Frage von troublemaker200, 90

Neues Übungs- / Ausbildungskonzept für freiwillige Feuerwehren. Was meint Ihr?

Die Ausbilder bzw. die Wehrführer der Feuerwehren geben sich jedes Jahr erneut alle Mühe abwechslungsreiche Themen in den Dienst- Ausbildungsplan zu packen, dennoch nimmt die Zahl der Anwesenden immer weiter ab. Warum?

Vielleicht ist ein Grund dafür, dass die Feuerwehrleute viele Themen einfach „über“ haben. Beispiel: Ein FW-Mann, der seit 25 Jahre dabei ist, kann einfach das Thema „Wasserförderung“ nicht mehr hören. Warum muss er sich dieses Thema jedes Jahr auf Neue anhören? Für neue Kollegen ist dieses Thema allerdings von besonderer Wichtigkeit.

Frage: ist denn der Übungs- Unterrichtsabend, der schon immer seit über 40 Jahren immer mittwochs von 19:00 bis 21:00 stattfindet überhaupt noch zeitgemäß heutzutage?

Hier würde das neue Konzept greifen:

Am Jahresanfang gibt es einen Übungsplan mit vielfältigen Themen. Diese Übungen und Unterrichte finden nicht immer nur mittwochs von 19-21 Uhr statt sondern auch mal an anderen Tagen und auch mal nur eine Stunde oder falls erforderlich eben 3 Stunden.

Jeder FW-Mann pickt sich dann die Themen raus, die ihn interessieren, bzw. wo er Defizite hat.

Natürlich gibt es auch Pflichttermine, an die jeder FW-Mann teilnehmen muss.
Vorstellbar wäre ein Drittel-mix. 1/3 Pflichttermine und 2/3 Wahltermine.

Natürlich muss es dann in Summe mehr Übungs/Unterrichtstermine pro Jahr geben. Dafür werden auch mehr Ausbilder benötigt. Hier könnte man einzelne FW-Kollegen, die langjährige Erfahrungen haben bitten, den einen oder anderen Unterricht abzuhalten und so ihr Wissen weitergeben.

Beispiel: ein langjähriger Maschinist, der gezielt einer kleine Gruppe in ca. 1h die Pumpe näherbringt, bringt für den einzelnen FW-Mann doch mehr als eine 2-stündige Übungseinheit mit 3x soviel Leuten, wovon ein Großteil sich langweilt.

Natürlich wird die Anzahl der Teilnahmen die ein FW-Mann am Jahresende vorzuweisen hat, vorher festgelegt. Ein Übungskoordinator überwacht das und sorgt beratend dafür, dass jeder FW-Mann die richtigen Übungen besucht.

In einem Übungspass den jeder FW-Mann am Jahresanfang erhält, trägt er selber jeden besuchten Übungsblock ein.

Vorteil: Die aufgewendeten Unterrichtszeiten werden ganz gezielt dort eingesetzt, wo sie genau benötigt werden.

Evtl. werden diejenigen am Jahresende belohnt, die am häufigsten an Übungen/Unterrichten teilgenommen haben. Als Ansporn sozusagen….

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Nomex64, Community-Experte für Feuerwehr, 61

Hier könnte man einzelne FW-Kollegen, die langjährige Erfahrungen haben
bitten, den einen oder anderen Unterricht abzuhalten und so ihr Wissen
weitergeben.

Das ist eines der Grundübel der Feuerwehrausbildung in Deutschland. Nicht jeder Fachmann ist auch ein guter Ausbilder, eher im Gegenteil. Die wenigsten Ausbilder haben den entsprechenden Lehrgang. Entsprechend falsch läuft dann die Ausbildung.

Die in der FwDV2 geforderten 40 h Ausbildung sind die unterste Grenze dessen was ein FM(SB) im Jahr haben muss. Über mehr kann man sicher diskutieren und für Kameraden mit Sonderausbildungen ohnehin notwendig.

Was das Wiederholen von Ausbildungsthemen angeht sollte man sich mal die Lernzielstufen in FwDV 2 näher ansehen. Ziel muss für alle Kameraden die LZS 4 sein. Ich wage mal zu behaupten das die wenigsten Kameraden schon da angekommen sind. Die Meisten denken doch nur weil sie es mal gehört haben können sie schon Alles, nachts um 3 halb ausgeschlaffen sieht die Sache dan aber meist ganz anders aus.

