Frage von JanJan24, 48

Neuerteilung der Fahrerlaubnis, was wird mich erwarten?

Hallo, ich war heute beim Straßenverkehrsamt und wollte mich eigentlich für ein neuen Führerschein anmelden. Der Mitarbeiter hat mich gefragt, ob ich schon mal n´ Führerschein hatte. Mir wurde vor ca. 8 Jahren die Fahrerlaubnis entzogen, da ich in meiner Probezeit (ein Monat vor deren Ende) auf einer Schnellstraße ca. 50 km/h zu schnell gefahren bin. Wurde von einer mobilen Station geblitzt. Es war dunkel u. kannte die Örtlichkeiten net, dachte es wär ne Autobahn.. ja ich weiß, schön blöd. Nun meine Frage.. was erwartet mich jetzt. MPU? Werde ich zu einem Gespräch gebeten, um den Sachverhalt dazulegen, warum ich zu schnell gefahren bin? Sollte ich dann den Teil mit der Autobahn dann weglassen? Was sollte ich am besten sagen???

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von adk710, 38

Ich verstehe es so, dass damals weder Alkohol noch Drogen im Spiel waren. Danach das übliche Verfahren: Du wurdest zur Teilnahme an einem Aufbauseminar verpflichtet und bist nicht hingegangen, sodass dir kurz darauf die Fahrerlaubnis entzogen wurde.

Ich kann dich ein wenig beruhigen, du musst nicht zur MPU. Für die Neuerteilung einer in der Probezeit entzogenen Fahrerlaubnis gilt § 2a Abs. 5 StVG:

"Ist eine Fahrerlaubnis entzogen worden [...] nach Absatz 3, weil einer Anordnung zur Teilnahme an einem Aufbauseminar nicht nachgekommen wurde [...], so darf eine neue Fahrerlaubnis unbeschadet der übrigen Voraussetzungen nur erteilt werden, wenn der Antragsteller nachweist, dass er an einem Aufbauseminar teilgenommen hat."

Das bedeutet, dass du erst das Aufbauseminar für Fahranfänger absolvieren musst. Wenn dir wieder eine Fahrerlaubnis erteilt wird, muss dir aber klar sein, dass deine Probezeit von damals immer noch ruht, denn die wurde zeitgleich mit der Anordnung des Aufbauseminars um zwei Jahre verlängert. Zur neuen Probezeit sagt § 2a Abs. 1 Satz 6, 7 StVG:

"Die Probezeit endet vorzeitig, wenn die Fahrerlaubnis entzogen wird oder der Inhaber auf sie verzichtet. In diesem Fall beginnt mit der Erteilung einer neuen Fahrerlaubnis eine neue Probezeit, jedoch nur im Umfang der Restdauer der vorherigen Probezeit."

Es sollten daher noch ungefähr zwei Jahre übrig sein. Während dieser Zeit werden aber bei einem ähnlich schweren Verstoß nicht mehr die herkömmlichen Maßnahmen angewandt, sondern es wird ungemütlicher, siehe § 2a Abs. 5 Satz 5 StVG:

"Die zuständige Behörde hat in diesem Fall in der Regel die Beibringung eines Gutachtens einer amtlich anerkannten Begutachtungsstelle für Fahreignung anzuordnen, sobald der Inhaber einer Fahrerlaubnis innerhalb der neuen Probezeit erneut eine schwerwiegende [sog. A-Verstoß] oder zwei weniger schwerwiegende [sog. B-Verstoß] Zuwiderhandlungen begangen hat."

Das heißt nichts anderes als die Anordnung einer viel teureren MPU auch schon ab 21 km/h außerorts zu schnell.

Zum Schluss für dich noch ein besonderer Hinweis auf § 20 Abs. 2 der Fahrerlaubnis-Verordnung:

"Die Fahrerlaubnisbehörde ordnet eine Fahrerlaubnisprüfung an, wenn Tatsachen vorliegen, die die Annahme rechtfertigen, dass der Bewerber die nach § 16 Absatz 1 [Theorie] und § 17 Absatz 1 [Praxis] erforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten nicht mehr besitzt."

Meines Erachtens bist du für die Behörde ein heißer Kandidat, denn du bist gerade zwei Jahre gefahren und hattest danach acht Jahre Pause. Gut möglich, dass du zumindest die praktische Prüfung noch einmal machen musst.

