Frage von Chouchama, 87

Nerv im Kreuzbein eingeklemmt - Becken wieder verdreht - was tun ohne Arzt?

Hallo liebe Community!

Ich bin 26 (w) und momentan sehr in Sorge wegen meinem Becken. Vor 4 Tagen in der Uni hat es plötzlich angefangen in meinem linken Unterrücken zu stechen, das ist mir passiert während ich ganz leicht gedreht für ca. 30 Minuten gesessen bin. Es war ein Gefühl als könnte ich nicht mehr sitzen und stehen, als würde es einfach nicht mehr stützen. In Panik bin ich dann nach Hause. Nun muss ich kurz meine Vorgeschichte aufrollen. Vor ca. 14 Monaten habe ich durch exzessives Yoga und zu langes Sitzen (habe 100-Stunden-Wochen geschoben..) anscheinend meine Skoliose so ausgereizt, dass sich mein Becken verdreht hat und mir so üble Schmerzen bereitet hat, dass ich das ganze Semester abbrechen musste, sogar dauernd Panikattacken bekommen habe und letztendlich von akutem Cervikal-Syndrom (die Anspannung ist also in den Nacken gewandert) für einige Monate niedergestreckt wurde. Es dauerte sehr lange bis überhaupt herausgefunden wurde, was ich hatte. In diesen ca. 5 Horror-Monaten bis dahin hatte ich nutzlose Physiotherapien, Wärmetherapien, Elektrotherapien, Medikamenteneinnahmen usw. - Bandscheibenvorfall wurde nach dem MR ausgeschlossen. Irgendwann fand ich einen Osteopathen, der die Schiefstellung meines Beckens erkannt hat und mich wieder 'eingerenkt' hat. Auch meinen Oberrücken und den Nacken hat er mitbehandelt, aber dieses Problem blieb weiterhin bestehen und wurde nur sehr langsam besser. Das Nackenproblem bleibt bis heute ein großes Thema, da ich, wenn ich nicht mindestens jeden zweiten Tag wirklich Sport mache (also nicht nur dehnen, es braucht auch Cardio, sehr viel Muskeltraining in allen Regionen) solche Nackenversteifungen bekomme, dass ich mich fast übergeben muss und das Kopfweh unerträglich wird. Da helfen keine Schmerztabletten und auch keine Muskelrelaxanzien. Jedoch konnte ich mit dem Sport (was mich natürlich auch sehr gestresst hat, weil man manchmal einfach keine Zeit hat) ein einigermaßen normales Leben führen, solange ich keine zu schweren Sachen trage, etc.

Mein größtes Problem ist grad, dass ich ziemlich weit weg von zuhause bin und den Ärzten, die mich betreut haben. Ich lebe gerade in Tokyo und ich habe ehrlichgesagt keine Lust, meine monatelange Arzttirade hier auch noch einmal zu absolvieren und mein Semester wieder abbrechen zu müssen. Ganz zu Schweigen davon, dass hier ganz viele andere Methoden verwendet werden.

Ich möchte nun also so gut es geht einmal alleine damit klar kommen und wissen, was ich machen darf, und was nicht. Ich werde noch eine Woche abwarten, ansonsten werde ich wohl oder übel einen Heimflug organisieren müssen.

Da mein Nackenproblem schon wieder sehr schwerwiegend war, hab ich am besagten Tag, wo es wieder aufgetreten ist, noch einmal eine Sportsession eingelegt. Auch gestern Abend habe ich nochmal Gymnastik gemacht. 3 Nächte habe ich mit starken Muskelrelaxanzien geschlafen, aber keine Besserung.

Soll ich Sport tunlichst vermeiden oder nicht? Danke!

Antwort
von TailorDurden, 45

Hallo Chouchama,

ich brauch Dir wahrscheinlich nicht erklären, dass hier keine zwei User unterwegs sind, die diese Situation besser einschätzen können als Du selbst. Aber ich verstehe Deine Lage, in der wohl jeder auch nach Strohhalmen greifen würde.

Ich kenne mich sogar sehr gut mit Gelenkstellungen und Schmerzen durch Falschbelastungen aus, aber weiß daher auch, wie extrem komplex der Körper funktioniert. Und Du bist hierbei auch zusätzlich ein schwieriger Fall. Dementsprechend verkneife ich mir da lieber jeden Tipp. Alles bis auf Cannabis, was ich Dir vorgeschlagen hätte, machst Du ja sowieso schon. Und Drogen in Tokyo sind eine eher schlechte Idee :D haha

Ich möchte Dir hier insofern nur ans Herz legen, dass Du das ganze bitte nicht als riesen Katastrophe ansehen und jetzt nicht zu viel von Dir erwarten solltest. Natürlich ist das extrem bes******, aber gerade jetzt muss Dein Körper einfach wieder Priorität 1 bekommen. Eventuell auch mit anderen Ärzten.

