Frage von ilprincipe, 117

Neigen viele Deutsche zu Fremdenfeindlichkeit?

Mit ''Fremden'' meine ich in erster Linie, völlig unabhängig von Religionszugehörigkeit, Menschen nichteuropäischer Herkunft, die in Deutschland leben, also Menschen die andersartig aussehen. Ob sie nun als Flüchtlinge, oder Gastarbeiter - deren Nachkommen bereits oft gut integriert oder sogar assimiliert sind - nach Deutschland kamen, spielt ebenfalls keine Rolle. Ich unterstelle mit dieser Frage auch nicht, dass Deutsche per se Xenophob sind, denn dann wäre ich es ja ebenfalls – ich bin nämlich Deutscher. Ich bin auch kein Anhänger der Antifa-Bewegung oder sehe mich sonst als Anhänger irgendeiner Ideologie (Diese Rechtfertigunsketten sind lächerlich, oder?)

Insbesondere seit aufkeimen der Pegida-Bewegung (Hauptauslöser war die sogenannte Sharia-Polizei m.E.) und der Flüchtlingskrise im Spätsommer 2015, hat sich diese Situation verschärft. Hinzuweisen sei hier nur auf die Hasskommentare in den sozialen Netzwerken und Angriffe auf Asylbewerberheime. Sicher bin ich mir der Integrationsprobleme bewusst. Ghettoisierung in Ballungszentren, radikal-fundamentalisitische Muslime, Kriminalität und Leistungserschleichung u.v.m. (letzteres verüben auch Deutsche oder ethnische Europäer), oder der Vorfall in der Silvesternacht von Köln, jedoch rechtfertigen diese längst nicht diesen Alltagsrassismus, der latent immer da ist. Das sind Probleme der Gegenwart, die nur zum verkappten Fremdenhass beitragen – ich möchte wissen, wo dieser ursprünglich verankert ist.

Ein Grund für Fremdenfeindlichkeit oder chronische Angst vor Fremden in z.B. Ostdeutschland und Osteuropa dürfte klar sein – das ist unter anderem eine Ausgeburt des eisernen Vorhangs. Auch ist es eine menschliche Eigenschaft Angst vor Fremden Dingen zu haben und Angst verwandelt sich wohl gerne in Hass. Was glaubt ihr, ist der Grund für die Disposition zu Fremdenfeindlichkeit in Deutschland, völlig unabhängig von Religion oder Kultur, sondern lediglich für biologische Fremdenfeindlichkeit?

Antwort
von michi57319, 56

Ganz ursprünglich geht es um archaische Verteidigung der Resourcen.

Das ist das tief verwurzelte Gefühl, welches Menschen dazu treibt, Angst vor anderen und Anderem zu haben. Dabei ist es egal, ob es eine Rentenreform, eine Flüchtlingkrise, oder eine Naturkatastrophe ist.

Allen gemein ist das Problem, daß möglicherweise, nicht de facto, zukünftig weniger zum Leben vorhanden ist.

Der Kampf um überlebenswichtige Resourcen stellt sich in unserem Land zwar nicht, aber es gibt so unglaublich viele archaische Verhaltensmuster beim Menschen, die sich über Jahrmillionen von Jahren erhalten haben.

Antwort
von PurpurSound, 28

Nur mein wichtigster gedanke dazu: würde deutlicher gemacht, dass es beim asylrecht grundsätzlich um "asyl" geht, also um vorübergehende (!) schutzsuche, dann würde in den köpfen vieler menschen nicht die (wohl in jedem volk in vergleichbarer situation verständliche) angst entstehen "um gottes willen, wir werden dauerhaft überrannt!".

Das ist kein typisch deutsches problem sondern wäre überall anders genauso!!

Es sollte andererseits für jeden asylsuchenden der wunsch ganz selbstverständlich sein, nach befriedung des eigenen landes in die heimat zurückzukehren und am aufbau mitzuwirken. 

Antwort
von napoloni, 31

Ja, viele Deutsche neigen dazu. Solange sie mit ihrer Meinung anecken, bleiben sie an ihren Stammtischen versteckt. Aber das Internet ist ein nahezu rechtsfreier und anonymer Raum, da trauen sie sich ans Licht. Und mit AFD und Pegida sogar an die Öffentlichkeit. Ein allein deutsches Problem ist das aber nicht.

