Norbert Hofer Phänomen. Mangelndes Schuldgefühl für 3.Reich?

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9 Antworten

ALs Österreicher, der selbst einige Blauwähler kennt, kann ich dir sagen, dass es wenig damit zu tun hat, dass sie nicht wissen, welche Verantwortung Österreich nach diesem Krieg davongetragen hat. Ich weiß, dass das jetz ein wenig provokant klingt, aber es ist einfach so: FPÖ- Wähler denken ganz einfach nur an die Gegenwart und an sich selbst. Natürlich nicht alle. Ich sage ja nicht, dass as falsch sein muss. Natürlich, wenn jetzt ein Arbeiter oder Landwirt oder wer auch immer wirtschaftlich komplett am ***** ist und nicht mehr weiter weiß, tut er das, was Menschen nun mal gerne machen: Er schiebt die Schuld auf die Regierung, das heißt er wählt bewusst nicht die regierungsparteien. Und nachdem Grüne und KPÖ ja 'alles Kommunisten sind', (ich bin selbst nicht speziell für eine bestimmte Partei aber das ist nun einmal so), wählt er dann halt die FPÖ, weil sie sagen: weg mit diesen Fremden, die uns ja so die Arbeit wegnehmen, aus mit Zahlungen an die EU, die dann eh nicht bei uns landen, weg mit dieser Regierung, die ja sowieso nichts zusammenbringt. Blauwähler denken einfach nur an sich selbst. Sie denken nicht daran, dass es auch eine restliche Welt gibt und dass es etwas nach dem eigenen Leben gibt. 'Wenns mich sowieso nix mehr angeht, wieso dann die Umwelt sauber halten?

Natürlich muss man sagen, dass viele FPÖ-Wähler auch einfach der Meinung sind, was Hitler damals angerichtet hat, ist ja 'nicht so schlimm' und er hat ja auch 'gute Sachen getan wie die Autobahnen gebaut' und so weiter. Für sie sind die wahren Übeltäter die Kommunisten, die nach Österreich gekommen sind und alles zerstört haben.

Andere wiederum distanzieren sich deutlich vom Nationalsozialismus und sind sich bewusst, dass sie eine von Prinzipien her ähnliche Ideologie unterstützen, die jedoch 'nicht so schlimm ist wie damals'. Die Leute sagen: 'Ich bin Patriot, kein Nazi'. ich kenne FPÖ-Wähler, die entschieden Deutschlandfeindlich sind und trotzdem vehement Strache und Hofer unterstützen, obwohl sie bekanntlich beide Deutschnationalisten sind (das ist ein Fakt, keine subjektive Meinung).

Ich möchte anmerken dass unsere Geschichtelehrerin, als wir den NS durchgemacht haben, betont hat, dass die Österreicher tatsächlich mit überwiegender Mehrheit für einen Anschluss an Deutschland war.

Allerdings muss man auch dazusagen, dass - ob es einem passt oder nicht - viele Blauwähler erschreckend ungebildet sind. Und das ist wieder keine subjektive Meinung, sondern ein Fakt. Ich sage nicht, sie sind dumm, sondern sie haben einfach nicht die geringste Ahnung von Geschichte und von Politik, sie wählen einfach die Partei, die die besten Schlagwörter liefer (in dem Fall natürlich 'Österreich zuerst' etc), ohne sich wirklich darübe rzu informieren, was die Parteien tatsächlich für ein Programm haben. Sie sehen ganz einfach keine Parallelen zwischen der Ideologie der FPÖ und der der Nazis.

Wie schon vorher erwähnt: Für FPÖ-Wähler sind die Regierungsparteien + Grüne einfach nur das, was die AMis das 'Establishment' nennen, und fühlen sich daher zu einer Partei hingezogen, die gegen dieses ankämpft. Es ist wohl ein Phänomen, das uns bis zum Ende der Zeit begleiten wird: Die Menschen vergessen.

Das EInzige, was uns die Geschichte lehrt, ist, das uns die Geschichte nichts lehrt (von Mahatma Gandhi)

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Deutschland, genauer gesagt die alte BRD hatte fast gar keine Verantwortung für seine zurückliegenden Verbrechen im Hitler Faschismus wahrgenommen, denn schließlich bleiben die braunen Verbrecher jahrzehntelang unbehelligt. Der Fall Groening zeigt doch, wie lange der Mantrel des Schweigwens ausgebreitet wurde, so dass jetzt immer noch NS-Prozesse stattfinden, was längst abgeschlossen sein müßte.

Dann war es auch so, dass in der Nachkriegszeit viele NS-Verbrecher  hohe und höchste Staatsämter erneut inne hatten. Mindestens die Hälfte der Justiz war wieder von faschistischen Juristen besetzt.

Also bleib mal auf dem Teppich was Deutschland und Verantwortung anbelangt.

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Kommentar von missvoxsandra
30.11.2016, 16:16

Das wusste ich nicht. Herzlichen Dank für die Information!