Ich würde auch in Tokyo nochmal einen Arztbesuch machen. Falls Dir Behandlungsmethoden nicht zusagen oder Du das Gefühl hast, sie fangen wirklich wieder von ganz vorne an, dann brich eben ab. Der Rückflug steht Dir jederzeit als Option offen.

Insgesamt solltest Du Dir in den nächsten Jahren zur Aufgabe machen, herauszufinden, was mit Deinem Körper passiert. Achte darauf, in welchem Setting die Schmerzen kommen, ob Du davor Sport gemacht hast, wieviel und wie Du gesessen bist, was/wieviel Du gegessen hast, und auch, wieviel Stress Du in der Situation um Dich hattest.

Den Stress solltest Du bei Deinem vollen Terminkalender nie unterschätzen. Wie sah es denn mit Schmerzen während Deinem letzten, wirklichen Urlaub aus oder hattest Du soetwas schon lange nicht mehr? Ich kann mich an meine zwei letzten Uni Jahre erinnern, da habe ich auch über 70Std-Wochen gehabt. Ich ging zusätzlich noch 4 mal in der Woche ins Fitness und war aber dank guter Ernährung etc knappe 4 Jahre nicht mehr krank geworden.

Durch den hohen Stressfaktor hat mein Körper irgendwann einfach kapituliert. Immer mehr kleine Verletzungen kamen im Training, meine Laune wurde immer schlechter - ich stand wohl kurz vor einem Burnout. Dann wurde ich auch permanent krank, hatte ebenfalls schnell überall Schmerzen und musste erstmal ungewollt in den Rückwärtsgang schalten.

Ich will hier nicht über mich erzählen, aber eine Berechtigung für folgenden Vorschlag bringen: Nimm Dir eine Auszeit! Lass das Semester Semester sein (glaub mir, ich weiß, wie blöd und schwer das ist) und mach in Tokyo vor allem Urlaub anstatt durchzulernen. Dieses halbe Jahr wirst Du Dir irgendwann danken. Mach Dir selbst keinen Druck, sondern lass jetzt mal alle Ansprüche fallen, entspann Dich und gönne Dir Luft.

Viel Glück und Gesundheit in der Zukunft!

Kommentar von Chouchama ,

Danke für deinen ausführlichen Kommentar!

Und ja, haha, Drogen sind hier keine gute Idee, da kann ich gleich ausreisen ;) helfen dem Problem aber auch nicht beim Ursprung.

Mein größtes Problem ist wirklich, dass ich mir keine Auszeit nehmen kann. Also vom Sport, wegen meinem Nacken. Ich bin nicht sicher, wie ich damit jetzt verfahren soll.

Und natürlich ist auch das mit dem 'lass das Semester Semester sein' wieder leichter gesagt als getan, weil ich mein Visa und mein Stipendium verliere und dann 12.000 Euro zurückzahlen muss, das ist schon ein Batzen :D Aber gut. Manchmal geht es natürlich nicht anders. Ich habe mittlerweile eh schon eine ganz andere Einstellung zu dem Ganzen und werde auch abbrechen, falls es wirklich nicht anders geht. Mein Körper hat seit dem mir das letztes Jahr passiert ist durchgehend Priorität Nr. 1, so ist es jetzt ja nicht.

Viel schlimmer ist allerdings der Stress, den mein Körper mir ohnehin schon macht. Seit einigen Wochen bin ich wirklich wieder ins Burnout und die Depression gerutscht (meine ersten 4 Monate hier waren auch einfach nur Hölle, mit Krankheiten, die ich nicht kannte, unerwarteten Allergieschocks und damit Essenstrauma, Hörsturz, etc.). Ich habe extreme Probleme hier mit dem Essen und der Sport, den ich gleichzeitig mag und brauche, und das Timing mit dem Essen, das stresst mich alles fast zu Tode. Dazu kommen Einsamkeit, die ich vorher nicht kannte, usw ... also ich hatte ja schon das Gefühl, dass so ein Einsturz wieder vorprogrammiert war. Ich bin psychosomatisch sowieso extrem anfällig, aber wie du auch sagtest, konnte ich meine dauernden Krankheiten trotz hohen Stressfaktors durch den Sport recht gut unterbinden.

