Frage von navynavy, 136

Neue Form des Gelöbnisses (Bundeswehr)?

Bin gerade zufällig über die Videos eines Gelöbnisses vom Juni 2015 gestolpert (hier der erste von fünf Teilen, leider funktioniert ja nur ein Link pro Eintrag: https://www.youtube.com/watch?v=p9Go41iijEo).

Und nun ja - ich bin etwas, sagen wir, überrascht. Es ist nur ein einziger Zug Rekruten angetreten, es gibt keinen Einmarsch der Truppenfahne (die steht in einem Ständer neben dem Rednerpult), keine Ehrenformation, die Musik besteht nur aus ca. 6, 7 Angehörigen eines Musikkorps, die wie ein Kammerorchester um ihre Notenständer herumstehen, kein Abschreiten der Front und v.a. kein Vortreten der Truppenfahne mit Auflegen der Hand durch ausgewählte Rekruten. Das ganze wirkt in meinen Augen eher wie eine Zeugnisvergabe oder der Auftakt zu einem Gartenfest. Nett, aber irgendwie überhaupt nicht (mehr) militärisch.

Meine Frage daher: Sind solche "Mini-Gelöbnisse" mittlerweile üblich oder zumindest kein Einzelfall? Gibt es diese in solcher Form auch an anderen Standorten?

Ich verstehe ja durchaus, dass bestimmte Ausbildungseinheiten mittlerweile sehr klein sind und dass der Rahmen da auch einmal kleiner ausfällt - aber das ist in meinen Augen schon eher aus dem Rahmen gefallen.

Ich erlaube mir eine kleine Umfrage dazu und freue mich auf die Antworten!

LG navynavy

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von rav3ry, 136
Geht gar nicht - hier fehlt jedes Verständnis für Tradition und Zeremoniell

Überrascht mich jetzt schon etwas. Aber ich denke es war dann schon eher die Ausnahme, weil normalerweise werden dann auch solche Züge bei anderen Ausbildungszügen aus anderen Verwendungen angegliedert und dann wird das Gelöbnis einfach zusammengezogen.

Aber es stimmt auch, dass der zeremonielle Wert abnimmt.

Also nein solche Gelöbnisse sind nicht üblich. Ob das jetzt wirklich ein Einzelfal war, weiß ich allerdings nicht.

Kommentar von rav3ry ,

Und ohne Einmarsch Flagge ist richtig traurig.

Kommentar von navynavy ,

Vielen Dank für Deine ausführliche Antwort!

Einen Einmarsch der Truppenfahne gibt es eigentlich immer, ich meine das Video geht nur 9 Minuten, Gelöbnis dauert ne Stunde, der kommt da sicher auch noch.

Leider nein - ich habe schon alle fünf Teile angeschaut. Da kommt nichts mehr.

Kommentar von rav3ry ,

Für mich volkommen unverständlich, jeder Rekrut sollte Stolz auf die Fahne sein und wenn man nur FWD7 macht. Ich kann jetzt auch nur für meine Truppengatttung Gebirgsjäger sprechen, wo immer min. 3 Züge vorhanden waren + wie in best. Fällen angegliederte Einheiten.

Antwort
von fabiberli, 66
Geht gar nicht - hier fehlt jedes Verständnis für Tradition und Zeremoniell

Tja, nicht gerade alltäglich, aber wohl kein Einzelfall.

Ich selbst habe meinen Eid damals im Dienstzimmer des BtlKdr PzGrenBtl 152 abgelegt. ohne jedes Zeremoniell... Vollkommen bürokratisch. 10 Minuten, Eidesformel, paar Unterschriften. Dann gabs die Berufungsurkunde zum Zeitsoldat ( bin aber inzwischen Berufssoldat ) dann war die Sache erledigt. Normalerweise wird so etwas ja kombiniert in Gelöbnissen zusammen mit Zeitsoldaten mit der Eidesformel.

Kommentar von navynavy ,

Vielen Dank für diese sehr persönliche Antwort!

Kommentar von rav3ry ,

vllt meinst du nur die vereidigung? will dir nicht zu nahe treten aber sowas erscheint mir doch arg krass

Kommentar von fabiberli ,

Nein, ich meine es so, wie ich es geschrieben habe. Und so läuft es häufiger ab, als man denkt. Aber darum ging es ja eigentlich nicht in der Frage hier. Ich persönlich habe als Gast auf der Tribüne schon oft teilgenommen, viele Gelöbnisse erlebt. Auch zum 20. Juli in Berlin. Aber in dem Video sieht es nicht gerade "professionell" aus.

