Neurodoron gegen Ausschlag in Stresszuständen?

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2 Antworten

Hallo Youaa,

dieses Mittel ist kein homöopathisches Mittel, sondern gehört zur Anthroposophie.

Manche Menschen verwechseln das leicht, weil auch auf den Anthroposophica oft die typischen "Potenzbezeichnungen" Dxx drauf stehen.

Auch Antrophosophika enthalten die Wirkstoffe verdünnt; Aber die anthroposophische "Medizin" beruht auf einer anderen, von Rudolf Steiner stammenden, esoterischen Lehre.

Im Rahmen einer von den Anthroposophen angedachten "spirituellen Kosmologie" werden über äußere Ähnlichkeiten Bezüge zwischen Kosmos (Planeten), Mensch und Natur (Pflanzen, Metallen, Tieren...) unterstellt. Der Mensch ist unterteilt in 4 "Wesensglieder", dem physischen Leib, dem Äther-Leib, dem Astral-Leib und dem geistigen "Ich". Die Anthroposophie behauptet nun Verbindungen zwischen diesen Wesensgliedern, Metallen und Planeten. Krankheiten werden ermöglicht durch ein aus dem kosmischen Gleichgewicht geratenem Zusammenspiel der 4 Wesensglieder des Menschen.

Heilpflanzen und andere Wirkstoffe werden also in der Anthroposophie nicht aufgrund einer nachgewiesenen Heilwirkung eingesetzt, sondern allein nach den esoterischen Vorstellungen Rudolf Steiners.

Wirksamkeitsnachweise für bestimmte Beschwerden haben diese Mittel niemals vorgelegt oder erbringen können. - Mehr noch: Der Gesetzgeber hat sie sogar von der Pflicht, die Behauptung einer gezielten Wirkung nachzuweisen, im Zuge der Lobbyarbeit ihrer Hersteller von der Nachweispflicht explizit befreit.

Deswegen stehen im Beipackzettel solcher Präparate auch keine Anwendungsgebiete, sondern die etwas beschönigende Beschreibung "Anwendungsgebiete gemäß der anthroposophischen Menschen- und Naturerkenntnis."

Im Klartext: Wofür Anthroposophen das Mittel empfehlen, das beruht nicht auf Nachweisen einer Wirksamkeit, sondern auf den esoterischen Vorstellungen ihrer Lehre.

Was ist jetzt konkret in dem Mittel drin? Ich übersetze aus dem Beipackzettel:

1 Tablette enthält: Wirkstoffe:

  • Aurum metallicum praeparatum Trit. D10 (Gold)
  •  Kalium phosphoricum Trit. D6 (Kaliumphosphat)
  • Ferrum-Quarz Trit. D2
    Das ist eine Mischung, von der in 1 g Ursubstanz enthalten sind:
    Ferrum sulfuricum 0,64 g (Eisensulfat) ; Mel 0,32 g (Honig) ; Vinum 0,02 g (Wein); Quarz 0,16 g.(NIcht wundern, dass die Zutaten mehr als ein Gramm ergeben: Das Gemisch wird durchgeglüht, bevor es weiter verarbeitet wird.)

Im Beipackzettel siehst Du auch, dass nicht einmal die Anthroposophen das Mittel gegen Ausschlag empfehlen,

https://www.sanicare.de/images/ecommerce/06/05/06059282\_2011-09\_de\_o.pdf

sondern gegen stressbedingte Unruhe und Erschöpfungszustände. Unter der "Harmonisierung und die Stabilisierung des Wesensgliedergefüges" verstehen die Anthroposophen das Zusammenspiel des Körpers mit dem Astral-Leib und dem Ätherleib sowie dem geistigen Ich. In der esoterischen Welt der Anthroposophen entstehen Beschwerden dadurch, dass diese 4 "Wesensglieder" nicht mehr harmonisch zusammen arbeiten.

Das Gold hat in der Vorstellungswelt der Anthroposophen regulierende Wirkung auf die 4 Wesensglieder. Es steht laut Steiner in direktem Zusammenhang mit der Sonne.

Das sieht man zum Beispiel in diesem Zitat: "Die luziferischen Geister, die Weisheitsgeister aus der zweiten Hierarchie, welche nicht mitgemacht haben die Entwickelung, die strömen nun, statt daß sie von der Sonne auf die Mineralien astralische Strömungen aussenden, ätherische Ströme herunter auf die Erde. Dadurch aber geschah es, daß eine mineralische Substanz gebildet wurde, die direkt von der Sonne her ihre Innerlichkeit erhielt, das ist das Gold. Der Okkultist hat deshalb der Sonne direkt zugeteilt das Gold. Es ist jenes luziferische Mineral, welches in bezug auf seine Innerlichkeit nicht von den Planeten ätherisch bewirkt wird, sondern von der Sonne aus." (Rudolf Steiner: Die geistigen Wesenheiten in den Himmelskörpern und Naturreichen, S. 193)

Weil Gold im erhitzten Zustand dünnflüssig wird, symbolisiert es für Anthroposophen die gesunde Herz-Kreislauf-Funktion. Da Blattgold leicht grünlich aussieht, sehen sie hier zusätzlich einen Bezug zur Pflanzenwelt und dem Wasser, was die Lebensorganisation des Menschen symbolisiert. Kolloidales Gold assoziieren sie mit der Luft und der Seelenorganisation des Menschen.