Kommentar von Parhalia ,

Sehr gute Erklärung für die Möglichkeit, dass damals der angeodneten ( nachweislichen )  Teilnahme an einem Aufbauseminar ggf. nicht Folge geleistet worden sein konnte.

Antwort
von moefellaz, 48

Entweder machst du einen Vorbereitungskurs, der doppelt so teuer ist wie die MPU oder du suchst dir die dämlichen fragen dieser Idioten ausm Internet raus schreibst dir die perfekten antworten auf und lernst die auswendig... ich bin mir relativ sicher das die Bescheid wissen weswegen deine fahrerlaubniss entzogen wurde, also nichts verheimlichen... Tipp von mir, fahr am besten nach Berlin für die MPU dort sind die lockerer drauf...

Kommentar von JanJan24 ,

Da war nichts vorher.. bin einmal abzüglich Toleranz vielleicht 10 km/h zu schnell gefahren... 

Kommentar von Parhalia ,

Das "Danke" hast Du nur wegen Deines Vorschlages einer Vorbereitung zur MPU bekommen.

Nicht aber wegen "auswendig lernen", sondern wirklich zur VORBEREITUNG. 

DAS bedeutet erst einmal eigenständige Aufbereitung damaliger Fehler und deren Eingeständnis. Dann auch nachweisliche Vertiefung der eigenen Fehler nebst Behebung und eigenständig erkanntem Wandel in der Vermeidung. 

Ein seriöser Verkehrspsychologe kostet zwar in der Tat leider Geld, aber er steht dieser hauptsächlich selbst zu erkennenden und behebenden ( damals falschen ) Auffassung zum Verkehrswesen nur beratend zur Seite. 

Er wird nie "Frage-Antwort" pauken, sondern nur helfen zur Selbsterkenntnis und eigene Analytik der "Reifung der Erkenntnisphase" analysieren.

Viel Vorarbeit und beratende Diskussion kann man in der Tat aber schon kostenlos in speziellen Foren betreiben. Einige anerkannte Verkehrspsychologen des entsprechenden Verbandes ihrer Zunft betreiben solche Foren sogar nebenbei.( kostenlos )

Kommentar von JanJan24 ,

Danke du siehst das richtig. Will nur wissen was mich in etwa erwartet. Das "Was sollte ich am besten sagen???" kommt viell. etwas Falsch rüber. Ich will nicht auf jede Frage die perfekte Antwort gebe, um mich irgendwie aus der Sache rauszuwickeln.n Dazu neige ich auch nicht.. ich stelle mich meinen Fehlern o. Problemen und versuche nichts zu beschönigen. Sich selbst zu belügen bringt nichts.

Kommentar von Parhalia ,

Stelle zunächst einfach mal Deinen Antrag auf "Wiedererteilung der Fahrerlaubnis" bei der Führerscheinstelle und warte ab, was DIE Dir dann zurück schreibt. ( was Du als Befähigungsnachweisen dort dann vorlegen müsstest )

Anhand Deiner leider zunächst nur sehr oberflächlichen Fragestellung liess sich ja zunächst nicht wirklich viel "konkret" beschreiben. ( nur MÖGLICHKEITEN )

Stelle daher ganz normal Deinen "Antrag auf Wiedererteilung" der Fahrerlaubnis bei der Führerscheinstelle und beantworte auch ganz einfach nur deren formularisch an Dich gerichteten Fragen. ( auch zum Thema, ob Du bereits mal in Besitz einer Fahrerlaubnis warst )

Die haben Deine "Akte" ohnehin.

Warte dann einfach ab, was die Führerscheinstelle DANN von Dir beigebracht sehen will an Dokumenten und Nachweisen. Und wenn Du Diese binnen der genannten Fristsetzungen ( aus welchem Grunde auch immer ) nicht beibringen KANNST, so ziehst Du Deinen Antrag rechtzeitig und formal korrekt wieder zurück.

Antwort
von Parhalia, 42

Wenn Dir vor 8 Jahren "in der Probezeit" die Fahrerlaubnis entzogen wurde, so hattest Du DAVOR doch bestimmt schon zwei weitere Male erheblich gegen die Probezeit-Regelungen samt jeweiliger Massnahmen ( Aufbau-Seminar samt Probezeit-Verlängerung und als 2. Weisung die "Verwarnung samt Empfehlung der Teilnahme an einer verkehrspsychologischen Beratung ) verstossen.

Dann dürfte es in der Tat mit Deinem jetzigen Antrag auf Wiedererteilung der Fahrerlaubnis die Auflage zur "Beibringung eines positiven MPU-Gutachtens" kommen.

