Frage von christin1802, 46

Obdachlose in Deutschlamd?

hi, also ich war heute mit zwei Freundinnen in der Stadt und wir haben dort häufig Obdachlose antreffen können. Eine meiner Freundinnen hat sich darüber aufgeregt und gesagt dass hier in Deutschland niemand auf der Straße leben muss und dass sie es freiwillig machen würden. Daraufhin hat sich meine andere Freundin empört und sie haben sich gestritten. Nun wollte ich euch fragen wie ihr dazu steht...

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von zippo1970, 29

Hallo christin1802!

Deine Freundin hat im Prinzip schon recht. Unsere Kommunen sind gesetzlich verpflichtet, jeden Menschen ohne Unterkunft unterzubringen. Aber wie sieht so eine Unterbringung aus?

Die Unterbringungsmöglichkeiten der Kommunen, sind oft schrecklich, manchmal sogar menschenunwürdig. Ich kann gut verstehen, wenn Menschen dann lieber freiwillig, unter einer Brücke, oder im Park schlafen.

Sind wir mal ehrlich, wer befasst sich den wirklich mit den Befindlichkeiten, den Lebensumständen, und dem Alltag von Obdachlosen. Die meisten haben keine Ahnung davon, und andere, verfügen nur über gefährliches Halbwissen. Bis vor ein paar Jahren ging es mir genau so. Dann habe ich einige Jahre ehrenamtlich in einer Wärmestube für Obdachlose gearbeitet.

Es gibt viele Gründe, warum Menschen, obdachlos auf der Straße landen. Jeder hat seine eigene Geschichte. Oft wurden sie durch schwere Schicksalsschläge aus der Bahn geworfen. Dann beginnt die Abwärtsspirale. Arbeitsplatzverlust, Scheidung, Schulden, Psychische Krankheiten... usw. Irgendwann, verloren sie die Wohnung, oder haben sie freiwillig verlassen, weil sie mit ihrem "normalen Leben", nicht mehr zurecht kamen.

Aber es gibt auch immer mehr, obdachlose Kinder und Jugendliche, die einfach in ihrem Elternhaus nicht mehr zurecht kamen, und nur die "Straße", als Ausweg sahen.

Letztendlich hat jeder seine eigene Geschichte. Und ich war oftmals erschüttert, überrascht, aber auch entsetzt, wenn ich mal wieder eine hörte.

Früher dachte ich, mir könnte so etwas nicht passieren. Heute bin ich der Meinung, es kann jedem passieren. Es gibt einfach Situationen im Leben, wo auch der Stärkste, jeglichen Halt, Mut, und Lebenswillen verliert.

Wenn man mal auf der Straße gelandet ist, ist es in unserem Staat sehr schwer, wieder Anschluss an die Gesellschaft zu finden. Oftmals bedingt durch die schweren psychischen, und sozialen Probleme, der Obdachlosen, aber auch durch die schweren Vorurteile der Gesellschaft, ist es manchmal auch unmöglich.

Ich dachte auch immer, jeder Arme hat in diesem Land Anspruch auf Sozialhilfe, bzw. Arbeitslosengeld II. Ich musste leider feststellen, dass Theorie und Praxis in unserem Sozialsystem oftmals auseinander gehen, gerade was Obdachlose angeht.

LG :-)

Antwort
von Panazee, 34

Die meisten die Obdachlos sind haben harte Schicksalsschläge hinter sich. Die sind psychisch nicht so belastbar.

Es überfordert sie manchmal schon sich mit den Behörden auseinander zu setzen. Die gehen da ja nicht hin und die Behörden sagen "Klar, wir helfen ihnen natürlich sofort", sondern die kommen erst einmal mit einer nicht gerade kurzen Liste an Dokumenten, die die Person, die Hilfe will, vorlegen muss.