Über deine Vorschläge kann man sicher diskutieren, ich befürchte aber das damit die ganze Sache nur unnötig kompliziert wird. Aus Erfahrung sage ich: so einfach wie möglich.

Die Ausbildung interessant und abwechslungsreich zu gestalten bedarf es guter, motivierter und fachlich fähiger Ausbilder. Ausbilder die es schaffen alte und junge Kameraden gleichermaßen in die Ausbildung einzubeziehen. Ausbilder die es schaffen auf die Bedürfnisse aller Kameraden einzugehen und die sich nicht nur im Glanze ihres eigenen, oft nicht mal vorhandenen, Fachwissen sonnen.

Über das Jahr sollten auch mal ein oder zwei Themen eingebaut sein die abseits der FwDV zu finden sind. Das kann ein Hochseilgarten sein, das kann die gemeinsame Ausbildung mit anderen HiOrgs wie THW, DLRG oder... sein, das können weitere interessante Aktionen sein. Hier ist Kreativität gefragt.

Der Ausbildungsplan sollte den Kameraden auch nicht von der Wehrführung übergestülpt werden. Lasst die Kameraden eigene Vorschläge zu Themen einreichen. Gelernte Ausbilder sollten sich geeignete Kameraden als Hilfsausbilder hernehmen und mit denen gemeinsam die Ausbildung vorbereiten und durchführen.

Es gibt auch ein paar gute Bücher, nicht alles findet man im Internet, zu dem Thema. Hier mal für den Anfang: http://www.amazon.de/Ausbilden-Feuerwehrdienst-Die-Roten-Hefte/dp/3170220624/ref...

Antwort
von fddbv, 47

Der Übungsdienst muss ja auf ein Ziel hinarbeiten: In Einsatzfall schnell und richtig agieren zu können. Nach meiner Auffassung heißt das bestimmte Abläufe immer und immer wieder zu Üben, nicht weil die Leute nicht wissen wie es geht sondern weil diese in Fleisch und Blut über gehen müssen.

Bsp. Einsatz mit Bereitstellung. Absuchen von Räumen, Türen öffnen und borgen mit Rauchvorhang. Sowas muss muss schnell gehen und da geht's auch um Zeit

Ne Wasserversorgung über lange Wegstrecke aufzubauen macht für mich keinen Sinn. Das ist ja kein zeitkritische Angelegenheit. Ob man nun 15 oder 20 min dafür braucht macht Einsatztaktisch keinen Unterschied. Eine Vermisste Person nach 2 oder nach 3 Minuten im Rauch finden schon.

Hab selber letze Woche nach einem halben Jahr das erste mal wieder PA angehabt weil ich sonst als Führungskraft eingebunden war. Es ging zu einem Wohnungsbrand und ich war trotz 10jahren Erfahrung wieder sehr  nervös. Das wir keine WBK und keinen Rauchvorhang dabei hatten hab ich dann erst gemerkt als wir das sichtbare Feuer schon bekämpft hatten... Das ich das mitzunehmen hab weiß ich aber hab es einfach zu wenig geübt...

Wir machen einmal im Monat eine Übung mit den Standart Maßnahmen. Löschangriff mit einem Rohr, TH mit Personenrettung und Gams Maßnahmen bei Gefahrgut lagen. Das ist das Geschäft das jeden Tag kommen kann das sitzt aber es muss immer und immer wiederholt werden.

Darüber hinaus gibt es Übungen nach Fachrichtung. Atemschutz, Führungsgruppe,  Maschinisten, Gefahrgutzug... Usw. Da wird das Ausgebildet, neues Wissen vermittelt und im Detail einstudiert was wie Funktioniert. Auch in kleinen Gruppen, oft in Mehreren Stationen sodass jeder auch mal alles macht...

Würde das mit den wechselnden Terminen nicht machen. Die Leute haben es schwer sonst zu planen. Das die Unterweiser abwechseln ist in meinen Augen kein kann sondern ein muss. Keiner weiß alles und kann alles.

Viel Erfolg!

Zur Info; bin ZF einer FFW mit 80 Mann und Frau

Antwort
von LisaKlawi, 45

Klingt sehr interessant, jedoch ist fraglich ob sich sowas tatsächlich umsetzen lassen lässt. Da der Ausbildungsplan schon relativ gebunden ist. 

Vermutlich lässt sich sowas eher in jüngeren Wehren umsetzen als in den alteingesessenen

Ich kann die Wasserförderung auch schon nicht mehr hören.;)

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