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Hier in Deutschland sagt man: jenseits von Bayern leben Menschen, die dir erzählen wollen, dass Beethoven ein Österreicher und Hitler ein Deutscher war.

Ganz abgesehen davon, dass nationales Gedankengut auch in Deutschland wieder salonfähig wird, ist dieses Phänomen in Österreich wohl noch um einiges weiter verbreitet.

Ich würde jetzt nicht behaupten, dass die breite Sypathie, die die FPÖ genießt, nur darauf zurückzuführen ist, dass man sich in Österreich mit der Nazizeit meist nur aus dem Blickwinkel des Opfers (besetztes Land) und nicht des Mittäters beschäftigt hat, aber es kann durchaus eine der Ursachen sein.

Das Phänomen ist sicherlich auch dadurch mitbegründet, dass das gesamte Spektrum der Volksparteien einschließlich der Grünen sich mehr und mehr zur politischen Mitte orientiert und die Bindungswirkung der klassischen konservativen Parteien am rechten Rand drastisch nachgelassen hat.

Dass unsere beiden Gesellschaften ein mehr oder weniger nationalistisches Potenzial von mindestens 15 % der Bevölkerung haben, ist eigentlich ein alter Hut, nur jetzt bilden sich halt mit FPÖ (schon etwas früher) und AfD (ein paar Jahre später) etablierte Sammelbecken für diese Bevölkerungsgruppen.

Dazu kommen noch viele andere Bürger, die von Abstiegsängsten geplagt werden und die sich angesichts der gravierenden Herausforderungen, die eine entfesselte globale Welt samt der darin generierten Flüchtlingsströme, massiv verunsichert fühlen.

Schwerwiegende Probleme schreien immer nach einfachen Lösungen und die haben diese Parteien halt anzubieten, was ihren enormen Erfolg auch ein Stück weit erklären kann.

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Norbert Hofer gibt nur das wieder, was ihm Strache einsagt. Nur etwas weichgespülter.

Der könnte der ärgste Nazi sein und die Leute würden ihn trotzdem wählen, weil er weiß Gott was verspricht und den unzufriedenen Leuten das erzählt, was sie gerne hören möchten.

Es wird nur interessant, wenn dann die ganzen Rechtsparteien an der Macht sind und Gelder, für wen auch immer streichen. Das müssen sie nämlich dann lt. EU-Recht auch für die eigene Wählerschaft machen (Gleichbehandlung).

Ja und dann werden sich alle wundern, was alles möglich ist!

Zum Thema Schuldgefühl fürs. 3. Reich:
Ich heiße die Taten nicht gut, aber warum sollen sich Menschen, die nichtmal in dieser Zeit gelebt haben, schuldig fühlen?

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Das hat keinen Zusammenhang, und bei uns ist es ja ähnlich, die Populisten sind im Vormarsch, weil die Wähler unzufrieden sind. Aber auch diese Partei wird die Welt nicht verändern. Ist alles nur Gerede, die bringen auch nichts zusammen

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Warum sollten die Leute auch Schuldgefühle haben? Der Krieg endete vor mehr als 70 Jahren.

Schuldgefühle müßten die haben, die den Krieg ausgelöst haben, und die wenigsten von denen leben heute noch.

Ähnlich ist es mit der Verantwortung. Die, die damals dabei waren hätte man zur Verantwortung ziehen müssen. Aber hätte man das damals konsequent durchgesetzt und alle Beteiligten verhaftet, dann wären viele Posten wie Polizisten, Richter, etc. unbesetzt geblieben.

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Kommentar von missvoxsandra
01.12.2016, 17:59

Ja Schuldgefühle braucht man keine, aber nationaler Stolz und Traditionen soll für jeden Preis bewahrt werden?

Entweder man nimmt die Geschichte an so wie sie ist, und dazu gehört auch die Schuld die auf dem einenem Land lasstet, oder man distanziert sich von Nation ganz. Aber nur das gute Selektieren ist Heuchlerei.

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Hallo missvoxsandra!

Das Phänomen Norbert Hofer tauchte nicht auf, weil man es versäumt hat noch mehr liberale, heile Welt Propaganda zuverbreiten. Die gesamte europäische Gesellschaft ist voll mit diesem Gedankengut, der gesamte öffentliche Diskurs wird dominiert von Liberalen die den Nationalsozialismus abgrundtief hassen. Kein Tag ohne Hitler, Holocaust und Weltkrieg.  Es gibt kein Thema über das mehr berichtet wird, das negativer und pauschaler behandelt wird als das 3.Reich.  Man kann die Schuld für Norbert Hofer nicht darauf abwälzen das man nicht noch mehr über das 3.Reich veröffentlich hat.

Vielmehr ist das Phänomen Norbert Hofer darauf zurückzuführen  das die gesamte klassische politische Landschaft das Land mit Vollgas gegen die Wand fährt, das Land mit millionen fremder Menschen flutet und scheinbar alles tut um die Tradition des deutschen Volkes durch Islam, Homo-und Lesbenkultur und veganes Essen zu ersetzen.  

