Buchfink am 17.04.2009 um 22:31 Uhr
Seitdem am Ostermontag im ZDF-Kinderfernsehen "Pippi in Taka-Tuka-Land" lief, liegt mir mein fünfjähriger Neffe damit in den Ohren, dass er gerne Negerkönig in der Südsee und Pirat sein will, wenn er mal groß ist.
Eigentlich sind solche Kinderphantasien ja kein großes Problem. Allerdings regen sich die politisch korrekten Eltern der anderen Kindergartenkinder schon darüber auf, dass er mit Stolz morgens vor der ganzen Meute sein Mohrenkopfbrötchen präsentiert und dies sogar Mohrenkopfbrötchen nennt (!). Die Eltern meines Neffen bekommen ohnehin schon genug Rüffel von diesen Gutmenschen-Eltern bei Elternabenden. Was kommt erst auf seine Eltern zu, wenn er nach den Ferien von Negerkönigen und Piraterie erzählt?
Wie redet man diesen Berufswunsch einem Fünfjährigen aus? Nicht nur, dass er Pirat werden will. Er schwärmt auch davon "König von Negern" zu werden.
Kann man die aktuelle Situation am Horn von Afrika, bei der schwarze Piraten von den Militärs gejagt werden, und die damit verbundenen Konjunkturprobleme der Piraterie, einem kleinen Jungen begreiflich machen, sodass dieser Berufswunsch unattraktiv für ihn sein wird? Und wie redet man ihm den Begriff "Neger" aus?
Bild/er:

Ich würde nicht panisch versuchen, Ihm den Begriff "Neger" auszureden - was man forciert macht es in dem Alter noch viel interessanter.
Du kannst allerhöchstens sagen, das das ein ganz altes Wort ist, das man heute nicht mehr benutzt, kein grosses Gedöns drum machen.
Diess politisch korrekt sein ist sowieso das albernste, was Gutmenschen zustandegebracht haben: Keine Negerküsse mehr, das Bilderbuch "10 kleine Negerlein" heisst jetzt "10 kleine Kinderlein" - und diejenigen, die es eigentlich "betrifft" finden es sowieso albern...

Ich würde das nicht so eng sehn. In diesem Alter ist die Begeisterung bestimmt schnell wieder abgeflaut. Was die anderen Eltern sagen wär mir egal. Wer andere anprangert will doch meist von den eigenen Schwächen und Fehltritten ablenken. Außerdem kann man ja erklären warum der kleine Negerhäuptling werden will. Pipi kennt doch jeder, und haben viele von den Eltern bestimmt selber geguckt.
Buchfink am 17. April 2009 22:39 Seine Eltern haben damit auch kein Problem. Aber diese "gerne empörten Eltern" der anderen Kinder, beschweren sich schon bei der Kindergartenleitung.
RolfHoegemann am 17. April 2009 22:40 Lass sie sich einfach beschweren - wenn sie keine grösseren Probleme haben.... Also ich finde diese Reaktion dieser Gutmenschen albern....

Es ist ganz normal, dass Kinder in dem Alter solche ausgefallenen Berufswünsche haben. Und ich finde es schlimm, dass andere Eltern sich darüber aufregen, dass er sein Mohrenkopfbrötchen auch so nennt! Die Eltern des Jungen, sollten sich ein dickes Fell anschaffen u. diese Eltern ignorieren. Natürlcih kann man dem Kind das erklären. Aber ich weiß nicht, ob ich das als Mütter möchte? Mein Gott, dass Kind hat wenigstens noch Phantasie u. das ist doch toll. Ich bin noch in einer Zeit großgeworden, da nannte man Schokoküsse auch noch Negerküsse oder Mohrenköpfe.
Buchfink am 17. April 2009 22:41 Phantasie ist ja auch etwas Feines, aber diese anderen Eltern lassen anscheinend keine Gelegenheit aus, sich künstlich über etwas aufzuregen.
kiramarie am 17. April 2009 22:47 Die muß man halt lassen. Die hat man überall.Ist leider so. Und du hast recht: Phantasie ist etwas wunderbares.

Mal ganz ehrlich: Ich finde Neger noch immer besser als Farbiger. Farbig heißt für mich bunt, und weder dunkel- noch hellhäute Menschen sind BUNT!!!!
Saahira am 19. April 2009 12:14 Korrekt wäre z.B. stark pigmentiert;-)
kiiwii am 6. Mai 2009 17:26 Super Kommentar! Hab mir gerade vorgestellt, wie meine Mutter wohl gucken würde, wenn ich frage: Mama, darf ich dir meinen neuen, stark pigmentierten Freund vorstellen?
d.h.
bunt= grün,rot gestreift mit lila flecken ;D

Ich finds lustig.. xD
Buchfink am 17. April 2009 22:36 Auf den ersten Blick mag dem auch so sein, allerdings finden es seine Eltern wenig amüsant.

