Frage von ChildrenRskary, 28

Nietzsche: Ästhetik ist ja nichts als eine angewandte Physiologie?

Kann mir jemand diese Aussage erklären oder besser gesagt einfach erklären?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Rosenblad, 26

Für Nietzsche wird der Begriff der Ästhetik mit der Schönheit des Menschen
aufgefüllt, da Schönheit nicht auf ein objektives Herkommen, sondern auf die
Subjektivität des Menschen selbst sich beziehen muß.  Nietzsche schreibt: „Der Mensch glaubt die Welt selbst mit Schönheit überhäuft, - er vergisst sich als deren Ursache. Er allein hat sie mit Schönheit beschenkt (….) Im Grunde spiegelt sich der Mensch in den Dingen, er hält alles für schön, was ihm sein Bild zurückwirft: das Urteil „schön“ ist seine Gattungs-Eitelkeit….“  Womit diese „Naivität der Ästhetik“, wie es Nietzsche selbst nennt,  auf einer Physiologie des Menschen sich begründet resp. in deren physiologisch-ästhetischer Erfahrung und Interpretation.

Kommentar von ChildrenRskary ,

also der Mensch sieht das Schöne in Dingen, weil diese Dinge von ihm selbst geschaffen worden sind und dadurch eine Art Spiegel sind?

Ich verstehe aber trotzdem nicht so ganz warum Ästhetik (was ich als Wahrnehmung verstehe) eine angewante Physiologie ist (die Lehre vom Körper).

Ich schaue dieses Zitat aus einer medienästhetischen Sicht an. Dabei wird immer wieder beschrieben, dass die Menschen früher die Ästhetik mit dem Geist oder der Seele verbunden haben und ab dem 19. Jahrhunder hat sich das geändert und von da an wurde sie mit dem Körper verbunden.

Der Begriff Ästhetik finde ich auch unheilich schwer zu begreiffen.

Kommentar von Rosenblad ,

Der "Anlass"  ist ein physiologischer, also ein leiblicher der vom Menschen ausgeht. Aber für Deine eigene Sicht solltest Du Dir eine eigene Urteils"fähigkeit" ausbilden. Ästethik ist keine Frage von Körperlichkeit oder einer kategorischer Verschränkung mit "Seele" und Geist, sondern ein inneres, ein v.a. affektives "Anschauen" in dem was ich als "schön", angenehm" oder "harmonisch" "empfinde", das geprägt ist von Deinen ontologischen Erfahrungen, Erlebnissen, genetischen Dispositionen, kulturellen Einbindungen und sozialen Stellweichen - die Begegnung mit der Ästhetik ist immer auch eine Begegnung mit sich selbst, ansonsten wird es "schwer zu begreifen sein".

Kommentar von berkersheim ,

Vielleicht sollte man erläuternd hinzufügen, dass das Zitat aus der Schrift "Der Fall Wagner" stammt (Wo ich Einwände mache), in der sich der ehemalige Wagnerverehrer Nietzsche von Wagners musikalischer Ästhetik absetzt. Hier geht es um musikalische Ästhetik und darum als Schocker für die Wagner-Gemeinde, dass es sich bei musikalischer Ästhetik eben nicht nur um "Hochgeistiges" handelt sondern auch um Körperlichkeit. Ein paar Zeilen weiter schreibt er gar: "Um Wagner zu hören, brauche ich pastilles Gérandel... Und so frage ich mich: was will eigentlich mein ganzer Leib von der Musik überhaupt? Denn es gibt keine Seele." Da geht er richtig auf Konfront zur abgehobenen, schwärmenden Wagnergemeinde.

Kommentar von Rosenblad ,

Auf den Quellenhinweis habe ich - anders als sonst in meinen Antworten - diesmal bewusst verzichtet, da ich im ästhetischen "Einrastpunkt" verbleiben wollte - was natürlich kritisiert werden kann.

Danke aber für Deine weiterführenden Hinweise.

Antwort
von Hyaene, 3

Ich kann dir leider nur meine Interpretation schreiben, aber ich denke, es ist, wie folgt gemeint:

Es wird einem oftmals übermittelt, auch anerzogen, was denn schön/ästhetisch zu sein hat. 

Beispiel: Schon von klein auf bekommt man gesagt, welche Tiere denn lieb und schön seien. Verschiedene Tierarten bekommen bei uns immer wieder die gleichen Rollen. Der hinterlistige, aber dennoch kluge Fuchs, der böse, brutale Wolf, das schöne Pferd, die hässliche Seekuh, usw. 

Dasselbe kann man sogar bei der ästhetischen Chirurgie sehen. Gefallen uns Hintern, die eher einem riesigen Tumor gleichen und wo ich mich immer wieder frage, wie denn da der Mann von hinten reinkommen soll 😂 - Tschuldigung ^^' - wirklich oder nur, weil es die Medien für toll erklären? 

Ein Beispiel wäre hierfür meine Freundin und ich. Als wir noch klein waren und das erste Mal -  ich nenne sie immer Tupper - Tittis 😁 - gesehen hatten, waren wir geschockt, wie unnormal sie doch aussehen. Heute finde ich sie sogar schick. Nicht alle, aber viele. Nun frage ich mich selbst: Habe ich mich einfach durch die Medien an diesen (unnatürlichen) Anblick gewöhnt oder wurde es mir doch irgendwie eingetrichtert, dass sie toll anzusehen sind? 😮

Ich nehme an, dass es das bedeuten soll. Normalerweise ist der Geschmack individuell/subjektiv. Man versucht sich anderen anzupassen, einfach, weil man nicht als "seltsam" dastehen möchte.

Andere Möglichkeit, wie dieses Zitat gemeint sein könnte ist, dass es schöne Menschen meist leichter im Leben haben. 

Attraktive Menschen haben es ja meist sogar leichter einen Job zu finden. Sie werden eher von anderen Menschen angesprochen. Und nicht nur, wenn es um die Partnerschaft geht. Attraktive Menschen wirken eben auf die meisten sympathischer. Auch das wurde uns wieder von Anfang an eingetrichtert. Schau dir mal die ganzen Märchen an... Selbst aus dem hässlichen Biest wurde ein schöner Prinz, was die Moral der Geschichte eigentlich so dermaßen in die Grube wirft, aber naja. ^^' 

Auch hier sieht man mal wieder. Alles nur anerzogen... 

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