Frage von Melonenbowle, 132

Nehmen Endstufe oder Boxen Schaden wenn die Boxen erst nach dem Einschalten der Endstufe angeschlossen werden?

Hallo!

Ich will das heftige "Einschaltploppen" an den Boxen verhindern. (kurzzeitige Übersteuerung/Spitze an den Boxen beim Einschalten der Endstufe welche sich als heftiger "Plopp" (Bass) und "Knack" (Hochtöner) bemerkbar macht)

Gänging sind dafür Einschaltverzögerungsschaltungen. So eine Einschaltverzögerung macht doch nichts anderes als die Boxen erst nach einigen Sekunden an die Endstufe "anzuschließen"(Relais), oder? Kann ich also stattdessen einfach einen Schalter in jedes Boxenkabel einbauen? Oder (wenn dem nicht so ist) nehmen Boxen oder Endstufe u.U. Schaden, wenn ich diesen Schalter benutze? ("Abschalten" natürlich immer erst wenn die Endstufe wieder Aus und heruntergefahren ist.)

Falls relevant: Es handelt sich um eine Skytec SPL Endstufe, die Boxen passen Ohm/Leistungs/Frequenzmäßig dazu.

Möglicherweise hat jemand die gleiche Endstufe und kennt das Problem nicht, dann ist meine eventuell defekt(?) Oder hat das Problem anders gelöst (?)

Herzlichen Dank vorab!

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von dalko, 64

Hallo Melonenbowle,

Nehmen Endstufe oder Boxen Schaden wenn die Boxen erst nach dem Einschalten der Endstufe angeschlossen werden?

Nein, sie nehmen keinen Schaden.

Das Einschaltploppen, von dem du sprichst, liegt an einer Asymmetrie in den Betriebsströmen einer Gegentaktendstufe direkt nach dem Einschalten des Verstärkers.

Normalerweise ist das Signal am Endstufenausgang frei von Gleichspannung, aber leider nicht direkt nach dem Einschalten. Diese Gleichspannung verschwindet erst, sobald sich die Arbeitspunkte der Treiber- und Endstufentransistoren stabilisiert haben.

In vielen Endstufen sind deshalb Relais und eine elektronische Schutzschaltung eingebaut, die den Ausgang erst dann auf den Lautsprecher durchschaltet, wenn die Gleichspannung bei Null Volt liegt. Sollte im Betrieb eine Asymmetrie mit Gleichspannung auftreten, reagiert diese Schutzschaltung und schaltet das Relais. Die Verbindung zu den Lautsprechern wird unterbrochen, damit die Schwingspule des Tieftöners nicht extrem aus der Ruhelage ausgelenkt wird und das Basschassis dabei zerstört wird.

Diese Schutzschaltung gibt es als Bausatz oder Fertigmodul, um Endstufen damit nachzurüsten.

Wenn du einen Schalter verwenden willst, um damit das Relais zu ersetzen, kannst du das machen. Die Schutzfunktion vor unerwünschter Gleichspannung im Betrieb kannst du natürlich mit einem Schalter nicht erreichen, denn zuerst wirst du es laut krachen hören, du erschrickst und rennst zum Schalter...in der Zeit ist das Basschassis bereits zerstört.

Ein manuell betätigter Schalter hilft beim Einschaltgeräusch, kann aber nicht vor Gleichspannungsanteil am Ausgang während des Betriebs der Endstufe schützen.

Wenn du nach diesen Begriffen "lautsprecher schutzschaltung schaltplan" oder "lautsprecher schutzschaltung bausatz" googelst, findest du jede Menge Bilder von Schaltplänen oder fertig aufgebauten Modulen, über die du zu den Foren oder Anbietern gelangst.

Hier ein paar Links passend zum Thema. Alle folgenden Links nach dem ersten sind von mir verändert worden, da man bei GF nur einen Link posten darf. Ersetze das von mir vorangestellte x durch www und kopiere den Link in die Adresszeile deines Browsers und alles funktioniert wieder.

http://www.elektronikinstitut.de/lautsprecherschutzschaltung.html

x.rotgradpsi.de/mc/etc/saveamp.html

x.hifi-forum.de/viewthread-71-4077.html

ein preiswertes Modul

x.amazon.de/Lautsprecher-Schutz-Einschaltverz%C3%B6gerung-ELEKTRONIK-BAUSATZ/dp/B009UT15V0

x.velleman.eu/products/view/?id=9233&lang=de&country=ch

x.ebay.de/itm/Velleman-Bausatz-K4700-Lautsprecher-Uberlast-Schutz-Schaltung-DC-Gleichspannung-/321933656608?hash=item4af4bdc220:g:CBsAAOSwNphWWe0j

Ich würde die paar Euro für einen Bausatz oder ein Modul ausgeben, der Einbau in einen Verstärker ist nicht sehr schwierig. Wenn du noch Fragen hast oder Hilfe benötigst, kannst du dich gerne melden.

