Frage von erdnaandre, 21

Ob und wenn ja wie schnell würde sich das Weltklima erwärmen, wenn es die tatsächliche menschgemachte globale Erwärmung nicht geben würde?

Ich stoß ab und zu auf die Behauptung, man müsste nichts gegen die globale Erwärmung unternehmen, weil sich das Klima ja so oder so erwärmen würde. Wie schnell würde sich die Erde denn sonst erwärmen, wenn wir Menschen nicht wären? Ich kenne ja das Diagramm, auf dem der Temperaturanstieg ist, und da geht die Kurve seit dem letzten Jahrhundert sehr steil nach oben. Gibt es auch Theorien darüber, wie der Verlauf ohne Menschen wäre? Was sagt ihr zu dieser Behauptung?

Expertenantwort
von realfacepalm, Community-Experte für Klimawandel, 7

Ja, dieser falschen Behauptung begegnet man auf einigen Seiten angeblicher Klimawandel-Skeptiker.

In den letzten paar hunderttausend Jahren war das weltweite Klima vor allem durch den Wechsel von Warm- und Kaltzeiten geprägt. Diese Wechsel entstanden mit größter Wahrscheinlichkeit durch die Milankowich-Zyklen https://de.wikipedia.org/wiki/Milankovi%C4%87-Zyklen , Schwankungen der Umlaufbahn der Erde um die Sonne.

Durch diese Zyklen schwankt die Verteilung der Sonneneinstrahlung auf der Erdoberfläche. Diese Schwankung ist erstmal vergleichsweise klein, wird aber durch verschiedene Rückkopplungseffekte verstärkt. http://scilogs.spektrum.de/klimalounge/palaeoklima-das-ganze-holozaen/ (siehe Abb.2  über die Verteilung der Sonneneinstrahlung)

In unserer gegenwärtigen Warmzeit, dem Holozän, nahm die Temperaturen entsprechend diesen Zyklen nach dem Ende der Eiszeit vor 11700 Jahren erstmal zu. In den Jahren zwischen 8000 bis 4000 Jahren vor unserer Zeitrechnung wurde ein Maximum erreicht, und danach fielen die Temperaturen allmählich wieder.

Ohne den Menschen würden die Temperaturen weiterhin fallen, bis in ein paar zehntausend Jahren die nächste Kaltzeit beginnen würde. http://www.scinexx.de/wissen-aktuell-19729-2016-01-14.html  (Klimawandel unterdrückt die nächste Eiszeit)

Der Mensch hat jetzt durch die Freisetzung vor allem von CO2 durch das Nutzen fossiler Brennstoffe den natürlichen Kohlenstoffkreislauf, der auch ein natürlicher Bestandteil der Rückkopplung zur Verstärkung der Milankowich-Zyklen ist, massiv gestört, und den Anteil an CO2 in der Atmosphäre auf einen Stand erhöht, wie er seit 15 Milllionen Jahren nicht geherrscht hat. http://www.scinexx.de/wissen-aktuell-10627-2009-10-09.html

Die daraus folgende menschenverursachte globale Erwärmung hat innerhalb grade mal 150 Jahren die natürliche Abkühlung aus den vorherigen 6000 Jahren wieder wettgemacht und sehr wahrscheinlich bereits überschritten. Und wird leider weitergehen, falls wir nicht die Emissionen reduzieren. https://www.gutefrage.net/frage/hi-wie-wuerde-das-klima-in-der-zukunft-aussehen-...

Antwort
von Lurando, 6

Das CO2 der atmosphäre hat ein bestimmtest Isotopenverhältnis. Dadurch kann man sehr gut ausrechnen wieviel CO2 aus biologischen Quellen stammt und wieviel aus der Verbrennung von Öl/Gas. (Zu beachten ist, dass es natürliche überirdische Ölfelder gibt)

Leider finde ich die Zahl gerade nicht. Vielleicht kann dir jemand anderes hier das sagen. Oder du fragst Prof.Dr. Emeis. Der hat mir das vor ewigkeit beigebracht. Vielleicht antwortet er ja wenn du per Mail anfragst.

https://www.hzg.de/institutes_platforms/coastal_research/staff/046314/index.php....

Kommentar von Lurando ,

Mir fiel gerade noch etwas ein. Bei dem Isotopenverhältnis sieht man natürlich nicht, wieviel CO2 aus natürlichen Quellen kommt die der Mensch zerstört hat.

Werden Wälder in Äcker umgewandelt, Moore abgebaut etc. wird immmer CO2 mit einer "natürlichen" Signatur freigesetzt. Das müsste man also zusätzlich dazu rechnen und das ist nicht wenig.

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