Frage von Cropcop, 38

Notwehr Fingerbruch?

Hallo Zusammen,

habe am Wochenende eine Rangelei versucht zu schlichten. Habe den Junge dabei zur Seite geschuckt und gesagt, dass jetzt gut sei und er weg soll. Gestern ruft mich der Vater des jungen an und sagt er habe mich angezeigt, da ich seinen Junge verschlagen und ihm den Finger gebrochen habe - das stimmt so allerdings nicht. Zeugen habe ich, im Gegensatz zu dem jungen der alleine war. Ich weiß allerdings nicht wie er sich den Finger brechen konnte

Welches Urteil erwartet mich hier?

vielen Dank

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von PolluxHH, 19

Rangelei oder Schlägerei, gegenwärtige Bedrohung oder gegenwärtige Gefahr? Bei einer Rangelei ist der Übergang fließend, aber grundsätzlich dürfte schon Körperverletzung im Spiel sein, was rechtswidrig wäre. Sollte eine Eskalation direkt bevorgestanden haben im Sinne einer konkreten Gefährdung, wäre auch Notwehr einwendbar. Problematisch ist bei Rangeleien oft, daß sie einvernehmlich stattfinden, also kein für Notwehr erforderlicher Verteidigungswille gegeben ist. Allerdings hast Du als Dritter eingegriffen und damit könnte, falls nicht gegeben, ein fehlender Verteidigungswille von Dir ex-ante fälschlich angenommen worden sein, was dann als Putativnotwehr angesehen werden könnte. Andererseits ist Deiner Formulierung zu entnehmen, daß der Angriff einseitig erfolgt sein dürfte, womit auch die Einvernehmlichkeit fiele.

Gemäß BGH (BGH, Beschl. v. 19.9.1973 - 2 StR 165/73 -BGHSt 25, 229, 230; BGH, Urt. v. 11.9.1995 - 4 StR 294/95 - NStZ 1996, 29; BGH, Urt. v. 22.11.2000 - 3 StR 331/00 - NStZ 2001, 143; BGH, Beschl. v. 11.8.2010 - 1 StR 351/10 - StRR 2010, 469; BGH, Urt. v. 22.2.2011 - 5 StR 530/10; BGH, Urt. v. 2.11.2011 - 2 StR 375/11) ist ein Mittel berechtigt, welches eine sofortige und endgültige Beseitigung der Gefahr erlaubt. Das zur Seite schubsen ist dabei als relativ mildestes Mittel zu sehen, um eine "sofortige und endgültige" Abwendung der Gefahr zu bewirken, also kein Notwehrexzeß. Dabei ist es dann auch egal, ob Du ihn unglücklich gepackt hattest oder er unglücklich fiel und er sich dabei den Finger brach, es wäre durch Notwehr gedeckt.. Wichtig ist, daß es dafür Zeugen zu Deinen Gunsten gibt.

In der Summe würde ich sagen, daß hier durchaus Notwehr anwendbar sein dürfte. Ggf. hat hier sogar der Vater seinem Sohn, wenn der über 14 ist, nicht wirklich einen Gefallen getan. Neben Körperverletzung wäre ggf. noch falsche Verdächtigung in mittelbarer Täterschaft denkbar.

Antwort
von Katie27, 17

das klingt nicht gut. Verstehe deine Frage, manchmal merkt man im Eifer des Gefechts vielleicht aber auch nicht wie grob man sich gibt und jemand der körperlich sehr empfindlich ist kann das schon ziemlich schnell einen erheblichen Schaden davon tragen, obwohl jemand bei dem es anders ist nicht so nachvollziehbar erscheint; aber das lässt sich momentan nur mutmaßen. Ebenso ob es wirklich dabei passierte oder erst im Nachhinein und jetzt nur behauptet wird.

Mein Rat wäre unverzüglich das Gespräch mit dem Vater des Kindes aufzunehmen (unter umständen ebenfalls Unterstützung - den Zeugen) mitbringen und erstmal darüber sprechen. Eine Anzeige kann auch zurückgezogen werden; wenn es wie du schreibst eher eine Umstandsfolge war. Gibt es dazu noch öffentliche Zeugen?

in welchem Alter seid ihr? Das spielt für eine Anzeige ja auch noch eine Rolle


Kommentar von PolluxHH ,

Eine Anzeige kann grundsätzlich nicht zurückgezogen werden, man kann nur auf die aus einer erstatteten Anzeige erwachsenden Rechte (Bescheidung einer Einstellung des Verfahrens, § 171 StPO, Beschwerderecht, § 172 StPO) verzichten oder seine Aussagen zur Sache zurückziehen. Anders sieht es bei einem Strafantrag aus, welcher bei absoluten Antragsdelikten Verfolgungsvoraussetzung ist.

Bei Körperverletzung handelt es sich aber um ein relatives Antragsdelikt, d.h. es kann auch ohne Antrag bei öffentlichem Interesse verfolgt werden, hier reicht die reine Kenntnisnahme, z.B. über eine Anzeige.

Antwort
von Halli79, 14

Du hast Zeugen, dass es nicht so war. Also keines.

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