Frage von ZeitHeute, 52

Neue Arten - Biologie?

Hey Leute, mir werden seit kurzem dauernd Sätze wie "Neue (menschliche) Arten entstehen, wenn sich viel gemischt wird". So, ich bin leider kein Adept der Biologie und kenne mich da kaum aus. Der Mensch ging von Afrika aus und entwickelte sich unterschiedlich und es entstanden viele verschiedene Ethnien. So, wenn die sich jetzt mischen, könnte da überhaupt was neues entstehen, da die Vererbung mit dominant und rezessiv abläuft und das Kind entweder zu dem einen oder zu dem anderen gehört?

Expertenantwort
von DiegoderAeltere, Community-Experte für Biologie & Evolution, 9

"Neue Arten entstehen, wenn sich viel gemischt wird".

Manchmal ist das der Fall, wenn sich Individuen zweier nah verwandter Arten verpaaren und fruchtbare Nachkommen hervorbringen. Dann entsteht daraus ein völlig neuer Phänoytyp, der u.U. eine eigene, neue Art darstellt. Das ist aber nicht die Regel. In den meisten Fällen bleiben Kreuzungsversuche zwischen Arten ergebnislos. Solche Hybridisierungen kommen zwar auch natürlich vor, aber für gewöhnlich entstehen neue Arten als Abwandlungen einer einzigen Ursprungsart.

Wesentlich häufiger ist Hybridisierung innerhalb einer Art, also dass sich verschiedene Rassen, Unterarten oder Zuchten vermischen und neue Phänotypen erzeugen. Solche Mischlinge stellen aber keine neue Art dar. Das Gegenteil von genetischer Vermischung/Hybridisierung ist übrigens Inzucht, und die endet meist als Sackgasse.

Der Mensch ging von Afrika aus und entwickelte sich unterschiedlich und es entstanden viele verschiedene Ethnien.

Genau, Ethnien. Keine Arten. Lebende Menschenarten gibt es nur noch eine einzige, die sich in kleinere Verwandtschaftsgruppen aufteilen lässt (die sich aber im Zuge der Globalisierung zunehmend vermischen). Wie oben beschrieben, kann deshalb aus der Kreuzung beliebiger Menschen nicht mir nichts, dir nichts eine neue Art entstehen.

So, wenn die sich jetzt mischen, könnte da überhaupt was neues entstehen,

Natürlich entsteht da etwas neues. Aber nicht nur, wenn sich Menschen aus verschiedenen Ethnien fortpflanzen, sondern bei jeder einzelnen erfolgreichen Fortpflanzung. Aber bei diesem neuen handelt es sich um Individuen mit einer einzigartigen, neuen genetischen Ausstattung und nicht gleich um neue Arten oder neue Ethnien.

da die Vererbung mit dominant und rezessiv abläuft und das Kind entweder zu dem einen oder zu dem anderen gehört?

Da kann ich dir nicht ganz folgen. Ein einzelnes Merkmal kann (muss nicht) einen dominant-rezessiven Erbgang haben, aber nicht der gesamte Inhalt einer Keimzelle. Vater und Mutter eines Kindes vererben jeweils eine zufällig zusammengestellte Hälfte ihres doppelten Chromosomensatz, und beim Kind prägt sich von jedem Merkmal die mütterliche Variante, die Variante des Vaters, eine Mischform oder beide aus. Da das Aussehen des Menschen von tausenden solcher Merkmale bestimmt wird, ist kein Kind eine exakte Kopie eines Elternteils, sondern eine Neukombination und damit nicht "entweder oder".

Ein Beispiel aus meinem Umfeld. Letzten Monat hat eine meiner Cousinen aus dem Schwarzwald ihrem Mann aus Westafrika einen Sohn geboren. Ich hab mir sagen lassen, dass er die Nase seiner Mutter, aber die Haare seines Vaters hat. Sein Hautton bewegt sich irgendwo zwischen denen seiner Eltern. Das Kind sieht weder eindeutig westeuropäisch, noch eindeutig zentralafrikanisch aus, sondern ist eben etwas völlig eigenes, aber noch lange nicht der Begründer einer ganz eigenen Menschenart oder Ethnie.

Antwort
von Tatitutut, 19

Das ist einer gemeinsamen Überlegung wert!

Grundsätzlich entsteht immer etwas neues durch genetische Rekombination.

Es ließen sich, rein von der Idee her, auch Merkmale durch gezielte beobachtete Reproduktion, beeinflusste Kreuzung, isolieren. Neue Individuen mit bevorzugten Eigenschaften züchten. Das macht man aber nicht mit Menschen. 

Die Epigenetik setzt sich unter anderem mit dieser Frage auseinander. Dazu gibt es sehr viele interessante Bücher, die Forschungen in Skandinavien zugrunde liegen.

