Frage von tanner89, 82

Neue Arbeit. Wie sieht es aus mit Hartz IV Leistung?

Ich und meine Mum leben noch zusammen in einen Haushalt. Wir bekommen beide Hartz IV und jetzt könnte es zu einer Änderung kommen.

Ich möchte mich hier gerne Informieren wie das letzt laufen wird.

Wir bekommen jeweils beide knapp über 600€ Davon gehen halt Miete etc weg, damit uns der normale Regelsatz von 404€ noch bleibt.

Ich habe jetzt allerdings Chance auf eine Arbeit. Sicher ist dies noch nicht, da ich nächste Woche ein Vorstellungsgespräch habe, trotzdem würde ich mich schon einmal informieren darüber.

Ich würde wenn ich die Arbeit bekomme, etwas über 500€ verdienen. Nun weiß ich schon das dann das Jobcenter mein Geld kürzen wird bzw vlt sogar streichen wird. Doch wie stehen die Chancen das die Miete evt noch übernommen wird bzw teilweise übernommen wird.

Weil ich hätte mit der Arbeit etwas über 100€ Verlust dementsprechend und wenn ich dann die Miete bzw meinen Teil davon bezahlen würde, würde auch weniger übrig bleiben.

Würden die Chancen gut stehen das Jobcenter mein Mietanteil noch übernimmt und nur mein Regelsatz geschtrichen wird?

Wäre nett wenn ihr mich da etwas aufklären könntet. :)

LG

Expertenantwort
von isomatte, Community-Experte für Hartz IV & Jobcenter, 43

Wenn du auch 404 € Regelsatz bekommst und mit deiner Mutter alleine lebst,dann musst du ja schon min. 25 sein ?

Also,dir stehen dann auf dein Erwerbseinkommen Freibeträge nach § 11 b SGB - ll zu.

Das sind dann vom Bruttoeinkommen zunächst 100 € Grundfreibetrag,von 100 € - 1000 € Brutto 20 % und von 1000 € - 1200 € Brutto noch mal 10 % Freibetrag.

Diese Freibeträge werden dann addiert,theoretisch von deinem Netto abgezogen und ergeben dann das anrechenbare Einkommen und das wird auf deinen Bedarf angerechnet.

Beispiel : 

Dir stehen 404 € Regelsatz zu + dein Kopfanteil der KDU - Kosten der Unterkunft und Heizung ( Warmmiete ) von angenommen 226 €,dann würde die gesamte Warmmiete bei 452 € liegen,die anderen 50 % würden deiner Mutter zustehen.

Also läge dein Bedarf bei min. 630 € im Monat.

Jetzt würdest du angenommen 600 € Brutto verdienen und 470 € Netto auf dein Konto bekommen.

Du hättest dann von deinem Brutto erst mal deine 100 € Grundfreibetrag und von den übersteigenden 500 € ( 100 € - 1000 € Brutto ) stünden dir noch mal 20 %,also noch mal 100 € Freibetrag zu,der gesamte Freibetrag würde dann 200 € betragen.

Diese 200 € würden dann theoretisch von deinen 470 € Netto abgezogen,ergeben dann 270 € anrechenbares Einkommen,dass wird dann von deinen 630 € Bedarf abgezogen,ergibt eine Differenz von 360 € und diese würdest du dann jeden Monat als Aufstockung vom Jobcenter bekommen,solange sich dein Einkommen nicht verändert,musst du dann in der Regel jeden Monat durch eine Einkommensbescheinigung vom AG - ( Arbeitgeber ) und einen Kontoauszug nachweisen,auf dem der Eingang ( Zuflussprinzip ) deines Lohnes zu sehen ist.

Dann hast du deine angenommenen 470 € Netto vom AG - und bekommst noch deine Aufstockung von 360 €,hast dann also in diesem Beispiel 200 € mehr als ohne Arbeit.

Kommentar von tanner89 ,

Wow, das war jetzt mehr als verständlich. xD

Vielen, vielen Dank für deine Hilfe. Jetzt versteh ich das richtig.^^

Aber das ist wirklich gut. Dann brauch ich mir da wenigstens keine Sorgen machen. :)

Kommentar von isomatte ,

Bitte sehr !

Noch etwas zum evtl. Beginn deiner Beschäftigung.

