Frage von GolfVIITSI, 65

Nicht zulässige Vorschriften und Regeln am Arbeitsplatz (Altenpflege)?

Hallo, ich bin neu hier und habe mich aus aktuellem Anlass registriert.

Meine Frau ist in der Altenpflege tätig. Ständig haben die dort neue Regeln und Vorschriften zu beachten, die oft hausgemacht sind und für mich nicht nachvollziehbar. Heute kommt sie heim und erzählt, eine Kollegin hat ohne Mithilfe einer anderen Pflegerin eine schwere Bewohnerin gehoben und sich den Rücken kaputt gemacht. Sie ist jetzt krank geschrieben. Sofort kommt die neueste Vorschrift: Wenn eine Pflegekraft eine zu schwere Person hebt und sich keine zweite Pflegekraft dazu holt, wird dies von ihrem AG nicht als Arbeitsunfall akzeptiert und man bekommt kein Geld.

Ich halte das für illegal und nicht rechtens. Die Pfleger|innen können auch die Gesundheit ruinieren, wenn sie denken, den stemme ich leicht, und dann passiert es doch.........

Wer weiß etwas zu solchen Machenschaften?

Grüße GolfVIITSI


Antwort
von mattkoch, 25

Es werden in der Altenpflege auf Anforderungen gestellt, die nicht erfüllbar sind. In diesem Fall soll eventuell mehrere Personen gepflegt werden mit Unterstützung von Kollegen, die Kollegen sind aber selbst so beschäftigt dass sie gar nicht helfen können. In diesem Fall liegt von Seiten der Leitung ein Organisationsverschulden vor . Da muss man eventuell auch mal das Arbeitsgericht bemühen oft sind diese Regeln dann haltlos und werden nicht akzeptiert.

Antwort
von bikerin99, 41

Da gibt es 2 Möglichkeiten, entweder zum Betriebsrat oder Gewerkschaft.
Die Berufswelt wird immer unmenschlicher und diese Beschreibung bestätigt mir das. Da geht es einem so, dass man denkt, das ist unmöglich und doch passiert es. Man kann nur versuchen, sich gemeinsam dagegen zu wehren.

Kommentar von Nightstick ,

Grundsätzlich ist es wie beim Schach: Es gibt meistens mehr als zwei Möglichkeiten - hier auf jeden Fall die der aktiven Kommunikation (des Zugehens auf den Arbeitgeber).

Daher erst einmal langsam....

1. Einig gehe ich mit Dir, dass die Berufswelt zum Teil immer unmenschlicher wird - das liegt jedoch nicht an der Berufswelt selbst, sondern den Zeitgenossen, die man darin trifft, und wie man mit diesen umgeht. Man muss sich ja nicht alles gefallen lassen...

2. Papier ist geduldig. Nicht alle Vorschriften, die irgendwelche Firmen oder Institutionen erlassen, haben bei einem evtl. späteren Rechtstreit auch Bestand, d.h., dass zumindest Teile davon unwirksam sein können.

3. Konkret: Bevor ich jetzt das Management dieser Altenpflegeeinrichtung verteufle, unterstelle ich erst einmal einen grundsätzlich guten Willen. Schließlich hat es zunächst auf den beschriebenen Vorfall reagiert - immerhin besser, als wenn von dort gar nichts gekommen wäre.

Meine Beurteilung: Durch diese (inhaltlich allerdings mangelhafte) neue Vorschrift wollte das Management wahrscheinlich zunächst einmal weitere Krankenstände aufgrund gleichartiger Vorkommnisse vermeiden. Gleichzeitig kann sie natürlich die Frage der Berufsgenossenschaft nach einer erfolgten Reaktion bejahen. Als einzig positven Effekt sehe ich die (versteckte) Arbeitsanweisung, bei schweren Patienten eine zweite Pflegekraft hinzu zu ziehen.

Sachlicher Unsinn ist natürlich die unnötige Drohung, einen solchen Vorfall nicht als Arbeitsunfall anerkennen zu wollen. Dies ist allein Aufgabe der Berufsgenossenschaft. Der Arbeitgeber hat einen möglichen Arbeitsunfall zu dokumentieren und nach den jeweiligen Vorschriften der BG zu melden (Anm.: Dies hätte auf jeden Fall bei der Kollegin, die sich den Rücken verhoben hat, geschehen müssen).         

Viele wertvoller wäre eine interne Besprechung gewesen, in der die Sachlage diskutiert und geeignete (organistorische) Maßnahmen verabschiedet worden wären.

Fazit: Das Unterbleiben zeigt mir die Unfähigkeit des Managements. Daher ist anzuraten, sich beizeiten etwas Anderes zu suchen. Gute Pflegekräfte werden überall gebraucht...  

Kommentar von bikerin99 ,

Ich gebe dir recht.

Kommentar von GolfVIITSI ,

Danke für die Ausführungen. Meine Frau würde niemals sich beschweren, weder beim Betriebsrat noch bei der Pflegedienstleitung, sie macht alles, was angesagt wird, und ich habe 30 Jahre Lohnabrechnung gemacht, daher gehen unsere Ansichten halt sehr weit auseinander.

Kommentar von bikerin99 ,

Man muss sich nicht beschwerden, sondern kann sich auch informieren.

Kommentar von Nightstick ,

Dazu kommt noch eines: Je mehr Anweisungen existieren bzw immer wieder dazukommen, desto unsicherer werden die Mitarbeiter.

Ich bleibe dabei: Unfähiges Management.

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