Frage von Rngnrn, 24

Nebensilbenabschwächung in der Deklination von Adjektiven?

Bei der Abschwächung der Vokale in unbetonten Silben beim Übergang vom Alt- zum Mittelhochdeutschen wurden diese in den meisten Fällen zum Schwa reduziert. Allerdings habe ich bei der Deklination der Adjektive einen Fall entdeckt, in dem dies nicht zutrifft - die Endung -iu bei der weiblichen Endung im Nominativ Singular erfüllt das Kriterium offensichtlich nicht. Ebenso habe ich bei genauerem Überlegen bemerkt, dass in einigen Dialekten eine ähnliche Endung ebenfalls noch existiert, d.h z.B im Rheinfränkischen, in dem der "ü-Laut" nicht existiert bzw. dort mit "i" wiedergegeben wird, in selber Situation die Endung -i benutzt wird. Meine Frage ist, wie es zu dieser Ausnahme in der Abschwächung kommen konnte bzw wann und auf welchem Wege das (Früh?)Neuhochdeutsche diese "ausgebessert" hat

Ich bedanke mich für Antworten!

Antwort
von OlliBjoern, 13

Interessant, aber ich weiß es leider auch nicht. Nenne mal Beispiele für die Endung -iu (ahd./mhd.) und für das -i (Rheinfränkisch). Vielleicht fällt mir dann noch etwas dazu ein.

Kommentar von Rngnrn ,

Gerne!

Ein rîchiu kuneginne, frou Uote ir muoter hiez. (Nibelungenlied, 1. Âventiure)

Wenn ich das jetzt im Rheinfränkischen sagen will, hieße das so (ob es eine normierte Schreibweise dafür gibt, weiß ich nicht; ich schreibe das jetzt nach Gutdünken):

Frau Ute, e reichi keenigin, hat ihr Mudder gehääs. 

- Frau Ute, eine reiche Königin, hieß ihre Mutter.




er hôrte sagen maere, wi ein schoeniu meit

waere in Burgonden  (Nibelungenlied, 3. Âventiure)


Er hat e Geschi(s)cht geheert, dass e scheeni Meid (Fraa) 

in Burgunde wär 


Er hörte eine Erzählung, dass eine schöne Meid in Burgunden wäre (sei) 

Kommentar von OlliBjoern ,

Ok, danke. Ich teile die Beobachtung, insofern scheint es da offenbar eine Verschiebung iu > i gegeben zu haben (und nicht nach iu > e (Schwa)). Oben steht ja auch nur "in den meisten Fällen".

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