Frage von Hannahfee, 107

Nebenjob trotz Hartz IV?

Hallo,

ich möchte nach der Schule, also in einigen Monaten, ein Auslandsjahr machen. Das ist ja nicht so ganz billig und daher gehe ich nebenbei arbeiten. Eine Freundin ist auch sehr an einem Auslandsjahr interessiert, möchte aber nicht, dass ihre Eltern dies bezahlen. SO nun zur Frage:

Da ihre Familie Harz IV bezieht, darf sie ja nur bei einem 400€ Job relativ wenig behalten. Weiß jemand, wieviel genau?

Denn wenn sie am Ende mehr als die Hälfte abgeben muss, dann ist das ja nicht so viel, was übrig bleibt.

Wenn sie ca. nur für 200€ arbeitet, wieviel müsste sie dann abgeben bzw. wann würde sich das überhaupt lohnen?

Ich wäre echt froh, wenn sie auch genug verdienen könnte und mit kommen kann..

Vielen Dank

Expertenantwort
von isomatte, Community-Experte für Geld & Hartz IV, 25

Ab dem 15 Lebensjahr gelten die Freibeträge auf Erwerbseinkommen nach § 11 b SGB - ll - diese berechnen sich aus dem Brutto,werden dann theoretisch vom Netto abgezogen und ergeben dann das anrechenbare Einkommen,dieses wird dann auf ihren Bedarf angerechnet,also von den Leistungen abgezogen die ihre Eltern für sie bekommen !

Sie hat dann zunächst die 100 € Grundfreibetrag,von 100 € - 1000 € Brutto stehen ihr 20 % Freibetrag zu und von 1000 € - 1200 € Brutto noch mal 10 % Freibetrag.

So blieben z.B.bei 450 € Brutto wie Netto 170 € Freibetrag,dass würde auf jeden Fall ihr gehören und die 280 € wäre dann das anrechenbare Einkommen,dies würde dann den Eltern von ihrem Bedarf abgezogen,dass muss sie dann aus dem Einkommen wieder zusteuern oder sie findet eine andere Vereinbarung mit den Eltern.

Dann würde sie sicher noch zur BG - ( Bedarfsgemeinschaft ) ihrer Eltern gehören,denn der Regelsatz ab 18 Jahren würde dann 324 € betragen unter 18 ab 14 dann 306 € und da würden die 280 € anrechenbares Einkommen ohne das Kindergeld von 190 € ihren Bedarf ja nicht decken und die Eltern müssten noch eine Aufstockung für sie bekommen.

Sie muss dann nämlich auch aufpassen was sie auf dem Konto anspart,solange sie noch zur BG - der Eltern gehört,sie darf dann nicht mehr als 3100 € + einmalig 750 € für notwendige Anschaffungen auf dem Konto haben,also gesamt nicht mehr als 3850 €.

Dann sollte sie immer rechtzeitig vorher etwas abheben und zuhause liegen lassen.

Erst wenn sie soviel anrechenbares Einkommen hat,dass sie ihren Bedarf aus eigenem Einkommen decken kann,ist sie aus der BG - der Eltern raus,dann kann sie auf dem Konto haben was sie möchte,die Eltern bekommen dann nichts mehr für sie und sie muss dann ihren Kopfanteil der KDU - und alles was sonst noch durch die Personen im Haushalt geteilt werden muss zahlen,der Rest ist dann ihre.

Antwort
von DerSchopenhauer, 30

"Wissensdurst84":

""Eure Denkweise ist falsch"

Das ist ein völlig richtig -die Regierungen haben es nicht geschafft, den Bürgern die richtige Denkweise zu vermitteln, bzw. sie ist im besitzstandswahrenden Betreuungs- und Fürsorgestaat Deutschland verlorengegangen und die falsche Denkweise wird durch den Staat sogar gefördert:

Grundsätzlich gilt:

Jeder soll, sofern er in der Lage ist, seinen Lebensunterhalt selbst verdienen; reicht das nicht aus, um das Existenzminimum zu sichern, zahlt die Allgemeinheit etwas drauf - das ist völlig in Ordnung.

Es wird einem daher nichts weggenommen, sondern die Aufstockung wird
geringer, weil man selbst seiner Eigenverantwortung für sich und seine
Familie (teilweise) nachkommt.

Die von "kevin1905" erwähnten anrechnungsfreien Beträge und die Form des Anrechnungsverfahrens sind die Basis, daß der Staat die falsche Denkweise sogar fördert.

Psychologisch ist es völlig falsch, einem Leistungsbezieher durch die Anrechnungspraxis den Eindruck zu vermitteln, daß ihm vom Verdienst etwas weggenommen wird, sondern es muß auch für den Leistungsbezieher klar erkennbar sein, daß zusätzlich zum Einkommen aufgestockt wird.

Das Verfahren, wie Einkommen angerechnet werden, ist also völlig falsch
konzipiert; es muß nichts angerechnet werden oder von der Anrechnung
freigestellt werden, sondern der gesamte Verdienst muß als Grundlage
genommen werden, um eine Aufstockung festzulegen.

Die Bescheide müssen anders strukturiert werden; die Austockung sollte als klar und einfach ausgewiesener Betrag, je nach Höhe des Einkommens, festgelegt werden bis ein Extistenzminimum erreicht ist (das sollte übrigens angehoben werden) - dann würde auch ein Umdenkprozeß eingeleitet werden.

Aber man kann den Eindruck gewinnen, daß der Staat zwanghaft möglichst viele Bürger in eine Sozialleistungsabhängigkeit bringen aber auch halten möchte; wer auf staatliche Leistungen angewiesen ist, kann besser kontrolliert werden
und auf den kann man Druck ausüben, um zu verhindern, daß jemand
"aufmüpfig" wird - denn wer Bittsteller ist, muß sich beugen.

Das ganze führt in vielen Fällen zu dieser sogar vererbbaren Mentalität:

Ich habe Bedürfnisse und Wünsche - die erste Frage ist oft: Welche staatliche Stelle finanziert mir das?

Wieviel darf man behalten: siehe "kevin1905"

Kommentar von DerSchopenhauer ,

Ich plädiere dafür, sämtliche Sozialtransfers und Sozialversicherungen weitgehenst abzuschaffen und das bedingungslose Grundeinkommen für alle Bürger (von Geburt bis zum Tod) einzuführen.

Das führt zu höheren Gehältern und zu besseren Arbeitsbedingungen und fördert die Eigenverantwortung und die Selbstbestimmung der Bürger.

Antwort
von kevin1905, 50

Da ihre Familie Harz IV bezieht, darf sie ja nur bei einem 400€ Job relativ wenig behalten. Weiß jemand, wieviel genau?

Alles.

Allerdings wird das Einkommen auf die Sozialleistung angerechnet. die ersten 100,- € sind anrechnungsfrei. Alles drüber wird zu 80% auf ihren Bedarf angerechnet. Wenn sie die 450,- € voll ausreizt, hätte sie effektiv ca. 170,- € mehr im Monat zur Verfügung (§ 11 SGB II) als ohne Arbeit.

Antwort
von anti45, 42

http://www.gegen-hartz.de/nachrichtenueberhartziv/536596981d09ab201.php

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