Frage von Mars242, 161

Notwehr mit Todesfolge strafbar?

Mache ich mich strafbar, wenn ich mich gegen einen Angreifer auch wenn er mich dabei "nur" verdreschen will zu Wehr setze und er dabei ums Leben kommt ?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von TheGrow, Community-Experte für Recht, 153

Hallo Mars242,

Dein Denkansatz ist schon von der Fragestellung her falsch.

Notwehr ist keine Handlung, sondern Notwehr ist ein Rechtfertigungsgrund für eine Handlung die vom Gesetz her als Straftat definiert wurde. Liegt ein Rechtfertigungsgrund vor, kann man für die Erfüllung des Straftatbestandes nicht bestraft werden.

Schauen wir uns mal an, was das Gesetz überhaupt als Notwehr definiert:


§ 32 StGB - Notwehr 

(1) Wer eine Tat begeht, die durch Notwehr geboten ist, handelt nicht rechtswidrig.

(2) Notwehr ist die Verteidigung, die erforderlich ist, um einen gegenwärtigen rechtswidrigen Angriff von sich oder einem anderen abzuwenden.


Im Fall Deiner Frage würde die Polizei gegen Dich ein Strafverfahren, nach folgender Rechtsgrundlage einleiten:


§ 227 StGB - Körperverletzung mit Todesfolge 

(1) Verursacht der Täter durch die Körperverletzung (§ 223 bis 226a) den Tod der verletzten Person, so ist die Strafe Freiheitsstrafe nicht unter drei Jahren. 

(2) In minder schweren Fällen ist auf Freiheitsstrafe von einem Jahr bis zu zehn Jahren zu erkennen.


Im Rahmen der Ermittlungen würde die Polizei dann auch prüfen, ob Du in Notwehr gehandelt hast.

Dabei würde die Polizei die von mir fett dargestellte Punkte Punkt für Punkt prüfen.

  • Hast Du Dich verteidigt? Die Frage ist zu bejahen
  • War die Art und Weise erforderlich, wie Du Dich verteidigt hast? Hier prüft die Polizei, ob es auch ein geringeres Mittel der Abwehr gegeben hätte.
  • Lag ein gegenwärtiger Angriff gegen Dich vor? Gegenwärtig bedeutet, er muss unmittelbar bevorstehen oder gerade stattfinden und er darf nicht bereits beendet sein.
  • War der Angriff rechtswidrig?
  • Fand der Angriff gegen Dich oder einen anderen statt.

In vielen Fällen wird das Vorliegen der Notwehr verneint, weil die Art der Verteidigung nicht erforderlich war, sondern es ein geringeres Mittel gegeben hätte. Beispiel. Ein 20 jähriger voll ausgebildeter Kampfsportler mit 100 kg Kampfgewicht uns sehr Muskulös  wehrt sich gegen den 17 jährigen schmächtigen und unsportlichen Schüler der ihn schlagen will mit einem Messer und sticht ihn bei der Abwehr nieder. Hier wäre die Verteidigung mit dem Messer nicht erforderlich war, sondern vom Kampfsportler war zu erwarten, dass er sich ohne Waffen verteidigt.

Ebenfalls wird Notwehr oft verneint, weil der Angriff bereits beendet war. Beispiel: Jemand wird geschlagen und nachdem sich der Angreifer umgedreht hat und am weggehen ist, rennt ihm der Geschlagene hinterher und schlägt zurück. Das ist dann keine Notwehr, sondern Selbstjustiz.

Aber lag im Fall Deiner Fragestellung Notwehr vor, war die Körperverletzung mit Todesfolge nicht rechtswidrig und der Täter kann deshalb nicht bestraft werden.

Schöne Grüße
TheGrow

Kommentar von grubenschmalz ,

Beschäftige dich noch mal mit der Erforderlichkeit. Dann erkennst du, dass ein großer Teil deines ansich guten Beitrags nicht korrekt ist

Kommentar von TheGrow ,

Bitte führe genauer aus, was an meiner Ausführung falsch sein soll.

