Frage von Nanaprinzessin, 27

Nicht weinen können, weil es sich hässlich anhört?

Hey ihr :),

also ich habe totale Probleme mich fallen zu lassen, um zu weinen. Ich würde es gerne, da ich weiß, dass es einem letztendlich hilft und man sich befreiter fühlt.

Wenn ich weine (was sehr sehr selten vorkommt), kann ich es auch nie 100%ig zu lassen. Ich bin ein totaler Kontrollfreak und kann nicht loslassen. Ich weiß ehrlich gesagt nicht einmal wovor ich angst habe... Es funktioniert einfach nicht, vor anderen schon gar nicht. Bevor ich vor anderen weinen würde, würde meine Stimmung eher ins aggressive umschlagen, um es nicht zu zulassen. Das passiert meiner Meinung nach, aber eher im Affekt. Also da weiß ich auch nicht, was ich tun kann, damit es nicht ins aggressive umschlägt.

Nach Mamas Tod habe ich zum ersten mal geweint, und bin währenddessen auch mehrmals zusammengebrochen bei der Ankunft am Flughafen nach 10 Stunden Flug mit der Urne im Handgepäck. Ich musste währenddessen auch von mehreren gestützt werden, musste nicht mal den Pass oder sonstiges vorlegen, weil ich so K.O. war, dass man mich mit 4 Mann tragen musste. Ich kann mich ehrlich gesagt auch nicht mehr wirklich daran erinnern, weil es wirklich krass war (Filmriss).

Vielleicht habe ich angst, dass es wieder so ausarten könnte, wenn ich es zulasse? Was könnte man gegen solchen Ängsten tun?

Ich glaube, dass ich das weinen auch nicht zulassen kann, weil ich finde, dass ich total hässlich weine! Ich hab solch eine Aussage noch nie gehört, aber ich finde die Geräusche beim weinen ziemlich hässlich. Ich glaube, dass ist womöglich auch ein ziemlich großer Knackpunkt, weil ich diese Geräusche überhaupt nicht ertragen könnte....

Mein Therapeut ist auch der Meinung, dass es unter anderem auch daran liegt, dass ich die Kontrolle nie abgeben möchte oder kann. Also die Aussage ist definitiv, dass ich einen Kontrollzwang hab, was Emotionen etc. angeht. Ich weiß, aber leider nicht wie ich da raus komme.

Das ist eigentlich auch das wesentliche Ziel der Therapie, dass ich wieder Zugang zu meinen Emotionen finde. Bisher leider zwecklos... Manchmal fühle ich mich echt so, als hätte ich keine Gefühle und das alles nur im Verstand hängen bleibt, aber tiefer ist nicht möglich. Ich erzähle auch von allen traurigen Dingen wie Missbrauch etc. total normal (emotionslos), als hätte ich es in der Zeitung über eine andere Person gelesen....

Hat jemand Ratschläge? Vielleicht kennen ein paar von euch die Problematik.