Obdachlose haben aber in der Regel diese Dokumente gar nicht (mehr). Sie müssen dann zu zig anderen Behörden, die diese Dokumente neu ausstellen müssen. Diese Behörden wiederum wollen andere Dokumente, damit sie die Dokumente bekommt, die die andere Stell haben will.

Ich persönlich mache wenn möglich auch einen weiten Bogen um Behörden. Mit 23 musste ich für die eine Behörde eine Bescheinigung einer anderen Behörde holen, dass ich kein Anrecht auf Arbeitslosengeld I habe. Ich bin damals 4 mal zu der Behörde gelaufen, um eine Bescheinigung zu bekommen, dass ich nichts bekomme. Die wollte von allen meinen vorherigen Arbeitgebern eine Bescheinigung über die Dauer meiner Beschäftigung bei ihnen. Eine Firma aber gab es nicht mehr. Das war ein Aufwand ohne gleichen, nur um eine Bestätigung zu bekommen, dass ich nichts bekomme, die ich aber brauchte, bevor die andere Behörde auch nur meinen Antrag bearbeitet um zu entscheiden, ob ich von ihnen etwas bekomme.

Ich hatte damals keinen schweren Schicksalsschlag im Hintergrund, der mich aus der Bahn geworfen hat und trotzdem habe ich mir zwischen drin gedacht "Ich könnt mich doch alle mal gern haben".

Antwort
von Specktiger, 46

Natürlich ist im Sozialstaat niemand gezwungen auf der Straße zu leben, doch subjektiv betrachtet ist jeder seines eigenen Glückes Schmied. Viele Obdachlose resignieren und finden sich mit ihrem Dasein ab.

Was viele nicht bedenken: Einige verzichten bewusst auf soziale Stützen (lehnen das System ab), andere können wegen eines kriminellen Hintergrundes keine Hilfe beantragen und wiederum viele bekommen Geld (wenn auch wenig), zweckentfremden dieses jedoch.

Antwort
von Lazarius, 21

Niemand kann sagen, was die Zukunft bringt. Theoretisch könnte jeder, wenn bestimmte Umstände aufeinandertreffen, obdachlos werden.

Man könnte sagen, dass ja in diesem Fall das Sozialnetz greifen müsste und diese Leute auffängt. Das Problem dabei ist, dass auch Bedingungen daran geknüpft sind, z. B. die Auflagen und die Gängelei durch Arbeitsamt und Hartz 4. Genau das wollen offenbar manche Menschen nicht in Kauf nehmen und ziehen daher das Leben auf der Straße vor.

Ich finde es aber sehr gut, dass ihr euch Gedanken über dieses Thema macht. LG

Antwort
von BigBen38, 27

Obdachlosigkeit kann mehrere Gründe haben.

Daher kann man nicht pauschal sagen A oder B hat recht...

Mancher Obdachloser ist obdachlos, weil es echt keinen bezahlbaren Wohnraum mehr gibt ....

Wieder Andere sind obdachlos, weil sie - aus welchen Gründen auch immer - schwere Alkoholiker sind ....

...welcher Vermieter, der sich aus 500 Bewerbern einen aussuchen kann, nimmt sich freiwillig Probleme ins Haus ...

...Mietschulden...

...Trennung vom Partner ...

...ja oder Minderjährige Ausreißer...

...und die Gruppe jener, die freiwillig auf der Straße leben, weil sie unabhängig sein wollen und sogar auf staatliche Hilfen verzichten.

Bei 1.000 Obdachlosen gibt es 2.000 Gründe dafür.

Antwort
von ITdroid, 36

Manche Punks betteln neben ihren Hartz IV und vertrinken das Geld. Andere machen es auch und nur ein Teil davon hat kein Dach über den Kopf. PP würde ich sagen.

Antwort
von drgs98, 33

Hallo!

Schon 10x gefragt worden.

Schau mal hier

https://www.gutefrage.net/frage/obdachlosigkeit--als-frei-gewaehltes-dasein

Grüße

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