Kommentar von Artus01 ,

So gut die Antwort auch wieder ist, aber das hier:

Dabei würde die Polizei die von mir fett dargestellte Punkte Punkt für Punkt prüfen.

Ist leider vollkommen falsch, in einem solchen Fall prüft ausschließlich der zuständige Staatsanwalt und in diesem Fall macht die Polizei schön brav was der Staatsanwalt verlangt.

Kommentar von TheGrow ,

Stimmt, was aber nichts an der Tatsache ändert, dass die Prüfung der Punkte stattfindet

Antwort
von peterobm, 161

meinst, bei einer Abwehrbewegung unglücklich fällt und zu Tode kommt? Die Sachlage wird genauestens geprüft. Sehr wahrscheinlich kommt da nix mehr.

Antwort
von Jewi14, 155

Darauf gibt es keine klare Antwort. Du hast das Recht, auf einen rechtswidrigen Angriff angemessen zu reagieren. Die Frage ist halt, was ist noch angemessen und was nicht und wie es zum Tod kam. Wenn du ihn wegstößt, er fällt unglücklich auf dem Kopf und stirbt daran, ist das für mich immer noch im Rahmen der Notwehr. Das Gericht wird ggf. dies klären müssen.

Kommentar von Mars242 ,

Sagen wir mal er attackiert dich mit einem Messer, das Messer fällt zu Boden du hebst es auf und drohst ihm, er rennt auch dich zu und du erstichst ihn. Wäre das Notwehr? 

Kommentar von Jewi14 ,

Och man, ich bin doch kein Richter. Ich sehe in deinem Fall Tendenzen im Rahmen der Notwehr und damit straffrei. Allerdings ist es nicht praxistauglich, dass jemand das Messer verliert und du Zeit hast es aufzuheben und der Angreifer erst danach weiter macht.

Kommentar von kayo1548 ,

"Die Frage ist halt, was ist noch angemessen und was nicht"

erforderlich heißt, dass man das Mittel wählen darf, das den Angriff sicher beendet.

Bei mehreren Mitteln mit derselben Erfolgschance muss das objektiv mildeste gewählt werden.

 

Antwort
von ES1956, 92

In Notwehr darfst du straffrei alles tun was erforderlich ist ( Steht in §32StGB) . Also falls erforderlich auch töten. Ob dein Tun erforderlich war entscheidet hinterher die Staatsmacht.

Antwort
von grubenschmalz, 77

Beschäftige dich noch mal mit der Erforderlichkeit. Dann erkennst du, dass ein großer Teil deines ansich guten Beitrags nicht korrekt ist.

Antwort
von Chabella, 106

Sollte jemand auf die los gehen und die erstichst ihn dann.. Dann ist das sicher nicht nur Notwehr..

Sollte er unglücklich fallen.. Naja, da kannst du ja eher weniger was dafür..

Kommt also auf die Situation an und wird überprüft. :)

Lg

Kommentar von AalFred2 ,

Doch, auch das kann Notwehr sein.

Kommentar von Chabella ,

Damit meine ich nicht aus Versehen, sondern gezielt.. Ich denke da kommt doch noch etwas, da es wohl auch noch andere Lösungen gab, als ihn direkt umzubringen. o:

Kommentar von AalFred2 ,

Wenn es die gab, hast du Recht, ansonsten nicht.

Antwort
von steffenOREO, 108

Das kommt auf den ganz speziellen Einzelfall und die Umstände an. Hier wird auch die Verhältnismäßigkeit der Gewalt geprüft. Wenn er dich mit einem Messer angreift, dir Stichwunden zufügt und du ihn dann mit der bloßen Faust ins Gesicht boxt, wo er dann an einer Gehirnblutung stirbt, dann hast du wahrscheinlich wenig zu befürchten. Wenn er dich aber mit bloßen Händen angreift und du ein Messer zückst und ihn erstichst, dann kann das Totschlag sein.

Kommentar von Mars242 ,

Wenn ich ihm sage dass er stirbt ,wenn er versucht mich zu "schlagen " und er mich schlägt und er dann stirbt wie wär des?