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Antwort
von Shizuma, 9

Ich versteh dich wirklich sowas von gut. Mir gehts in der Hinsicht gleich wie dir. Ich hätte mir echt nicht gedacht, das es jemanden gibt dem es gleich geht. Leider kann ich dir selbst keine Tipps geben, was du dagegen tun kannst, da ich selbst solche Tipps brauche. Ich bin schon seit 2 Jahren in Therapie aber es hat sich wirklich nicht viel gebracht. Mein Psychologe sagt auch immer, dass wenn ich von meinen Problemen usw erzähle, wirkt es so, als würde mich das alles kalt lassen, bzw als wäre mir das völlig egal. Weil ich es eben auch mit keinen Emotionen verbinden kann. Ich glaube auch, das es die Angst ist es wieder zuzulassen weil man Angst davor hat, das es wieder wie früher wird. Das Problem ist halt, das du es nur rausfinden kannst, wenn du es zulasst. Niemand kann dir sagen ob es wie früher wird, oder nicht. Ich bin generell so der Mensch, der keine Gefühle zulassen möchte. Mein Psychologe sagt das es auch daran liegt, das ich vieles durchmachen musste und das wie mein Schutzmechanismus ist. Das meine Angst davor ist, wenn ich Gefühle zulasse, das sich alles von früher wiederholt. Ich selbst weiß aber, das ich mir diesen Ängsten stellen muss, um herauszufinden, wie es wird. Es ist aber natürlich leichter gesagt, als getan. Ich glaube einfach, das sowas wirklich Zeit braucht. Du sollst dich ja selbst zu nichts zwingen. Das du aber in therapie bist, ist finde ich, schon mal ein großer Schritt.
Zu dem Thema das sich weinen hässlich anhört -> ich mag mein weinen auch nicht. Ich finde auch, das es komisch klingt aber ich denke auch, dass keiner sein weinen wirklich mag. Weinen kann aber wirklich hilfreich sein, weil man alles rauslässt nur tu ich auch mein bestes, um nicht weinen zu müssen.
Ich wünsch dir wirklich alles liebe, und das du es doch irgendwie schaffst. Wenn du mal schreiben willst, kannst du mir jederzeit schreiben!:)

Kommentar von Nanaprinzessin ,

Ich bin auch seit 2 1/2 Jahren in Therapie und hab es immer noch nicht geschafft! Wenigsten eine Person die mich versteht.... Die meisten Therapeuten, Ärzte, Freunde und Bekannt verstehen das überhaupt nicht, wie man über bestimmte Dinge so nüchtern reden kann. Ich könnte dabei auch Bier trinken, feiern oder sonstiges, als sei es das normalste auf der Welt :(.Viele fühlen sich wahrscheinlich total verarscht deswegen. Mein Therapeut sagt immer, dass bisher noch nicht bekannt ist, das eine Person jemals an Panikattacken gestorben ist und das sich das nur so unendlich schlimm anfühlt, aber vorbei geht. Natürlich das verstehe ich auch, aber es geht trotzdem nicht... Ich komme aus diesem nüchternen erzählen voll nicht raus...

Wir sind richtige Gefühlskrüppel und müssen all den Scheiß ausbaden, der uns durch andere (die wahrscheinlich happy sind) zu gefügt wurde. Das nervt mich auch tierisch, dass man den Scheiß anderer Menschen ausbaden muss.... :( :( Können gerne schreiben :)

Kommentar von Shizuma ,

Kenn ich nur zu gut. In meinem Bekanntenkreis versteht das auch niemand, die wundern sich ehrlich gesagt immer darüber, wie ich so offen über manch schlimme Dinge reden kann, als wäre das nichts für mich. Ich glaub eben wirklich, das sowas viel Zeit und Überwindung kostet, damit man das schafft. Man muss sich dem wirklich stellen wollen, ansonsten funktioniert das vermutlich nur schwer. Aber ich weiß so genau wie du dich fühlst, ich kann dich da wirklich gut verstehen.

Kommentar von MarkusGenervt ,

Man muss sich dem wirklich stellen wollen, ansonsten funktioniert das vermutlich nur schwer.

Nein, ansonsten funktioniert es gar nicht.

Das Problem insgesamt ist, dass Du/Ihr zwar weinen wollt, um den ganzen Mist endlich mal rauslassen zu können, weil es dann hoffentlich leichter zu ertragen sein wird, aber Ihr seit noch nicht bereit, Eure Selbstkontrolle fallen zu lassen.

Es ist ein großer Unterschied, es mit dem Kopf zu wissen, aber es auch zu fühlen und einen Instinkt dafür zu bekommen ist etwas völlig Anderes.

Übrigens ist das eigene Weinen nur deshalb "hässlich", weil nichts besser Eure Schwäche ausdrückt und diese findet ihr hässlich, weil Ihr an Eurer Selbstkontrolle festhaltet – festhalten müsst.

