Frage von ProteinHans, 30

Nebenjob Kündigung, Urlaubstage?

Guten Morgen ;)

Ich kündige demnächst meinen Nebenjob. Bin da 6 Monate.
Habe bisher keinen Urlaub genommen.
Die Frage, man kann sich doch auch hier den Urlaub auszahlen lassen, oder?

Antwort
von Familiengerd, 15

Die Frage, man kann sich doch auch hier den Urlaub auszahlen lassen, oder?

Schlicht und einfach: Ja!

Du hast auch gegen Deinen Nebenjob-Arbeitgeber einen Urlaubsanspruch - ganz "normal".

Wenn Du diesen Nebenjob kündigst und der Dir zustehende Urlaub ganz oder teilweise bis zum Ende der Kündigungsfrist nicht mehr genommen werden kann, dann (und nur dann) muss der Arbeitgeber Dir Deinen Urlaub auszahlen.

Grundlage ist - wie beim Hauptjob - das Bundesurlaubsgesetz BUrlG § 7 "Zeitpunkt, Übertragbarkeit und Abgeltung des Urlaubs" Abs. 4:

Kann der Urlaub wegen Beendigung des Arbeitsverhältnisses ganz oder
teilweise nicht mehr gewährt werden, so ist er abzugelten.


Wenn das Arbeitsverhältnis im Nebenjob länger als 6 Monate bestanden hat und in der 2. Jahreshälfte endet, hast Du Anspruch auf den gesamten vereinbarten Jahresurlaub, mindestens aber - wenn vertraglich eine anteilige Berechnung bei unterjährigem Ausscheiden vereinbart worden ist - auf den gesetzlichen Mindesturlaub (Du hast dann allerdings in diesem Kalenderjahr keinen Urlaubsanspruch mehr gegen einen neuen Nebenjob-Arbeitnehmer - es sei denn, Dein Urlaubsanspruch bei ihm wäre höher als beim jetzigen).

Das ergibt sich aus dem BUrlG § 4 "Wartezeit" in Verbindung mit § 5 "Teilurlaub" Abs. 1, ist einheitliche Rechtsmeinung und durchgängige Rechtsprechung.

Kommentar von ProteinHans ,

Sehr hilfreich! Vielen Dank! Kannst Du mir in etwa die Berechnung erklären? Ich sollte 10 Stunden die Woche arbeiten, so im Vertrag. Kann man daraus irgendwie die Tage berechnen?

Kommentar von Familiengerd ,

Der Urlaubsanspruch richtet sich nach der Anzahl der wöchentlichen Arbeitstage.

Ausgangspunkt ist der gesetzliche Anspruch (BUrlG § 3 "Dauer des Urlaubs") von 24 Werktagen im Kalenderjahr. Werktage sind alle Tage, die nicht Sonn- oder Feiertag sind; der Anspruch entspräche also einer 6-Tage Woche; bei einer 5-Tage-Woche wären es 20 Arbeitstage, bei einer 4-Tage-Woche 16, bei einer 3-Tage-Woche 12, bei einer 2-Tage-Woche 8, bei einer 1-Tag-Woche 4 (grundsätzlich immer 4 Wochen Mindestanspruch).

Wenn Du in der bisherigen Zeit eine unregelmäßige Zahl von Wochenarbeitstagen hattest, dann musst Du - um diese Berechnung kommst Du dann leider nicht herum - ausrechnen, wie viele Tage Du durchschnittlich wöchentlich gearbeitet hast.

Beispiel:

Du arbeitest mal 1 Tag, dann wieder 2 oder 3 Tage wöchentlich. In den letzten 6 Monaten (26 Wochen; der Umrechnungsfaktoren Monate in Wochen - oder umgekehrt - ist 4,35) hast Du an 50 Tagen gearbeitet, ergibt im Durchschnitt 1,92 Wochenarbeitstage.

Daraus ergibt sich ein Urlaubsanspruch (ausgehend vom gesetzlichen Anspruch) von 7,68 = 8 Urlaubstagen (Ansprüche von mehr als 0,5 Tagen müssen auf einen ganzen Tag aufgerundet werden, wenn man Urlaub nimmt; es bleibt dann aber bei 7,68 Tagen, wenn Urlaub abgegolten werden muss).

Übrigens hast Du denselben Grundurlaubsanspruch wie die übrigen Arbeitnehmer im Betrieb. Wenn Vollzeitkräfte also z.B. 30 Arbeitstage Urlaub haben, gilt dieser Anspruch auch für Dich als Berechnungsgrundlage.

Kommentar von ProteinHans ,

Vielen Dank, das war sehr hilfreich.

Kommentar von Familiengerd ,

Gerne geschehen!  :-)

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