Ich finde es ja absolut übertrieben, dass man nicht mehr Neger sagen soll. Die Bezeichnung sagt ja nichts über die Einstellung aus. Etwas anderes ist das Wort "Nigger" - das ist als Beschimpfung gedacht. Ebenso ist es mit Zigeunern - da gibt es wunderbare Zigeunerlieder - . Den begriff "Neger" kann manvdem Kleinen so erklären, dass es die meisten Menschen lieber haben wenn man "XY" sagt. Man kann ihm sagen, dass es viele solche Dinge gibt, die man besser anders benennen sollte, weil die Erwachsenen das nicht alles verstehen. So etwa würde ich das tun, dann ergibt sich ein Wort in das andere. Sein berufswunsch, den wird er sicher wieder bald ablegen und Pilot oder sowas werden wollen.
Buchfink am 17. April 2009 22:43 Gut, der Berufswunsch ist ja schon fast zweitrangig. Es geht wirklich um den Negerkönig.
Ich habe als Kind auch "Pippi Langstrumpf" gelesen und sage heute noch "Mohrenkopf", ohne dass ich rassistisch veranlagt wäre.
Hier geht es nur um die Eltern der anderen Kindergartenkinder.
maspick am 17. April 2009 23:18 Aber man kann sich doch nicht derart unterdrücken lassen. Ich meine, wenn einer sagt, er sei "neger", dann regt sich doch auch keiner auf. Was ist mit dem "kleinen Schwarzen", den man in Wiener Kaffeehäusern bestellt, dazu einen "Mohr im Hemd" - man kann es als sog. Gutmensch auch überteiben.

Nun ich würde ihm einfach beibringen sich politisch korrekt auszudrücken. Der Rest ist eine nette Kinderfantasie und die sollte ihm gelassen werden. Die Ausdrucksweise ist allerdings wirklich extrem grenzwertig und sollte deshalb von den Erziehungsberechtigten berichtigt werden und dies schleunigst. Es ist wirklich total unkorrekter Ausdruck der auch schockiert finde ich.
Buchfink am 18. April 2009 13:31 Im norwegischen Rundfunk wurde der Begriff Negerkönig aus schon zu König gekürzt.
Ich persönlich halte diesen Begriff für harmlos, dennoch verbirgt er enormes Konfliktpotential.

