Frage von Koala41, 143

Not-Landung auf gesperrtem Flughafen?

Servus liebe Community.

Ich weiß, meine Frage mag jetzt ein wenig kompliziert sein. Aber wie sieht es rein Rechtlich aus wenn ein Flugzeug das z.b. von München nach Dublin unterwegs ist und plötzlich wegen einem Triebwerksschaden auf einem wie es aktuell in Brüssel ist gesperrten Flughafen Not-Landen muss, weil es nicht mehr weiter kommt als bis zu diesem, ja eigentlich gesperrten Flughafen! Was meint ihr, wie sieht es in so einem Fall Juristisch aus? Entweder würde der Flughafen davon absehen, weil das Flugzeug ja in Not ist und der gesperrte Flughafen der einzige ist der noch erreicht werden kann, bevor es abstürzt oder könne es rein theoretisch sogar so ausgehen, dass der Pilot vom Fluglotsen gesagt bekommt: "Tut mir Leid, mein Freund! Unser Flughafen ist gepserrt und du darfst bei uns nicht landen, auch wenn du einen Notfall meldest! Denn gesperrt ist nunmal gesperrt!" Ja, ich weiß wie sich die 2. Möglichkeit jetzt anhört, aber könnte so was rein theoretisch wirklich passieren dass einem Flugzeug in Not die Landung verweigert werden kann? Ich hoffe dass meine Frage jetzt nicht von einigen Missverstanden wird! Mfg, Koala41

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von ramay1418, Community-Experte für Flugzeug, 37

1) Eine "echte" Notlandung ist sehr selten; das meiste (nicht alles) fällt in die Kategorie "Sicherheitslandung" oder "Ausweichlandung". 

2) Im Falle einer tatsächlichen Notlandung, z. B. bei einem Feuer an Bord, hätte natürlich Hilfe oberste Priorität, was bedeutet hätte, dass zumindest die Flughafenfeuerwehr vielleicht teilweise vom Ort der Explosion abgezogen und an die Bahn geschickt worden wäre. 

3) Ich kenne aber natürlich das Prozedere bei solchen Vorfällen nicht. Bleiben die Fahrzeuge der Feuerwehr, die sowieso im laufenden Flugbetrieb an der Bahn bereitstehen, bei einer Explosion im Terminal an ihrem Platz?

Eigentlich schon, denn in dem Augenblick sind ja Flugzeuge noch mit Start und Landung beschäftigt.

4) Die Bahnen waren ja nicht gesperrt/blockiert. 

5) Die Cockpitcrew hätte also, wenn sie die Meldung über den gesperrten Flughafen bekommen hätte und genau dann oder wenige Minuten später wäre ein echter Notfall (offenes Feuer, giftige Dämpfe) eingetreten, abwägen müssen: 

Situation Awareness and Decision Making - Time assessment 

"Time critical" - aim for first suitable solution 

"Not time critical" - aim for best solution 

Entscheidungen werden dann nach dem FORDEC-Prinzip getroffen: 

Facts, Options, Risks/Benefits, Decision, Execution, Check. 

Das wäre dann so ein Fall, wo evtl. die guten Gehälter für Leute, die schnell ein Problem erkennen, es abwägen und dann entscheiden, gerechtfertigt wären. 

Es wäre sicher auch für Lotsen, Flughafenmanager und Rettungskräfte eine noch extremere Herausforderung gewesen. 

Aber eine Musterlösung gibt es, denke ich, nicht und kann es auch nicht geben. 

Kommentar von ramay1418 ,

Danke für den Stern! 

Antwort
von Hardware02, 30

Bei einer Notlandung unter solchen Umständen, wie du sie beschreibst, interessieren nicht mehr irgendwelche gesetzlichen Regelungen, sondern nur noch die Frage, ob das Flugzeug sicher landen kann. 

Ein Pilot ist in New York mal auf dem Hudson River gelandet. Das ist auch nicht vorgesehen, aber weiter kam er eben nicht mehr. 

Andere Flugzeuge, vor allem kleine einmotorige Sportflugzeuge, landen einfach irgendwo auf einer Straße. Immer noch besser, das Flugzeug landet auf der Straße in einem Wohngebiet, als es stürzt in ein Haus, oder? Klar kann dabei jemandem etwas passieren, aber andererseits ist so ein Flugzeug ja nicht gerade unsichtbar und der Pilot darf wohl zu Recht erwarten, dass eventuell vorhandene Autofahrer in so einem Moment nicht auf ihrer Vorfahrt bestehen sondern ihn in Ruhe landen lassen. 