Durch die bei der Verarbeitung kurze Erhitzungsphase soll das Gold an seine kosmische Herkunft erinnert werden und diese dann auf den Körper übertragen.

Medizinisch wissenschaftlich ist das Unsinn. D10 ist eine Verdünnung, in der kein Stoff mehr eine gezielte Wirkung auf den Körper hat. Gold aber ohnehin nicht. Als Edelmetall ist es ausgesprochen reaktionsträge und wird schon in größeren Mengen vom Organismus einfach unverdaut wieder ausgeschieden.

Kaliumphosphat: In der Anthroposophie befreit "der Phosphor den Astralleib und das Ich von den Fesseln des physischen Leibs und fördert dadurch den Schlaf". (Zitiert von Anthro-Wiki). In Verbindung mit dem Kalium soll der Phosphor auf das Nervensystem wirken.

Wissenschaftlich ist auch das Unsinn. In einer Verdünnung von D6 ist Kalium zu gering dosiert, um auf die Nerven zu wirken. Kalium phosphoricum oder Kaliumphosphat findet eigentlich in der Waschmittelherstellung Verwendung.

Die letzte Verbindung in Deinem Präparat besteht aus Eisen (symbolisiert die Atmung), das in Verbindung mit Schwefel (gilt als "Strukturierer") auftritt. Dazu der Honig (trägt angeblich "kosmische Gestaltungskräft" in sich - siehe die Honigwaben), der Wein (Wärme, Symbol für Blut) und etwas fein gemahlener Bergkristall (Symbol für die bewegenden und organisierenden Kräfte der Erde).


Da hier die Verdünnung mit D2 relativ gering ist, führt das Präparat dem Körper tatsächlich minimal etwas Eisen zu, was eine geringe blutbildende Wirkung haben könnte. Alle darüber hinaus beschriebenen Bedeutungen der Zutaten sind wissenschaftlich gesehen unsinnig.

Aus Sicht seriöser Naturwissenschaft und Medizin handelt es sich um ein Placebo, ein Scheinmedikament, das auf Deinen Ausschlag keine gezielte Wirkung haben wird. Aus Sicht der Esoterik sind hier Zutaten aus den verschiedenen Naturreichen so harmonisch zusammengefügt, dass diese Harmonie als Gesamtkunstwerk Vorbildfunktion für die Wesensglieder Deines Körpers hat und somit harmonisierenden Einfluss auf deren Zusammenspiel hat.

Du solltest das MIttel also nur dann anwenden, wenn Du meinst, Deine Akne sei durch ein mangelhaftes Zusammenspiel Deines Ichs mit seinem Ätherleib und seinem Astralkörper verursacht.

Grüße

P.S: Und nein, ich bzw. die Anthroposophen meinen das ernst...

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Kommentar von segler1968
10.01.2016, 12:35

Ute, es ist wie immer sehr lehrreich und spannend, Deine Artikel zu lesen. Meine Hochachtung vor Deiner Geduld und dem Aufwand, mit dem Du die Dinge erklärst.

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Vielleicht, wenn du Glück hast. Da es kein reines Homöopathikum ist, sondern es sich um ein anthroposophisches Heilmittel handelt, sind neben den typisch minimal dosierten Stoffen (homöopathische "Heil"mittel) noch Stoffe in nachweisbarer Menge verarbeitet - vielleicht haben die eine Wirkung, vielleicht auch nicht. Es sind Honig, Wein und Quartz.

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Kommentar von MalNachgedacht
20.01.2016, 11:57

Vielleicht, wenn du Glück hast. Da es kein reines Homöopathikum ist, sondern es sich um ein anthroposophisches Heilmittel handelt

Allerdings braucht man schon sehr viel Glück - denn die "Rezepturen" hast sich seinerzeit der Guru der Anthroposophen (Rudolf Steiner) durch "geistige Schauung" gewonnen, indem er in der (dummerweise für alle anderen unsichtbaren) "Akasha-Chronik" gelesen hat.

Man könnte wohl auch durchaus sagen, dass die Inhaltsstoffe anthroposophischer Arzneimittel nicht einem Forschungslabor sondern Rudolf Steiners Phantasie entsprungen sind...
Und über Phantasie verfügte er reichlich - nur mit Belegen für die Wirksamkeit dieser phantastischen Mittel sieht es reichlich dünn aus.

Aber zum "Glück" gibt es ja auch für anthroposophische Mittel eine gesetzliche Ausnahmeregelung mit der sie um den Nachweis einer Wirkung herumkommen.

Es reicht der "Binnenkonsens" - wenn also Anthroposophen davon überzeugt sind, dass die Mittel gemäß ihrer Lehre wirken dann genügt das dem Gesetzgeber (warum auch immer...)

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