Kommentar von AalFred2 ,

Nein, die Verhältnismässigkeit spielt überhaupt keine Rolle.

Antwort
von Braendosch, 103

Kommt immer speziell auf den Fall und den Richter an...

Antwort
von maccvissel, 73

Hängt ganz davon ab, wie der Einzelfall gelagert ist, also unter anderem, wie akut Deine Gefährdung tatsächlich war.

Da ein Mensch zu Tode gekiommen ist, erfolgt in jedem Fall eine Gerichtsverhandlung. Das Gericht wird die Wahrheit herausfinden und entsprechend urteilen.

Antwort
von Peter501, 100

Das kommt auf die konkrete Situation an.Du kannst dich dabei auch strafbar machen wenn deine Mittel zur Abwehr unverhältnismäßig waren.

Kommentar von AalFred2 ,

Nein, die Verhältnismässigkeit spielt überhaupt keine Rolle.

Kommentar von Peter501 ,

Na deinen Kommentar in Gottes Gehörgang,der Richter bzw.das Gericht wird sich deiner Meinung sicher nicht anschließen.

Kommentar von AalFred2 ,

Doch auch die müssen sich ans Gesetz halten.

Kommentar von Peter501 ,

Lese dir bitte mal die Expertenantwort von @TheGrow durch.Da ist alles gesagt und stempelt deinen Kommentar als Unsinn ab.

Kommentar von AalFred2 ,

Da TheGrow im Gegensatz zu dir Ahnung vom Thema hat, schreibt er an keiner Stelle etwas von Verhältnismässigkeit. Davon steht ja auch nichts im Gesetz. Aber schon faszinierend, dass einige Leute zwar keine Ahnung, aber zumindest eine Meinung haben.

Kommentar von Neweage ,

War die Art und Weise erforderlich, wie Du Dich verteidigt hast?

Dazu das Beispiel mit dem Kampfsportler und dem Schüler.
Wenn der Schüler das Messer eingesetzt hätte um sich zu verteidigen, wäre das durchaus erforderlich, da man von einem Schüler nicht erwarten kann, das er sich ohne Hilfsmittel gegen einen Kampfsportler wehren kann.

Also: so viel wie nötig, so wenig wie möglich.
Ob man da jetzt von Verhältnismässigkeit spricht oder eben von Erforderlichkeit. Der Punkt ist, das nicht (immer) jedes Mittel zur Selbstverteidigung bzw. Notwehr eingesetzt werden darf.



PS: Dieser Kommentar ist als Neutral anzusehen. Wer von euch beiden nun Recht, vermag ich nicht zu sagen.

Kommentar von AalFred2 ,

Erforderlichkeit ist etwas anderes als Verhältnsimässigkeit. Es kann erforderlich sein, einen Diebstahl mit Waffengewalt zu verhindern und unter Umständen jemanden zu töten. Verhältnismässig wäre das wohl kaum. Trotzdem kann es erlaubte Notwehr sein.

Antwort
von snatchington, 82

Ja, machst du. Es kommt ja auch immer ein wenig auf die Verhältnismäßigkeit an.

Kommentar von AalFred2 ,

Nein, kommt es nicht.

Kommentar von snatchington ,

Achso... also wenn mich jemand aus versehen anrempelt, und ich das als gefährlichen Angriff auf mein Leben deute, dann kann ich ihn also totprügeln und mich später dann reinen Gewissens auf Notwehr berufen?

Kommentar von AalFred2 ,

Wer hat das behauptet? Es kommt nur eben nicht auf die Verhältnismässigkeit an.

Antwort
von martinzuhause, 94

die "verteidigung" wäre dann nicht "angemessen" und das ist natürlich strafbar

Kommentar von Mars242 ,

Und wenn ich ihn sonst nicht aufhalten kann und befürchte schwere Verletzungen davonzutragen ?

Kommentar von Neweage ,

und das kannst du anhand der (wenigen) gegebenen Informationen sagen? Du solltet Anwalt werden.

Kommentar von AalFred2 ,

Notwehr muss nicht angemessen sein.

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