Zeig ihm einen anderen Film. Ganz egal was. Er wird sich dafür begeistern und den "Negerkönig" vergessen. Warum? Kinder sind dumm und schnell zu beeindrucken.
Buchfink am 17. April 2009 23:17 Nachdem er The Big Lebowski sah, wollte er unbedingt "White Russian" trinken.
Rede das mal einem Fünfjährigen aus.
Buchfink am 17. April 2009 23:20 Ups, da habe ich doch gleich meine ironische Zwinkergiraffe vergessen zu verlinken.
http://www.creatif-beschriftung.de/Bilder/giraffe_zwinker.gif
maspick am 17. April 2009 23:19 Kinder sind dumm ? Ich finde Kaffeesatz nicht gescheit.
Kaffeesatz am 17. April 2009 23:24 Das kratzt mich nicht ansatzweise. White Russian ist nur hilfreich, sollte es sich um ein ADS Kind handeln.
Saahira am 19. April 2009 12:13 Kinder sind so dumm wie ihre Eltern sie halten bzw. Kinder haben wohl Intelligenz und die kann
um vieles höher sein als deine;-) Ihnen fehlt nur anfangs das nötige Wissen und die Erfahrungen. Antworten wie deine "Kinder sind Dumm" zeugen von mehr Dummheit als jedes Kind intus hat:-(traurig solche Äusserungen zu lesen)
Sehr geehrte Herren sie wollen doch wohl nicht an meiner kindlichen Intelligenz zweifeln nur weil ich ein Kind binn; das wäre nämlich nicht korekt! P.S.: Ja Kinder können auch so reden als hätten sie einen Stock im A***
Laut der Medienpädagogik können Kinder mit 5 Jahren noch nicht so genau zwischen Realität und Fiktion unterscheiden, d.h. sie halten Filme unter Umstände für real.
Vielleicht sollte man zusammen mit dem Neffen besprechen, was ihm denn an dem "Negerkönig" so gefällt und welche Eigenschaften davon er gerne hätte.
Ich finde es normal, dass ein Junge Interesse an Piraten zeigt. Ich denke wir alle hatten als Kinder unterschiedliche Vorbilder, Ideen und Wünsche für die Zukunft.
Was ich beruflich schon alles werden wollte und wie gern ich eine Hexe oder Fee gewesen wäre (Prinzessin Fantaghiro zum Beispiel) oder Ronja Räubertochter.... Das gehört zur Entwicklung dazu und ist doch in Ordnung.
Man kann dem Neffen versuchen deutlich zu machen, dass Begriffe wie "Negerkönig" früher benutzt werden durften, mittlerweile aber als Schimpfwort gelten.
Vielleicht hilft die Auseinandersetzung mit anderen Astrid Lindgren Büchern um den Unterschied zu heute deutlicher zu machen (Sprache).
Es gibt da eine Sammlung von Geschichten in nem Struwwelpeter Buch. Da geht es in verschiedenen Kurzgeschichten z.B um Max und Moritz. In einer Geschichte kommt ein "pechschwarzer Mohr" vor. Als ich das einem Kind vorlesen sollte, musste ich schon ziemlich schlucken. Eine Kollegin hat das Buch in den Müll geworfen, weil es laut ihr Nazi-Gedankengut enthält.
Also ich finde, jeder sollte selbst entscheiden, was er vertreten kann und was nicht.
Die Bezeichnung Mohrenköpfe ist naja, ziemlich befremdlich. Dickmann ist ja auch nicht so toll.
Viele nennen das jetzt Schaumkuss, ich finde das passt. Man kann es auch übertreiben.
Eines unserer Kinder wurde als Neger beschimpft und fand das ziemlich verletzend.
Ich finde die Themen Aussehen und Andersartigkeit sind einfach Tabuthemen und stoßen immer irgendwen auf.
Ich selbst weiß oft auch nicht, welche Begriffe ich noch verwenden soll. Vielleicht bräuchte man mal neue und einhaltliche mit den betreffenden Menschen formulierte Begriffe...
Buchfink am 6. Mai 2009 16:41 Tut mir leid, dass ich diese überaus gelungene und zeitintensive Antwort jetzt erst würdige, aber ich wurde leider nicht per E-Mail über diese Antwort informiert und sah hier nur zufällig herein.
In unserem weiteren Bekanntenkreis ist ein Halb-Ghanaer, der auch den Begriff Mohrenkopf verwendet (auf einer Geburtstagsfeier durften wir dies erfahren).
Wohl weil er weiß, dass es sich um einen alten Begriff handelt, findet er es okay und benutzt ihn auch.
Das Wort "Narr" gibt es heute ja auch nur noch im übertragenen Sinne.
Hofnarren sind heute nicht mehr in der Form existent, aber dennoch wird auf diesen Begriff zurückgegriffen.
Was diesen Jungen angeht, so hat sich die Situation kaum gebessert.
Immer noch ist er fasziniert von Piraten, wobei der Posten des Negerkönigs in den Hintergrund gerückt ist.
Aber Wilhelm Busch Nazi-Gedankengut zu unterstellen, ist wirklich übertrieben.
http://www.literaturkritik.de/public/rezension.php?rez_id=6369
wie wär´s ihm einfach zu erklären dass er kein Negerkönig werden kann weil man dazu eine dunkle Hautfarbe braucht?
Buchfink am 6. Mai 2009 15:56 Moment! Er weiß schon, dass ein Negerkönig über Neger herrscht und selbst keine sein muss. Astrid Lindgren sei "Dank".
"10 kleine Negerlein" heisst jetzt "10 kleine Kinderlein"
Sind wir schon soweit? Das höre ich heute zum ersten Mal. Nun ja.
Dein Rat wäre also, den Begriff "Neger" als weniger modern (hipp, in, cool...) zu präsentieren, sodass der Junge automatisch auf den Begriff "dunkelhäutig" zurückgreift?
Ja - ist m.E. am unverfänglichsten, ich finde man muss Kinder nicht mit diesem Problem der Gutredner irritieren.
Und das mit dem Bilderbuch habe ich zufällig bei einem Antiquariat gesehen - ich dachte auch mich reissts.... Da waren beide Bücher nebeneinander abgebildet...
Hierr findest Du die "politisch korrekte" Version:
http://www.weltbild.de/3/15588488-1/buch/10-kleine-kinderlein.html?wea=8002019
Übrigens - hier findest Du, wenn Du magst eine Übersicht über historische Ausgaben dieses Buches - ganz niedlich gemacht:
http://members.aon.at/zeitlupe/zehnkleine.html
Und wegen dem Tara, was wegen diesem Bilderbuch gemacht wird - gib nur mal "10 kleine Negerlein" in eine Suchmaschine ein - da kommen Dinge, kann ich dir sagen.....
Astrid Lidgren wurde ja auch einmal gebeten, den "Negerkönig" anders zu nennen - auch später ihre Erben - aber da liess sie sich nicht drauf ein...
Ganz im Gegensatz zu den Erben Agatha Christies - der Krimi wurde umbernannt in "...da war es nur noch eins"
Diese Links sind wirklich gut.
Informativ und humorvoll gestaltet.