Fremdenangst ist EIN Grund. Fremdenangst hab ich aber sicher auch. Wenn jemand meine Sprache spricht (nicht nur sprachlich, sondern auch "sozial" gemeint), fühle ich mich sicher. Wenn jemand von Sprache, Habitus und Gestik für mich nicht verständlich ist, kann ich ihn hingegen nicht einordnen.

Das Ausgrenzen anderer Gruppen entsteht aber irgendwie mehr beim Eingrenzen einer eigenen Gruppe. Wenn zwei Leute eine Gruppe bilden, können sie am besten eine Gemeinsamkeit finden, indem sie einen Dritten außerhalb der Gruppe abwerten. Und jeder der beiden fühlt sich dadurch gut.

Dieses System funktioniert besonders bei weniger gebildeten und unterdurchschnittlich erfolgreichen Menschen. Die versammeln sich dann gerne gemeinsam an ihren Stammtischen, verfluchen die rückständigen Afrikaner aus dem Busch, schimpfen über die Banker, die schuld daran sein müssen, dass die Stammtischleute am Stammtisch und nicht an der Reviera sitzen. Und gegenseitig klopfen sie sich auf die Schulter und vergewissern sich gegenseitig, was für tolle Kerle sie sind. Neulich waren sogar zweitausend davon in Stuttgart.

Antwort
von Maybespecial, 50

Ja leider sind da einige noch so eingestellt.. vorallem ältere Menschen beurteilen andere nach deren Herkunft oder Religion..

Kommentar von KevinGrafMerkel ,

das wurde schon vor 30 jahren immer behauptet, dass es die älteren wären

die sind aber jetzt tot und jetzt sind die die älteren, die es damals behauptet hatten

wie funktioniert das?

Kommentar von Maybespecial ,

Also ich habe im Beruf viel Kontakt zu Menschen und habe solche Erfahrungen gemacht. Auf der Arbeit kommt oft das Thema auf wenn mal wieder etwas in der Zeitung stand und die Leute natürlich gleich verurteilen weil eine Tat von einem Ausländer ausgeübt wurde (stecken alle in die selbe Schublade) Da muss nur ein Ausländischer Mann mit Frau und Kind vorbeilaufen und dann  haben welche schon etwas an den Personen auszusetzen. Oft schimpfen dann eher die 40- 80 Jährigen über sowas. Muss ja nicht gleich heißen das nur die ältere Altersgruppe was zum aussetzen hat :)

Antwort
von Dachtichsmir, 23

Gerade in Deutschland oder den ehemaligen souveränen Staaten im Deutschen Reich ist nationale Einheit seit dem beginnenden 19. Jahrhundert sowohl ein großes Thema, als auch ein erstrebenswertes Ziel.  Das wurde auf unterschiedliche Weise auch erreicht, namentlich monarchistisch, faschistisch und demokratisch.

Jetzt streitet aber nationalistisches oder patriotisches Gedankengut mit Globalisierung. Merkwürdigerweise stößt ausgerechnet da fremdes Denken auf Unverständnis bis Ablehnung, wo es das Problem am wenigsten gibt, nämlich in den Beitrittsgebieten.

Auf der anderen Seite kann das Problem nur durch Integration behoben werden, obwohl auf beiden Seiten, sei es aus politischen oder religiösen Gründen, eine solche nicht nur nicht gewollt, sondern im Gegenteil abgelehnt wird.

Ein positives Signal wird über den Sport gesetzt. Wer ist denn kein Patriot, wenn Özil, Khedira, Klose, Podolski, Can u.v.a.m. für Deutschland gewinnen? 

Antwort
von barfussjim, 11

Ich glaube, dass rassistische Einstellungen und Ausländerfeindlichkeit in Deutschland weniger verbreitet sind als in vielen europäischen Nachbarstaaten. Auch, wenn es sie in Teilen der Bevölkerung gibt.

Antwort
von PeVau, 35

Ich habe da zwei Artikel für dich, die dir die eine oder andere Antwort liefern.

vom Januar letzten Jahres
http://www.hintergrund.de/201501093374/politik/inland/die-grosse-aggressionsvers...

relativ neu
http://www.heise.de/tp/artikel/47/47975/1.html

Antwort
von ChristopherH, 56

Ich denke entstehende Differenzen werden von oben bestärkt.

Es ist so weil es so sein soll! Sorry

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