Oder als Beispiel hat der Anteil an blond und blauäugig universal abgenommen, und soll es weiterhin tun. 
Evolution erfolgt bis heute. Gene verändern sich.
Neue Merkmale entstehen und andere gehen verloren. 

Das Hardy-Weinberg-Gesetz sagt für eine ideale Population (http://biologie.deacademic.com/1868/ideale\_Population) voraus, dass Allelanteil und damit der Genpool stets unverändert bleiben. 
Nun entsprechen wir aber keiner idealen Population.

Berücksichtigt man den Artbegriff, dass eine Population mit anderen nicht mehr reproduktionsfähig ist, dann ist neue Artbildung für die Menschheit, bzw. aus dem Homo Sapiens unwahrscheinlich.

Wäre Homo Sapiens noch mit Homo Neanderthalensis kreuzbar, könnte relativ schnell eine neue Art entstehen. Aber jene sind ausgestorben. 
Genauso ist der Homo Sapiens mit anderen heute lebenden Spezies nicht reproduktiv.

Mit der allopatrischen Artbildung (http://www.biologie-schule.de/allopatrische-artbildung.php) können heute noch neue Arten entstehen. Aber der Homo sapiens besiedelt bereits alle Kontinente und ist angepasst und bleibt untereinander reproduktionsfähig.

Isolation und anschließende unabhängige Evolution ist bei vielen im Dschungel lebenden, bis heute immer wieder neu entdeckten, Menschengruppen zu beobachten. Ob da durch reproduktive/genetische Isolation (http://www.biologie-schule.de/reproduktive-isolation.php) und anschließende unabhängige Evolution eine neue Art entstehen kann?

Ich persönlich denke, dass der Homo sapiens nur noch evolvieren kann, das heißt neue Merkmale aneignen (langfristig betrachtet natürlich!), andere vielleicht verlieren. Aber unter sich bleibt er reproduktiv und als eine bestehende Art. Grade weil wir uns weitflächig reproduzieren.Wir tauschen ja außerdem auch keine neuen Gene untereinander aus, sondern lediglich Genvariationen. Wir vermischen sie lediglich.

Da müsste man den Homo sapiens schon auf den Mars schicken, und nach langer Zeit zurückholen. 

Was passiert aber, wenn der Orang-Utan weiter evolviert und irgendwann plötzlich doch kreuzbar mir Homo sapiens wird?

Was wäre wenn... :)

Antwort
von realsausi2, 16

Es gibt keine unterschiedlichen Arten von Menschen. Nicht einmal verschiedene Rassen.

Jedes hier herangezogene Merkmal ist rein willkürlich und hält keinem genetischen Befund stand.

Menschen können sich in hunderten verschiedener Merkmale voneinander unterscheiden. Jedes dieser Merkmale hat die gleiche Relevanz. Eine Unterscheidung nach Hautfarben ist ebenso (un)sinnvoll, wie eine Aufteilung nach Laktosetoleranz, riechendem Spargelpipi (Abbau von
Asparagusinsäure) oder griechischen Füßen.

Neue Arten entstehen auch nicht spontan durch Verpaarung. Das ist immer ein langwieriger Prozess über viele Generationen und bedarf eines Selektionsdrucks.

Tatsächlich ist die Einteilung in Arten taxonomisch immer die recht willkürliche Festlegung von Entwicklungslinien zu einem definierten Zeitpunkt.

Unsere Entwicklung vom letzten gemeinsamen Vorfahren mit den heutigen Menschenaffen ist eine der allerkleinsten Schritte. Jeder dieser Schritte, und selbst mehrere davon in Folge, lassen keine neue Artbestimmung zu.

Erst im Blick auf zwei auf dieser Entwicklungslinie weit auseinander platzierten Vertretern läßt die Bestimmung von Unterschieden zu, die geeignet sind, von verschiedenen Arten zu sprechen. Dabei sind diese beiden Individuen immer entweder Teil eines Astes oder Folge einer Verzweigung.

Somit sind wie eine andere Art als der gemeinsame Vorfahr (Linie) und auch eine andere Art als die anderen Menschenaffen (Verzweigung)

Grundsätzlich ist gegen eine genetische Bandbreite nichts einzuwenden.

Antwort
von Tybald89, 20

Also erstmal gehören wir, ob nun Europäer, Afrikaner oder Asiate alle zur Art Homo sapiens. Im Zuge der Globalisierung wird sich unsere Spezies phänotypisch homogenisieren. Wir werden also eher gleicher, als verschiedener. Neue Arten entstehen nur, wenn zB Teilpopulationen isoliert werden und das hat man bei uns heutzutage kaum noch.

Antwort
von bloxman, 11

hallo.

gute frage.

die chancen stehen nicht schlecht in zeiten der globalisierung.

gruss.

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