Das würde postalisch dann in etwa so klingen :

..."um über ihren Antrag auf Wiedererteilung einer Fahrerlaubnis abschliessend entscheiden zu können, bitten wir Sie um vorherige Beibringung einer positiven 

....Medizinisch  - Psychologischen - Begutachtung....

bis zum...

Wenn Du dieses Gutachten nicht binnen der im Schreiben genannten Fristsetzung bei der Führerscheinstelle einreichen kannst ( z.B. wegen "zu Teuer", Angst vor Durchfallen o.Ä. )

So ziehe Deinen Antrag auf Wiedererteilung unbedingt vor Ablauf der in den "Rechtsbehelfsbelehrungen" des Schreibens angegebenen Fristen wieder zurück.

Tust Du DAS nicht, so beginnt die Anordnung zu einer MPU ab erfolgloser Antragstellung erneut mit 15 Jahren zu laufen. 

Also überlege Dir gründlich vorher, WAS Du jetzt tun willst. Da Du ja bereits bis 2008 Inhaber einer FE warst, welche in diesem Jahr auch entzogen wurde, so kämst Du selbst bei seit dem "absoluter Unbescholtenheit" nicht frühestens vor 2023 um eine MPU herum.

Daher erst gründlich überlegen und informieren. ( Z.B. wie man notfalls den Antrag auf Wiedererteilung einer Fahrerlaubnis rechtzeitig und richtig in welchen Fristen zurückzieht, OHNE Neuanlauf der Anordnugsfristen einer MPU-Auflage ... )

Kommentar von JanJan24 ,

Da war nichts vorher.. bin einmal abzüglich Toleranz vielleicht 10 km/h zu schnell gefahren... 

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Kommentar von Parhalia ,

Wegen eines einzigen "A-Verstosses" hätte man Dir selbst nach den zuletzt seit 01.01.1999 überarbeiteten "Probezeitregelungen" nicht gleich die Fahrerlaubnis entzogen.

Oder hattest Du damals das angeordnete "Aufbauseminar" garnicht erst absolviert ?

Aber wegen "einmalig 10 zu viel" wäre DAS noch nicht einmal angeordnet worden. Also "Butter bei die Fische"...WARUM wurde Dir 2008 die Fahrerlaubnis entzogen ?

Kommentar von JanJan24 ,

Der Sachverhalt in meiner Frage entspricht der Wahrheit und ich habe nichts Verheimlicht ;) . Das Aufbauseminar habe ich net absolviert. Kenne mich in dem entsprechenden Gesetzestext net aus. Tatsache ist, dass ich ca. 50 km/h zu schnell gefahren bin, ohne Einfluss von Drogen oder sonstigen strafbaren Verhalten, und musste meinen Führerschein abgeben.

Kommentar von adk710 ,

Ich sehe es so, dass er damals einfach nicht zum Aufbauseminar gegangen ist, und ihm deswegen die Fahrerlaubnis entzogen wurde.

Kommentar von adk710 ,

Dann empfehle ich dir die Lektüre meiner Antwort weiter oben. :-)

Kommentar von JanJan24 ,

Ja danke mach ich. Glaube im letzten Punkt hast du recht. Wird di praktische Prüfung dann nur mit den Fahrlehrer absolviert o. auch mit n Prüfer vom TÜV. Hab da mal  gehört, dass in der praktischen "Nachschulung" nur der Fahrlehrer prüft.

Kommentar von adk710 ,

Du musst unterscheiden zwischen dem Aufbauseminar und der Prüfung. Das Aufbauseminar hat einen pädagogischen Zweck, damit du dein Verhalten hinterfragen kannst. Dabei werden zwar auch Fahrstunden gemacht, die aber nur der Einschätzung deines Fahrstils dienen sollen und wo nur der Fahrlehrer dabei ist. Das Aufbauseminar ist auf jeden Fall Pflicht. Bei dir kommt aber zusätzlich eine neue Prüfung in Frage, deren Anordnung im Ermessen der Fahrerlaubnisbehörde liegt. Wenn du die Prüfung machen musst, sitzt natürlich auch ein TÜV-Prüfer im Auto und es gelten die gleichen Bedingungen wie bei deiner ersten Prüfung. Sollte das auf dich zukommen, kannst du bei einer Fahrschule im Vorfeld ein paar Fahrstunden zur Übung machen. Der Fahrlehrer sieht dann schon, wie viele Stunden du bis zur Prüfungsreife brauchst.

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