Um auf deine Frage zurückzukommen: Wenn das Flugzeug wirklich nicht mehr weiter kommt, darf es natürlich in Brüssel landen. Besser auf einem gesperrten Flughafen als auf der Autobahn, oder?

Antwort
von derdavid7478, 24

Also dass ein pilot wegen einer notlandung irgendwie bestraft wird kann ich mir nicht vorstellen. Ausser natürlich wenn dabei leute zuschadenkommen, und das vermeidbar gewesen wäre.
Wie auch schob gesagt wurde ist es ja wichtiger menschenleben zu retten als auf irgendwelchen juristischen Schnickschnack zu achten
Beispiele: Hudson riverlanding, segelflieger von gimley,...

Antwort
von dresanne, 15

Wir hatten in einer großen Maschine einen Triebwerksschaden, die ganze Kabine war voller Rauch und die Sauerstoffgeräte kamen aus den Klappen über uns. Eigentlich sollte es von Tunesien nach Berlin gehen. Wir sind dann auf einem kleinen Flugplatz in Italien, der eigentlich für solch große Maschinen nicht vorgesehen war, gelandet.
In so einem Fall gilt wahrscheinlich nur das Menschenleben. Selbst auf dem kleinen Flugplatz standen Krankenwagen und Feuerwehr bereit. Landung war aber paletti und alle waren wohlauf.
Nach 2 Stunden kam eine Maschine aus Marokko, die uns dann ans Ziel gebracht hat.

Antwort
von rippo, 34

mal ernsthaft, was möchte der fluglotse den machen? er könnte abfangjäger einbestellen, okay. unwahrscheinlich? keine ahnung. ich denke, wenn der pilot in der situation der meinung ist, der flughafen oder gar keiner, dann wird er landen, egal was ihm iein bodenprofi sagt.

Antwort
von Rockuser, 39

Zur Not darf ein Flugzeug überall landen, wo es Möglich ist, bevor 100te Leute ums Leben kommen. In den USA sind schon welche auf dem Highway gelandet.

Kommentar von Everklever ,

 auf dem Highway gelandet

In Deutschland auch, z. B. am 6. September 1971 auf der A7 bei Hasloh. Und wäre nicht eine Brücke sehr unglücklich im Wege gewesen, hätten alle Insassen überleben können (anstatt nur etwa 90). War trotzdem eine tolle fliegerische Leistung.

Antwort
von SoDoge, 39

Gesperrt heißt nicht blockiert und bevor man Leute sterben lässt (und das Flugzeug ggf. auch in bewohntes Gebiet stürzt), würde man sicherlich die Landung genehmigen oder zumindest keine Konsequenzen in Betracht ziehen, wenn Leute wirklich in Lebensgefahr waren. Ich glaube nicht, dass ein Fluglotse sowas verweigert, schließlich haben schon Flugzeuge Notlandungen auf Straßen vorgenommen, auch schon im Hudson-River.

Antwort
von Everklever, 22

Der Flughafen Brüssel ist momentan nur für reguläre Flüge gesperrt (aber nicht blockiert!). Natürlich kann der Pilot dort landen. Das könnte er auch, wenn der Tower gar nicht besetzt wäre (sofern die Witterung es zulässt). In der Vergangenheit sind schon alle möglichen Flächen für Notlandungen benutzt worden, auch Gewässer oder Autobahnen.

Antwort
von Tommkill1981, 85

Nein bei einem Notfall ist der nächst mögliche Flughafen anzufliegen der erreichbar ist. Da kann kein Lotse sagen tut mir leid es geht nicht...

Antwort
von archibaldesel, 26

Das ist kein Problem. Es gibt sogar Passagiermaschinen, die schon auf Autobahnen notgelandet sind. Die sind dafür eigentlich auch nicht vorgesehen.

Kommentar von BurgN ,

Prima, im Notfall ist alles erlaubt was Leben Rettet, zur not auch eine lange gerade Straße, eine Gemähte Wiese oder eben eine gesperrte Piste.

Antwort
von johnnymcmuff, 49

Wenn es sich um eine militärischen Flughafen/Militärgebiet handelt, dann könnte durchaus die 2. Möglichkeit in Betracht kommen.

Bei einem normalem Flughafen wohl eher nicht.

Kommentar von Everklever ,

Bei einem militärischen auch nicht. Wenn die Piste nur halbwegs geeignet ist, lassen die ihn dort auch runter. Solche Notfälle werden eigentlich nie abgewiesen. Und falls doch mal: wie damals der Fall der Lufthansa ("Landshut") zeigte, wird bei blockierter Landebahn auch mal daneben gelandet.

Kommentar von johnnymcmuff ,

Ich denke, dass es auch vom Land abhängt, es gibt Länder die erst schießen und dann fragen.

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