Ich versuche wirklich alles was geht, um mich zu entspannen und mir diese 'Auszeit' zu gönnen, auch während die Uni und die Arbeit nebenbei extrem stressig sind. Ich arbeite daran seit Jahren und kenne zum Glück auch viele Techniken, wie ich mich psychisch wieder aus meinem Loch befördern kann. Mit dem Stress, den mein Körper mir aber verursacht, weiß ich oft nicht umzugehen. Ich kann natürlich auch Japan nicht genießen, wenn ich schon wieder nicht einmal einkaufen gehen kann vor Schmerzen.

Ich weiß auch nicht ganz, was ich jetzt tun soll. Still liegen und chillen oder Übungen machen? Falls ich den Sport heute sein lasse, werde ich morgen durch den Nacken niedergestreckt. Also irgendwie hab ich keine Wahl - ich will nur wissen, ob ich wirklich nicht drauftrainieren darf/soll. Eventuell kann ich meine Übungen ja auch so abschwächen, dass sie den Unterrücken möglichst nicht belasten.

Kommentar von BaluDerTanzbaer ,

Cannabis kann gerade bei stressbedingten Situationen durchaus helfen. Aber das ist ja nun nicht von Bedeutung :D

Den Sport würde ich an Deiner Stelle sowieso weitermachen. Schlecht ist er bestimmt nicht und er schafft ja auch einen gewissen Ausgleich zu Deiner sonstigen Arbeit. Schau doch mal, ob Du da in einen Verein oder so gehen kannst, damit Du Trainingspartner findest. Du kannst heute ja zumindest ein bisschen Yoga-Übungen  und autogenes Training machen.

Ist Dir eigentlich bewusst, was Du da gerade erzählst? Ich fasse mal zusammen:

  • Zeitlich komplett ausgelastet
  • Alleine im Ausland ohne Sozialkontakt
  • Sehr starke körperliche Beschwerden
  • Stetige Angst vor einem Zusammenbruch und Schmerzen
  • Selbst Alltagsaufgaben fallen zunehmend schwerer
  • Sehr oft krank und etliche Stresssymptome
  • Finanziellen Druck durch das Stipendium "im Nacken"
  • Essstörungen und nahe an der Depression


Ich kenne niemanden, der das lange aushalten würde und will gar nicht wissen, wieviel Kraft Du gerade aufwenden musst, um das durchzuhalten. Dir ist hoffentlich bewusst, das Stress jegliches Schmerzwahrnehmen enorm verstärkt und in manchen Fällen sogar auslösen kann.

Die 12.000€ sind natürlich wirklich etwas heftig, aber ich bin mir auch sicher, dass man da krankheitsbedingt etwas anders regeln kann. Darüber würde ich mich auch mal schlau machen. Du hättest ja auch dort noch gute zwei Monate, oder?

Du steckst gerade in einer enormen Überbelastung, falls Dir das nicht bewusst ist.

Kommentar von Chouchama ,

Danke für deine liebe Antwort!

Ich muss sagen, es macht mich sogar grade etwas stolz, das zu hören. Meine Liste wäre eventuell noch länger, aber das will ich jetzt nicht ausweiten :D Wahrscheinlich fällt mir das alles nicht immer so auf, weil mein Leben irgendwie immer schon nicht das einfachste war und das meiste bin ich sogar irgendwie 'gewöhnt' ... was natürlich schrecklich ist, aber manchmal dauert es eben auch viele Jahre um an sich zu arbeiten. Viele Probleme habe ich auf Dauer gelöst aber es kamen auch neue hinzu. Ins Ausland zu gehen undmeinen Traum zu verfolgen war eine meiner größten Ängste, denen ich entgegentreten wollte. Ich will ja auch wieder zurückkommen, ich muss nur meinen Master in Wien vorher abschließen. Es sind jetzt noch gute 4 Monate hier in denen ich forschen muss/will, mein Japanisch pushe und mir meinen Berufsweg ebnen will.

Natürlich weiß ich aber schon, in welcher Lage ich mich befinde. Und ich wundere mich selbst auch immer wieder drüber, was ich eigentlich hier so vollbringe. Ich habe mir unter all diesen Umständen ein Leben von Null aufgebaut und hatte dann nur noch mehr Probleme, körperlich und psychisch. Das macht
mich schon auch stolz, das bisher geschafft zu haben :)

Es ist auch nicht so, dass ich gar keinen Sozialkontakt habe. Das war am Anfang wirklich recht schwer, aber das war ein Problem, das ich nie hatte und mit dem ich nicht gerechnet habe. Ich hätte sogar mittlerweileschon wieder zu viele Optionen, aber es kostet mich meistens zu viel Energie, die ich dann sparen muss um zur Uni zu gehen und zu arbeiten. Ich habe hier mehr gelernt als alles andere, was es heißt, mit eigenen Ressourcen sorgfältig umzugehen und die Zeit zu managen, die man zur Regeneration braucht. Ich brauche halt meistens sehr viel :D

