Frage von Vollhorst123, 29

Nützen eigendlich Entwicklungshilfen oder ist es ein Fass ohne Boden?

Werden nachhaltige Alternativen nicht genutzt, da dort die Profiteure / korrupten Unternehmen weniger verdienen würden ?

Sind es überhaupt noch Entwicklungshilfen oder Bestechungsgelder für Herrscher die dann alles tun was die westliche Welt verlangt ( Bodenschätze, bereitstellung billiger Arbeiter, Versuchskaninchen für Pharmaunternehmen, usw) ?

Antwort
von Volkerseitz, 9

Grundsätzlich sollte Entwicklungshilfe nur vorübergehend nötig sein, mit dem Ziel die Bedürftigen in deren Selbstständigkeit und Unabhängigkeit zu bringen. Stattdessen gibt es jedes Jahr ein Allzeithoch bei den Geldern für öffentliche Entwicklungshilfe. Die Staatengemeinschaft brachte im vergangenen Jahr über 100 Milliarden Euro für die Entwicklungsländer auf. Längst wissen wir, auf mehr Geld folgt nicht mehr Entwicklung. Kein Land dieser Erde hat seinen Wohlstand Entwicklungshilfe zu verdanken. Im Gegenteil, diejenigen Staaten, die eine erfolgreiche Entwicklung durchgemacht haben, schafften dies aus Eigenantrieb und blicken wie die asiatischen Tigerstaaten mit Stolz auf das Erreichte.

Spätestens die Massenflucht aus Afrika müsste Anstoß für eine breitere öffentliche Auseinandersetzung mit den Gründen des Scheiters der Entwicklungshilfe sein. Die Entwicklungshilfegeber müssen endlich umdenken und künftig nur noch dort helfen, wo Regierungen Probleme selbst anpacken. Niemand kann Afrika retten und erneuern, außer den Afrikanern selbst. Andernfalls werden Migrationsbewegungen sowohl von Niedrig- als auch Hochqualifizierten in Zukunft zunehmen.
Das Problem ist, dass Migranten unterschiedslos und oft missbräuchlich unter dem Titel „Asyl“ einreisen. Afrikanische Sender verbreiten: Wer einmal in Deutschland ist, dessen Chancen sind bestens, dass er über das Asylsystem bleiben kann – egal, ob ein Asylgrund vorliegt oder nicht. Dadurch lässt sich die extreme Sogwirkung nach Deutschland erklären. Politisch Verfolgte sind aber unter den Flüchtlingen aus Afrika eine verschwindende Minderheit.

Immer mehr Afrikaner haben mich gefragt, warum wir wider besseren Wissens die korrupten alten Männer, die teils jahrzehntelang Macht und Kontrolle über die Bevölkerungen haben, weiterhin unterstützen. Die afrikanischen Länder haben bisher stets eine Politik der Sammelbüchse betrieben und immer nur gebettelt: mehr Hilfe, mehr Hilfe, mehr Hilfe. Genau das muss sich ändern, kann sich aber nicht ändern, solange die großen Länder in Europa und anderswo selbst die Bedeutung der Entwicklungshilfe betonen“ sagt Themba Sono, Wirtschaftswissenschaftler aus Südafrika. Dambisa Moyo aus Sambia spricht für viele, wenn sie sagt: „Einer der bedrückendsten Aspekte des ganzen Hilfsfiaskos ist, dass Geber, Politiker, Regierungen, Akademiker, Wirtschaftswissenschaftler und Entwicklungsexperten im tiefsten Herzen wissen, dass Entwicklungshilfe nicht funktioniert, nicht funktioniert hat und nicht funktionieren wird”

"Man muss den Afrikanern nicht helfen, weil sie ja ach so arm sind. Es würde schon reichen, wenn man sie in Ruhe lässt. Entwicklungshilfeorganisationen haben in vielen Fällen das freie Unternehmertum zerstört und Afrikaner zu Bettlern gemacht. Wer braucht schon 20-jährige Freiwillige, die beim Brunnen graben helfen. Haben die schon jemals einen Brunnen in ihrer Heimat gegraben? Die wissen nicht einmal, wie ein Brunnen ausschaut." sagte kürzlich Jean-Marie Téno Filmemacher aus Kamerun.

"Entwicklungshelfer halten politische und korrupte Systeme aufrecht, es ist eine Form des Spätkolonialismus", meint der Autor und Regisseur Aristide Tarnagda aus Burkina Faso.“Es gibt viele Leute, die versuchen, den Status quo in Afrika beizubehalten, da sie sonst ihre Daseinsberechtigung verlieren”, meint der ugandische Journalist Andrew Mwenda.

Entwicklungspolitiker wollen dies nicht hören und haben nichts hinzugelernt, denn die Armutsbekämpfung in Afrika hat nur rudimentäre Fortschritte erzielt. Den meisten Afrikanern südlich der Sahara geht es heute schlechter als am Ende der Kolonialzeit.

Volker Seitz, Botschafter a.D./Buchautor

Antwort
von Volkerseitz, 6

Ich habe hier im Forum im Januar 2016 konkrete Beispiele für vernünftige Entwicklungshife genannt.

Volker Seitz, Bonner-Aufruf.eu

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