Frage von Maximilian112, 77

Neue Arbeitsstelle nach fristloser Kündigung - weiß jemand Rat?

AN XY hat eine fristlose Kündigung bekommen. Gegen diese klagt er, natürlich erst einmal mit dem Ziel das die Kündigung für nicht rechtens erklärt wird und das AV weiter besteht.

Das Ganze wird sicherlich mit einer Abfindung enden.

Wie ist jetzt das taktische Verhalten in Bezug auf eine neue Arbeit? Das Amt schickt Vermittlungsvorschläge. Sollte oder muß man bereits jetzt darauf eingehen?

Für eine Abfindung wäre eine neue Arbeit sicher nicht gut. Und geklagt wird ja erst einmal auf Ungültigkeit der Kündigung

Antwort
von RobertLiebling, 58

AN XY hat eine fristlose Kündigung bekommen

Wie ist die fristlose Kündigung begründet? Ist die Hoffnung, dass das Arbeitsgericht die außerordentliche Kündigung kassiert, begründet?

Bei einer Kündigung wegen Betrugs, Diebstahls o.ä. zu Lasten des Arbeitgebers wäre die Sache vermutlich eher eindeutig.

Kommentar von Maximilian112 ,

10 Minuten zu zeitig von der Arbeit verschwunden, keine diesbezügliche Abmahnung, 11 Jahre Zugehörigkeit.

Da ist wohl die Abfindung eher eindeutig, jedenfalls nach meiner Einschätzung.

Das der Arbeitsplatz futsch ist ist klar.

Kommentar von qugart ,

Wie begründest du eine Abfindung?

Kommentar von Familiengerd ,

@ qugart:

An einer Abfindung gibt es kaum Zweifel.

Wenn die fristlose Kündigung vom Gericht verworfen wird - wovon bei den vorliegenden Informationen sicher auszugehen ist -, das Gericht anerkennt, dass dem Arbeitgeber unter diesen Voraussetzungen eine Fortführung des Arbeitsverhältnisses nicht zuzumuten ist, dann erklärt das Gericht das Arbeitsverhältnis auf Antrag des Arbeitnehmers für beendet und verurteilt den Arbeitgeber zu einer angemessenen Abfindung (siehe dazu: Kündigungsschutzgesetz KSchG § 9 "Auflösung des Arbeitsverhältnisses durch Urteil des Gerichts, Abfindung des Arbeitnehmers" Abs. 1 Satz 1).


Kommentar von Familiengerd ,

@ Maximilian112:

Dass unter den genannten Voraussetzungen die fristlose Kündigung völlig ungerechtfertigt ist und vom Gericht verworfen werden wird, dürfte sicher sein.

Sollte es dem Arbeitnehmer nicht mehr zuzumuten sein, das Arbeitsverhältnis unter der gegebenen Situation fortzusetzen, löst das Gericht auf Antrag des Arbeitnehmers das Arbeitsverhältnis auf und verurteilt den Arbeitgeber zur Zahlung einer angemessenen Abfindung (KSchG § 9 Abs. 1 Satz 1).

Für eine Abfindung wäre eine neue Arbeit sicher nicht gut.

Warum meinst Du das?

Der Anspruch auf eine Abfindung, wenn sie so vom Gericht geurteilt wird, besteht unabhängig davon, ob der Arbeitnehmer im Anschluss an die Beendigung des Arbeitsverhältnisses arbeitslos wird. Für diese Beendigung setzt das Gericht allerdings eine Frist, die der bei einer sozial gerechtfertigten Kündigung entspricht (KSchG § 9 Abs. 2)

Kommentar von Maximilian112 ,

Ich war der Meinung, das der AN ohne ein neues AV Chancen auf eine höhere Abfindung hat, also das halbe Brutto pro Jahr plus der entgangene Lohn in der Frist.

Aber der §9 sagt ja schon das die Frist eben einzuhalten ist, finanziell und dann urteilt das Gericht noch über die Höhe der Abfindung. ?? richtig so?

Also kann sich mein AN ohne Nachteile zu befürchten in ein neues Arbeitsverhältnis stürzen. 

Und: Ich weiß es ist ein niederes Denken ;-) aber ein wenig Rache muß sein. Ich war jedenfalls sprachlos als ich die Story mit den 10 Minuten gehört hatte.

Kommentar von Familiengerd ,

Ich weiß es ist ein niederes Denken

Absolut nicht!

Und die abwertende Formulierung "Hier nur Geld rausschinden zu wollen" von qugart ist unter den geschilderten Umständen völlig "daneben"!

Kommentar von Nightstick ,

Allein von der Logik her kann es keine prozessualen Nachteile haben, sich sofort eine Anschlussbeschäftigung zu suchen, da man dazu ja aufgrund des SGB´s ohnehin verpflichtet ist.

Antwort
von qugart, 56

Nur mal so als kleine Denkhilfe....