Aber ich weiß auch, dass das die beste Option war, die ich hatte. Mein Leben in Österreich ist genau so stressig in vielerlei Hinsicht, ich bin ja nirgends 'befreit' von alledem, also zumindest so lange ich weiterhin mein Ziel verfolge. Darum renne ich auch nicht dem Wunschtraum nach, dass es zuhause wieder 'besser' wird. Eher im Gegenteil, ich weiß ja schon, was auf mich zukommt. Ich könnte jetzt auch beim Aldi an der Kassa anfangen und aufs Land zurückgehen, aber naja - ich glaube nicht, dass mich das glücklich machen würde und das artet dann auch nur wieder in einer Lebenskrise aus.

Da ich nun schon wirklich sehr krasse Probleme hatte versuche ich natürlich alles was ich kann, um meinem innerlichen Stress mal Herr (oder Herrin) zu werden. Es hat lange gedauert einzusehen, dass meine meisten körperlichen Beschwerden an meiner Psyche bzw. am Dauerstress festhängen. Und natürlich dann auch wieder meine Psyche negativ beeinflussen. Schrecklich dieser Kreislauf. Aber ausbrechen ist schwer wie du sicher weißt :)

Danke für deinen Rat! Ich habe dann auch mein Yoga und mein Pilates gestern weitergemacht und danach ging es mir besser. Ich versuche es trotzdem nicht zu übertreiben und mal nur das Nötigste zu machen, damit ich schmerzfrei bleibe (zumindest im Nacken).
Glücklicherweise habe ich jetzt herausgefunden, dass es hier in Tokyo auch Osteopathen gibt! An die werde ich mich mal
wenden, bevor ich einen Flug buche. Das wäre das nächste was zu dem herankommt, was ich schon kenne. Neue Behandlungsmethoden sind für den Körper ja auch wieder stressig, also versuche ich jetzt nicht zu viel auszutesten und zu doktorn.

Ich bin den ganzen Tag am Recherchieren und hab Uni und Arbeit mal gecancelt, damit ich mich voll drauf konzentrieren kann, wieder auf den Dampfer zu kommen. Finanziell wurde ich jetzt zum Glück abgesichert, aber es hängt ja auch mehr an
meinem Studium hier als nur das Geld (auch mein Stolz um es mal so zu sagen :D).

Danke jedenfalls, ich freue mich wirklich, dass ich hier so liebe Antworten bekomme :)



Kommentar von BaluDerTanzbaer ,

Hallo Couchama,

falls Dir das etwas bringt, können wir gerne ab und zu ein wenig schreiben. 90% von dem, was Du erzählt hast, passen auch haargenau zu meinem Leben und ich hab mir langsam gute Strategien beigebracht, wie ich um die Runden komme. Du ja anscheinend auch. Vielleicht kann man sich da gegenseitig ein bisschen Tipps geben und motivieren :D

Wenn Dir abends mal langweilig sein sollte, kannst Du mir gerne schreiben. Ich schicke Dir mal eine Freundschaftsanfrage.

________________________________

Hört sich alles sehr vernünftig an, was Du da schreibst. Dann wünsche ich Dir vorerst mal, dass die Schmerzen sich in Grenzen halten und Du gut durch die Tage kommst. Versuch, die Zeit auch zu genießen und zu entspannen, wo es nur geht.

Bis dann, Balu

Antwort
von Steffile, 49

warum suchst du nicht einen Chiroprakten in Tokio auf? Wer weiss, vielleicht hilft der sogar besser als der in D?

Kommentar von Chouchama ,

Auch normale Chiropraktiker konnten mir damals nicht helfen und es wurde mir davon abgeraten mich den eher rabiaten Techniken, die hier Gang und Gebe sind, zu unterziehen. Noch dazu kann es ewig dauern bis ich einen gefunden habe, und wird im Endeffekt so viel wie ein Flug nach Hause kosten (ich bin übrigens aus Österreich). Das ist ja nichts, wo man einmal hingeht und damit ist es getan. Das kann sich wieder über Wochen oder Monate hinziehen und bis dahin sitz ich schon wieder zu tief in der Depression, muss dauernd Schmerzmittel nehmen und die Uni abbrechen. Das ist nicht wirklich eine Option für mich.

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community

Weitere Fragen mit Antworten