konsumenten, um bestimmte, im allgemeinen Interesse bestehende Ziele zu verfolgen.

Es kommt  auch darauf an, wie man ökologische Ressourcen ansieht, bzw .das allgemeine Interesse

"Kurz:

Eine Marktwirtschaft muss den Menschen dienen.Es braucht Chancen und fairen Regeln für alle.Dafür braucht es die richtigen Rahmenbedingungen.

Eine Marktwirtschaft, die dem Gemeinwohl dienen soll, lebt von Voraussetzungen, die sie selbst nicht garantieren oder von alleine hervorbringen kann. Diese Voraussetzungen sind aber entscheidend!

Zum einen gilt: Die ökologische Modernisierung kann nur mit Märkten und Wettbewerb gelingen.

Fairer und effektiver Wettbewerb ist ein Motor für Innovation und Kreativität, führt zu niedrigeren Verbraucherpreisen und höhere Qualität der Produkte und Dienstleistungen.Es ist schließlich nicht die Politik, die die ökologische Modernisierung konkret umsetztEs sind die Unternehmen mit ihren Beschäftigten, Ingenieure, Wissenschaftler und Tüftler.Sie erfinden neue Technologien oder machen bestehende Verfahren im Wettbewerb noch effizienter.

Zum anderen gilt aber auch: Markt und Wettbewerb führen nicht von selbst zu ökologisch und sozial wünschenswerten Ergebnissen."

Also kann nicht gesagt werden, dass "nur" durch freies Wirtschaften oder "nur" durch durch Marktregulierung ökologisches Wirtschaften ensteht, alle Akteure, Bevölkerung (Haushalte...), Staat, Wirtschaft (Banken...) müssen diesen Prozess antreiben.

Kommentar von Snanifo ,

Wie soll eine "Marktwirtschaft" den Menschen dienen, wenn ihre erste und wichtigste Maxime ist, aus Geld mehr Geld zu machen? Das gilt übrigens nicht nur für Banken mit Krediten und Zinsen sowie Aktien mit ihren Kursen, sondern auch in der Produktion. Jede Produktion wird nur initiiert und weitergeführt, wenn das vorgeschossene Kapital sich vermehrt. Ob das gelingt, zeigt sich spätestens daran, wenn das Startkapital aufgebraucht ist und das Unternehmen bei mangelndem Erfolg zahlungsunfähig ist, also die Rechnungen für die fortzusetzende Produktion nicht bezahlen kann.

Im Gegenteil, die Marktwirtschaft benutzt bzw. nutzt den Menschen, um genau dieses Ziel der Vermehrung von Geld zu erreichen.

Kommentar von JuliusSt ,

Welchen teil an "markt und wettbewerb führen nicht selbst zu ökologisch, sozial wünschenswerten Ergebnissen" hast du nicht verstanden?

Antwort
von JuliusSt, 40

Adam Smith und Co. würde das nicht gefallen

Kommentar von jasmin886 ,

Kannst du das näher erläutern?

Kommentar von charlynickel ,

Im Gegenteil, dann würde endlich Marktgerechtigkeit herrschen, denn im Augenblick machen die Unternehmen kurzfristig Gewinne auf Kosten der Umwelt und die Schäden werden sozialisiert, d.h. wir müssen es bezahlen, Gesundheitskosten, Trinkwasseraufbereitung, Waldsterben, Küsten- und Überschwemmungsschutz, Sturmschäden, Mülldeponiesanierungen, Atomkraftwerke rückbauen, Endlagerung, usw. Letztendlich wäre es viel ökonomischer, wenn der Staat scharfe Umweltgesetze einführen würde, die Produkte würden zwar etwas teurer aber wir müssten nicht so viel Steuern bezahlen, bzw. könnten sie für sinnvollere Dinge ausgeben. Schon heute ist es selbstverständlich, dass Kraftwerke und Filter haben müssen, dass Wasser nicht mehr ungereinigt zurückgegeben werden darf, die allerschlimmsten Pestizide verboten sind, dass Produkte Grenzwerte für Schadstoffe haben etc... ohne dass die Wirtschaft zusammengebrochen wäre, allerdings ist dass noch lange nicht genug.

Kommentar von Snanifo ,

Warum denkst du, dass das so lange gedauert hat und warum das auch heute noch "lange nicht genug (ist)"?

Kommentar von JuliusSt ,

Vllt. Müsste man differenzieren zwischen staatlicher regulierung und durch die bevölkerung, weil smith gegen einen staatlichen eingriff argumentierte

Kommentar von MusiToo ,

Adam Smith ist DER Vertreter des sich selbst-regulierenden Marktes (unsichtbare Hand).

Somit ist es sicherlich inkorrekt, ihm die Aussage zuzuschreiben: "Ein markt ist ein öffentlich regulierter Ort"

Kommentar von JuliusSt ,

Was ist "das"? Die marktregulierung?

Antwort
von MusiToo, 31

Hier geht es vornehmlich um die Frage nach externen Kosten und Möglichkeiten der Internalisierung.

Diese Internalisierung kann i.d.R. nur durch staatliche Regulierung erfolgen.

Neuerdings gibt es aber auch Ansätze zur freiwilligen Internalisierung in Sustainability Programmen von Unternehmen (die allerdings i.d.R. einem ökonomischem Ziel folgen, weil sich die Unternehmen hiervon zusätzliche Gewinne versprechen: Kundengewinnung und Imageaufwertung, Preisdifferenzierung nach oben, etc.).

Kommentar von Snanifo ,

Ja, ja, an der Realisierung der zusätzlichen Gewinne relativiert sich manch freiwillig eingegangene Verpflichtung wie geringer Spritverbrauch und wenig Stickoxyde.

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