Auch wenn die fristlose Kündigung nicht rechtmäßig gewesen sein sollte, kommt sofort eine fristgerechte Kündigung.

Hier nur Geld rausschinden zu wollen ist extrem kurzsichtig. Außerdem gibt's da ja auch die Regelungen vom Arbeitsamt. Die sollte man ja auch beachten.

Kommentar von Maximilian112 ,

Ja genau danach ging ja auch die Frage um eben auch alles richtig zu beachten.

Es geht nicht darum Geld rauszuschinden, sondern um Recht. Nach 11 Jahren Betriebszugehörigkeit mal so schnell eine Fristlose, die sollte auch bezahlt werden.

Das das Leben nach einer Fristlosen auch weitergeht ist dem AN bekannt.

Kommentar von qugart ,

Es ist völlig egal, ob der AN wieder eine Arbeit aufnimmt oder nicht. Das hat mit der evtl. ungerechtfertigten fristlosen Kündigung gar nichts zu tun.

Kommentar von Familiengerd ,

@ qugart:

Hier nur Geld rausschinden zu wollen

In Zusammenhang mit dieser ungerechtfertigten Kündigung von "Geld rausschinden" zu reden, ist absolut unangebracht!

Kommentar von qugart ,

Nein, ist es nicht. Und selbst wenn eine fristlose Kündigung nicht gerechtfertigt ist, was hat es dann mit einer Abfindung zu tun? Die steht einem aufgrund einer ungerechtfertigten fristlosen Kündigung nie zu. Wenn dann gibt es Schadenersatz aufgrund eines Vermögensschadens. Aber dabei ist es dann auch völlig unerheblich, ob der AN eine neue Anstellung hat oder nicht. 

Kommentar von Familiengerd ,

Deine Erwiderung hat doch mit meiner Anmerkung nichts zu tun!

Selbstverständlich gibt es keinen Automatismus bei Abfindungen, in Zusammenhang mit fristlosen Kündigungen schon einmal gar nicht!

Aber hier geht es um eine ungerechtfertigte fristlose Kündigung, gegen die der Arbeitnehmer (mit sicherem Erfolg) klagen muss, um bei Eintreten von Arbeitslosengeld keine Sperre zu erhalten. Und dann wird dem Arbeitnehmer - in Verbindung mit einem entsprechenden Antrag auf Auflösung des Arbeitsverhältnisses - vom Gericht eine Abfindung zugesprochen (siehe meinen anderen Kommentar an Deine Adresse!).

Das hat aber alles nichts damit zu tun, dass in diesem Fall Deine Formulierung "Hier nur Geld rausschinden zu wollen" mit ihren gegen den Arbeitnehmer gerichteten negativen Implikationen absolut ungerechtfertigt ist!!

Wie kommst Du denn auf "Schadenersatz"?? Das ist Unsinn: Wenn die fristlose Kündigung vom Gericht für unwirksam abgeurteilt wird, besteht das Arbeitsverhältnis weiter - ein Vermögensschaden ist dann nicht entstanden; wäre sie berechtigt, könnte der Arbeitnehmer auch keinen Schadenersatz geltend machen!

Kommentar von qugart ,

Hach....der Vermögensschaden kann entstehen, wenn eine neue Anstellung angenommen wurde, bevor festgestllt wird, dass die fristlose Kündigung nciht rechtens war.

Übrigens habe nicht ich das Geld oder eine evtl. Abfindung ins Spiel gebracht, sondern der Fragesteller in der Frage. Dort wurde vermutet, dass es nciht gut für die Abfindung wäre (aka man bekommt nix bzw. weniger) wenn man eine andere Anstellung hat.

Und das ist eben nicht der Fall, da es so eine Abfindung erst gar nicht gibt.

Die Frage nach dem "taktischen Verhalten" ist völlig obsolet. Das Verhalten (neue Anstellung annehmen oder nicht) beeinflusst in keinster Weise die Klage wegen der fristlosen Kündigung.

Das sind alles mehrere paar Stiefel, die da in einen Sack geschmissen werden.

Kommentar von Familiengerd ,

Übrigens habe nicht ich das Geld oder eine evtl. Abfindung ins Spiel gebracht, sondern der Fragesteller in der Frage.

Darum ging es auch überhaupt nicht, sondern einzig um die abwertende Formulierung "nur Geld rausschinden zu wollen"!

da es so eine Abfindung erst gar nicht gibt

Die wird es geben, wenn der von mir skizzierte Weg bei einer Kündigungsschutzklage beschritten wird!

Das Verhalten (neue Anstellung annehmen oder nicht) beeinflusst in keinster Weise die Klage wegen der fristlosen Kündigung.

Gegenteiliges hat auch niemand behauptet.

Dort wurde vermutet, dass es nicht gut für die Abfindung wäre (aka man bekommt nix bzw. weniger) wenn man eine andere Anstellung hat.

Und wegen der diesbezüglichen Unsicherheit wurde eben diese Frage gestellt - was völlig in Ordnung ist.

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community