Die FPÖ ist nichts weiter als ein sanfter Versuch dem Entgegen zu wirken. Menschen die FPÖ wählen, die Norbert Hofer wählen, wollen einfach nur ihre Art des Lebens aufrecht erhalten, ihre Kultur, ihre Heimat.

MfG Müller

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Kommentar von calimero17
30.11.2016, 13:35

Sie behaupten also Hitler, Holocaust und Weltkrieg war positiv? Dass sie sich wünschen dass Menschen regieren die den Nationalsozialismus nicht so sehr hassen wie die Liberalen?

Ich weiß ja nicht.

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Kommentar von ffrancky
30.11.2016, 14:01

Inwiefern fährt die klassische politische Landschaft das Land gegen die Wand? Haben Sie irgendwelche Zahlen zur Hand, die das Belegen? Österreich geht es so gut wie seit 10 Jahren nicht mehr. 

Und ihre unterschwellige Hetze gegen Islam, Homo- und Lesbenkultur ist gelinde gesagt eine Frechheit. 

Der Islam gehört zu Österreich, und zwar länger als in jedem anderen W-Europäischen Land, ob es ihnen passt oder nicht. 

Wikipedia:

"Die Situation des Islams in Österreich ist insofern in Westeuropa einzigartig, als dass er den Status einer Körperschaft des öffentlichen Rechts genießt und schon 1912 als Religionsgesellschaft anerkannt wurde."

Das Vorgehen von Hofer, Strache und Konsorten als sanft zu bezeichnen, ist auch bedenklich. Sie sind Populisten in Reinform und gehören natürlich auch zu Establishment. Warum sollte Hofer nicht so sein wie alle anderen in Ihren Augen?

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Kommentar von HPFGH
30.11.2016, 17:07

Ich wollte ja eigentlich keinen Kommentar abgeben, aber die Aussage:

das Land mit millionen fremder Menschen flutet und scheinbar alles tut um die Tradition des deutschen Volkes durch Islam, Homo-und Lesbenkultur und veganes Essen zu ersetzen. 

ist völliger Humbug. Niemand versucht, irgendetwas durch etwas anderes zu ersetzen. Es wird lediglich versucht, diese Dinge zu tolerieren. Von Akzeptant ist ja noch nicht mal die Rede. Es ist einfach nur eine konservative, veraltete Sichtweise, zu sagen, dass diese DInge die 'deutsche Tradition' stört. Kulturen ändern sich, und obwohl viele versuchen, das zu ändern, geschieht es. Hitler hat es versucht und wir haben alles gesehen was dabei rausgekommen ist. (wollte dich in keinster weise mit menschen mit solche gedankengut vergleich)

Ich möchte in keinster Weise gegen die FPÖ hetzen, v ich möchte nur zusammenfassend und völlig unpolitisch dazusagen, dass es einfach nur Verschlossenheit ist, zu versuchen, sich gegen neue Trends aufzulehnen. es sind Deutsche, die LGBTs werden und vegan essen, und solange du mir keinen Grund nenne kannst, was dich persönlich daran stört, dich selbst in deiner Freiheit einschränkst, bleibe ich bei dieser Meinung.

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Der Staat "Österreich"  existierte von 1938 bis 1945 nicht! 

Nach dem Einmarsch der deutschen Truppen wurde die Regierung, Gewerkschafter, Parteifunktionäre ect verhaftet, ins kz verfrachtet und dort teils bis Kriegsende festgehalten, bzw auch teilweise ermordet. 

Das der Anschluss von einem Teil der Bevölkerung (nicht von der ganzen) gutgeheissen wurde, ist aus verschiedenen Gründen verständlich. Denn dass die Nazis einen mörderischen Weltkrieg anzetteln würden, hat auch die deutsche Bevölkerung nicht voraussehen können, ebensowenig wie die Mehrheit der anderen Staaten. 

Das 1938 untergegange Österreich wurde nach dem Willen aller Alliierten 1945 wiederhergestellt. 

Der "Staat Österreich"  hat somit tatsächlich mit den Gräuel der Nazis nichts zu tun.

Aber es ist auch klar, dass zahlreiche Österreicher an den Verbrechen beteiligt waren, oft in hohen Positionen. 

Auch klar ist, dass die begangenen Verbrechen nur halbherzig verfolgt wurden und zu Beginn des "kalten Krieges" völlig im Sand verliefen. 

Das betrifft aber Deutschland (Ost und West) genauso, und einige Staaten haben überhaupt drauf vergessen... 

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Kommentar von missvoxsandra
30.11.2016, 17:28

Genau diese Schuldabweisende Stellung vieler in Österreich habe ich gemeint.

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"Was ich auch für gut finde" und"Geschichteunterricht"
Wir haben es auch nicht gelernt, da es vor ca 70 Jahren war und niemand der jetzt lebt daran beteiligt war...die hohe Popularität ist dem Volk zuzuschreiben, welches offenbar noch nicht so links wie Deutschland ist...gut so

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