Antwort
von RedDragon2103, 88
Geht gar nicht - hier fehlt jedes Verständnis für Tradition und Zeremoniell

Ja da fehlt schon irgendwie das traditionelle was ja auch zu der Bundeswehr gehört. Ich hoffe das sind nur Einzelfälle und mehren sich nicht. Gruß

Kommentar von navynavy ,

Danke für die Antwort!

Antwort
von maccvissel, 67
Geht gar nicht - hier fehlt jedes Verständnis für Tradition und Zeremoniell

Ich war auch, ähem, überrascht, so etwas zu sehen.

Wie von rav3ry schon beschrieben, kenne ich Gelöbnisse als Sammelveranstaltungen, bei denen z.T. Rekruten aller Teilstreitkräfte antreten. Diese Gelöbnisse kenne ich aber nur mit dem würdigen Rahmen, der militärischer Tradition entspricht, also mit Ehrenformation, Militärmusik und Fahneneid + Ansprachen örtlicher Honoratioren und lokaler oder überregionaler Politiker.

Mag ja sein, daß der geringe Personalumfang der Bw zu abgespeckten Veranstaltungen dieser Art zwingt.  Aber was da geboten wird, könnte auch die Gründungsversammlung eines Geflügelzüchtervereins sein, wenn man sich die Uniformen wegdenkt.

Anscheinend hat der Verband, der das Gelöbnis ausgerichtet hat, einen sehr "modernen" Kommandeur und einen "modernen" S1, die Militärtradition mit alten Zöpfen gleichsetzen. Daß die Rekruten ein Gelöbnis abgeben, das sie verpflichtet, geht hier völlig unter.

Traurig, traurig...

Kommentar von navynavy ,

Auch Dir vielen Dank für die ausführliche Antwort!

Kommentar von navynavy ,

PS:

Mag ja sein, daß der geringe Personalumfang der Bw zu abgespeckten Veranstaltungen dieser Art zwingt.  Aber was da geboten wird, könnte auch die Gründungsversammlung eines Geflügelzüchtervereins sein, wenn man sich die Uniformen wegdenkt.

Gut gesagt! Aber apropos Vereine - in Deutschland haben wir doch eigentlich das Glück, dass fast jeder Ort eine Musikkapelle besitzt, die sich (wenn einmal kein Bw-Musikkorps zur Verfügung steht) sicher gern bereit erklärt, ein Gelöbnis musikalisch zu begleiten. Das habe ich selbst auch schon mehrfach erlebt.

Ich habe absolut nichts gegen gut gespielte konzertante Blasmusik oder Jazz (wie in dem Video zu sehen/hören), aber ein Gelöbnis ohne einen einzigen klassischen Militärmarsch finde ich furchtbar. Ich weiß nicht, ob man hier bemüht "modern" sein möchte, wie Du so treffend betonst, oder ob man glaubt, hier Geschmäcker des Publikums bedienen zu müssen, aber hier muss man ja schon fast von Traditionsverweigerung sprechen.

Ich erinnere mich gut an mein eigenes Gelöbnis, als zu Beginn die Ehrenformation mit Musik und Truppenfahne einmarschierte und die Luft vom "Regimentsgruß" dröhnte, und das bei herrlichstem Sonnenschein. Sämtliche Kameraden waren hellauf begeistert, noch Tage später... Auch wenn der "Regimentsgruß" nicht unbedingt der musikalisch anspruchsvollste Marsch ist - aber seitdem liebe ich ihn, ich verbinde mit ihm eine schöne Lebenserinnerung.

Ich finde, so etwas klassisch Militärisch-Traditionelles darf man den jungen Rekruten nicht nehmen - man nimmt auch der Bw ein Stück ihrer Identität. 

Kommentar von maccvissel ,

Gutes Stichwort, das Du gegeben hast: Traditionsverweigerung.

Die Bundeswehr selbst hat ja keine eigene Tradition, obwohl sie seit 60 Jahren besteht.
Anknüpfung an die Wehrmacht -o Schreck und Graus, oder an die Seeckt-Reichswehr - welche Schande. Und Preußen geht ja anscheinend auch nicht.

Ein Trauerspiel in dieser Hinsicht ist die Aufweichung des Traditionserlasses hinsichtlich Umbenennung von Liegenschaften.

Folgende Seite zeigt einige Beispiele (ich distanziere mich ausdrücklich von dem hämischen Gekicher oder der heuchlerischen Betroffenheit, die hinter der Seite stehen):

http://www.asfrab.de/fundgrube/kasernennamen-der-bundeswehr.html


Dies nur mal so als Denkanstoß.


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