Wenn du jetzt mal angenommen am 01.04.2016 deine Beschäftigung aufnehmen würdest,bekommst dein erstes Einkommen aber erst im Folgemonat auf dein Konto überwiesen,dann steht dir für den vollen Monat ( Zuflussprizip ) April dein ALG - 2 Bedarf wie gewohnt zu,auch wenn du da schon den ganzen Monat gearbeitet hast.

Du würdest in diesem Monat noch als voll bedürftig gelten.

Nur wenn du dein Einkommen dann noch im Monat April auf dein Konto bekommen würdest tritt eine Überzahlung ein,denn dann hast du ja zwei Geldeingänge gehabt und wenn du dann Ende März dein volles ALG - 2 für den April bekommen hättest,dann musst du das anrechenbare Einkommen zurück zahlen,dann hättest du einen Teil zu unrecht bezogen.

Das kannst du dann mit dem Jobcenter regeln und in Raten zurück zahlen.

Antwort
von petrapetra64, 15

Bei H4 werden Mietkosten und Unterhalt nicht getrennt und einzeln übernommen, es ist vielmehr so, dass H4 immer auch aufstockend gezahlt wird. D.h. dein Einkommen wird auf dein H4 angerechnet. Weniger als vorher kannst du somit nicht haben, Arbeit soll ja nicht bestraft werden, daher gibt es Freibeträge.

Bei 500 Euro netto gehen daher als Beispiel erst mal 100 Euro Freibetrag ab, von den verbleibenden 400 Euro stehen dir noch mal 20 % zu, 80 % werden angerechnet. D.h. in diesem Fall bekommst du 320 Euro H4 weniger, ca. 280 Euro H4 beommst du weiterhin.

Das Einkommen wird nach dem Zuflussprinzip angerechnet, d.h. es wird in dem Monat berücksichtigt, in dem du dein Geld bekommst. Beispiel: Du fängst am 1.5. an zu arbeiten, bekommst dein Geld aber erst am 15.6, dann kriegst du für Mai volles H4, erst im Juni gibt es weniger. Bekommst du aber dein Geld am 30.5, dann wird es auf Mai angerechnet, das bedeutet aber, da H4 ja am Monatsanfang gezahlt wird, dass du Anfang Mai dann nicht mal die Miete zahlen kannst, weil du erst am Ende des Monats Geld erhälst. Für diesen Fall solltest du Übergangsgeld beantragen für den Zeitraum.

Ein weiteres Problem ist, dass bei solchen Jobs das Einkommen oft schwankend ist (verschiedene Stundenzahlen). Daher wird im Vertrag kein klares Einkommen genannt. Das bewegt das Amt dazu, erst einmal ein sehr hohes Einkommen anzusetzen und dann gibt es erst mal vielleicht gar kein Geld mehr vom Amt oder nur ein paar Euros. Erst wenn du den Gehaltszettel hast und den kontoauszug, musst du das sofort dem Amt vorlegen und dann wird die Differenz berechnet und ausgezahlt. Du bekommst daher am Ende schon dein Geld, aber am Anfang kommt es auf alle Fälle zu starken Engpässen.

Ich kenne das von einem Bekannten, bei ihm wurden immer sehr hohe Schätzungen angesetzt, so viel hat er bei weitem nie erziehlt. Erst nach einigen Monaten mit Gehaltsnachweisen werden die dann herabgesetzt und angepasst, da wird es besser.

Kommentar von isomatte ,

Die Freibeträge auf Erwerbseinkommen berechnen sich nach dem Brutto,nicht vom Netto,da werden sie dann nur theoretisch abgezogen und ergeben dann das anrechenbare Einkommen !

Antwort
von beangato, 40

Ich würde Dir raten, mal in eine ALG-II-Beratungsstelle zu gehen. Dort kann man Dir bestimmt Auskunft geben.

Antwort
von Peppi26, 46

Du darfst 160 € zu verdienen, das bedeutet das Jobcenter zahlt dir dann nur noch 260€ im Monat!

Kommentar von beangato ,

Nö.

100 Euro sind frei. Alles, was darüber liegt, wird prozentual angerechnet.

Kommentar von tanner89 ,

Okay, danke dir. :)

Kommentar von isomatte ,

Du meinst sicher das ALG - 1 von der Agentur für Arbeit,da darf man in der Regel 165 € pro Monat ohne Anrechnung dazu verdienen,dazu kämen noch Aufwendungen wegen der Beschäftigung,wie z.B. Fahrkosten !

Beim ALG - 2 vom Jobcenter regen die Freibeträge der § 11 b SGB - ll.

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