Die Kontrolle loslassen heißt die Kontrolle zu verlieren. Die habt Ihr einmal verloren und das wollt ihr nie wieder.

Jetzt verstanden, was ich meine?

Kommentar von Shizuma ,

Mich nervt das auch. Ich hab wegen anderen soviel durchmachen müssen, und während die alle glücklich sind, hab ich damit zu kämpfen. Nur leider kann man dagegen ja nichts tun... Ich schick dir hier mal ne Anfrage, dann können wir schreiben :)

Antwort
von Nanaprinzessin, 12

Das war schon immer mein Problem. Manche Therapeuten waren auch der Meinung das ich nichts habe. Das liegt wirklich daran, dass ich alles so erzähle als wäre es einem Dritten passiert. Ich kann das überhaupt nicht mit Emotionen verbinden :(

Antwort
von MarkusGenervt, 7

Gerade bei Missbrauch – wenn ich Dich jetzt richtig verstanden habe – ist die Persönlichkeit nur noch ein einziger Scherbenhaufen. Missbrauch hinterlässt ein Gefühl der absoluten Ohnmacht. Wenn Du diese nun zurück gewonnen hast, willst und kannst Du sie nicht mehr aufgeben.

Dein Vertrauen in andere Menschen ist  in jeder Hinsicht zerstört. Weinen ist aber – wie Du schon gesagt hast – ein Sich-fallen-lassen. Diese Sich-fallen-lassen bedarf aber unbedingtes Vertrauen zu den Menschen, bei denen man sich fallen lässt, also weint. Das hast Du nicht mehr und erzwingen kannst Du es auch nicht. Das würde dann eher zu Deiner ganz persönlichen Horrorshow.

Was Du also brauchst, um Dich fallen zu lassen, ist ein Mensch, der Dir beweisen kann, dass Du ihm/ihr bedingungslos vertrauen kannst. Dabei darf dieser Mensch in keinster Weise irgend eine Ähnlichkeit zu den Personen haben, die direkt oder indirekt für Deinen Missbrauch verantwortlich sind, da es sonst zu Übertragungen kommt und jedes Vertrauen für immer vom Tisch ist.

Allerdings wird das auch nicht reichen. Um Deinen Gegen-Willen zu "brechen" – ist ein bescheuertes Wort in diesem Zusammenhang, aber mir fällt nichts Besseres ein –, bedarf es eines Schlüssel-Erlebnisses. Und hier ist das Problem. Sowas kann man schlecht steuern, da es unerwartet kommen muss und auch in einem Moment, in dem das Erlebnis die richtigen Erinnerungen im Gedächtnis aktiviert. Es könnte z.B. ein Film sein, in dem Du eine Szene siehst, die Dir genau so passiert ist – quasi als Stellvertreter-Opfer.

Nun, da man so etwas schlecht planen kann, ist es erforderlich, dass der Mensch, bei dem Du gelernt hast, zu vertrauen, auch gleichzeitig so etwas wie dein Laien-Therapeut wird. Also jemand, der Dich führen und halten kann, wenn Du dann fällst.

Das ist aber ganz schwer zu finden. Deshalb muss es auch nicht diese Ideal-Situation sein. Wenn es nur irgendwie funktioniert sollte es schon überraschend gut gelaufen sein.

Aber vielleicht kennst Du bereits Menschen, denen Ähnliches passiert ist, wie Dir. Vielleicht aus einer Therapie-Gruppe. Da hättest Du Menschen, die genau so sind wie Du, die die Gleiche Hölle durchgemacht haben und die auch nicht mehr loslassen können. Aber genau deshalb wären das eigentlich die Menschen, denen Du am ehesten vertrauen könntest, da Du weißt, dass es ihnen geht wie Dir und sie das Andere-fallen-lassen nie zulassen würden, wenn sie es aufhalten können.

Verstehst Du, was ich meine?

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