Grüße, Dalko

Kommentar von Melonenbowle ,

Danke!

Super Antwort wo keine Fragen offen bleiben!

Ich werde nun die Schalter Option nutzen, bis mein Bausatz ankommt :) ...denn den Schalter vergisst man dann doch mal oder ein Scherzkeks probiert unter Volllast dran herum...

Antwort
von dalko, 37

Hallo Melonenbowle,

Ich schreibe noch eine zweite Antwort anstelle eines Kommentars, denn ich befürchte, dass niemand mehr antwortet.

Wenn du den Bausatz erhalten hast, kommt nur noch die Anpassung der Versorgungsspannung für das Modul auf dich zu.

Verschiedene Möglichkeiten je nach Bausatz und Verstärker:

Es kann sein, dass du im Verstärker bereits passende Spannungen findest, dann wäre die unten beschriebene zusätzliche Spannungsversorgung überflüssig.

Wenn du im Verstärker nur zu hohe Gleichspannungen findest, muss mit 1 oder 2 Linearreglern eine Spannungsanpassung erfolgen:

http://www.loetstelle.net/projekte/doppelnetzteil/doppelnetzteil.php

Ich habe dir eine Doppel-Spannungsversorgung gezeigt, die symmetrische +- 12 V erzeugt, es kann aber auch sein, dass du nur eine Spannung zur Versorgung des Moduls benötigst. Welcher Spannungsregler-Baustein verwendet wird, hängt ebenfalls von der benötigten Versorgungsspannung ab und was dir an Spannung im Verstärkernetzteil angeboten wird.

78xx und 79xx sind die Spannungsregler, 78xx steht für positive Ausgangsspannung, der 79xx für die negative Ausgangsspannung. die beiden xx stehen für den Spannungswert. Benötigst du +12 Volt, dann lautet die bezeichnung 7812, für z.B. -18 V wäre es dann ein 7918-Baustein.

Melde dich, wenn es an den Einbau geht und du Hilfe benötigst.

Grüße, Dalko

Kommentar von Melonenbowle ,

Wieder Super Tipps! Danke danke!

Meine Lösung ist nun folgende, nachdem ich dank Deiner Hilfe alle Unsicherheiten beseitigt habe:

Ich habe im Wesentlichen dies nach gebaut http://www.thel-audioworld.de/module/dc30/dc30.htm , für meine Zwecke um 1 Kanal/Relais reduziert.

Ich habe es so konstruiert, dass ich dazu die ES nicht öffnen oder irgendwie beschädigen musste: Ich habe die Verzögerungsschaltung mit einer schaltbaren Steckdosenleiste kombiniert und alles in eine Kiste verpackt. Von außen sieht man an der Kiste: den Ein/Aus-Schalter, das Stromkabel für den Netzanschluss, 4 mal 5mm Klinkenbuchsen (je L/R zu den Boxen und von der ES) und eine Steckdose für den Netzanschluss der ES. Den Netzschalter an der ES habe ich (im Ein-Zustand) vor der Betätigung Geschützt (Deckel).

Im Nachhinein finde ich diese Konstruktion optimal weil man die ES problemlos ersetzen könnte. Eine Verzögerung von <3 Sekunden ist auch besser, da die VZ-Schaltung schon "zu ticken beginnt" wenn der Trafo in der ES noch aufläd. Ich geh da lieber gern auf Nummer sicher.

Funktioniert tadellos, nur die "Kiste" besteht momentan noch aus einem Brett und Heißkleber. Das werde ich über die Feiertage noch optisch und vor allem sicherheitstechnisch und transportierbar verbessern.

Bis dahin, frohe Feiertage!

Kommentar von dalko ,

Vielen Dank für den Stern. Du hast dir eine gute Lösung ausgedacht. Dieses externe Kästchen mit der ES kannst du mit allem kombinieren, wo du eine verzögerte Signaldurchschaltung benötigst, eine wirklich gute Idee.

Das Modul ist mit einem eigenen Netzteil ausgestattet, was ich auch sehr gut finde, denn der Aufwand ist mit Ausnahme des kleinen Trafos eigentlich geringer und es funktioniert vollkommen eigenständig.

Das Relais ist mit einem Kontakt-Widerstand von 0,006 Ohm angegeben, was sich ganz gut anhört. Wenn man aber eine Relais dieser Qualität verwendet, das noch einen weiteren, unbeschalteten Kontaktsatz hat und die Kontakte parallel schaltet, halbiert sich dieser schon sehr niedrige Durchgangswiderstand auf 0,003 Ohm und eine sehr gute Endstufe behält somit ihren hohen Dämpfungsfaktor.

Noch ein Hinweis. Kombiniere bitte diese ES nicht mit einer Röhren-Endstufe, denn sie mag es nicht, ohne Last mit der richtigen Abschlussimpedanz betrieben zu werden.

Ebenfalls schöne Feiertage und viel Spaß beim basteln.

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